Der Müll in der Beziehung – 4 Tipps

Der Müll in der Beziehung – 4 Tipps

Was der Gestank in meiner Küche mit ungelösten Konflikten zu tun hat, welche Geschenke das Leben in deiner Beziehung vorbei bringt und warum es ein Altstoffsammelzentrum für Beziehungsmüll geben sollte. 

HAUSMOLKEREI BAMMINGER

Vor einigen Monaten bemerkten wir einen unangenehmen Geruch in unserer Küche. Jeden Tag wurde er stärker und ich war schon ganz verrückt bei der Suche nach dem Grund für den Gestank. Ich hatte alle Mistkübel geleert, den Kühlschrank von oben bis unten durchsucht, alle potenziellen Laden durchschnüffelt – doch ich kam nicht dahinter.
Bis aufkam, dass kürzlich ein offener Schlagobersbecher im Kühlschrank umgefallen war. Dabei war die cremige Flüssigkeit durch einen Schlauch mit dem Kondenswasser verschwunden. Im Auffangbehälter hinter dem Einbaugerät bildete sich über die Zeit eine käseartige Masse, die es ohne weiteres mit einem Schlierbacher aufnehmen hätte können, was die Geruchsbelästigung angeht. Die Molkerei wär vielleicht sogar stolz gewesen.

MÜLLSACKERL DES LEBENS

Was hat das jetzt mit deiner Beziehung zu tun? Nun, dieser Schlagoberskäse war ein Geschenk, das uns das Leben vorbei gebracht hat. Ungefragt, einfach so. Passiert eben.

So wie in dieser Geschichte spielt es auch im Leben mit Beziehungen. 

Stell dir mal vor, angelehnt an den letzten Blog Beitrag „Schöner Wohnen“, eure Paarbeziehung ist anfangs wie ein schön eingerichtetes Haus. Euer Beziehungshaus. Alles ist neu, liebevoll arrangiert, aufgeräumt und ihr fühlt euch rundum wohl. 
Wenn ihr dieses Haus viele Jahre zusammen bewohnt, kommt es vor, dass das Leben Geschenke vorbeibringt. Nicht alle Päckchen, die da abgestellt werden, sind schön und hilfreich – manche sind echte Müllsäcke.

MÜLL IST NICHT GLEICH MÜLL

Müllsäcke sind beispielsweise ungelöste Konflikte, gegenseitige Kränkungen, emotionale Verletzungen oder ähnliche Dinge. Sie sind so natürlich wie Müll im realen Leben – er lässt sich nur sehr schwer ganz vermeiden. 
Wenn es sich nun um ein kleines Müllsäckchen handelt, ist das noch kein Drama. Ihr geht entweder drum herum, ignoriert es oder räumt es in den Keller. Irgendwo hin, wo ihr es nicht mehr seht. Das klappt so lange, bis der Müll immer mehr wird oder irgendwann zu stinken anfängt.

Das ist der Fall, wenn ihr in Beziehungen nicht gelernt habt, wie ihr Probleme ansprecht, eure Gefühle und Bedürfnisse klar ausdrückt oder Konflikte miteinander löst

Stell dir vor, du würdest den Müll nie wegbringen, sortieren oder von der Müllabfuhr holen lassen können – eure Wohnung wäre rasch ungemütlich.

Was kannst du tun, wenn sich da also schon etwas Müll angesammelt hat? Folgende vier Tipps hab ich für dich:

1: RASCHES ENTSORGEN VON SONDERMÜLL

Mein Mann ist viel ordentlicher als ich, lässt aber aus mir unerfindlichen Gründen den Flaschenöffner immer auf der Anrichte liegen – obwohl er sonst alles sofort an Ort und Stelle zurück bringt, was er wo heraus nimmt. Das ist ein kleines Müllsäckchen – es hat noch keinen Konflikt vom Zaun gebrochen, auch wenn es mich manchmal nervt. Wenn wir aber debattieren, wer das nächste kranke Kind daheim betreut und seine Erwerbsarbeit hinten anstellt, ist das wesentlich. Hier geht es um Ebenbürtigkeit und Gleichberechtigung. Würden wir diesen Müllsack nicht rasch gerecht entsorgen, könnte daraus eine echte Stinkbombe a la Schlagoberskäse werden.

