ÜBERFORDERT MAL 17

ÜBERFORDERT MAL 17

Es ist ein unschöner Zustand, wenn man überfordert ist oder überfordert wird. Und doch meine ich, fast jeder Mensch kennt ihn. ICH kenne ihn jedenfalls. In verschiedensten Lebensbereichen hab ich mich schon überfordert gefühlt und besonders oft, seit ich auch Mama bin. Auch wenn nach Außenhin alles oft spielerisch und mühelos leicht aussieht: das ist es nicht. 
Warum Kinder trotzdem etwas davon haben, wenn du überfordert bist und warum du mit reinem Gewissen überfordert sein darfst, darum geht’s in diesem Beitrag.

BEAUTIFUL DESASTER

Ganz ehrlich: ich war letzte Woche mit so einigem überfordert. Termine, die sich kreuz und quer in meinen Tagesplan schoben, verpeilte Geburtstage und so viele Ausnahmen zum gerade erst gewohnten Alltag, dass ich gar nicht mehr genau wusste: wer in der Familie ist eigentlich gerade zuhause und wer darf morgen Früh geweckt werden (bzw: weckt mich der Wecker oder mein Mann?!). Ein einziges schönes Desaster, also.

AUFMERKSAMKEIT IM MULTIZERKLEINERER

Es ist schon so eine Erscheinung dieser Zeit, oder? Obwohl viele von uns (und auch ich gehöre manchmal dazu) vorgeben, alles super im Griff zu haben, Dinge gut auf die Reihe zu kriegen oder den Alltag spielend zu schaukeln, straucheln wir (also ich, jedenfalls öfters). Weil es so viele kleine Dinge zu bedenken gibt, die unseren Kopf so unfassbar zustopfen. Weil wir gewisse (hohe!) Ansprüche haben, wir wir das mit diesem Leben hinbekommen wollen. Weil unsere Aufmerksamkeit wie in einem Mutlizerkleinerer zerstückelt und in alle möglichen Richtungen verteilt wird, wenn wir in unserem Netz (real oder digital) interagieren.

NEXT LEVEL ÜBERFORDERUNG

Eltern leben eine verschärfte Version davon. Sie wollen nämlich nicht nur für sich selbst alles richtig machen, sondern auch noch für ihre Kinder. Hier fängt es an, echt schwierig zu werden. Erstens, weil es das EINE „richtig“ nicht gibt und zweitens, weil wir viel zu selten ehrlich darüber sind, wie sehr wir tatsächlich oft anstehen und überfordert sind. Eltern sollen doch immer funktionieren! Eltern sollen doch Leuchttürme sein! Eltern sollen doch innere Klarheit haben und stark sein! Eltern sollen doch Vorbild sein und sich auskennen! Oder nicht?

MENSCH, NICHT MASCHINE

Manche dieser Worte hast du auch hier schon gelesen. Weil manches davon stimmt. Ziemlich viel sogar. Und dennoch möchte ich heute mal besonders betonen: wir sind keine Maschinen. Wir handeln nicht geradlinig und zuverlässig wie eine Software. Wir sind unberechenbar, lebendig und menschlich. Und als solche herrlich mangelhaft. Schade ist, dass wir zu wenig darüber sprechen und nicht ehrlich genug damit sind. Also geh ich mal voran und schreib eine Liste von Dingen, mit denen ich regelmäßig überfordert bin.

ÜBERFORDERND KANN SEIN

  1. täglich eine (oder mehrere) sinnvolle Mahlzeiten für die Kinder herrichten
  2. die Wohnung aufgeräumt zu halten oder die Wäscheberge zu bewältigen
  3. mich an die Freizeittermine der Kinder zu erinnern und alle Taxifahrten koordinieren
  4. die Übernahme von Haushaltsaktivitäten von den Kindern einfordern
  5. generell die Arbeitsverteilung im Haushalt zu organisieren
  6. mich selbst beim Konsum von Social Media zu begrenzen
  7. neue Ideen für den Blog zu finden
  8. überbordende Gefühle immer geduldig zu begleiten (vor allem wenn man selbst grad bedürftig ist)
  9. totale Klarheit über allfällig anstehende Entscheidungen (für mich oder die Kinder) zu bekommen
  10. mit hormonellen Schwankungen von Teenagern fertig werden
  11. mit eigenen hormonellen Schwankungen fertig werden
  12. frühmorgens gute Laune versprühen 
  13. den Überblick über sämtliche Lernplattformen der Kinder zu bewahren
  14. nach einem laaaangen Tag noch die Küche blitzblank machen
  15. ständig die Nahrungsmittel aufzufüllen, die in einer Großfamilie verbraucht werden
  16. meinen gesamten Konsum auf Ökologie und Nachhaltigkeit zu prüfen
  17. die Katze zu füttern bevor ich selbst esse, damit sie zum Schreien aufhört

WILLKOMMEN IM CLUB

Ich bin sicher, du kennst das eine oder andere Szenario. Klar bin ich nicht jeden Tag mit all dem überfordert. Und doch kehren diese Themen variierend und mit einiger Regelmäßigkeit wieder. Oft habe ich sehr viel Verständnis für mich selbst und erwarte mir gar nicht, dass ich es anders können sollte. Doch was ich damit sagen möchte: so geht es mir AUCH. Und falls du solche oder ähnliche Empfindungen und Gedanken hast: willkommen im Club!

EINE PORTION SCHULTERKLOPFEN, BITTE

Damit der Beitrag nicht zum reinen Jammertext verkommt, hab ich noch ein paar Worte und Tipps für dich, die dir bei Überforderung eventuell helfen können. Weil sie mir helfen. 

  • Ich darf überfordert sein. Ich bin trotzdem genug.
  • Wenn ich überfordert bin, lernen meine Kinder, dass ich auch nur ein Mensch bin.
  • Ich bin nicht für alles zuständig.
  • Ich darf verletzlich sein und Grenzen haben.
  • Ich bleibe geduldig mit meiner Unvollkommenheit.
  • Ich bin lieb zu mir, wenn ich nicht funktioniere wie erhofft.
  • Ich kann auch vorleben, dass es okay ist, mangelhaft zu sein.
  • Ich nehme mir Zeit für ein klares Ja oder Nein – mindestens einmal ein- und ausatmen lang.

HUMOR HILFT

Weißt du, welchen Satz ich wirklich oft in meinen Workshops oder Beratungen höre? Es tut gut, dass man sieht, dass du auch nicht alles richtig machst. Weil ich auch in meiner professionellen Rolle Platz lasse für Unzulänglichkeiten, Fehler und ungünstige Verhaltensweisen. Nicht nur die Teilnehmer:innen profitieren davon, auch die Kinder. Es gibt doch nichts Ätzenderes als aalglatte, perfekt aussehende, immer lächelnde und makellose Menschen. Also für mich jedenfalls. Ich bin und bleibe auch lieber lebendig, angreifbar, menschlich und humorvoll. Denn ab und zu hilft nur mehr, auch über sich selbst lachen zu können.

SURROUND YOURSELF WITH KIND PEOPLE

Zurück zur letzten Woche. Am Freitagabend nahm ich eins der Kinder dann wieder nach den Kennenlerntagen entgegen. Während ich darauf wartete, ergab sich ein netter Plausch mit drei anderen Müttern am Parkplatz. Ein paar schöne und ehrliche Momente, wo keine der anderen versucht hat, etwas vorzumachen. Gedanken unter Gleichgesinnten, bei denen man den Kopf über sich selbst schütteln konnte, ohne gleich misstrauisch angesehen zu werden. Und das Gefühl, dass es anderen ähnlich geht. Auch wenn ich es ohnehin weiß – das hat gut getan.
Auch wenn’s nur zehn Minuten waren.

