“Ich halt das nicht mehr aus!”
“Was mache ich eigentlich falsch?”
“Warum sind die Kinder so gemein zu mir?”
“Ich könnt sie auf den Mond schießen!” 


Solche und ähnliche Sätze höre ich oft in meinen Beratungen und, ganz ehrlich: ich glaub, viele Mamas (und Väter) haben sie schon mal gesagt oder zumindest leise gedacht. Gerde jetzt, in einer Zeit, wo sich so viel zusammenstaut. Ich serviere dir heute andere Blickwinkel, neutrale Perspektiven ein paar winzige Lösungsansätze und ein Paket gute Worte.

DAMIT HABEN WIR NICHT GERECHNET

Eltern sein ist anstrengend. Nicht nur, aber immer wieder. Diese Erkenntnis hatte eine Mutter neulich bereits auf der Geburtenstation, als sie in der zweiten Nacht meinte: “Ja, schläft das Kind denn nie? Das ist ja furchtbar, ich halt das nicht aus!” Nach weniger als 72 Stunden also am Rande der Verzweiflung. Manchmal mag es ja zweifelsfrei an der schlechten Vorbereitung auf Elternschaft liegen (wofür es bekanntlich Abhilfe gibt). Manchmal gibt es aber auch andere Gründe, die Elternschaft schwierig machen oder uns an die Grenzen bringen. Und eins sei schon mal verraten: die Kinder und vor allem Säuglinge gehören nicht zu einer heimlichen Eltern-Stresstest-Kommission, die herausfinden will, wie hart man Eltern so strapazieren kann bis sie ausflippen. Und sie haben auch keinen Spaß daran.

Was hilft also, wenn man sich selbst in solch überfordernden Situationen wiederfindet?

Frage vieler elternteile

EIN NEUER BLICK AUF FAMILIE

Familienleben ist kein Ponyhof. Die oft idyllischen Bilder, die wir von Familie haben, stammen aus Büchern oder Vorstellungen wo teilweise bewusst (manchmal unbewusst) die dunkleren Seiten überblättert oder nicht vorgelesen wurden. Alles schaute so leicht aus, locker flockig ging den Darstellern der Alltag von der Hand, das schafft man mit links und einem Lächeln im Gesicht … denkt man.

Keine Frage: das Leben mit Kindern IST oft idyllisch, Familienharmonie ist ein sehr angenehmer, leichter Zustand, der auch wirklich existieren kann und es gibt viel mehr zu Bestaunen und Bewundern, als zu Bejammern. Doch immer wieder kommen wir unter die Räder, wenn es darum geht, das Besondere zu sehen, Kinder so anzunehmen, wie sie sind und dabei auch auf sich selbst als Mama oder Elternteil zu schauen.

Familienleben ist bunt. Es hat strahlend helle Seiten und bedrückend dunkle. Und alles, alles dazwischen. So darf es sein.

EIN NEUER BLICK AUF DICH ALS MUTTER

Mutter zu werden startet damit, dass man loslässt, auf eigene Bedürfnisse zugunsten des Babys für längere Zeit ganz oder teilweise verzichtet und sich der Fürsorge des Kindes hingibt, weil es das braucht um sich gut entwickeln zu können, nein, um überhaupt zu überleben. In dieser Dynamik kommt es dann oft vor, dass wir auf uns selbst für längere Zeit ganz vergessen – auch dann, wo es vielleicht nicht mehr unbedingt sein müsste. Wir schauen nicht gut genug auf uns selber, wir glauben, es allein schaffen zu müssen und können oft nicht mal mehr sagen, was uns fehlt, weil wir uns so sehr “wegdrücken” mussten für einige Zeit.

Dabei wird es SO langfristig besonders schwierig. Mamas (und Eltern generell) brauchen regelmäßig Entlastung, brauchen Unterstützung und vor allem Selbstfürsorge, damit das mit der Care-Arbeit langfristig klappen kann. Und wer jetzt sagt: “Das hat doch früher auch funktioniert!”, dem sei gesagt: “JA, stimmt. Da gab’s noch das Prinzip Großfamilie (“Wir sind viele und helfen zusammen!”) und Ansprüche an Elternschaft, die weit, weit unter dem liegen, was wir jetzt haben.

Wir wollen also heutzutage mehr schaffen mit weniger Ressourcen und in kürzerer Zeit.

Feststellung von Kerstin Bamminger

Das geht sich halt oft nicht aus, selbst beim besten Wissen und Gewissen.

  • Du, als Mama! Ihr, als Eltern lasst euch gesagt sein:
  • Du bist genug.
  • Du bist gut.
  • Sei greifbar, verfügbar und lebendig für dein Kind.
  • Elternschaft ist kein Schönheits- und Beliebtheitswettbewerb. Es geht um Beziehung, Bindung und Bedürfnisse. Und zwar von allen in der Familie.

EIN NEUER BLICK AUF DAS KIND

Verzogen. Verwöhnt. Vorlaut. Gemein. Manipulativ. Boshaft. 
Solche und ähnliche nette Zuschreibenden gibt es oft, wenn man von Kindern und ihren neuesten “Missetaten” erzählt. Eltern sind zutiefst verletzt, wenn Kinder nicht DEM entsprechen, was sie sich (irgendwann mal) von ihnen vorgestellt haben. Egal ob das respektvoller Umgang ist, höfliches Grüßen, braves Teilen oder andere Dinge.