TIPP: Konflikte, die dich wirklich berühren, bewegen oder verletzen sollten rasch angesprochen und geklärt werden. Je länger sie vor sich hin schimmeln können, desto ungünstiger für die Beziehungsqualität. Wenn es dir nicht allein gelingt: hole Hilfe. Mit einer fachkundigen, dritten Person ist es so viel leichter. 

2: REPARIEREN VON SCHLECHTEM BENEHMEN

Ein, zwei Tage bevor ich die „Schwarze Phase“ entere, also meine Regelblutung (part of my „monthly cycle“) bekomme, bin ich etwas außer Kontrolle. Da bringt er mich schon auf die Palme, wenn er falsch auf die Uhr schaut. Und ja, auch ich vergreife mich dann im Ton, bin ungehalten oder verletzend. So weit, so menschlich. Wenn ich merke, dass ich mal tatsächlich zu weit gegangen bin, dann geh ich mich entschuldigen, bitte um Verzeihung und anerkenne, dass ich einen Fehler gemacht habe.

TIPP: Sag, dass du etwas falsch gemacht hast, bitte um Verzeihung, wenn du jemanden verletzt hast UND: vergib und verzeih auch, wenn du gekränkt wurdest. Manchmal geht das nicht sofort. Auch Schmerz und Trauer wollen gefühlt werden. Quäle dich nicht länger als nötig und repariere zeitnah, was repariert werden soll.

3: VON ZEIT ZU ZEIT: AUSMISTEN

In einem vollen Familienalltag zusätzlich Rituale, Zeit, Gewohnheiten für sich als Paar zu etablieren ist schon allein zeittechnisch eine Herausforderung. Da spreche ich noch nicht von Motivation und Mut, Dinge bewusst anzugehen.
So wie beim Müll macht es also Sinn, erst auszumisten und zu entsorgen (fachgerecht), was nicht mehr gebraucht wird und das Leben schwerer macht. Ich neige auch dazu, den Alltag zu überladen vor lauter Begeisterung: wir könnten doch tanzen gehen, diese nette Gesprächsidee umsetzen oder  wieder mal Freunde einladen. Es gelingt oft deshalb nicht, weil gar kein Platz in unserem Leben ist. Auch nicht für schöne, neue Dinge.

TIPP: Mistet aus, was euch an Gewohnheiten nicht mehr dient und fragt euch so einmal im Jahr, was euch wirklich wichtig ist. Versucht, Dinge los zu lassen, abzugeben oder zumindest bewusst zu reflektieren, damit ihr eure verfügbare Zeit nicht mit Belanglosigkeiten zumüllt, die euch keine Freude bereiten. Eine wunderbare Idee hierzu: das geht ausgezeichnet im Beziehungspickerl – dem jährlichen Service für deine Paarbeziehung.

4: SORTIEREN VON PROBLEMSTOFFEN

Ich fahre gern in‘s Altstoffsammelzentrum. Schon zuhause wird bei uns Müll genauer getrennt, als nötig, in Boxen gesammelt und regelmäßig abtransportiert. Es ist nicht nur ein Beitrag zum Umweltschutz, es schont auch Ressourcen und beschert mir ein schönes Gefühl, alles so ordentlich auseinander zu dividieren. Hier kommt wahrscheinlich mein Sternzeichen Jungfrau durch, auch wenn ich sonst herrlich unordentlich sein kann. 
Auch beim Beziehungsmüll kann es Sinn machen, diesen in Häppchen und nach Sorte zu trennen: Konflike um die Erziehung beschäftigen uns anders als finanzielle Herausforderungen, Probleme mit der Herkunftsfamilie unterscheiden sich von Auseinandersetzungen beim Thema Zeitmanagement. 

