„Was du da anbietest, ist doch schöner Wohnen!“ Wegen diesem Satz hab ich mich schon grün und blau geärgert. Wie ich erkannt habe, dass er doch wahr ist, warum niemand einen Beziehungskompass braucht und wieso mein Mann diesmal (ausnahmsweise) recht hat. 

Fotocredit: BAM wohnen, Vorchdorf https://www.bam-wohnen.at/referenzen

„Das ist doch alles schöner Wohnen!“ Ich bekomme Schnappatmung, wenn mir mein Mann zu verstehen gibt, dass meine Dienstleistung niemand braucht. Vor lauter Empörung und Kränkung streite ich vehement ab, beginne zu argumentieren und rechtfertigen und erkläre ihm ausführlich, warum er unrecht hat. Bis vor kurzem. Jetzt gebe ich es zu: ich habe mich geirrt und mein Mann hat recht. Meine Angebote für Paare, um wieder mehr Lebendigkeit, Klarheit und Lebensfreude zu generieren, sind wirklich „schöner Wohnen“.

ZWISCHEN BRUCHBUDE UND TRAUMVILLA

Ich identifiziere mich zu hundert Prozent mit meinem Business und nehme es daher tendenziell sehr persönlich, wenn jemand dazu abwertende Worte findet. Auch wenn es nicht so gemeint ist. Was bei mir angekommen ist: das ist überflüssig, irrelevant und auch wenn es „nice to have“ ist: keiner braucht so was wirklich. Das ist gemeint, wenn wir „schöner Wohnen“ sagen. Und jedesmal, wenn ich den Spruch hörte, wurde mir ein wenig schwer um‘s Herz.

Neulich beim Wandern ist mir der Satz wieder untergekommen. Jetzt kann ich sagen: mein Mann hat recht. Wie immer, natürlich. 

Wohnen – und vor allem SCHÖN wohnen – ist ein Privileg, das für viele Menschen nicht vorhanden ist. Manche von uns „hausen“ eher, die Ärmsten unter uns sind gar wohnungslos. Andere Heime sind spartanisch eingerichtet, reichen aber zum Überleben. Und dann gibt es noch Luxusvillen, die jeden erdenklichen Wunsch erfüllen. Dazwischen gibt es alles, was du dir noch so vorstellen kannst, wie es möglich ist, zu wohnen. 

Schöner Wohnen? Klar, kann man. Muss man aber nicht. Zwischen maroder Bruchbude und luxuriöser Traumvilla ist viel möglich.

VEGETIEREN IST NICHT LEBEN

Da hab ich erkannt: mein Mann hat recht. Das eigene Zuhause als Wohlfühlort, Oase der Erholung und sicheren Hafen zu empfinden, ist etwas, das nicht jeder hat, und auch nicht jeder im gleichen Ausmaß braucht. So wie glückliche Beziehungen. 

Wir blicken zwar staunend auf schöne Häuser, die prächtigen Vorgärten oder schicke Lofts mit ihrer atemberaubenden Aussicht, doch das ist längst nicht die Realität der meisten Menschen.

Wie in gelungenen Beziehungen. Da bestaunen wir die süßen, älteren, händchenhaltenden Paare, die umringt von der lieben Familie zufrieden mit ihrem Leben sind und sich noch verliebt ein Busserl auf die Wange geben. Weil sie es geschafft haben, allen Herausforderungen zum Trotz zusammen zu bleiben. 

Viel zu viele Paare erleben so eine Idylle nie oder kapitulieren beim Versuch, dorthin zu gelangen. Sie leben nicht mehr richtig, sondern vegetieren eher dahin.

„Ja, wenn ich das Geld hätte, dann würd ich mir auch eine Villa kaufen!“, sagst du? Es stimmt: es braucht oft eine Investition (und gewisse Voraussetzungen), damit man sich eine Villa leisten kann. Der Unterschied ist: eine glückliche Beziehung gibt’s nicht zu kaufen.
Doch diese drei Dinge haben Wohnungen mit Beziehungen gemeinsam.

BEDÜRFNISSEN GERECHT WERDEN

Nicht jeder Mensch muss in einer Hollywood Villa wohnen, um ein gutes Leben zu haben. Auch eine Berghütte in den Alpen ist nur für bestimmte Menschen gemacht. Nicht der Wert der Immobilie bestimmt die Zufriedenheit und das Glück der darin lebenden Menschen, sondern die Tatsache, wie gut die Wohnung zu den Bedürfnissen der Bewohnerinnen passt. Wenn ich Ruhe und Natur brauche, um mich wohlfühlen, werde ich in einem schicken Penthouse in New York unglücklich werden. Wenn ich das pulsierende Leben, kulturelle Angebote oder ausgefallene Restaurants liebe, werde ich auf der einsamen Berghütte vor Langeweile sterben. Wenn ich vier kleine Kinder hab und eine Großfamilie, die mich regelmäßig besuchen kommt, wird die Stadtwohnung ohne Balkon vermutlich eng werden. Und als alleinlebende Frau bin ich in einem Anwesen mit acht Schlafzimmern und zwölf Bädern, eigenem Heimkino und Tennisplatz möglicherweise etwas verloren.

Beziehungen sind so verschieden wie die Wohnungen der Menschen. Niemand kann und darf beurteilen, was für mich passend ist. Die einzige Person, die bestimmt, ob meine Beziehung für mich okay ist, bin ich selbst. Und es ist auch die Realität, dass wir in schlechten Beziehungen ausharren und bleiben, obwohl es so viel Potenzial zum Verbessern, Aufhübschen, „Schöner Wohnen“ gäbe.