Umgib auch du dich mit Menschen, wo du nicht nachdenken musst, wie du zu sein hast. Sie sind eins der größten Geschenke, die wir uns selbst machen können.

Entspannung – auf 6 Ebenen

Entspannung – auf 6 Ebenen

Wir befinden uns gerade in der Urlaubs- und Ferienzeit und wann, wenn nicht jetzt, ist Zeit sich zu entspannen? Doch, wie geht das noch mal? Was brauchen wir Erwachsene um entspannen zu können und brauchen Kinder andere Dinge?

(Die Basis) chillen, relaxen, runterkommen, sich beruhigen – egal wie wir es benennen – ist etwas, dass Kinder meiner Einschätzung nach vor allem in der Familie lernen. Also sind wir als Eltern gefordert, ihnen hier einerseits ein Vorbild zu sein und sie andererseits gut dabei zu begleiten. Worauf du dabei achten sollst, und was das mit einem Klavier zu tun hat, erfährst du in diesem Beitrag.

RHYTHMUS statt BALANCE

Das Leben besteht aus vielen Gegensätzen. Tag und Nacht, Aktivität und Ruhe, Freude und Trauer, Reden und Schweigen und vielen mehr. Anspannung und Entspannung gehören auch dazu. Ich finde es okay und gut, stressige Zeiten aushalten zu können, einen dichten Terminplan zu stemmen und gefühlt mit tausend Händen zu werken und abends erschöpft in die Horizontale zu kippen. Dafür gibt es im Ausgleich Phasen der Ruhe, bewusstes Abkehren von Produktivität, hin zu Genuss und Stille und einer angenehmen Langsamkeit, die sich dann breit machen darf.
Es kommt nicht drauf an, ständig die Balance – also die Mitte – zu finden, sondern in einem lebendigen Rhythmus hin und her zu pendeln.

NOCH EIN TO-DO?

Meiner Beobachtung nach landen To-Dos, Termine und Tumulte schneller und automatischer auf unserer Tagesagenda. Zumindest in der westlichen und industrialisierten Welt. Um den Teil mit Entspannung, Erholung und Entlastung dürfen wir uns viel bewusster kümmern – von selbst passiert das praktisch nie. Und es macht Sinn, das schon früh zu üben, auch wenn das wie ein weiteres To-Do auf einer ohnehin langen Liste erscheint.

ES LEBE DIE VIELFALT

„Lebensqualität gibt es nur im Jetzt“, sagt Gerald Koller vom österreichischen Forum Lebensqualität. Nicht erst später, im Urlaub, in der Pension, im Himmel. Jetzt! Das heißt, wir brauchen die Fähigkeit, uns ein gutes Leben zu schaffen, im Alltag. Wenn wir uns ein lebendiges und ausgewogenes Dasein wünschen. Und was Koller als Risiko- und Suchtpädagoge ebenfalls predigt: auf die Vielfalt kommt es an. Es reicht nicht, zum Stress reduzieren laufen zu gehen. Wenn es die einzige Option ist, die ich nützen mag.

Die Suchtpädagogik beschreibt das gern mit dem Bild der Tasten am Klavier (des Lebens). Jede Taste am Klavier steht für ein anderes Tool, das mir hilft, mich zu entspannen. Ich als Mensch bin gefordert, selbst die verschiedensten Töne kennen zu lernen und zu spielen. Ich darf entscheiden, ob und wann welche „Taste“ hilfreich ist. Und in welcher Situation. Es kommt drauf an, dass ich viele verschiedene dieser Tasten spielen kann und nicht, was die Tätigkeit ist und ob es dazu eine gesellschaftliche Bewertung gibt. Die Vielfalt ist der relevante Faktor.

DAS KLAVIER DES LEBENS BESPIELEN

Die Aufgabe von uns Eltern ist es, den Kindern möglichst verschiedene Tasten ihres „Klaviers“ zu zeigen. Mit unserer Lebenserfahrung und einer großen Portion Empathie dürfen wir an ihrer Seite stehen und sie dabei begleiten, ermutigen, stärken und anregen. Schon bei Säuglingen ist es so, dass sie zuerst MIT einer anderen Person lernen, sich zu beruhigen, bevor sie es ALLEIN lernen. Das bleibt in verschiedenen Bereichen lange so. Ich würd meinen, bis ins jugendliche Alter, weil jedes Alter auch neue und angepasste Strategien erfordert. Bei dieser schönen aber auch manchmal aufreibenden Aufgabe können wir uns aus unterschiedlichen Bereichen inspirieren lassen.

RUHE. Das kann zum Beispiel sein …

  • ein Schläfchen halten
  • den eigenen Atem hören und fühlen
  • Meditation odereinfach nichts tun
  • Langeweile zulassen und aushalten
  • in die Stille hinein hören (Berg, Wald, Kirche,….)

MUSIK. Das kann zum Beispiel sein…

  • eine coole Nummer laut aufdrehen
  • dabei mitsingen und abtanzen
  • selbst ein Instrument spielen
  • einem Konzert lauschen
  • musizieren und dazu singen

BEWEGUNG. Das kann zum Beispiel sein …

  • eine Runde spazieren gehen
  • sich beim Yoga einmal durch mobilisieren
  • auf einem Baumstamm, Randstein, Parcours balancieren
  • sich richtig zum Schwitzen bringen beim Sport
  • den einen Körper bewusst dabei spüren

NATUR. Das kann zum Beispiel sein …

  • in den Wald gehen
  • einen Berg (oder Hügel) erklimmen
  • den Himmel und die Wolken beobachten
  • Pflanzen(namen) kennen lernen und eventuell nützen
  • ihren Rhythmus spüren und mit gehen mit den Jahreszeiten

MENSCHEN. Das kann zum Beispiel sein …

  • eine Freundin anrufen
  • die Mädelsrunde treffen
  • auf ein Konzert, eine Demo, ein Fest gehen 
  • anderen helfen und sich daran freuen
  • ein gutes Gespräch führen und dabei das Herz öffnen

GENUSS. Das kann zum Beispiel sein …

  • ein Eis zusammen schlemmen
  • ein gutes Glas Wein trinken
  • sich was Leckeres kochen
  • gut essen gehen in’s Lieblingslokal
  • sich die Schokolade, Torte, Chips, das Juni-Food einfach mal mit gutem Gewissen schmecken lassen 

Ich bin mir sicher, du hast noch viel mehr Ideen. Womöglich hab ich einen ganzen Bereich, der dir wichtig ist, nicht abgebildet. Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, im Gegenteil. Sie ist ein kleiner Anfang. Du bist gefordert: für dich und dein Kind immer wieder neu zu entdecken, was dich und was dein Kind entspannt. Und im Moment der Anspannung verschiedene Strategien parat zu haben, damit es lernt, dass in jeder Situation eine Vielzahl von Möglichkeiten DA sind und genützt werden können. Wir brauchen nicht IMMER ALLE Optionen. Und wenn uns dauerhaft nur eine einzige Möglichkeit bleibt, dann ist das krankmachend. Egal von welchem oben genannten (oder anderen) Punkt wir dabei reden. !!