TIPP: Sortiert eure Konfliktthemen (in gedachte Container, wie in einem Altstoffsammelzentrum) und nehmt euch eins nach dem anderen vor, statt alles auf einen großen Haufen zu werfen und darüber zu verzweifeln. Klar, manche Dinge hängen auch eng zusammen. Überlegt, welches Thema jetzt gerade am wichtigsten ist, und geht dann ein Müllsackerl nach dem anderen an. 

HAND ANLEGEN

Als wir den Grund für den Gestank in unserer Küche gefunden hatten, kam der Tischler unseres Vertrauens zu Hilfe. Das Einbaugerät wurde herausgehievt, ich konnte unter Würgen, mit Wäscheklammer auf der Nase und den dicksten Putzhandschuhen, die ich finden konnte, den Behälter da hinten reinigen. Der Schlauch, durch den das Obers geflossen war, wurde noch durchgespült. 

So erforderte ein kleines Missgeschick (mit einem offenen Schlagobersbecher) den Einsatz von zwei Handwerkern und mein Putztalent. Es wäre einfach zu vermeiden gewesen. Ich brauche auch nicht zu betonen, dass jeder offene Schlagobersbecher akribisch im Auge behalten oder wieder verschlossen wird. Doch, so ist nun mal das Leben. 

GESCHENKE IN MÜLLSÄCKEN

Aus kleinen Unachtsamkeiten kann sich ganz schöner Stinkekäse entwickeln, wenn ich nicht rechtzeitig darauf achte, sie zu beheben. Ich werde weiterhin Fehler und damit verbunden Erfahrungen machen. Vielleicht nicht mit verschimmeltem Schlagobers im Kondenswasserbehälter des Kühlschranks. Doch auf irgendeine Art und Weise werde ich weiter lernen dürfen, die Geschenke, die das Leben so in Müllsäcken in unserem Haus abstellt, zu bearbeiten. Zumindest, wenn ich mit meinem Partner lang und zufrieden in unserem Beziehungshaus wohnen möchte.

Jetzt interessiert mich: hast sich bei dir auch schon mal ein kleines Missgeschick im Haushalt in eine größere Challenge entwickelt? Lass mich gern teilhaben in den Kommentaren.


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Schöner Wohnen

Schöner Wohnen

„Was du da anbietest, ist doch schöner Wohnen!“ Wegen diesem Satz hab ich mich schon grün und blau geärgert. Wie ich erkannt habe, dass er doch wahr ist, warum niemand einen Beziehungskompass braucht und wieso mein Mann diesmal (ausnahmsweise) recht hat. 

Fotocredit: BAM wohnen, Vorchdorf https://www.bam-wohnen.at/referenzen

„Das ist doch alles schöner Wohnen!“ Ich bekomme Schnappatmung, wenn mir mein Mann zu verstehen gibt, dass meine Dienstleistung niemand braucht. Vor lauter Empörung und Kränkung streite ich vehement ab, beginne zu argumentieren und rechtfertigen und erkläre ihm ausführlich, warum er unrecht hat. Bis vor kurzem. Jetzt gebe ich es zu: ich habe mich geirrt und mein Mann hat recht. Meine Angebote für Paare, um wieder mehr Lebendigkeit, Klarheit und Lebensfreude zu generieren, sind wirklich „schöner Wohnen“.

ZWISCHEN BRUCHBUDE UND TRAUMVILLA

Ich identifiziere mich zu hundert Prozent mit meinem Business und nehme es daher tendenziell sehr persönlich, wenn jemand dazu abwertende Worte findet. Auch wenn es nicht so gemeint ist. Was bei mir angekommen ist: das ist überflüssig, irrelevant und auch wenn es „nice to have“ ist: keiner braucht so was wirklich. Das ist gemeint, wenn wir „schöner Wohnen“ sagen. Und jedesmal, wenn ich den Spruch hörte, wurde mir ein wenig schwer um‘s Herz.

Neulich beim Wandern ist mir der Satz wieder untergekommen. Jetzt kann ich sagen: mein Mann hat recht. Wie immer, natürlich. 

