Das magische Erlebnis, wenn ein Baby geboren wird, zieht naturgemäß viele Menschen an, die sich mit der frisch gebackenen Familie und dem neuen Erdenkind freuen. Am liebsten möchte man so bald wie möglich, das putzige Kindchen anschauen und besuchen kommen, Wünsche und Geschenke überbringen und zeigen, wie sehr man sich mitfreut.

Die Sache hat nur einen Haken: genau das können die Mütter und Babys nicht gut gebrauchen. Worauf du als Besucher:in bei einem Neugeborenen achten solltest, welche hilfreichen Ideen es zu berücksichtigen gilt und was Flitterwochen für Mama und Kind sind, liest du hier in diesem Beitrag.

DAS WUNDER GEBURT

Als meine Schwester ihr erstes Kind zur Welt brachte, überrollte mich eine Welle der Freude und des Mitgefühls und auch ein bisschen Stolz. Ein neues Leben ist immer ganz viel Zauber, bringt Dankbarkeit wenn alles gut gegangen ist und lässt uns immer wieder spüren, was für ein großes Wunder so eine Geburt in Wirklichkeit ist. 

DIE EXZESSIVE PARTY

Dass man diese Freude teilen möchte ist völlig natürlich. Hier werden traditionell Störche aufgestellt, Babykleidung, Luftballons und Ähnliches drapiert und auf das Baby und die Mutter freudig mit einem Gläschen angestoßen. Das eine oder andere Mal soll so eine Babyparty auch schon exzessiv und ausgelassen gewesen sein. Schlafende Männer in der Sandkiste, einer springt vom Balkon – du kennst vermutlich auch ähnliche Geschichten. 

FLITTERWOCHEN NEU GEDACHT

Wie ohne Mutter und Kind gefeiert wird, ist mir an dieser Stelle relativ egal. Doch dieses neue Duo braucht besonders in den ersten Wochen einen gut geschützten Raum. Es ist eine Erleichterung, wenn sie diesen Raum nicht ständig selbst abstecken müssen – weil das nicht nur anstrengend und mühsam ist, sondern auch beizeiten furchtbar unangenehm sein kann. 

Da der Begriff “Wochenbett” für viele Menschen wenig griffig ist, sag ich gern: “Flitterwochen” für Mutter und Baby. Flitterwochen waren mal eine Zeit, in der frisch vermählte Paare sich besser kennenlernen konnten. Nachdem sich viele Paare heut schon gut kennen, bevor sie heiraten, haben sie heut meist eine andere Bedeutung. Ungestört das eigene Glück genießen, sich abkapseln vom Rest der Welt, einen intimen Raum schaffen und ganz viel Bindung entstehen lassen. Auf das Wochenbett, das im übrigen etwa sechst Wochen (!!) dauert, trifft die alte UND die neuere Beschreibung perfekt zu.

DO’S & DONT’S FÜR FLITTERWOCHEN

Niemand würd im Traum darauf kommen, ein frisch getrautes Ehepaar in den Flitterwochen dauernd anzurufen, zu besuchen, nachzufragen, wie es ihnen geht, sie mit Geschenken im Urlaub zu überraschen oder ihnen ungefragt Tipps aus der eigenen Beziehung aufs Aug zu drücken. Also tun wir es nicht. Und genau das brauchen auch eine Mama und ein Papa mit ihrem Neugeborenen. Flitterwochen. Viel Ruhe. Vertrauen. Und wenn schon Unterstützung und Zuwendung, dann diskret und zurückhaltend wie das professionelle Personal eines ****s- Hotels im Honeymoon.

Darum gibt’s jetzt 8 Tipps, die du beherzigen solltest, falls du einen Babybesuch machst:

