Was kann ich denn tun, wenn mein Kind so wütend ist? Hast du nicht einen Tipp für mich? Was soll ich denn tun, wenn er so ängstlich ist?

Fragen wie diese stellt sich wohl jeder mal und ganz besonders oft Eltern in der Begleitung ihrer Kinder. Wie wir aus  der “ich-muss-und-will-alles-für-das-Kind-lösen” Rolle herauskommen und das Kind UND uns selber in die eigene Ermächtigung und Wirksamkeit bringen, darum geht’s heute hier. Denn mit “ich-mach-das-schon-für-dich” ist ihnen UND uns langfristig wenig gedient!

NATURKATASTROPHEN UND KRAFTAKTE

Leben mit Kindern ist eine tägliche Achterbahnfahrt. Das ist in der Autonomiephase schon mal besonders spürbar und auch die hormonellen Teufelskreise der Teenagerjahre bieten hier jede Menge Abenteuer und Abwechslung für den Nachwuchs – UND uns dazugehörige Elternteile.

Erdbebenauslösende Wutanfälle, blitzartig einfallende Depressionen, sintflutartige Heulkrämpfe, eiserne Kooperationsverweigerung – die Emotionen, die man als Mama oder Papa oder Oma oder sonstwer bei der nachkommenden Generation begleiten darf, gleichen manchmal tatsächlich echten Naturkatastrophen und der Umgang damit ist ehrlich oft ein Kraftakt.

ELTERN ALS FEUERWEHR

Wenn wir in solche hochemotionale Momente hineinstolpern, dann fühlen wir uns als Erwachsene meistens sofort in der Verantwortung.

  • “Der Drucker geht nicht!”
  • “Ich kann mir aber das Schneegewand nicht selbst holen!”
  • “Wo sind schon wieder alle meine Socken?”
  • “Mir ist aber sooooo laaaangweeeeiliiiiiig!”

Ein “Notruf” und die Feuerwehr ist schon alarmiert – ein Einsatz ist gefragt, schnelle Hilfe und löschen, löschen, löschen und zwar am besten nachhaltig. Was bei einem echten Feuer tatsächlich notwendig, ist bei alltäglichen Elterneinsätzen noch lang nicht erforderlich, doch irgendwo springt da ein Mechanismus im Hirn an, der uns so reagieren lässt. 

PROBLEMLÖSERIN ERSTER KLASSE

Dabei brauchen Eltern – neben Feuerwehrqualitäten, die auch manchmal wichtig sind – auch andere Strategien, dem kindlichen Notfall entgegenzutreten. Weil es nicht darum gehen sollte, FÜR sie alles zu regeln und lösen, sondern sie langsam SELBST zu ermächtigen und ihnen die Gelegenheit geben, Selbstwirksamkeit zu erlernen. Sonst vermitteln wir vielleicht: Jemand anderes kann und soll deine Probleme lösen, nicht du selbst, du kannst das nicht.

Wenn du lieber doch nicht so leben magst, dann liest du hier, welche 5 Schritte es dazu braucht, Problemlöserin erster Klasse zu werden.

SELBSTWIRKSAMKEIT ALS WEG

Der Begriff Selbstwirksamkeit wurde vom amerikanischen Psychologen Albert Bandura geprägt und meint die Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können. Natürlich können wir Menschen das nicht von Haus aus, es braucht Gelegenheiten, dies zu trainieren, es braucht Menschen, die uns als Modelle dienen können und uns solche Möglichkeiten bieten und es wird gefördert durch das soziale Umfeld und durch eigene Erfolgserlebnisse.

Was kann man also für sich selbst oder als Elternteil tun, um Selbstwirksamkeit zu fördern und zu erreichen?