Wohnen – und vor allem SCHÖN wohnen – ist ein Privileg, das für viele Menschen nicht vorhanden ist. Manche von uns „hausen“ eher, die Ärmsten unter uns sind gar wohnungslos. Andere Heime sind spartanisch eingerichtet, reichen aber zum Überleben. Und dann gibt es noch Luxusvillen, die jeden erdenklichen Wunsch erfüllen. Dazwischen gibt es alles, was du dir noch so vorstellen kannst, wie es möglich ist, zu wohnen. 

Schöner Wohnen? Klar, kann man. Muss man aber nicht. Zwischen maroder Bruchbude und luxuriöser Traumvilla ist viel möglich.

VEGETIEREN IST NICHT LEBEN

Da hab ich erkannt: mein Mann hat recht. Das eigene Zuhause als Wohlfühlort, Oase der Erholung und sicheren Hafen zu empfinden, ist etwas, das nicht jeder hat, und auch nicht jeder im gleichen Ausmaß braucht. So wie glückliche Beziehungen. 

Wir blicken zwar staunend auf schöne Häuser, die prächtigen Vorgärten oder schicke Lofts mit ihrer atemberaubenden Aussicht, doch das ist längst nicht die Realität der meisten Menschen.

Wie in gelungenen Beziehungen. Da bestaunen wir die süßen, älteren, händchenhaltenden Paare, die umringt von der lieben Familie zufrieden mit ihrem Leben sind und sich noch verliebt ein Busserl auf die Wange geben. Weil sie es geschafft haben, allen Herausforderungen zum Trotz zusammen zu bleiben. 

Viel zu viele Paare erleben so eine Idylle nie oder kapitulieren beim Versuch, dorthin zu gelangen. Sie leben nicht mehr richtig, sondern vegetieren eher dahin.

„Ja, wenn ich das Geld hätte, dann würd ich mir auch eine Villa kaufen!“, sagst du? Es stimmt: es braucht oft eine Investition (und gewisse Voraussetzungen), damit man sich eine Villa leisten kann. Der Unterschied ist: eine glückliche Beziehung gibt’s nicht zu kaufen.
Doch diese drei Dinge haben Wohnungen mit Beziehungen gemeinsam.

BEDÜRFNISSEN GERECHT WERDEN

Nicht jeder Mensch muss in einer Hollywood Villa wohnen, um ein gutes Leben zu haben. Auch eine Berghütte in den Alpen ist nur für bestimmte Menschen gemacht. Nicht der Wert der Immobilie bestimmt die Zufriedenheit und das Glück der darin lebenden Menschen, sondern die Tatsache, wie gut die Wohnung zu den Bedürfnissen der Bewohnerinnen passt. Wenn ich Ruhe und Natur brauche, um mich wohlfühlen, werde ich in einem schicken Penthouse in New York unglücklich werden. Wenn ich das pulsierende Leben, kulturelle Angebote oder ausgefallene Restaurants liebe, werde ich auf der einsamen Berghütte vor Langeweile sterben. Wenn ich vier kleine Kinder hab und eine Großfamilie, die mich regelmäßig besuchen kommt, wird die Stadtwohnung ohne Balkon vermutlich eng werden. Und als alleinlebende Frau bin ich in einem Anwesen mit acht Schlafzimmern und zwölf Bädern, eigenem Heimkino und Tennisplatz möglicherweise etwas verloren.

Beziehungen sind so verschieden wie die Wohnungen der Menschen. Niemand kann und darf beurteilen, was für mich passend ist. Die einzige Person, die bestimmt, ob meine Beziehung für mich okay ist, bin ich selbst. Und es ist auch die Realität, dass wir in schlechten Beziehungen ausharren und bleiben, obwohl es so viel Potenzial zum Verbessern, Aufhübschen, „Schöner Wohnen“ gäbe.

BRAUCHEN PFLEGE & REPARATUR

Bei uns hängt nach fünfzehn Jahren im Haus an manchen Fassungen noch die Glühbirne. Dafür haben wir schon die dritte Waschmaschine und der Boden im Wohnzimmer wurde schon einmal geschliffen. Wir haben mehrmals diverse Räume ausgemalt, mit Spachtelmasse Löcher, die wir zuvor in die Wand geschlagen hatten wieder zugekittet und Möbel auf den Sperrmüll gebracht, weil sie kaputt oder nicht mehr dienlich waren. Vom Putzen und Aufräumen will ich erst gar nicht anfangen.

