Es kommt ja höchst selten vor, dass mir die Worte fehlen. Doch wenn ich so aus unserer familiären Idylle hinaus denke und schaue, dann wird mir ganz anders. In den letzten Wochen stolpere ich dabei von einem Scherbenhaufen in den nächsten. Brennende Wälder, untergehende Landstreifen, klimabedingte Katastrophen, Ankündigungen für den nahenden Herbst und nicht zuletzt: die menschliche Zwietracht, die ich in so vielen Gesprächen oder Erzählungen wahrnehme. Wir sind ganz schön zerrissen und kaputt. Was also nun?

ICH KANN HIER NIX TUN. TATSÄCHLICH?

Ich bin ein Mensch, der sich überaus für das Weltgeschehen interessiert. Ich kann kaum an einer Zeitung oder Nachrichtenmeldung vorbeigehen oder -schalten. Des Öfteren wurde mir schon bewusst, dass diese Offenheit und dieses Interesse auch Schattenseiten für mich birgt. Weil der Konsum von so viel NEWS eben häufig BAD ist und es zu wenig GOOD NEWS in die Schlagzeilen schaffen. Und derzeit drängt sich mir das Gefühl auf: „Ich schalt alles ab!“ Weil es nicht mehr auszuhalten ist. Ich kann hier sowieso nix tun. 

Doch so ganz stimmt das nicht.

HINSEHEN. HINHÖREN. HINFÜHLEN.

Eine Nachrichten- oder Social Media Pause steht definitiv an und ist für mich immer wieder mal gut und heilsam ist (und ich werd das definitiv im bevorstehenden Urlaub auch machen). Doch das Wegschauen, Wegducken, Weghören ist dann doch keine langfristige Strategie.

  • Es braucht das Hinsehen, damit wir erkennen können, was zu tun ist. 
  • Es braucht das Hinhören, damit wir verstehen können, wie es anderen geht. 
  • Es braucht das Hinfühlen, damit wir wieder aufeinander zugehen können. 

WHAT THE WORLD NEEDS NOW

Macht, Geld und Einfluss prägen meiner Einschätzung nach die Gestaltung unseres Zusammenlebens. Dabei spielen eigene Interessen und Vorteile gefühlt eine größere Rolle als die des “Pöbels” (wir verstehen uns). Und viel zu wenig wird auf Werte wie Gerechtigkeit, Menschenwürde und Empathie geachtet. Doch damit sind wir schon bei den Dingen, die jede und jeder von uns in diese Gesellschaft einbringen kann und darf. Weil man auf “die da oben” vielleicht lang warten muss. Und wir brauchen mehr von der wichtigsten Zutat überhaupt

LOVE, SWEET LOVE

Ich hab mir kürzlich wieder den meist gelesenen Beitrag auf meinem Blog angesehen. CORONA, oder: Bleib in der Liebe! Mehrere tausend Male wurde er geklickt. Vielleicht hab ich es schon im März 2020 geahnt, dass es das sein würde, was uns am Wenigsten gelingen wird. Vielleicht war es ein naiver und idealistischer Wunsch für uns Menschen. Vielleicht war es auch ein absoluter Treffer ins Schwarze. Und was zu Beginn dieses neuen Zeitalters noch in herzerwärmendem Übermaß vorhanden war an Hilfe, Zusammenhalt, Verständnis, Aufeinander zugehen und Mitgefühl ist in meinen Augen längst verpufft.

GLASKLAR IST HIER GAR NIX

Es wundert mich nicht. Wenn in der größten Gesundheitskrise, die wir alle je erlebt haben, große Konzerne die Gewinner sind, wenn Milliarden in die Wirtschaft gepumpt werden statt in ein halbkrank gespartes Gesundheitswesen, wenn mit Fehlern (die zweifelsohne sein dürfen) so unreflektiert umgegangen wird, und Menschen ganz bewusst entzweit werden, dann kommt halt nix besseres raus. Wir brauchen endlich weitere Strategien und ein vernünftiges Risikomanagement für diese Zeit, wo keine glasklaren Entscheidungen in Sichtweite sind.

So. Genug gejammert. Ich will nach vorne schauen. Ich will überlegen, was ICH und vielleicht JEDE und JEDER auf diesem Erdenball einbringen kann, damit sich was bewegt. Und ein paar Ideen, wo wir diese Liebe am meisten brauchen können.

LIEBE zu unserem PLANETEN

Wir leben über unsere Verhältnisse. Wir nehmen uns zu viel und geben zu wenig zurück. Du kannst diese Liebe bei jedem Lebensmitteleinkauf zeigen, indem du saisonale und regionale Produkte kaufst, bewusst auf Fleisch und Meeresfisch (JA, wer’s nicht glaubt: FILMTIPP) verzichtest. Du kannst bewusst zu Fuß, per Rad oder Öffi unterwegs sein, oder zumindest Fahrgemeinschaften bilden. Ordentlich Müll trennen und am besten schon beim Einkauf vermeiden. Du kannst auf Fast Fashion verzichten oder deinen Konsum stark einschränken – es gibt mittlerweile echt coole Alternativen und doch: das ökologische Kleidungsstück ist das nicht (neu) gekaufte! Niemand muss alles perfekt machen. UND jeder Einzelne kann was bewirken. Punkt.