  1. Einladungs-Regel
    Komm niemals, wenn du nicht eingeladen bist. Lass der Familie Zeit, warte ab und besuche nur die Frauen, die entweder Familie oder wirklich engste Freundinnen sind! Auch wenn das schwer auszuhalten ist vor lauter Freude: DEINE Bedürfnisse sind weniger wichtig als die der Wöchnerin und des Baby’s! Und die brauchen vor allem: Ruhe und Zeit.
  2. Flexibilitäts-Regel
    Wenn Besuch vereinbart ist und Baby oder Mutter sind dann sehr unentspannt – bleib flexibel und geh wieder heim, auch wenn du grad erst gekommen bist. Sag: “Ich glaub, ihr braucht jetzt gerade Ruhe und ungestörte Zeit. Ich komme gern ein anderes Mal wieder.” Babys lassen sich nicht planen – in ihrem Verhalten und sowieso – und so solltest auch du flexibel bleiben und nicht erst darauf warten, dass du hinaus geworfen wirst. Das ist unfassbar unangenehm für die Mutter. Gerade bei engsten Freunden und Familie. Und auch die können stressen.
  3. Streichelzoo Regel
    Ein Baby ist kein Streichelzoo. Nur weil es sich nicht wehren kann, bedeutet es nicht, dass man es angreifen darf, wie man möchte! Anschauen mit Abstand ist okay. Wenn dir die Mutter oder der Vater anbietet, es zu halten – dann sag zum Baby: “Darf ich dich halten?” Und auch wenn es nicht antwortet, wird es zeigen, falls es nicht einverstanden ist. 😉
  4. Geschwister-first Regel
    Falls ältere Geschwister da sind: begrüße sie zuerst, sprich mit ihnen. Frag sie, wie es ihnen geht. Nichts kränkt Erstgeborene oder Mittlere Kinder mehr, wenn “nur noch” das Baby im Mittelpunkt steht und sie übersehen werden. Dem Baby hingegen ist egal, wenn du zu ihm als letztes gehst.
  5. Heimgeh Regel
    Denk daran, deinen Besuch kurz zu halten. Es ist schwer, konkrete Zeitangaben zu machen – auch eine Stunde kann zu lang empfunden werden. Bleib aufmerksam und beobachte Mutter und Baby. Wenn das Baby viel weint, die Mutter gestresst wirkt und du nicht hilfreich sein kannst, geh. Besser früher als später.
  6. Namnam Regel
    Viele Mütter freuen sich über essbare Mitbringsel. Der Nährstoffverbrauch stillender Mütter ist hoch und besonders gesunde und wertvolle Nahrungsmittel sind willkommen. Gerne auch den Kuchen und Tee selbst mitnehmen, damit die Familie keine Arbeit mit dir als Besuch hat. Du kannst auch einfach nachfragen, womit du eine Freude bereiten kannst. Das Netz bietet ebenfalls Rezept Ideen für Wöchnerinnen – frag einfach Mrs. Google.
  7. Support Regel
    Übernimm eine kleine Tätigkeit im Haushalt während du da bist. Du kannst das Baby nicht stillen und meist nicht besser beruhigen als die Eltern, also mach dich anders nützlich. “Sag mir, was ich tun kann, um zu helfen!” … und wenn du neben dem Quatschen den Geschirrspüler ausräumst oder Wäsche zusammenlegst oder dem älteren Kind ein Buch vorliest, sind alle am Ende zufriedener.
  8. Ohren-auf-Mund-zu Regel
    Gute Wochenbett-Besucher:innen hören hin, interessieren sich und geben nur Tipps ab, wenn sie ausdrücklich gefragt werden. Fast alle Mütter sind angetriggert, wenn es um das Thema Geburt und Stillen geht und wollen ihre eigenen Erfahrungen wieder und wieder erzählen. (Das zeigt, dass wir alle psychologische Betreuung nach Geburten vertragen würden). Du hilfst der jungen Familie am meisten, wenn du mit offenen Ohren und offenem Herzen da bist und dich so wenig wie möglich einmischt. Jede Familie ist anders und macht unterschiedliche Erfahrungen. Deine Erfahrung ist gut und richtig. Die der anderen Familie auch. Punkt.

Mancher dieser Tipps klingt für dich jetzt vielleicht hart und zu krass. Ich finde allerdings, dass die neue Mutter-Kind-Dyade besonders schützenswert ist und deren Bedürfnisse oberste Priorität haben. 

Warum? Weil diese ersten Tage, Wochen und Monate entscheidend sind für die Entwicklung einer soliden Bindung, für den ersten Beziehungsaufbau und das gegenseitige Kennenlernen. Und das braucht es bei JEDEM Kind neu – egal ob beim ersten oder fünften Kind. Allen Beteiligten ist geholfen, wenn diese Zeit störungsfrei und sicher erlebt werden kann. Wir sollten diese Frauen wie Königinnen behandeln, ihnen so viel wie möglich abnehmen und alles unternehmen um eine gute Bindung zum Kind zu garantieren. Das bestätigen übrigens die Schwestern auf Geburtenstationen während der C-Zeit, wo kein Besuch erlaubt war: allgemein deutlich weniger Probleme. Es ist eine Zeit des Teilens und Zusammenwachsens. Das braucht Ruhe, Geduld, Vertrauen und eine unterstützende Umgebung. 

Und wenn es dann passt, gibt es für beide Seiten nix Schöneres, als die Freude über das Wunder des Lebens zu teilen und sich verzaubern zu lassen von der besonderen Aura eines Babys. 

Hast du auch noch einen Tipp oder Wunsch, den Besucher:innen beherzigen sollten?
Dann füge das gern in einem Kommentar hinzu – so wird es eventuell eine vollständige Sammlung!

Bildquelle: Pixabay

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