Das kindliche Leben ist erfüllt von verschiedenen magischen Figuren, manche rein in der Fantasie, andere greifbar nahe. Sie sind aufgeladen mit verschiedenen Mythen und Ideen und viele davon sind mehr als verzichtbar. 
Wie man dennoch Traditionen aufrecht erhalten kann, ohne den Kindern damit zu drohen und wo man Magie durchaus nützen darf, darum geht’s heute am Blog. 

WO DER SPASS AUFHÖRT

Zugegeben. Ich bin in mancher Hinsicht befangen. Als ich Teenagerin war, hatten unsere Turnlehrer die ach so witzige Idee, eine Schar Krampusse (ich vermute, es waren unterbelichtete Jugendliche) in der Turnhalle auf uns loszulassen. Sie haben tatsächlich feste ihre Ruten auf uns peitschen lassen, bei einem Fluchtversuch stürzte ich und scherte mir meine Schienbeine kräftig auf, konnte mich dann auf das Klo retten und wurde selbst dorthin von einem geistreichen Maskenträger verfolgt, der unter der Klotür noch die Rute durchschob. Es war alles andere als lustig, dabei war mir zu dem Zeitpunkt natürlich längst bekannt, dass sich darunter einfache (im wahrsten Sinn des Wortes) Burschen verstecken, die einfach nur verkleidet Mist bauten und Gewalt anwandten.

DER ECHTE NIKOLAUS

So oder so ähnlich wie es mir damals ging, denke ich, geht es auch heute noch vielen Kindern, wenn Eltern nicht nur Krampus (das ist ja echt die Härte uns absolut indiskutabel) sondern auch Nikolaus oder Christkind dafür einsetzen, Kinder unter Druck zu setzen. Zumal das ja nicht bei Teenagern gemacht wird, sondern bei viel jüngeren Kindern, die eben noch nicht unterscheiden können, ob das nun eine „Verkleidung“ ist oder „echt“!

Nur so zur Erklärung: in meiner Zeit als Elementarpädagogin hat sich der Nikolaus vor den Kindern sein Gewand angelegt (um zu zeigen, dass wir das nur im Andenken an diesen Heiligen tun) und hinterher waren sich die Kinder einig: der „echte“ Nikolaus war bei uns gewesen! 😉

ZWISCHEN FASZINATION & VERANTWORTUNGSLOSIGKEIT

Was für die einen faszinierend und eine schöne Tradition ist, die sie nicht missen möchten, ist für andere Kinder der blanke Wahnsinn. Sie fürchten sich vor den riesigen Gestalten in ihrem außergewöhnlichen Gewand und auch wenn diese noch so friedlich erscheinen, können sie bei manchen Kindern heftige Ängste auslösen. Ein Kind hat sich hier mal, während der Nikolaus da war, tatsächlich groß in die Windeln gemacht. Ich brauche an dieser Stelle nicht erklären, was das zu bedeuten hatte. Gerne würde ich diese Situation ungeschehen machen und im Nachhinein manches korrigieren. Doch vieles haben wir auch gut gemacht in all diesen Jahren, wo die Kinder diese Figuren so faszinierend fanden. Denn die Verantwortung für was auch immer gaben wir nie in die Hand solcher Wesen und Gestalten.

ZWISCHEN SCHWÄCHE & GLAUBWÜRDIGKEIT 

  • „Du musst brav sein, das Christkind fliegt schon und schaut dir zu!“ 
  • „Da kommt der Krampus, wenn du nicht machst, was ich sage!“
  • „Der Nikolaus erfährt alles, wirst schon sehen!“

Mit solchen Sätzen machen es sich Eltern scheinbar leicht und zwingen ihre Kinder, ihren Vorstellungen und Wünschen zu sprechen. Und vor lauter (Ehr-)Furcht, Angst und Zweifel kooperieren Kinder weit über die Zumutbarkeitsgrenze hinaus. Doch der Schein trügt. Eltern schwächen sich mit solchen Aussagen. Sie schwächen ihre Kompetenz, ihre Glaubwürdigkeit und vor allem ihre Beziehung und Bindung zum Kind, denn es heißt ja indirekt: „… und ich lasse zu, dass das geschieht!“ 

Sicherheit geht verloren, Vertrauen auch und die Freude sowieso.

Was also tun? Wenn man Traditionen liebt und sie den Kindern auch nicht vorenthalten will? Wieviel Ehrlichkeit brauchen Kinder? Wo sind die Grenzen dieser magischen Wesen?

Hier hab ich drei Tipps für Eltern, die das gut angehen möchten.

TIPP 1: NEVER EVER DROHEN

Das Wichtigste von allem ist tatsächlich, Figuren wie Nikolaus, Zahnfee, Krampus, Osterhase, Christkind oder weiß der Kuckuck wen, niemals als Drohgebärde zu verwenden. Es ist schlecht. Punkt. Schlecht für Eltern und schlecht für die Kinder. Hört auf damit. 

Wenn Kinder sich nicht ohnehin fürchten, tun sie es bestimmt nachher, auch wenn sie oft scheinbar noch so cool zurück schmettern „… macht mir eh nix!“

Ihr Eltern seid stark genug, ihr wollt starke Kinderselbstbewusste dazu und das ist wirklich das letzte, was ihr damit erreichen werdet, wenn ihr droht: „Da kommt aber ….. !“ 

TIPP 2: BEOBACHTEN, WAHRNEHMEN & INTERPRETIEREN

Allezeit drei wichtige Kompetenzen, die Eltern brauchen. Schau auf dein Kind: will es den Nikolaus wirklich sehen? Oder reichen Geschichten und ein still und heimlich gefundenes Sackerl mit Brief völlig aus? Was erzählt es darüber? Wie ist seine Körpersprache? Was kannst du als Elternteil wahrnehmen und beobachten? 