EIN TISCH AUF EINEM BEIN

Die Natur zeigt es uns vor. Nicht DIE EINE Lösung ist gut für alle. Es braucht Vielfalt. Je bunter und unterschiedlicher wir aufgestellt sind, desto resistenter sind wir. Gegen Stress. Gegen Verspannung. Gegen Viren. Und Engstirnigkeit. Wir können uns nicht abschotten und hundertprozentig schützen vor den Gefahren und Herausforderungen des Lebens. Wir können uns wappnen. Breit aufstellen. Flexibel bleiben. Uns zusammentun. Miteinander fühlen und uns gegenseitig unterstützen. Das wird uns stark machen. So wie ein Tisch auf mehreren Beinen stabiler steht als auf einem.

Lasst uns unsere Kinder stark machen.
Lasst uns selbst stärken.
Damit wir einander stärken können.
Einander helfen.
Empathie zeigen.
Dann können wir kleine und große Krisen relativ sicher bewältigen.

Was hilft dir / deinem Kind, dich zu entspannen? Immer her mit den guten Ideen!
Ich freu mich über einen Kommentar dazu!

Glitzer über die „Lernlücken“

Glitzer über die „Lernlücken“

Ein Schuljahr, wie es noch niemand je erlebt hat. Morgen machen wir gemeinsam endlich einen Haken drunter. Die Kinder haben wieder viel gelernt – mehr als Schulnoten ausdrücken können und beschreiben. Ich freu mich immer, wenn sie dazulernen und sich entwickeln. Manches haben sie GOTT SEI DANK nicht gelernt, was heuer ungewollter Weise am „Lehrplan“ stand. Für dieses Nicht-Lernen will ich ihnen heut mal besondere Anerkennung zollen. 

JETZT UND HIER

Was war ich zuversichtlich, dass die Schulen das ganze Jahr offen bleiben. Echt! Als meist unverbesserliche Optimistin glaubte ich tatsächlich, die paar Monate Kerker im Frühling 2020 hätten gereicht, um zu zeigen, wie wichtig die Bildungsinstitutionen für uns als Gesellschaft sind. Doch weit gefehlt. Ich will gar nicht länger drüber nachdenken. Über das Gestern und das Morgen. Jetzt und hier möchte ich ein bisschen Glitzer über die Lernlücken der Kinder (und meine eigenen) streuen.

SIE HABEN TROTZDEM NICHT GELERNT …

Und zwar nicht über die, die schon länger öffentlich debattiert werden. Nicht über den Lehrstoff, der im einen oder anderen Fach nicht mehr in die Kinder hineingestopft werden konnte und als vermeintliche Bildungslücke der „verlorenen Generation“ (die sie nicht ist) in die Geschichtsbücher eingeht. Wer weiß, ob das tatsächlich irgendwann rückblickend so gesehen wird.

Ich will Glitzer über die Dinge streuen, die sie heuer teilweise über sich ergehen lassen mussten und TROTZDEM nicht gelernt – im Sinn von angenommen – haben.

… OHNE FREUNDE AUSZUKOMMEN

Kinder voneinander fern zu halten – aus welchen Gründen auch immer!! – ist ein abscheulicher Gedanke und das war schon immer so. Ja, man kann sich auch mal was einfangen, wenn man mit anderen Menschen (engen) Kontakt hat. Auch das war schon immer so. Ich freu mich aber sehr, dass unsere Kinder das nicht als Normalität akzeptiert haben und hoffentlich nie akzeptieren werden. Ich werd auch weiterhin mein Möglichstes tun, um sie in ihrer sozialen Entwicklung zu unterstützen, direkten menschlichen Kontakt fördern (auch entgegen Verordnungen) und mich (wieder) auflehnen, wenn jemand findet, dass allein im Kinderzimmer und ohne Freunde genau so gut gelernt werden kann wie in einer Gruppe.

… DIGITALEN KONTAKT BESSER FINDEN

Trotz der vielen Videokonferenzen und Online Arbeit haben sich meine Kinder (… der Apfel fällt wohl nicht weit vom Stamm) nie komplett mit dem alleinigen digitalen Kontakt abfinden können. Ja, es gibt definitiv Vorteile und Chancen für diese Formate, die wir auch in Zukunft nützen dürfen und werden. Doch wo immer es möglich ist, werden die Kinder reale und synchrone Kommunikation bevorzugen, weil selbst das beste High-Speed-Internet nicht alles überträgt und immer noch langsamer ist als das menschliche Gehirn, wenn wir uns direkt gegenüber stehen. Mich beruhigt die Tatsache, dass ihnen dieser Wert so wichtig und bewusst geworden ist. Und sie dadurch wohl nie den digitalen Kontakt besser finden werden.

… GANZ ALLEIN ZURECHT ZU KOMMEN

Zugegeben: das war manchmal schon mühsam. Oft hab ich mir gewünscht und gehofft, die mögen mich doch bitte den ganzen Vormittag um nichts bitten, fragen oder anjammern, weil ich wieder ununterbrochene Arbeitszeit genießen wollte. Doch sie haben es – manche mehr, manche weniger – nicht geschafft. Und ich bin froh darüber. Weil es mir zeigt, dass Beziehung für’s Lernen wichtig ist. Nicht nur wichtig, sondern die Voraussetzung, dass überhaupt was da oben rein geht. Dass sie so viel geschafft haben mit so reduziertem menschlichen Kontakt ist für mich eine beachtliche Leistung und ich hoffe, dass sie auch verinnerlicht haben: niemand „muss“ alles ganz allein schaffen. Wir sind soziale Wesen und dürfen um Hilfe und Unterstützung bitten. Und wir einander auch gerne helfen.

… KEINE LÜCKEN ZU AKZEPTIEREN

Ich weiß nicht, ob es eine Schülerin oder einen Schüler gibt, der in diesem Schuljahr alles immer vollständig und korrekt abgegeben hat. So wie die Anforderungen waren. Unsere Kids gehören definitiv nicht zu dieser Sorte und das find ich gut. Alles haben, alles schaffen und perfekt sein wollen wird uns ohnehin (auch in anderen Lebensbereichen) zu häufig schmackhaft gemacht. Da ist es super, wenn man schon in der Schule lernt, Abstriche machen zu können. Prioritäten zu setzen und zu erkennen: DAS schaffe ich nicht (mehr). Die Welt dreht sich trotzdem weiter. Diese Erkenntnis ist auch eine wichtige Erfahrung. Vielleicht mehr wert als alles immer perfekt abzugeben.

DIGITALE ZOMBIES, NEIN DANKE

So. Und bevor das zu sehr in Richtung: „in dieser Krise steckte so viel Gutes“ abdriftet, möchte ich betonen, dass ich dieses Schuljahr so richtig Sch%&@e fand. Man muss nicht krampfhaft nach dem Positiven suchen. Manche Dinge waren einfach schlecht und wir hatten keine Möglichkeiten sie zu ändern. Ich sehe kein großartiges Potenzial in vielen Dingen, mit denen wir im letzten Jahr konfrontiert waren und hoffe, dass wir nicht zu digitalen Zombies mutieren, weil wir uns nach und nach doch immer noch mehr daran gewöhnen und abstumpfen

WORAN ICH GLAUBE

Ich glaube an unsere menschliche Natur. Dass uns nichts und niemand unsere soziale Ader ganz abtrainieren können wird. Ich glaub daran, dass wir widerstandsfähig sind und für unsere eigene Gesundheit sehr viel mehr tun können. Dass wir immer mehr erkennen, dass Vielfalt unser Leben und Überleben garantieren wird und nicht einfältige Herangehensweisen und Lösungen. Und ich hab die Hoffnung, dass unsere Sehnsucht nach „einander“, der Zugehörigkeit zu einer (oder mehreren) sozialen Gruppen so stark ist, dass wir mit dieser Kraft des Kollektivs auch größere Herausforderungen der Zukunft meistern können. Wenn wir sie erkennen und nutzen. Und weiterhin nicht lernen, was unsere Kinder in diesem Schuljahr nicht gelernt haben. Und hoffentlich NIE lernen werden.