So wie unsere Wohnungen Pflege und Reparatur brauchen, tun das auch unsere Beziehungen. Ich kann in das herrlichste Haus einziehen, das alle Stückerl spielt: wenn ich nicht gut drauf schaue, manche Dinge warte, sauber halte und bei Bedarf erneuere, wird auch das nobelste Zuhause über die Jahre eine Bruchbude. 

Reparieren in Form von entschuldigen, vergeben, verzeihen ist auch in zwischenmenschlichen Beziehungen notwendig. Pflege im Sinn von exklusiver gemeinsamer Zeit, Hilfsbereitschaft, gegenseitiger Wertschätzung und einer passablen Kommunikations- und Konfliktkultur sorgen zum Beispiel für ein gutes Beziehungsklima. 

Die Realität ist auch: Menschen bleiben in toxischen Beziehungen, erdulden Unterdrückungen und Unterwerfung, sind nachtragend oder verletzend – und auch das geht irgendwie.

So wie Menschen in dreckigen Häusern wohnen, Müll in den Räumen ansammeln und dort vergammeln lassen oder kaputt gewordene Gegenstände einfach nicht reparieren.

GLÜHBIRNENFASSUNGEN GIBT ES ÜBERALL

In unserem Fall ist es wohl Bequemlichkeit, Unachtsamkeit oder ganz einfach eine Abnützungserscheinung, wenn ich daran denke, was am Haus gemacht, repariert oder verbessert werden kann – aber nicht geschieht. Im Großen und Ganzen fühlen wir uns hier sehr wohl, auch wenn ein Interieur Profi sicher reichlich Verbesserungsmöglichkeiten sieht. Wir schauen darauf, dass Dinge, die uns wichtig sind, in Schuss gehalten werden, das wir regelmäßig ausmisten oder den vier Wänden mal einen neuen Anstrich verpassen. Wenn der Wasserhahn tropft, rufe ich den Installateur. Wenn die Hecke des Nachbarn zu hoch wird, kommt die Gärtnerin. Und einmal im Jahr sorgt der Rauchfangkehrer dafür, dass der Kachelofen wieder zieht.

Ich weiß, dass ich nicht alles selbst können und schaffen muss – es gibt Menschen, die haben davon mehr Ahnung als ich. Für mich ist das eine Erleichterung. 

Obwohl so ewig hängende Fassungen hier schon Beziehungskonflikte ausgelöst haben, sind es auf partnerschaftlicher Ebene andere Dinge, die ich im Auge behalten will als die leidigen Glühbirnen. 

Zum Beispiel: nicht zu bequem werden und alles selbstverständlich erachten, sondern Wertschätzung zeigen, wann immer es mir möglich ist. Ich will mich darauf fokussieren, was bei uns gut läuft, anstatt die Haare in der Suppe (aka, die Glühbirnenfassungen) zu finden. Eine offene, ehrliche und aufrichtige Kommunikation ist mir wichtig. Wenn die Fetzen fliegen: dass wir uns nachher entschuldigen können und eine passable Fehlerkultur entwickeln. Eine Begegnung auf Augenhöhe schätze ich sehr und dass wir uns gegenseitig in Großzügigkeit und mit viel Verständnis aushalten. Dass es gelingt, uns in der jeweiligen Unterschiedlichkeit zu lassen. Dass wir daran wachsen, reifen und verbunden sein können. 

ICH KANN ALLES LERNEN

Irgendwie hab ich irgendwann gelernt – vermutlich hat auch meine Mama damit zu tun – wie ich eine Wohnung oder unser Haus gemütlich und sauber halten kann. Ich weiß, wie dieses Aufräumen geht und kann mir externe Hilfe holen, wenn es mir zu viel wird.

