„Bei uns hakt es irgendwie bei der Kommunikation.“ Diesen Satz höre ich wirklich oft, wenn Paare hier aufschlagen und meist kann man sagen: Ja, es stimmt.
Es ist tatsächlich eine tägliche Herausforderung, eine gute Gesprächskultur zu leben, sich selbst und das Gegenüber stets wertschätzend anzusprechen. Die nötige Klarheit braucht es dann auch noch und, ach ja: ein offenes Herz.

Wenn die Gewohnheit rechts überholt

Den eigenen sprachlichen Umgang in gute Bahnen zu lenken, dazu zu lernen und sich zu entwickeln ist ein Prozess, der lange Zeit dauert. Obwohl es theoretisch sehr einfach und schnell gehen könnte, wenn man folgende Regeln ab sofort beachtet. Wäre da nicht die Gewohnheit, die uns immer wieder mit den alten Mustern rechts überholt. Ich will es dennoch versuchen. Und dir die – meiner Meinung nach – wichtigsten Tipps für eine gute Paarkommunikation mitgeben. Los geht’s.

1.) Ich bin selbst verantwortlich für meine Gedanken, Sprache und Gefühle.
Nicht dein nerviger Chef ist schuld, oder die anstrengenden Kinder, auch nicht die lila Zyklusphase. Du selbst bist verantwortlich für das was „oben“ in der Dachkammer kreiert wird und dann über den Mund raus kommt und auch für deine Gefühle.
„Mir geht’s heut nicht gut, ich bin übelst gelaunt und bräuchte Ruhe.“ Das wär so ein guter Anfang für die Tage, wo es nicht so recht läuft.

2.) VW-Regel: ich spreche in Wünschen, statt in Vorwürfen.
Diese Regel hat nichts mit dem deutschen Autokonzern zu tun, du kannst die Idee aber gern gedanklich an dem Emblem festmachen. Statt dich dauernd bei deinem Partner zu beschweren, sprich in Wünschen, die sind meist klarer und eindeutiger.
Statt „Immer kommst du so spät nach Haus!“ Eher so:
„Kannst du morgen bitte um _____ (exakte Uhrzeit einfügen) zuhause sein, ich möchte mit dir einen ruhigen Abend verbringen.“

3.) Ich kann nicht alles wissen.
Das ist zwar logisch, aber in Zeiten, wo wir das Weltwissen in Form unserer Smartphones in der Hosentasche geparkt haben, eine Erinnerung wert. Das Gute ist: ich darf jederzeit nachfragen und mich verlassen, dass ich eine Antwort von dir bekomme. It’s that easy.

4.) Unterschiedlichkeit fördert Wachstum und Entwicklung, wenn ich es erlaube und anerkenne.
Schon etwas schwieriger. Unterschiede sind per se kein Parameter für gute oder schlechte Beziehungen – es kommt drauf an, wie du mit den Unterschieden umgehst. Es darf sich mühsam anfühlen. Und dennoch kann genau da die meiste Entwicklung passieren.

5.) Ich darf Fehler machen.
In einer perfektionistisch anmutenden Welt auch eine Erinnerung wert. Der Hund liegt hier im Detail, wie ich finde. Denn selbst gesteht man sich das manchmal noch eher zu, aber wehe der Partner macht was falsch! Na, ertappt? Willkommen im Club. Lassen wir ein bisschen mehr Großzügigkeit walten.

6.) Fühlen ist nicht gleich HANDELN. Dazwischen: Entscheidungsspielraum.
Ein oft falsch verstandenes Detail im Zuge der Authentizitätsdebatte. Nein – wenn ich mich schlecht fühle, muss ich nicht nicht wie ein Stinktier benehmen. Die graue Masse im Kopf hilft uns dabei, diese bewusste Entscheidung zu treffen UND anzuerkennen, dass wir uns nicht verstellen brauchen, sondern echt sein dürfen.

7.) Ich muss nicht immer stark sein.
Das wünsche ich jedem Menschen von Herzen, dass er und sie diesen sicheren Raum in der eigenen Paarbeziehung finden – was leider nicht selbstverständlich ist. Ein wichtiger Satz ist mir von einer klugen Frau hängen geblieben: „Sich nicht so zu verletzen, wie man es könnte. Das ist eine der goldenen Regeln für gelingende, lange Beziehungen.“

8.) Ich darf alle Gefühle ausdrücken und sie auch behalten, wenn ich will und „genießen“.
Das Gute ist: wenn man sich klar darüber ist, dass man selbst die Verantwortung für die eigenen Gefühle trägt, kommt der Partner nicht automatisch in „Zugzwang“. Gefühle sehen und anerkennen. Bedürfnisse sehen und anerkennen. Erster Schritt. Wichtigster Schritt. Dann schau ma weiter!

9.) Ich darf fragen und bitten um das, was ich möchte.
Zweiter Schritt – wenn ich die Idee hab, ich brauche jemanden, der mir helfen kann, meine Gefühle und Bedürfnisse zu regulieren. Gilt für alle Beteiligten! Das befreit mich auch davon, auf magische Art und Weise erahnen zu müssen, was mein Partner von mir braucht oder nicht. Weil ich mich verlassen kann, dass er es mir sagt. Beste Entlastung für ein Paar!

10.) Ich versuche die Wahrnehmung meines Partners / meiner Partnerin uneingeschränkt zu verstehen und mit ihm / ihr zu fühlen.
Zugegeben: das ist manchmal echt schwer, wenn wir selbst so ganz anders denken oder fühlen. Versteh dich als Forscherin auf unbekanntem Gebiet: einfach zuhören und aufnehmen und einen wertungsfreien Raum halten, indem jeder so sein kann und darf, wie er eben ist.

11.) Ich höre mit dem Herzen aufmerksam, liebevoll, wertungsfrei und vor allem ununterbrochen zu!
Mit dem Herzen zuhören find ich hier die leichtere Übung – das mit dem Ausreden lassen – wirklich ausreden lassen und vor dem Antworten nochmal atmen – das darf ich als alte Quasselstrippe definitiv noch ausbauen. Auch wenn es sich jedes Mal gut anfühlt, wenn es mir gelingt.

12.) Ich lege das Handy und alle Ablenkungen weg.
Digitale Geräte buhlen um unsere Aufmerksamkeit und ich hab das Gefühl, das wird immer mehr. Was für ein Zeichen der Wertschätzung, wenn man sich auf eine andere Person ganz und gar konzentriert. Ein Geschenk, dass wir uns öfter machen dürfen.

13.) Ich suche und halte bewusst liebevollen Augenkontakt und zeige meinem Gegenüber, dass ich da bin.
Sich gerade bei wichtigen Gesprächen auch tatsächlich an zu sehen und den Blick zu halten, gibt der Konversation eine andere Tiefe und Bedeutung. Man könnte sagen: ich bin mit allen Sinnen bei dir. Noch so ein Kompliment. Vielle

Vermutlich hast du’s bemerkt: nicht alle Tipps sind tatsächlich sprachliche Hinweise. Sehr viel in der Kommunikation liegt auch in der Haltung, mit der wir uns begegnen.

Wenn du dir denkst, du möchtest gern eine nachhaltige Verbesserung für die Kommunikationskultur in deiner Beziehung, kann ich dir den Beziehungskompass wärmstens empfehlen!

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