SCHRITT 1: ERKENNEN

Wir brauchen keine hellseherischen Fähigkeiten, sondern “einfach” ein bisschen Ruhe und Achtsamkeit, damit wir ins Spüren kommen können. Es ist ein stiller Prozess für Erwachsene. In der Begleitung von Kindern kann man Sprache nützen und beschreiben, was man (als Elternteil) denkt, wie es dem Kind geht.

  • Was denke ich?
  • Was fühle ich?
  • Wie bin ich gerade da?

SCHRITT 2: ANNEHMEN

“Beruhig dich doch!”, “Schlaf jetzt ein!” oder “Jammere doch nicht rum!” bringt selten was

Wer sich aufregt, ist wütend, frustriert oder verärgert. 
Wer nicht schlafen kann, braucht Nähe, Sicherheit, Zuwendung. 
Wer jammert, ist unzufrieden, traurig, empört, enttäuscht oder sonst was. 

Wer mit der Realität streitet, ist immer der Verlierer! Also: annehmen und akzeptieren, dass du oder jemand sich so fühlt, wie es eben ist. Dir oder dem Kind dieses Gefühl “zugestehen”EGAL ob du es nun “verstehst” oder nicht. Das Gefühl geht nicht weg, weil wir es abstreiten, es geht weg, wenn wir hinsehen und es wahrnehmen, ihm Raum geben. Jedenfalls ein paar kurze Augenblicke lang. Dann kann man gern auf Lösungssuche gehen. Und die gelingt umso besser, wenn ich vorher das Gefühl habe oder bekomme

  • Ich bin gut und in Ordnung, wie ich bin.
  • Es ist für mich richtig, wie ich fühle.
  • Ich darf so denken und werde in meinem so-sein angenommen.

SCHRITT 3: (SELBST)VERTRAUEN & ZUTRAUEN

Für mich heißt das: ich vertraue darauf, dass ich alles in mir trage, um zu einer Lösung zu kommen. Diese Annahme habe ich auch für mein Gegenüber – egal ob Kind, Freundin, Klientin oder Partner. Ich vertraue darauf, dass ich die Fähigkeiten besitze, mir gestellte Aufgaben zu bewältigen und diese Haltung dürfen wir auch Kindern gegenüber bringen. Nicht erst Teenagern, sondern auch schon Kleinkindern. Bei unerfüllten Bedürfnissen sollte also für Eltern, die ihre Kinder begleiten, die erste Frage sein:

“Was kannst DU denn für dich tun, damit es dir besser geht?” statt

“Was kann ICH für dich tun, damit es dir besser geht?”

Das ist ein entscheidender Unterschied! Frage Nr.2 stelle ich erst, wenn das Kind gar keine Idee hat, wie es sich jetzt helfen kann, dann braucht es mich als Modell oder Vorbild für Lösungswege. 

Wir sagen dem Kind dadurch ohne Worte: 

  • Ich glaub an deine Fähigkeiten.
  • Ich traue dir zu, eine Lösung in dir zu finden.
  • Ich mute dir zu, dir selbst zu helfen.

SCHRITT 4: SICHERHEIT FINDEN / GEBEN

Wie bekommt man Sicherheit? Durch viele, viele kleine Erlebnisse. Durch den eigenen Mut, sich vor die Klasse zu stellen und ein Referat zu halten (so in vor-Corona Zeiten). Durch die eigene Ausdauer, wenn man als Kleinkind trotz tausend Mal Umfallen doch das Gehen lernen will. Durch den Zuspruch, den ich von Bezugspersonen bekomme, die an mich glauben und meine Fähigkeiten glauben. Durch Mitmenschen, die mich so sehen, wie ich bin und auch so sein lassen. Durch Eltern, die mir nicht jeden Kieselstein aus dem Weg räumen, sondern mich selbst machen lassen. Durch Ausprobieren, wie ich trotz leerer Druckerpatrone meine Zettel bearbeiten kann und erfolgreich bin.

Und Sicherheit ist nichts, was man garantieren kann. Sie gibt es nicht im Außen, sondern nur im Innen und das ist auch der beste Ort – weil ich da selbst verantwortlich dafür sein kann. 