Bei Beziehungen hab ich auch irgendwie irgendwann gelernt – vermutlich haben meine Eltern damit zu tun – wie man gut zusammen leben kann, sich streitet und wieder versöhnt, zusammen lacht und weint, dass Probleme angesprochen und aus der Welt geschafft werden können. 

Was ich noch nicht kann, kann ich lernen. 

Und ich will lernen, was es braucht, um JETZT gute, glückliche, gelingende Beziehungen zu führen. Ein paar Dinge weiß ich schon, doch wir lernen auf dem Feld nie aus.

Jede Lebensphase ist neu und erfordert andere Talente. 

Ich brauche keine Weltmeisterin in Beziehungsführung sein. Es reicht, wenn ich das kann oder lerne, was ich benötige, um zufrieden zu sein. Wenn ich eine Einschätzung machen soll: ich bin wohl eher Typ solide Berghütte mit viel Charme in den Alpen als protzige Königsvilla mit Privatjet, wenn ich meine Beziehungsbedürfnisse in einer Immobilie beschreiben müsste.

So, und jetzt bin ich neugierig:

Wie würdest du deine Paarbeziehung beschreiben, wenn sie die Gestalt einer Wohnung, Haus, … hätte? Schreib das gern in die Kommentare! 


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13 Tipps für gelingende Kommunikation als Paar

13 Tipps für gelingende Kommunikation als Paar

„Bei uns hakt es irgendwie bei der Kommunikation.“ Diesen Satz höre ich wirklich oft, wenn Paare hier aufschlagen und meist kann man sagen: Ja, es stimmt.
Es ist tatsächlich eine tägliche Herausforderung, eine gute Gesprächskultur zu leben, sich selbst und das Gegenüber stets wertschätzend anzusprechen. Die nötige Klarheit braucht es dann auch noch und, ach ja: ein offenes Herz.

Wenn die Gewohnheit rechts überholt

Den eigenen sprachlichen Umgang in gute Bahnen zu lenken, dazu zu lernen und sich zu entwickeln ist ein Prozess, der lange Zeit dauert. Obwohl es theoretisch sehr einfach und schnell gehen könnte, wenn man folgende Regeln ab sofort beachtet. Wäre da nicht die Gewohnheit, die uns immer wieder mit den alten Mustern rechts überholt. Ich will es dennoch versuchen. Und dir die – meiner Meinung nach – wichtigsten Tipps für eine gute Paarkommunikation mitgeben. Los geht’s.

1.) Ich bin selbst verantwortlich für meine Gedanken, Sprache und Gefühle.
Nicht dein nerviger Chef ist schuld, oder die anstrengenden Kinder, auch nicht die lila Zyklusphase. Du selbst bist verantwortlich für das was „oben“ in der Dachkammer kreiert wird und dann über den Mund raus kommt und auch für deine Gefühle.
„Mir geht’s heut nicht gut, ich bin übelst gelaunt und bräuchte Ruhe.“ Das wär so ein guter Anfang für die Tage, wo es nicht so recht läuft.

2.) VW-Regel: ich spreche in Wünschen, statt in Vorwürfen.
Diese Regel hat nichts mit dem deutschen Autokonzern zu tun, du kannst die Idee aber gern gedanklich an dem Emblem festmachen. Statt dich dauernd bei deinem Partner zu beschweren, sprich in Wünschen, die sind meist klarer und eindeutiger.
Statt „Immer kommst du so spät nach Haus!“ Eher so:
„Kannst du morgen bitte um _____ (exakte Uhrzeit einfügen) zuhause sein, ich möchte mit dir einen ruhigen Abend verbringen.“

3.) Ich kann nicht alles wissen.
Das ist zwar logisch, aber in Zeiten, wo wir das Weltwissen in Form unserer Smartphones in der Hosentasche geparkt haben, eine Erinnerung wert. Das Gute ist: ich darf jederzeit nachfragen und mich verlassen, dass ich eine Antwort von dir bekomme. It’s that easy.