LIEBE zu deiner GESUNDHEIT

Bleib gesund! Diese Worte haben viele, viele Konversationen in letzter Zeit beendet. Ich werde nicht müde zu betonen, dass es viele Möglichkeiten und Wege gibt, wie man die eigene Gesundheit stärken kann und niemals nur einen einzigen! Gesundheit umfasst mehr als nur deinen Köper, dazu gehören auch Geist und Seele. Also sei dir deiner Kraft bewusst, wenn du entscheidest, welche Nahrungsmittel du aufnimmst, welche Rolle Bewegung in deinem Leben spielt und wie gesundheitsfördernd deine Gedanken sind. Manchmal mögen pharmazeutische Produkte eine Stütze sein, doch du kannst so viel tun, damit es gar nicht so weit kommt! Und dann gehören zur Gesundheit auch noch: gesunde Beziehungen.

LIEBE zu deinen MITMENSCHEN

Klar, wir können nicht alle „lieben“. Müssen wir auch nicht. Doch respektieren, achten und mitfühlen, das können wir sehr wohl. Unabhängig von unserem 3G Status sollten wir aufeinander hören und ins Gespräch kommen, um wieder zu lernen, dass man gegensätzliche Ansichten auch einfach so stehen lassen kann. Und manchmal MUSS. Ich WILL auch andere Meinungen gelten lassen, weil ich manchmal auch auf meiner Meinung bestehen mag und es geht sich nicht immer und überall ein Agreement aus. Es reicht völlig, sich gegenseitig zuzuhören und dann zu sagen: oh, da sind wir unterschiedlicher Meinung. Ohne sich gegenseitig abzustempeln, anzugreifen, augenrollende Blicke zuzuwerfen oder sich zu beschimpfen.
Das haben wir doch bitte nicht nötig! 

Anfeindungen, Spaltung und Intoleranz werden uns sonst noch viel mehr Schaden zufügen als dieses mikroskopisch kleine C-Dings.
Wohin so ein extremer Mangel an Offenheit, Toleranz und Gleichwürdigkeit gepaart mit sehr viel Angst und Gewalt führt, können wir ja in Afghanistan derzeit mitverfolgen. 

LIEBE in allen BEZIEHUNGEN

Ich wünsche mir mehr Empathie für diese Zivilgesellschaft und zwar global gesehen. Die Überzeugung, dass wir alle gleichwürdig sind und danach handeln. Dass wir auf Basis von Grundrechten zusammenleben wollen und sollten, wenn es friedlich bleiben soll. Ich wünsch mir, dass es uns gelingt zu verstehen, dass wir alle die selben Bedürfnisse haben. Vielleicht nicht zur selben Zeit und nicht im gleichen Ausmaß – doch wir brauchen die gleichen Dinge, um gut leben zu können. Und wenn wir mal über die körperlichen Bedürfnisse hinaus sehen, wird eins besonders klar: wir sind soziale Wesen, wir wollen uns zu einer Gruppe zugehörig fühlen und wir brauchen Beziehungen. 

  • Beziehungen, die locker und beiläufig sind.
  • Beziehungen, die tragfähig sind und Belastungen stemmen.
  • Beziehungen, die leicht und humorvoll sind.
  • Beziehungen, die Alltagsstrapazen ertragen.
  • Beziehungen, die Unterschiede aushalten und dadurch vielleicht sogar wachsen.
  • Beziehungen, die von ausgewogenem Geben und Nehmen bestimmt sind.
  • Beziehungen, die ein sicherer Ort sind für die eigenen Schwächen.
    Und vor allem:
  • Beziehungen, die tief und bedeutungsvoll sind.

Wenn wir uns in einem Netz aus guten und besseren Beziehungen aufgehoben und gehalten fühlen, wenn wir aus dieser Sicherheit unseren Ängsten entgegentreten und in die Welt hinaus schauen, dann erkennen wir vielleicht:

Es heißt nicht:

  • Geimpfte gegen Ungeimpfte.
  • Mächtige gegen das Volk.
  • Männer gegen Frauen.
  • Taliban gegen Afghanen.
  • Erwachsene gegen Kinder.
  • Mächtige gegen das Volk.
  • Alte gegen Junge.
  • Reiche gegen Arme.
  • Heteros gegen Queere.
  • Gebildete gegen Ungebildete.
    Daswischen braucht es das heilige UND! Geimpfte UND Ungeimpfte, Mächtige UND das Volk …

Wir hocken alle zusammen hier auf dieser Kugel. Es wird höchste Zeit, dass wir lernen, MITEINANDER die aktuellen Herausforderungen anzugehen, verschiedene Lösungen zu fördern und auch zuzulassen und endlich endlich endlich weniger Angst zu verbreiten und mehr Liebe.

Du hast es in der Hand. In jeder zwischenmenschlichen Begegnung.
Jeden Tag. Lass dich leiten von Empathie, Respekt und ein bisschen Zuversicht.
Und im besten Fall: von ganz viel Liebe.

Damit verabschiede ich mich in eine dringend benötigte Sommerpause. Hab’s gut! Bis bald!
Deine Kerstin

Spread the word