UND NUN: MAN STREUE DEN GLITZER, BITTE!

Worüber streust du Glitzer nach diesem Schuljahr?
Fällt dir noch was ein, worüber du froh bist, dass du oder die Kinder es NICHT gelernt haben!

Koffer für’s Leben – wenn Kinder langsam erwachsen werden.

Koffer für’s Leben – wenn Kinder langsam erwachsen werden.

Erwachsen werden geschieht nicht von heute auf morgen. Die schwierige Phase des Prozesses vom Nicht-mehr-Kind-sein bis zum Jetzt-bin-ich erwachsen-Gefühl spürt sich für die Jugendliche:n oft unsicher, wackelig und verschwommen an. Umso schöner ist es, wenn man ihnen mit kleinen Ritualen und Festen ein wenig mehr Klarheit schenken kann, ein positives Zeichen gibt und ihnen damit auch Halt vermittelt.
Zum zweiten Mal haben wir als Eltern einem Kind den sogenannten „Koffer für’s Leben“ gepackt und hier teile ich heute mit dir, was wir darin versteckt haben mit vielen kleinen symbolischen Geschenken.

Gestern war es hier so weit und wir haben das Erwachsen-werden in unterschiedlicher Form mit unserer Mittleren gefeiert. Es ist auch als Mutter für mich ein schöner, emotionaler und intensiver Prozess, mich auf dieses Ritual vorzubereiten und mich so bewusst auf das Kind, seine Talente und Besonderheiten einzulassen.
Und so haben wir voller Freude gestern folgende Dinge an unsere Tochter übergeben und dürfen jetzt noch mehr und mehr vertrauen, dass das, was wir ihr bisher schon mitgegeben haben, reicht für ein gutes Leben als Erwachsene. Diese Dinge haben wir eingepackt:

OPTIMISMUS & EINSATZBEREITSCHAFT (Bleistift und Papier)
„Deine Gene sind höchstens Bleistift & Papier. Welche Geschichte du damit schreibst, liegt in deinen Händen“ sagt Genforscher Markus Hengstschläger. Du bist mit so vielen wunderbaren Talenten gesegnet und definitiv eine originelle Persönlichkeit. 

Wir wünschen dir stets ausreichend Optimismus, dass du an dich selbst glaubst und deine Fähigkeit, einen Unterschied zu machen wenn du nur bereit dazu bist, dich aus vollem Herz und mit ganzer Kraft dafür einzusetzen.

SINNLICHKEIT & GENUSSFÄHIGKEIT (Crinkle Cups)
Das Leben ist dazu da, um geliebt zu werden und dabei ist „Genuss“ ein wichtiges Element. Wenn du schöne Musik hörst, ein cooles Outfit findest, dir den Rücken kraulen lässt, eine schöne Aussicht vor dir hast oder schmackhaftes Essen genießen möchtest, braucht es Hingabe und wache Sinne. 

Wir wünschen dir, dass du das Leben immer wieder genießen und dich den sinnlichen Freuden bewusst hingeben kannst. Dadurch kannst du zufrieden und glücklich sein und dir selbst immer wieder was Gutes tun (… oder uns, wenn du wieder mal was Leckeres bäckst!).

MEINUNG & FREIHEITSLIEBE (Spitzer)
Die freie Meinung ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft. Da das Leben oft aus Gegensätzlichkeiten besteht, ist es wichtig und verantwortungsvoll, sich eine Meinung zu bilden, mitzudenken und manchmal auch: Position zu beziehen. Zum Beispiel, wenn Menschen ungerecht behandelt werden, wenn sie diskriminiert oder herabgewürdigt werden, darf das aufgezeigt werden.

Wir wünschen dir, dass du immer wieder Meinungen (auch deine eigene) kritisch hinterfragst und nicht abstumpfst gegenüber anderen Menschen und ihren Schicksalen und stets deinen Blick schärfst, wo diese Freiheit in Gefahr gerät.

FEHLERKULTUR & ERFAHRUNGEN (Radiergummi)
Als Menschen sind wir lebendige Wesen. Und wo gelebt wird, da passieren auch Fehler. Sie sind wichtig für unsere Weiterentwicklung und unser Wachstum und ermöglichen uns, aus diesen Erfahrungen zu lernen. 

Wir wünschen dir, dass du liebevoll auf die Unvollkommenheit und Pannen im Leben schauen kannst, sie als Erfahrungen in dein Herz schließt und für alles, wo du noch mal von vorn anfangen möchtest: einen Radiergummi und einen guten Neustart.

AUSZEITEN & PAUSEN (Faultiersocken)
Wir leben immer noch in einer relativ heftigen Leistungsgesellschaft – das hast du ja auch in der Schule schon feststellen dürfen. Neben dem aktiven Tun und deinem wichtigen Beitrag für diese Welt brauchst du vor allem eins: Zeit für’s Nichtstun und regelmäßige Pausen. 

Wir wünschen dir, dass du dich immer als wertvollen Menschen erlebst, egal wie produktiv du eventuell gerade bist, dass du dir Pausen nimmst und zugestehst. Mögest du diese Pausen mit Dingen, Menschen oder in der Natur verbringen und wenig mit Bildschirmen und den darin entstandenen Scheinwelten. 

MUT & ZUVERSICHT (Mutmach-Karten)
Die besten Dinge im Leben beginnen mit Mut. Du brauchst Mut, um dich aus deiner Komfortzone heraus zu bewegen, damit du wachsen kannst, neue Erfahrungen machst und andere Facetten an dir kennenlernst. Manchmal brauchst du vielleicht Überwindung, doch es zahlt sich aus, wenn du zu dir selbst stehst und zuversichtlich bleibst.

Wir wünschen dir, dass du jeden Tag neu entdeckst, wie grandios und großartig du bist – dass du diese Welt für uns und viele andere Menschen zu einem besseren Ort machst und unendlich wertvoll bist. Und wenn du mal einen Moment lang zweifeln solltest, haben wir hier was für dich.

GRENZMANAGEMENT (Reispasshülle)
Deine Freiheit hört auf, wo die Freiheit anderer beginnt. In diesem Sinn ist es immer wieder notwendig, sich über eigene und persönliche Grenzen Gedanken zu machen. Bisher haben wir als Eltern viele deiner Grenzen für dich geschützt und diese Aufgabe übernimmst du mehr und mehr für dich selbst.

Wir wünschen dir, dass du jederzeit selbstbewusst deine Grenzen aufzeigen kannst und Menschen diese auch achten und dass du selbst auch feinfühlig und sorgsam mit den Grenzen deiner Mitmenschen umgehen lernst. Denn Grenzüberschreitungen sind nur in einem Fall gut, erlaubt und absolut empfehlenswert: wenn du dieses Ding dafür brauchst!

ENERGIE & DURCHHALTEVERMÖGEN (Traubenzucker)
Es gibt sie: die wirklich anstrengenden Phasen im Leben. Wo einfach nichts glatt läuft und alles so mühsam erscheint. Nach kleinen Auszeiten und Pausen braucht man wieder einen Energie-Kick, eine Portion Motivation und oft auch bei lang andauernden Aufgaben und Projekten: ein passables Durchhaltevermögen.