4.) Unterschiedlichkeit fördert Wachstum und Entwicklung, wenn ich es erlaube und anerkenne.
Schon etwas schwieriger. Unterschiede sind per se kein Parameter für gute oder schlechte Beziehungen – es kommt drauf an, wie du mit den Unterschieden umgehst. Es darf sich mühsam anfühlen. Und dennoch kann genau da die meiste Entwicklung passieren.

5.) Ich darf Fehler machen.
In einer perfektionistisch anmutenden Welt auch eine Erinnerung wert. Der Hund liegt hier im Detail, wie ich finde. Denn selbst gesteht man sich das manchmal noch eher zu, aber wehe der Partner macht was falsch! Na, ertappt? Willkommen im Club. Lassen wir ein bisschen mehr Großzügigkeit walten.

6.) Fühlen ist nicht gleich HANDELN. Dazwischen: Entscheidungsspielraum.
Ein oft falsch verstandenes Detail im Zuge der Authentizitätsdebatte. Nein – wenn ich mich schlecht fühle, muss ich nicht nicht wie ein Stinktier benehmen. Die graue Masse im Kopf hilft uns dabei, diese bewusste Entscheidung zu treffen UND anzuerkennen, dass wir uns nicht verstellen brauchen, sondern echt sein dürfen.

7.) Ich muss nicht immer stark sein.
Das wünsche ich jedem Menschen von Herzen, dass er und sie diesen sicheren Raum in der eigenen Paarbeziehung finden – was leider nicht selbstverständlich ist. Ein wichtiger Satz ist mir von einer klugen Frau hängen geblieben: „Sich nicht so zu verletzen, wie man es könnte. Das ist eine der goldenen Regeln für gelingende, lange Beziehungen.“

8.) Ich darf alle Gefühle ausdrücken und sie auch behalten, wenn ich will und „genießen“.
Das Gute ist: wenn man sich klar darüber ist, dass man selbst die Verantwortung für die eigenen Gefühle trägt, kommt der Partner nicht automatisch in „Zugzwang“. Gefühle sehen und anerkennen. Bedürfnisse sehen und anerkennen. Erster Schritt. Wichtigster Schritt. Dann schau ma weiter!

9.) Ich darf fragen und bitten um das, was ich möchte.
Zweiter Schritt – wenn ich die Idee hab, ich brauche jemanden, der mir helfen kann, meine Gefühle und Bedürfnisse zu regulieren. Gilt für alle Beteiligten! Das befreit mich auch davon, auf magische Art und Weise erahnen zu müssen, was mein Partner von mir braucht oder nicht. Weil ich mich verlassen kann, dass er es mir sagt. Beste Entlastung für ein Paar!

10.) Ich versuche die Wahrnehmung meines Partners / meiner Partnerin uneingeschränkt zu verstehen und mit ihm / ihr zu fühlen.
Zugegeben: das ist manchmal echt schwer, wenn wir selbst so ganz anders denken oder fühlen. Versteh dich als Forscherin auf unbekanntem Gebiet: einfach zuhören und aufnehmen und einen wertungsfreien Raum halten, indem jeder so sein kann und darf, wie er eben ist.

11.) Ich höre mit dem Herzen aufmerksam, liebevoll, wertungsfrei und vor allem ununterbrochen zu!
Mit dem Herzen zuhören find ich hier die leichtere Übung – das mit dem Ausreden lassen – wirklich ausreden lassen und vor dem Antworten nochmal atmen – das darf ich als alte Quasselstrippe definitiv noch ausbauen. Auch wenn es sich jedes Mal gut anfühlt, wenn es mir gelingt.

12.) Ich lege das Handy und alle Ablenkungen weg.
Digitale Geräte buhlen um unsere Aufmerksamkeit und ich hab das Gefühl, das wird immer mehr. Was für ein Zeichen der Wertschätzung, wenn man sich auf eine andere Person ganz und gar konzentriert. Ein Geschenk, dass wir uns öfter machen dürfen.