Dabei ist es doch so: Kinder wollen kooperieren. Wenn sie das nicht tun, hat das aller meistens ganz andere Gründe, wie: sie sind selbst gerade bedürftig und brauchen wahlweise: Ruhe, Schlaf, Essen, Sicherheit, Nähe, Zuwendung, Autonomie usw. und bekommen sie nicht, weil es aus verschiedensten Gründen gerade nicht möglich ist.Da sie sich (je jünger, desto weniger) diese Bedürfnisse NICHT selbst und allein erfüllen können, sind sie ausgeliefert! UNS! Sie machen Dinge nicht absichtlich falsch, gemein oder schlecht, um uns zu verletzen, sie können nicht anders!!! Es wäre gefährlich für sie, wenn sie bewusst gegen ihre Eltern “handeln” würden! Sie haben offene Bedürfnisse und lediglich schlechte Handlungsstrategien.

EIN PAKET GUTER WORTE FÜR KINDER

Wenn wir Kinder besser verstehen möchten, braucht es dieses Einlassen auf ihre derzeitige “Welt”, wie es sich für sie anfühlt, dort zu sein: abhängig, fremdbestimmt und unsicher.

Ein Kind so zu sehen, wie es ist, kann sehr herausfordernd sein. Und es ist das schönste Geschenk, dass wir Eltern ihnen machen können. Trotzdem heißt das noch lang nicht, dass deswegen alles toleriert und akzeptiert werden muss, was an ungünstigem Verhalten vom Kind gezeigt wird.

Sag deinem Kind:

  • Ich sehe dich.
  • Ich höre dich.
  • Ich nehme deine (…. Wut, Trauer, Freude, Angst, Stolz, Enttäuschung,….) wahr.
  • Du bist gut. Und du bist genug.
  • Ich bin die Große. Du bist die/der Kleine.
  • Ich schaue auf dich bis du selbst auf dich schauen kannst.

EIN NEUER BLICK AUF DIE VÄTER

Das hier lesen überwiegend Frauen. Deshalb ist meine Formulierung oft klar auf Mütter gerichtet, die Väter dürfen sich jederzeit automatisch mitgesprochen fühlen, ich nehme sie immer mit ein und sie sind mehr als herzlich willkommen. Denn sie sind ein wichtiger Teil der Lösung!

Wir brauchen Mütter, die loslassen und Väter, die zupacken, wenn Familie gelingen soll. In vielen Familien klappt das wunderbar und wo das noch schwer ist, liegt es auch manchmal an den Frauen, die ihren Männern zu wenig zutrauen und zumuten. Manchmal sind es auch Väter, die sich zurückziehen, weil sie unsicher sind und gerade die brauchen wertschätzende Haltung von den Müttern und der Gesellschaft insgesamt, was ihre Rolle als Papa betrifft.

EIN PAKET GUTER WORTE FÜR VÄTER

  • Kinder brauchen dich als Vater, der DA ist.
  • Du kannst ALLES, was eine Mutter kann, außer Stillen.
  • Du kannst alles auch gleich gut, wenn du ebenso viel Übung darin hast wie eine Mutter. (Keine Widerrede ;-)!)
  • Du verdienst die Chance, mehr zu sein als Erwerbsarbeiter.
  • Du machst Dinge anders als die Mutter und das darf auch so sein.
  • Du bist ein Teil der Lösung, also bring dich ein, mache dich schlau und sei reflektiert in deinem Verhalten. Einfach nachzumachen, was man selbst erlebt hat, ist oft nicht die beste Strategie.
  • Du bist wichtig, wertvoll und notwendig.

Wenn in Familien im sogenannten Kelomat (Druckkochtopf) sitzen, und allen schon der Geduldsfaden reißt, dann ist das meist ein Zeichen, dass Bedürfnisse an verschiedenen Enden nicht erfüllt sind und / oder der Blick und die Erwartungen an das, was Familie zu sein hat, korrigiert werden darf.

Wir brauchen ein menschenfreundliches Bild von Familie.
Wir brauchen ein lebendiges Bild von Familie.
Wir brauchen ein ehrliches Bild von Familie.

Alles, was zu sehr an Idylle, Harmonie und Perfektionismus erinnert kann Druck auslösen. Und davon haben wir in Familien wirklich schon genug. Lasst uns zusammenhelfen, lasst uns das Miteinander in den Vordergrund stellen.

Sehen wir uns allesamt als bedürftige Lebewesen: Kinder, Mütter UND Väter, die alle ein gutes Leben möchten.
Und denen oft einfach eine gute Strategie fehlt.
Die wir lernen können, wenn wir wollen.

Welchen Satz nimmst du dir von hier mit? Schreib gern in die Kommentare!


Elternschaft & Familie muss man nicht am ersten Tag können.
Man KANN es gar nicht am ersten Tag können!!!
Es braucht das Hinsehen, Annehmen, Einlassen und LERNEN – wenn du dich auf einen bewussten Weg machen willst,
dann hab ich hier was für dich:
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