Wir wünschen dir, dass du immer wieder eine Quelle der Energie für dich findest, die dir die Motivation und den Elan schenkt, damit du deine gewünschte Ziellinie erreichst. Egal, wie diese Quelle dann genau beschaffen ist: Hauptsache, du weißt, wie und wo du sie findest.

BEGEISTERUNG & FEUER (Anzünder)
Mit Begeisterung geht einfach alles im Leben einfacher, leichter und schneller. Für dein Gehirn ist Begeisterung wie die Gießkanne für einen Blumenstock – wichtig und notwendig, wenn es sich gut entwickeln soll.

Wir wünschen dir einerseits, dass es immer etwas in deinem Leben gibt, dass deine Begeisterung weckt und ankurbelt, dein inneres Feuer so richtig entfacht. Und dass du andererseits auch mit deinem Feuer, deiner Leidenschaft für Dinge andere Menschen begeisterst, sodass sie Feuer und Flamme werden können. Beides ist eine unglaublich schöne Erfahrung, die wir dir ganz oft gönnen.

ACHTSAMKEIT & FREUDE (Glasuntersetzer und Freudenglas)
Wir planen voraus und schwelgen in oft in Erinnerungen. Beides kann schön sein, doch das Leben passiert im Jetzt. Das Leben gestern ist Geschichte, der Tag morgen ist ungewiss und das meiste davon können wir nicht (mehr) beeinflussen. 

Wir wünschen dir, dass du ganz oft im Jetzt leben kannst, dass du Augenblicke genießt und in deinem Herzen abspeichern kannst, dass du viele glückselige Momente der Freude sammelst und so dein inneres „Freudenglas“ immer eher halb voll als halb leer betrachten mögest.

MEINUNGSFREIHEIT & TOLERANZ (Regenbogen-Fächer)
Menschen sind verschieden und noch viel individueller und bunter wie die Farben des Regenbogens. Oft denken wir zu sehr in schwarz und weiß, weiblich oder männlich, ja oder nein, ganz oder gar nicht und dabei vergeben wir die Chance auf mehr Vielfalt im Leben – auch wenn wir andersdenkende, anderslebende, andersliebende Menschen nicht immer verstehen können.

Wir wünschen dir, dass du dir dein offenes Herz und einen offenen Geist bewahrst und Unterscheidlichkeit und Meinungsverschiedenheiten stets als Gelegenheit für Wachstum und Reifung betrachten kannst. Und dass es dir gelingt, andere ihr so-sein zu lassen.

FINISHER QUALITÄTEN (Notizbuch „Last Minute“)
Es gibt Leute, die haben unfassbar gute Ideen und bringen diese oft nicht zu Ende. Du bist eine, die die „Finish-Line“ in Sichtweite braucht, um ihre Sachen fertig stellen zu können und beweist außerordentlichen Ehrgeiz und enormes Engagement, was deine Aufgaben betrifft.

Wir wünschen dir, dass du das Meiste im Leben fertig stellst, wenn du es begonnen hast und dir den Feuereifer bewahrst mit dem du Aufgaben am letzten Drücker erledigst. Und falls du dir mal mehr Organisation oder eine Möglichkeit zum Gedanken / Aufgaben-niederschreiben wünscht, haben wir DAS für dich.

FEMININE POWER (Zyklusbuch)
Du bist jetzt eine erwachsene Frau und nun auch spürbar deutlicher ein zyklisches Wesen, über deinen Körper mit der Natur verbunden. Jeden Monat erlebst du unterschiedliche Phasen, die dich mit unterschiedlichen Stärken deiner Weiblichkeit in Berührung bringen. Mit deinem Zyklus kannst du dein volles Potenzial ausschöpfen und immer wieder neu lernen, dass diese verschiedenen Facetten ein Teil von dir – und der Natur – sind.

Wir wünschen dir, dass du dein Frausein genießt, die Kraft des weiblichen Zyklus immer wieder als Geschenk erlebst und so oft wie möglich im Einklang mit deinem Körper sein kannst, ihn achtest und ehrst wie einen heiligen Tempel. Beschütze und schütze ihn, denn er gehört dir und nur dir allein. DU bist einzigartig und wunderbar, kraftvoll und vollkommen, wie ein weiblicher Monatszyklus.

HALTUNG (Nackenkissen)
In der Welt sind wir ständig gefordert uns mit komplexen und vielschichtigen Themen auseinander zu setzten, kritisch zu hinterfragen, sich eine Meinung zu bilden und dann dahinter zu stehen. So setzen wir uns mit unseren inneren Werten und Haltungen auseinander und stärken dabei auch unseren Charakter.

Wir wünschen dir, dass du stets Herz und Hirn dabei hast, wenn du dir Meinungen bildest und manchmal auch „gegen den Strom“ schwimmen lernst, wenn dein Gefühl dir sagt, dass das das Richtige für dich ist. Und wenn es ungemütlich und stürmisch da draußen wird, hol dir Unterstützung und Stärkung und gehe stolz und erhobenen Hauptes weiter.

HUMOR (Kichererben)
Der Ernst des Lebens holt uns Menschen im Alltag viel zu schnell und viel zu oft ein. Es ist gefühlt viel öfter ein „müssen“ als ein „wollen“ und wenn’s eng wird, dann hilft vor allem eins: eine gute Prise Humor.

Wir wünschen dir von Herzen, dass du dir dein wunderbares Lachen behältst, du selbst das Leben immer wieder mal locker nehmen und über dich selber schmunzeln kannst. Und dass du stets von Menschen umgeben bist, die dich zum Kichern bringen und mit dir Spaß haben können, vor allem dann, wenn dir das Lachen grad etwas vergangen ist. Humor ist die beste Medizin – in den allermeisten Lebenslagen. 

Das wichtigste zum Schluss. Du wirst in deinem Leben viel aus eigener Kraft schaffen, planen, organisieren und zustande bringen. Du hast viel in der Hand und darfst dich selbst als die Gestalterin deines Lebens begreifen.

Wir wünschen dir von Herzen etwas, dass du dabei auch immer brauchst: nämlich den Segen von oben, eine schützende Hand und die Zusage von Vater und Mutter Gott, dass du getragen bist, gesegnet und gehalten. Du bist heute gesalbt worden und darfst auf Gott in all seiner Vielfalt zählen … und wir hoffen, dass er ganz oft im Leben für dich spürbar ist: in Dingen, in der Natur und in Menschen, die deinen Lebensweg begleiten. 

 

Falls du nun Lust bekommen hast, dieses kleine Ritual mit deinem Kind nachzumachen: wir haben alle Dinge einzeln und schön verpackt und in den Koffer gegeben mit der jeweiligen Beschriftung. Sie durfte sich suchen, was wir ihr in der Reihenfolge gesagt haben und bevor sie das Symbol ausgepackt hat, haben wir den Text abwechselnd als Mutter und Vater vorgelesen.

Die Idee ist ausdrücklich zum Nachmachen gedacht. Ich freu mich, wenn viele Jugendliche solche oder ähnliche stärkende Feste mit den vertrauten Erwachsenen feiern dürfen. Gerne stelle ich auch auf Anfrage individuelle Ideen samt Texte zusammen, damit sie zu DEINEM Teenager passen, den oder die du beschenken möchtest.

Was haben deine Eltern DIR eigentlich wertvolles eingepackt und mitgegben – wenn auch nicht so klar und offen ausgesprochen wie hier?
Lass gern einen Kommentar hier, ich freu mich drüber!