BRAUCHEN PFLEGE & REPARATUR

Bei uns hängt nach fünfzehn Jahren im Haus an manchen Fassungen noch die Glühbirne. Dafür haben wir schon die dritte Waschmaschine und der Boden im Wohnzimmer wurde schon einmal geschliffen. Wir haben mehrmals diverse Räume ausgemalt, mit Spachtelmasse Löcher, die wir zuvor in die Wand geschlagen hatten wieder zugekittet und Möbel auf den Sperrmüll gebracht, weil sie kaputt oder nicht mehr dienlich waren. Vom Putzen und Aufräumen will ich erst gar nicht anfangen.

So wie unsere Wohnungen Pflege und Reparatur brauchen, tun das auch unsere Beziehungen. Ich kann in das herrlichste Haus einziehen, das alle Stückerl spielt: wenn ich nicht gut drauf schaue, manche Dinge warte, sauber halte und bei Bedarf erneuere, wird auch das nobelste Zuhause über die Jahre eine Bruchbude. 

Reparieren in Form von entschuldigen, vergeben, verzeihen ist auch in zwischenmenschlichen Beziehungen notwendig. Pflege im Sinn von exklusiver gemeinsamer Zeit, Hilfsbereitschaft, gegenseitiger Wertschätzung und einer passablen Kommunikations- und Konfliktkultur sorgen zum Beispiel für ein gutes Beziehungsklima. 

Die Realität ist auch: Menschen bleiben in toxischen Beziehungen, erdulden Unterdrückungen und Unterwerfung, sind nachtragend oder verletzend – und auch das geht irgendwie.

So wie Menschen in dreckigen Häusern wohnen, Müll in den Räumen ansammeln und dort vergammeln lassen oder kaputt gewordene Gegenstände einfach nicht reparieren.

GLÜHBIRNENFASSUNGEN GIBT ES ÜBERALL

In unserem Fall ist es wohl Bequemlichkeit, Unachtsamkeit oder ganz einfach eine Abnützungserscheinung, wenn ich daran denke, was am Haus gemacht, repariert oder verbessert werden kann – aber nicht geschieht. Im Großen und Ganzen fühlen wir uns hier sehr wohl, auch wenn ein Interieur Profi sicher reichlich Verbesserungsmöglichkeiten sieht. Wir schauen darauf, dass Dinge, die uns wichtig sind, in Schuss gehalten werden, das wir regelmäßig ausmisten oder den vier Wänden mal einen neuen Anstrich verpassen. Wenn der Wasserhahn tropft, rufe ich den Installateur. Wenn die Hecke des Nachbarn zu hoch wird, kommt die Gärtnerin. Und einmal im Jahr sorgt der Rauchfangkehrer dafür, dass der Kachelofen wieder zieht.

Ich weiß, dass ich nicht alles selbst können und schaffen muss – es gibt Menschen, die haben davon mehr Ahnung als ich. Für mich ist das eine Erleichterung. 

Obwohl so ewig hängende Fassungen hier schon Beziehungskonflikte ausgelöst haben, sind es auf partnerschaftlicher Ebene andere Dinge, die ich im Auge behalten will als die leidigen Glühbirnen. 

Zum Beispiel: nicht zu bequem werden und alles selbstverständlich erachten, sondern Wertschätzung zeigen, wann immer es mir möglich ist. Ich will mich darauf fokussieren, was bei uns gut läuft, anstatt die Haare in der Suppe (aka, die Glühbirnenfassungen) zu finden. Eine offene, ehrliche und aufrichtige Kommunikation ist mir wichtig. Wenn die Fetzen fliegen: dass wir uns nachher entschuldigen können und eine passable Fehlerkultur entwickeln. Eine Begegnung auf Augenhöhe schätze ich sehr und dass wir uns gegenseitig in Großzügigkeit und mit viel Verständnis aushalten. Dass es gelingt, uns in der jeweiligen Unterschiedlichkeit zu lassen. Dass wir daran wachsen, reifen und verbunden sein können. 

ICH KANN ALLES LERNEN

Irgendwie hab ich irgendwann gelernt – vermutlich hat auch meine Mama damit zu tun – wie ich eine Wohnung oder unser Haus gemütlich und sauber halten kann. Ich weiß, wie dieses Aufräumen geht und kann mir externe Hilfe holen, wenn es mir zu viel wird.

Bei Beziehungen hab ich auch irgendwie irgendwann gelernt – vermutlich haben meine Eltern damit zu tun – wie man gut zusammen leben kann, sich streitet und wieder versöhnt, zusammen lacht und weint, dass Probleme angesprochen und aus der Welt geschafft werden können. 

Was ich noch nicht kann, kann ich lernen. 

Und ich will lernen, was es braucht, um JETZT gute, glückliche, gelingende Beziehungen zu führen. Ein paar Dinge weiß ich schon, doch wir lernen auf dem Feld nie aus.

Jede Lebensphase ist neu und erfordert andere Talente. 

Ich brauche keine Weltmeisterin in Beziehungsführung sein. Es reicht, wenn ich das kann oder lerne, was ich benötige, um zufrieden zu sein. Wenn ich eine Einschätzung machen soll: ich bin wohl eher Typ solide Berghütte mit viel Charme in den Alpen als protzige Königsvilla mit Privatjet, wenn ich meine Beziehungsbedürfnisse in einer Immobilie beschreiben müsste.

So, und jetzt bin ich neugierig:

Wie würdest du deine Paarbeziehung beschreiben, wenn sie die Gestalt einer Wohnung, Haus, … hätte? Schreib das gern in die Kommentare! 


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