  • Ich bin gut.
  • Ich bin genug.
  • Ich bin gehalten, getragen, geschützt

SCHRITT 5: WIRKSAMKEIT SPÜREN

Schritt 4 und 5 beeinflussen sich gegenseitig. Wenn ich selbstsicher bin, kann ich in meine Handlungsfähigkeit kommen und aktiv mein Leben gestalten statt hilflos herum zu stolpern. Selbstwirksamkeit bedeutet für mich, dass ich JEDERZEIT etwas tun kann, um mein Leben zu gestalten und auf mich zu schauen, mir eine Lösung zutrauen oder zumindest eine auszuprobieren. Um zu erleben: ich kann aktiv etwas verändern, ich bin in der Lage zu handeln, mein Tun beeinflusst mein tägliches Leben.

Wie sich Wirksamkeit zeigen kann:

  • Dauernd am Handy hängen? Eine Handpause machen, wenn die Bildschirmzeit überhand nimmt.
  • Drucker kaputt? Die 13-jährige repariert das Ding mit Alufolie und einem YouTube Video.
  • Stress mit den Schulaufgaben? Vielleicht doch etwas weglassen um eine emotionale Eskalation zu verhindern.
  • Lagerkoller im Lockdown? Raus in den Schnee und zumindest den Blick in die Ferne schweifen lassen, ein wenig blödeln und durchatmen.
  • Wütend darüber, dass kein Training stattfindet? Hau mal kräftig auf den Boxsack, oder eine Runde weinen, das ist auch ein Ventil.

GESTALTERIN DEINES LEBENS

Es geht nicht um die EINE Lösung für das EINE Problem. Jeder braucht und findet andere Wege, das Leben zu gestalten und mit auftretenden Hindernissen um zu gehen. Wenn wir uns immer wieder als SELBSTWIRKSAM erleben, kommen wir weg von unserer Opferrolle, nehmen bewusst die Zügel in die Hand und fühlen uns weniger ausgeliefert und abhängig. Das ist nicht nur für uns als Erwachsene ein angenehmes Gefühl, sondern auch und besonders für Kinder – die sowieso in so vielerlei Hinsicht abhängig sind von uns Eltern. 
Packen wir also jede Gelegenheit beim Schopf, die sich bietet und bringen wir uns UND unsere Kinder in die Selbstwirksamkeit, indem wir sehen, spüren, hören und fühlen: 

WIR sind GESTALTER unseres LEBENS. Wir sind talentiert, fähig und willig, wenn wir uns nur genügend ZUTRAUEN. Wenn wir uns nur genügend VERTRAUEN und auf uns selbst hören. Auf diese innere Stimme, die dann hoffentlich flüstert: “DU kannst etwas TUN. Also sei mutig und TU’S!”

WO und WIE hast du zuletzt gespürt, dass du bewusst dein Leben in die Hand nimmst?
Da bin ich ja jetzt neugierig in Zeiten, wo so viel “verboten” ist 😉 …..

P.S: ich weiß, hier lesen auch Männer mit: bitte fühlt euch immer mit angesprochen, wenn ich die weibliche Form von Begriffen verwende! Geht ganz einfach – mit ein wenig Übung.


Du findest, ich übertreibe?
Du findest, das ist leichter gesagt als getan?
Du findest, alles allein zu schaffen ist viel zu anstrengend?

Ja, die Erkenntnis, in Verantwortung gehen zu können kann auch erschreckend sein.
Ich verrate dir was: SELBSTWIRKSAMKEIT bedeutet AUCH: sich Hilfe zu holen, wenn es allein zu viel wird,sich Unterstützung zu gönnen und Profis mit einzubeziehen.Wenn du also mit einer Sache so gar nicht weiterkommst, bin ich für dich da:

TERMIN JETZT SICHERN

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