Ich parke meine Welt

Ich parke meine Welt

Die Emotionen gehen hoch, es wird laut unter den Diskutierenden und schneller als sonst gehen die Gespräche in eine eskalierende Richtung, wo sich Fronten verhärten und jedes Verständnis für den anderen und dessen Meinung verloren geht.
Es gibt eine einfache und deeskalierende Strategie, wie man sich verhalten kann, wenn man aus solchen destruktiven Kommunikationsmustern ausbrechen möchte. Sie hat mit einem Parkplatz zu tun und heute und hier stelle ich sie dir vor.

DIE NERVEN LIEGEN BLANK

Wer kennt es nicht? Besonders in den letzten Monaten gibt es kaum Menschenrunden, in denen das C-Thema nicht aufklappt und zu herzhaften Debatten führt. Das Thema berührt uns, jede und jeden von uns auf eigene Weise und praktisch niemand kann sich ganz davon entziehen. Nun sind ja Gespräche grundsätzlich etwas Gutes, etwas, woraus wir lernen und und weiter entwickeln können, doch in diesem Fall hab ich beobachtet, dass es sehr oft viel zu zerstörerisch wird unter uns. Die Nerven liegen blank und unsere Diskussionskultur leidet darunter.

ES IST KALT GEWORDEN, DA DRAUSSEN

Mal ehrlich. Gespräche zwischen Menschen, die sich nicht regelmäßig begegnet sind, verlaufen zur Zeit anfangs mit einem guten Maß an Vorsicht. Wir tasten uns langsam vor, weil wir vielleicht anfangs noch nicht genau wissen, wie das Gegenüber zum Spaltpilz der Gesellschaft, eventuellen Maßnahmen und Lösungsansätzen steht. Dieses Virus befällt nicht nur Körper, Zellen und überlebenswichtige Organe, sondern schwächt vielmals auch unsere sozialen Fähigkeiten und unser aufeinander-zugehen. Längst klatschen wir nicht mehr füreinander oder erfüllen in großherziger Nächstenliebe irgendwelche Gefälligkeitsdienste. Es ist kalt geworden, da draußen.

IM AUGE DES BETRACHTERS

Unterschiedliche Läger betrachten diese durchaus komplexe Situation aus verschiedensten Richtungen und je nach Blickwinkel gibt es viele richtige Ideen und Ansätze. Was ich schmerzlich vermisse ist die achtsame und respektvolle Kultur miteinander umzugehen, denn für hochkomplexe Probleme in einer hochkomplexen Gesellschaft kann es nun mal keine einfachen Lösungen geben, auch wenn wir uns das noch so sehr wünschen. Um differenzierte und menschenfreundliche Zukunftswege zu entwerfen, brauchen wir die Überzeugung, dass andere Menschen andere Dinge für gut und richtig befinden und es die Freiheit braucht, diese auch zu leben. Weil es im Auge des Betrachters liegt, wie man Probleme empfindet.

DAS LEBEN IST KEINE EINBAHNSTRASSE

Was in allen möglichen Debatten derzeit passiert, ist, dass Druck aufgebaut wird, dass mit schlechtem Gewissen gearbeitet wird und gesamtgesellschaftlich alle möglichen Kniffe aus der psychologischen Trickkiste angewendet werden, um eine bestimmte Marschrichtung erreichen zu können. Doch Druck erzeugt Gegendruck und noch mehr Zweifel und gegenseitiges Unverständnis und wenn wir diese Zeiten als Gemeinschaft halbwegs gut überstehen möchten, täten wir gut daran, wieder aufeinander zu zu gehen. Wir sollen und dürfen einen klaren Standpunkt haben UND eben auch andere Standpunkte respektieren, weil das Leben halt keine Einbahnstraße ist.

PARKPLATZ FÜR VERSCHIEDENE WELTEN

Apropos Straße. Wenn man also voll in Fahrt ist bei Diskussionen aller Art, hilft es, bildlich gesprochen, sich nicht ein Straßenrennen zu liefern, sondern: den Parkplatz zu nützen. 
Diese Idee ist eine Deeskalation-Strategie und kann wie folgt funktionieren.

SCHRITT 1: WELT PARKEN

Wenn dich jemand kritisiert, beschuldigt, anfeindet, anschreit oder sonst irgendwie „anschießt“ (so nenn ich das gern), dann hilft es, in dem Moment aus der Schusslinie zu gehen statt zurück zu schießen. Im ersten Schritt bedeutet das mal: wahrnehmen, dass ich gerade angeschossen werde und verletzt bin, und kurz einmal durchatmen und das wahrnehmen, denn das darf sein. NIEMALS wird es uns (oder jedenfalls mir) gelingen, uns völlig davon abzukapseln, wenn wir verbal „angeschossen“ werden, und das braucht es auch nicht unbedingt. Gefühle sind wichtig und zeigen auf, was uns fehlt oder eben nicht. Und in diesem ersten Schritt diese eigene Welt samt Gefühlen, Empfindungen, Überzeugungen, Standpunkten vorübergehend zu „parken“. Das heißt, zur Seite stellen, sicher verwahren und sich dennoch bewusst sein, dass sie wertvoll und gut sind.

SCHRITT 2: WELT DES ANDEREN ERKUNDEN

Im nächsten Schritt, wenn ich meine mir gut bekannte Welt gesichert hab (am Parkplatz) kann ich mich in die Welt des Anderen zu begeben, ihn oder sie dort besuchen und mich umsehen, Fragen stellen und versuchen zu hören und zu sehen. Man kann dabei sagen:

  • Aha, so siehst du das also.
  • Hör ich das richtig, es ist dir besonders wichtig, dass …
  • Du siehst das also so, dass …
  • Da merkt man richtig, wie wichtig dieses Thema für dich ist, wenn du so emotional bist.
  • Erklär mir doch mal, was dabei so bedeutend für dich ist….

Das Thema ist grundsätzlich tauschbar, es geht für kritische Stimmen, Impfbefürworter, Testverweigerer, angstvolle Menschen im Zusammenhang mit Corona genau so wie mit jedem anderen zwischenmenschlichen Thema oder elterlichen Haltung: Süßigkeiten, Bildschirmzeiten, Haushaltstätigkeiten, Arbeitsaufteilung, familiäre Organisation.

Ziel dieses Schrittes ist, zu sehen, wie die Welt des anderen aussieht, sich Eindrücke zu verschaffen und es bedeutet NICHT, dass ich auch verstehen „muss“. Ich kann inhaltlich völlig anderer Meinung sein, darum geht es in diesem Moment nicht. Es geht darum, den oder die andere in ihrer Welt „abzuholen“ und das in Worten einfach auszudrücken. Wenn es gelungen ist, dass die andere Person sagt: „Ja, genau! Endlich verstehst du was ich meine!“ ist der Weg frei für Schritt Nummer drei.

SCHRITT 3: EINLADUNG AUF DEN PARKPLATZ

Wenn es gelungen ist, wirklich zuzuhören, kann der nächste Schritt erfolgen. Im besten Fall ist es so, dass sich das Gegenüber nun für DEINE Welt interessiert und nachfragt: „Und, wie siehst du das?“ Was nur dann geht, wenn auch eine gewisse Relevanz und Bindung und noch mehr Interesse aneinander vorhanden ist. Wenn diese Frage ausbleibt, kann man den anderen in die eigene Welt einladen: „Möchtest du wissen, wie ich darüber denke?“ Natürlich besteht hier die Möglichkeit, dass die andere Person verneint. Das ist auch eine klare Aussage für die Beziehung zueinander, da lohnt es sich dann jedenfalls auch nicht, mehr Zeit und Engie zu investieren. Wenn doch, dann ist es in diesem Schritt gut, auf den „Parkplatz“ zu gehen und in die eigene Welt einzutauchen und den anderen Menschen darin „herumzuführen“. So könnte man lernen, dass diese wunderbare Welt für jeden Menschen ein klein wenig anders aussieht und in der Vielfalt die Schönheit entdecken und diese Freiheit zu erleben.