Und danach komme ins Interpretieren und versuche, eine Lösung für dein Kind zu finden. Manche Kinder freuen sich unfassbar, wenn sie den Nikolaus sehen oder angreifen dürfen. Manche sind echt coole Socken und plaudern locker-lässig mit diesen magischen Figuren. Wenn aber auch nur der Anflug von Ängstlichkeit vorhanden ist, dann sollte man nachdenken:

  • Wird mein Kind dadurch gestärkt?
  • Wird mein Kind dabei ernst genommen?
  • Wird mein Kind dadurch besser gesehen?
  • Bekommt es Hilfe, wenn es Abstand, Rückzug oder Schutz braucht?

Und gib dir selbst die Antwort, ob es das wirklich braucht, solche Personen einzusetzen.

Es kann kaum einheitliche Lösungen für große Kindergruppen geben, so nebenbei angemerkt.

TIPP 3: MAGIE RICHTIG NÜTZEN

Es ist immer ein wenig Magie im Spiel, wenn wir von Nikolaus, Christkind, Osterhase, Weihnachtsmann oder so sprechen – und diese Magie kann durchaus genützt werden. Und zwar weit besser, als wir das manchmal tun. 

Kinder sind im Kindergartenalter (und oft weit darüber hinaus) sehr empfänglich für magische Ideen und auch ich nütze dieses Alter, um Kinder mit Magie zu stärken, wenn ich Kinder coache. In der Praxis sind das dann Mutsteine, Kraftmurmeln oder Zaubergriffe, die dem Kind die Möglichkeit geben, in die Handlungsfähigkeit zu kommen und den Glauben an sich zu stärken. 

Wenn schon Nikolaus, dann bitte in das „goldene Buch“ ausschließlich positive Botschaften reinschreiben, worauf das Kind stolz ist, Anerkennung zollen, es aufbauen, bewundern. 
Wenn schon Zahnfee, dann bitte als Mutmacherin. 
Wenn schon Christkind oder Weihnachtsmann, dann als positive, bestärkende Instanz nicht als bestrafender, ewig beobachtender Erziehungshelfer.

Nütze Magie und die Vorstellungskraft um dein Kind GROSS zu machen, um ihm Vertrauen zu schenken und es zu unterstützen bei herausfordernden oder zermürbenden Aufgaben. Alles andere kannst du getrost weglassen.

ZWISCHEN EHRLICHKEIT & DESILLUSION 

Kinder haben ein Recht auf magische Ideen, wie ich finde. Sie dürfen sich imaginäre Freundinnen zulegen, an die Zahnfee glauben und das Christkind bewundern. Wenn sie dich fragen: „Gibt es das wirklich?“ Dann halte es wie der fabelhaft schlechte Therapeut aus „Monsieur Claude und seine Töchter“, der immer dasselbe sagt, was in diesem Fall aber super passt: „Oh. Und du? Was meinst du? Aha. Und weiter?“

Das heißt soviel wie: Höre genau hin, das Kind zeigt dir, wie viel es wissen mag! Und du erfährst aus seiner Welt! Der Vorteil dabei: du wirst es nicht mit deinen Erklärungen überfordern, wenn du dich an ihm orientierst! Nur, wenn es explizit nach deiner Meinung fragt, äußere sie.

Ich fand folgende Sätze immer wertvoll:

„Gibt es den Nikolaus?“ – „Ja, das war ein Mann, der vor langer Zeit gelebt hat und Gutes getan hat, sodass wir heute noch an ihn denken und ihn feiern.“
„Gibt es das Christkind wirklich?“ – „Ja, das Christkind ist das Kind in der Krippe. Das Kind von Maria und Josef!“
„Bringt das Christkind die Geschenke?“ – „Hm. Was meinst du?“

Und pack all dein Fingerspitzengefühl aus, wenn du ins Gespräch gehst.

WENN DIE ZEIT REIF IST

Wenn Kinder aus dem magischen Alter eindeutig draußen sind und wissen wollen, was hinter dem Zauber von Weihnachten – neben dem Geburtstag von Jesus – noch versteckt ist, hat man verschiedene Möglichkeiten. Unsere Töchter bekamen damals von uns einen Brief zu Weihnachten, mit dem wir Eltern sie ins „Team Christkind“ geholt haben. Und der Jüngste spielt heuer wohl ein letztes Mal „Sherlock Holmes“ am Heiligen Abend, denn er will es heuer unbedingt selbst herausfinden, hat er letzten Sonntag gesagt. Wir werden ihm  diese Freude gönnen und mit einer kleinen Träne in den Augen auch ihm diesen Brief unterm Baum geben … und damit das letzte unserer Kinder hereinholen in unser magisches Weihnachtsteam. 


Du siehst also:

Magie kann wundervoll sein und bezaubernd, stärkend und inspirierend.
So dürfen und sollen wir sie nützen … empathisch, ehrlich und fasziniert: denn das tut auch uns Eltern gut!
Du bist meiner / anderer Meinung? Schreib mir gern in die Kommentare, wie du das Thema siehst!


Du könntest eine Vorlage für so einen „Team CHRISTKIND Brief“ brauchen?
Ich schenke dir unsere Formulierung weiter.
Verwende sie gern, wenn sie für dich stimmig ist!

Ja. bitte schick mir diesen Brief!

Für „kniffligere“ Fragen steh ich auch gern am MAMAtelefon zur verfügung! 
Unkomplizierte, rasche und individuelle Hilfe – ohne Termin, von daheim aus!
Lass mich dein Telefonjoker sein ;-).
(Abrechnung nach tatsächlicher Gesprächszeit, 1€ pro Minute)

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