DER HAKEN DARAN

Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die an der Strategie schwer sind. Erstens: man kann nur die eigene „Welt parken“, wenn man einigermaßen gut versorgt ist (Stichwort: Selicare), weil es ein hohes Maß an Rücksichtnahme und auch das Hintenanstellen von eigenen Bedürfnissen und Gefühlen erfordert. Wenn ich gerade selbst sehr bedürftig und unausgeglichen bin oder müde und mürbe, ist das fast nicht möglich (was übrigens so einiges in der derzeitigen Lage erklärt).
Und: es ist ein klein wenig ungerecht. Weil der Teil, der deeskaliert und die eigene Welt vorübergehend parkt, nachgibt und zurücksteht – und dem oft unreflektierten oder wütenden Gegenüber viel Raum überlässt. Das mag man auch nicht jederzeit aushalten. Wenn es also nicht gelingt: bleib geduldig und nachsichtig mit dir selbst.

Und wenn es gelingt, hast du folgenden Benefit.

  • du lernst die Welt des anderen kennen
  • du erweiterst deinen Blick auf die Dinge 
  • du kannst Neues über dein Gegenüber erfahren
  • du sparst Energie, weil du Streit vermeidest
  • du kannst bewusster steuern, wie hitzige Diskussionen verlaufen

WAS WIRKLICH BEDROHLICH IST

Ich diskutiere leidenschaftlich gern. Auch hitzig und emotional – alles andere find ich beizeiten fad. Es ist also längst nicht so, dass ich meine Welt dauerhaft abstelle und mich nicht positionieren mag, ganz im Gegenteil. Wenn ich aber merke, dass Gespräche zu oft und zu schnell einen zerstörerischen Verlauf haben, wende ich „Ich parke meine Welt“ aber sehr gern an und freue mich dann, dass wir einigermaßen zivilisiert miteinander umgehen können.
Dass wir unterschiedlicher Meinung sein dürfen und keinen Konsens finden.
Dass die Freiheit besteht, die Welt unterschiedlich zu betrachten.
Und das Bedrohliche nicht ist, dass jemand anders DENKT, sondern, dass wir das in manchen Bereichen nicht ZULASSEN wollen. Monokulturen – egal ob in der Natur oder in Form menschlicher Meinung – sind keine gute Idee und sicherlich nicht zukunftstauglich.

In diesem Sinne: es lebe die Vielfalt!
Habt eine gute Zeit und bunte Diskussionen voller Leben in euren Beziehungen.
Besonders in denen, die euch am Herzen liegen.

Zwischen Aufopferung und Egoismus

Zwischen Aufopferung und Egoismus

Ist es egoistisch das Baby einen Abend bei Oma zu deponieren, um als frisch gebackene Eltern zu zweit essen zu gehen? Ist es zu aufopfernd, die Bedürfnisse des Kindes jederzeit zu erfüllen? Ist der Raum zwischen Aufopferung und Egoismus das, was wir unter Selbstfürsorge verstehen? Wenn ja: Wo genau liegt bitte die Grenze? Und wie zum Teufel soll ich das als Elternteil erkennen, was jetzt gut für wen wäre und das auch noch gleichzeitig hinbekommen?

DAS SOLLTEN WIR BEDENKEN

Zunächst mal: wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Wir erleben seit vielen Monaten, dass wir nicht nur auf lieb gewonnene Privilegien verzichten sollen, sondern auch auf Dinge, die für unser alltägliches und menschliches Leben grundlegend und und wichtig wären, wie zum Beispiel spontane Umarmungenkörperliche Nähe mit ruhigem Gewissen oder Feinheiten in der Interaktion (gesamte Mimik) eines Menschen zu sehen beim Sprechen und sowieso die verminderten Sozialkontakte. Das sollten wir bedenken, bevor wir anfangen, diese Gegensätze zu besprechen. Weil Selbstfürsorge nicht zusätzlichen Druck machen soll, sondern herausnehmen und viele Strategien, die wir vielleicht schon hatten, momentan nicht gehen.

ICH WEISS, DASS ICH NICHTS WEISS

Wir sind soziale Wesen und nun seit Monaten in unserer diesbezüglichen Lebensgestaltung mehr als begrenzt und wenn wir’s nicht ab und zu weniger genau nehmen mit den verordneten Maßnahmen sowieso ganz arm dran.

Auch und besonders, dass wir uns kaum noch in Gruppen erleben, im echten Raum, macht was mit uns und unserer Anknüpfungsfähigkeit, wie ich denke. Wir isolieren uns. Das mag virologisch Vorteile bringen, gesellschaftlich ist es allerdings durchaus kritisch zu sehen. Das Schwierige ist einfach, dass es sich nicht mit Sicherheit voraussagen lässt, was das für die nähere oder weitere Zukunft bedeutet, was wir gerade auf sozialer Ebene erleben. 

Wir wissen ingesamt recht wenig und darüber noch weniger. So oft kommt mir das geflügelte Wort „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ in den Sinn, dass Sokrates zugeschrieben wird und das stimmt auch und erst recht für die momentane Zeit.

Was das Virus betrifft.
Was unsere Zukunft betrifft.
Wie wir aus der Nummer wieder raus kommen.
Mehr denn je müssen wir im Jetzt leben und für uns sorgen können, denn auf Belohnung und Erleichterung irgendwann in der Zukunft ist schon länger kein Verlass mehr. (Ups, kurz abgeschweift.) Aber zurück zum Thema: Wie sorgt man also für sich in herausfordernden Zeiten?

ANOTHER TO-DO?

In einer Zeit, wo also viele Menschen gefühlt am Rande ihrer Belastbarkeit angekommen sind, wo die Nerven blank liegen, wo ein freundlich gemeintes Zunicken im Supermarkt fast aggressive Konfrontation auslöst vor lauter Missverständnissen, wo wir überfordert sind mit den Emotionen unserer Kinder, denen der Gesellschaft und manchmal auch unseren eigenen – ist es da überhaupt zulässig, zu sagen:

„Kümmere dich halt besser um dich selbst! Du musst schon auf dich schauen! Das ist ja deine Schuld, wenn du dich so aufopferst!“ Ist Selbstfürsorge wirklich ein weiteres notwendiges To-Do auf einer sowieso schon viel zu langen Liste?

WARUM WIR SELFCARE NICHT AUTOMATISCH KÖNNEN

Diese Antwort ist womöglich schmerzlich, doch es ist tatsächlich unsere eigene Verantwortung, als Erwachsene auf uns selbst zu schauen. Sonst wird’s niemand tun und ganz ehrlich: ich will ich als mündige Erwachsene auch nicht. Für minderjährige Kinder übernehmen wir diese Verantwortung als Eltern in unterschiedlichem Ausmaß (je nach Alter, Reife und Entwicklungsstand) zusätzlich mit, also hocken wir als Elternteile quasi gleich doppelt im Dilemma, denn da fängt es an, besonders kniffelig zu werden. Allzu oft stehen sich die Bedürfnisse der Kinder mit denen der Erwachsenen diametral gegenüber und es geht sich schlichtweg nicht aus, beiden gleichzeitig und gleichermaßen gerecht zu werden.

WO DER HUND BEGRABEN IST

In der Tatsache, dass wir Menschen zu Beginn des Lebens schlicht nicht überlebensfähig wären und auf die absolute Fürsorge einer Bindungsperson angewiesen sind, liegt auch irgendwie der Hund begraben. Einerseits lernen wir in unserer frühesten Kindheit: „Ich werde versorgt, jemand kümmert sich um mich.“ Und dann sollen wir als Erwachsene plötzlich können: „Schau auf dich selbst. Und schau auf dein Kind.“ Also kippen wir möglicherweise in die Rolle der fürsorglichen Mutter oder des fürsorglichen Vaters bevor wir manchmal überhaupt gelernt haben, wie wir mal nur gut auf uns schauen. Damit wir nicht mit frühkindlichen Verhaltensmustern in eine Erwachsenenrolle stolpern, zahlt es sich aus, für einen sanfteren Übergang zu sorgen.

IRGENDWO IN DER MITTE

Wie kann man diese herausfordernde Rolle also anlegen, wenn Babys so viel Zuneigung, Liebe und Hingabe brauchen und Eltern oft sogar eingeschränkten „Zugang“ zu lebensnotwendigen Dingen wie Schlaf und Nahrung haben (ich rede erst gar nicht von Mädelsabenden oder Wellnesswochenenden zu zweit), weil es ein Baby eben erfordert, die erwachsenen Bedürfnisse hinten an zu stellen, um leben zu können? Die Antwort ist: es braucht beides. Aufopferung und Egoismus. Ohne elterliche Aufopferung würden Neugeborene nicht überleben und ohne Egoismus könnten wir uns nie wieder aus dieser Dynamik lösen und andere Lösungen finden. Langfristig wäre es gut, irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Extremen mehr oder weniger hin und her zu pendeln, denn wenn ich eins bisher in punkto Elternschaft gelernt hab: es ist sicher keine Gerade sondern eher ein seismographisches Protokoll.

BEWUSST SEIN.

Es braucht immer wieder mal – und besonders am Beginn der Elternschaft – eine aufopfernde Haltung und Einstellung, um ein gutes Aufwachsen des Kindes zu gewährleisten. Viele Mütter und Väter tun das auch von Herzen gern, weil das Kind das Wertvollste in ihrem Leben ist. Dennoch ist es mitunter schwer und Viele beschreiben diese Belastungen als echte Grenzerfahrung: so große Verantwortung, so viel Geben, so wenig Entlastung.

Von Anfang an sei allerdings gesagt:

  • Alles, was nicht Stillen ist, können Väter und Mütter gleichermaßen.
  • Es ist gut und wichtig, die eigenen Belastungsgrenzen (auch zum Wohl des Kindes) zu beobachten.
  • Du darfst Hilfe und Unterstützung annehmen und auch danach fragen.
  • Und langsam aber sicher dürfen wir dem Menschenjungen auch selbst Dinge zutrauen und zumuten.

Denn dadurch wächst Vertrauen und Mut, und das wünschen sich wohl alle Eltern für das Kind und ein geschmeidigerer Übergang vom „versorgt werden“ hin zum „sich versorgen“ wird vorbereitet.

DAS EIGENE DING MACHEN

Ganz oft stellt sich die Frage nach der Zumutbarkeit.

  • Schafft es das Baby schon, bei Oma zu bleiben?
  • Ist es okay für das Kleinkind bei der Tante zu übernachten?
  • Bleibt das Kind schon ohne mich bei befreundeten Familien zum Spielen?
  • Kann ich dem Kind schon zutrauen, allein den Schulweg zu gehen?
  • Lasse ich das Kind im weltweiten Netz schon allein?

Was hier zumutbar ist, können und dürfen Eltern selbst entscheiden. Und es ist eine ständige Gratwanderung zwischen dem, was Kinder möchten und anderem, was Erwachsene möchten. Auch wenn es dazwischen hoffentlich so einiges gibt, das allen in der Familie gut tut. Nach diesen Gemeinsamkeiten sollte und darf man suchen, dabei viel ausprobieren und dann das „eigene Ding“ machen, egal ob das dann zusammen kochen, wandern, faulenzen, spazieren, lesen, essen oder sonst was ist.

Die Bedürfnisse aller zählen – auch wenn nicht immer alle gleichzeitig erfüllt werden können. Ich sag immer gern: „Den Meisten soll es meistens gut gehen.“ Das nimmt den Druck, alles für alle immer perfekt machen zu müssen, was sowieso eine Illusion ist.

VORLEBEN, WAS WIR DEN KINDERN WÜNSCHEN

Eltern tun sich oft schwer, dem eigenen Nachwuchs etwas auszuschlagen. Mit einem dauernden Nein macht man sich früher oder später sehr unbeliebt und auch wenn ich immer sage: „Elternsein ist kein Beliebtheitswettbewerb“ – so ist schlechte Stimmung für alle Beteiligten blöd. 

Ein klares Nein zum Kind ist aber oft ein liebevolles Ja zu mir selbst, wie Jesper Juul das auch in seinem Buch „Nein aus Liebe“ beschreibt und mit dieser Idee im Hinterkopf kann es auch viel besser gelingen, die eigenen und persönlichen Grenzen zu wahren und schon dem jungen Kind vorzuleben:

Es ist okay, wenn ich arbeiten gehe, weil ich das gern mache und ich dann ausgeglichener bin.
Es ist okay, wenn Mama laufen geht, weil ihr das gut tut und sie dabei Frust los wird.
Es ist okay, wenn Papa an seinem Modellflieger baut, weil ihn das entspannt.
Es ist okay, wenn wir Eltern dich bei Oma abgeben um Paarzeit zu erleben, du bist dort gut versorgt.
Es ist okay, dass wir Eltern auch mal unsere Ruhe brauchen von euch Kindern, um dann wieder gut für euch da sein zu können. 

GLEICHZEITIG & GLEICHERMASSEN

Es gibt kein eindeutiges Richtig oder Falsch zwischen den Polen Aufopferung und Egoismus. Wichtig ist, dass wir uns spüren und unsere Kinder und einlenken, wenn wir zu lange zu nahe bei einem der beiden Pole haften bleiben. Zu viel Aufopferung ist ungesund. Zu viel Egoismus auch. Und dazwischen ist nicht nur ein schmaler Grat sondern eher eine mittelbreite Zone, die gestaltet und gelebt werden darf. Das kann und wird beizeiten herausfordernd sein, weil es eben keine Patentrezepte gibt. 

Manchmal werden sich Grenzen verschieben, weil man nie gedacht hätte, dass man auch „so“ sein kann als Mama oder als Papa. Und die Frage, ob wir’s richtig gemacht haben, wird noch länger unbeantwortet bleiben.

Also richten wir uns nach dem, was uns JETZT zur Verfügung steht: die Antwort auf die Fragen:

Fühlt es sich für mich gut oder richtig an?
Fühlt es sich wohl für das Kind gut oder richtig an?
Fühlt es sich für uns alle gut oder richtig an?
Und danach könnten wir handeln.

In Liebe zu uns.
Oder in Liebe zu unseren Kindern.
Und hoffentlich ab und zu in Liebe zu ALLEN – gleichzeitig und gleichermaßen.


Wenn du dich auf zwischen Aufopferung und Egoismus wieder besser orientieren und ausrichten magst:

MEINE, DEINE, UNSERE Bedürfnisse
Online LIVE Workshop
7. April 2021 – 19.00 Uhr
via ZOOM
25 €