13.) Ich suche und halte bewusst liebevollen Augenkontakt und zeige meinem Gegenüber, dass ich da bin.
Sich gerade bei wichtigen Gesprächen auch tatsächlich an zu sehen und den Blick zu halten, gibt der Konversation eine andere Tiefe und Bedeutung. Man könnte sagen: ich bin mit allen Sinnen bei dir. Noch so ein Kompliment. Vielle

Vermutlich hast du’s bemerkt: nicht alle Tipps sind tatsächlich sprachliche Hinweise. Sehr viel in der Kommunikation liegt auch in der Haltung, mit der wir uns begegnen.

Wenn du dir denkst, du möchtest gern eine nachhaltige Verbesserung für die Kommunikationskultur in deiner Beziehung, kann ich dir den Beziehungskompass wärmstens empfehlen!

Klettersteig & Beziehungen: 5 Parallelen

Klettersteig & Beziehungen: 5 Parallelen

„… wenn der Weg steil ist und uns die Hoffnung fehlt.“ So lautete ein Teil unseres Ja-Wortes, das mein Mann und ich uns vor etwa 17 Jahren gegeben haben. Einen steilen Weg erleben wohl alle Menschen früher oder später in langjährigen verbindlichen Beziehungen – und ich hab diese Woche einen steilen Weg bewältigt. Zwar nicht in unserer Paarbeziehung, aber auf einem Klettersteig. Und ich hab fünf Parallelen entdeckt, die man dabei auf die eigene Partnerschaft übertragen kann, wenn man möchte.

Etwas Neues erleben gehört schon seit Jahren zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Nicht nur, weil ich der Meinung bin, dass mein Alltag dadurch aufgemischt wird und ich im Köpfchen frisch bleibe, sondern auch, weil es dabei immer etwas zu Lernen, Entdecken und Erleben gibt.

So hab ich wieder einmal neue Pfade betreten und bin diese Woche zum ersten Mal einen Klettersteig hinauf – auf die Katrin im wunderschönen Bad Ischl. Meine Erkenntnisse und Metaphern, die auch für deine Paarbeziehung nützlich sein können sind folgende.

DU BRAUCHST VERTRAUEN

Gleich zu Beginn werde ich aufgefordert, mich einzuklinken und in das Klettergeschirr sinken zu lassen, damit ich spüren kann: es hält mich aus und ich darf vertrauen in mein Material. Was für ein schöner Einstieg und eine wunderbare Überzeugung. Doch nicht nur das Material ist wichtig. Auch die passenden Schuhe, ein guter Helm, Handschuhe, um die zarten Pfoten zu schützen und die Gewissheit, dass der Weg in Ordnung ist – den zudem schon viele vor mir gut bewältigt haben – gehören da dazu.
Auch in Beziehungen braucht es dieses Vertrauen. Dass du gehalten bist. Dich auf dich selbst verlassen kannst UND auch noch aufgefangen wirst, solltest du mal daneben steigen. Auch in der Liebe ist es gut, sich vor realen Gefahren zu schützen, sich zu schonen, falls es mal rauher her geht und sich immer wieder sagen: es ist möglich! Auch andere schaffen das mit einer guten Portion Vertrauen.

DU BRAUCHST MUT & ZUVERSICHT

Zugegeben: ich bin von Haus aus nicht besonders zimperlich, liebe auch Dinge wie Achterbahnfahrten oder mit den Skiern in ein Luftkissen springen und hab auch kaum Höhenangst. Dennoch ist es so: ein Busserl Mut brauchte ich dann schon, als ich den kahlen und steilen Felsen hoch sah.

Auch in Beziehungen bedarf es immer wieder eines gewissen Mutes und ganz schön viel Zuversicht, wenn man sich in das Abenteuer hinein wagt. Wir setzen uns auch aus, wenn wir unser Herz öffnen. Wenn wir echte, tiefe Gefühle und Verbindung zulassen und es besteht auch hier die Gefahr, verletzt zu werden. Wenn auch nicht körperlich, sondern vor allem emotional. 

DU BRAUCHST KRAFT & ANSTRENGUNGSBEREITSCHAFT

Während ich hier tippe, spüre ich noch den süßen Muskelkater in meiner Schulterpartie, der mich an Mittwoch erinnert. Und auch wenn ich lang nicht an meine körperlichen Grenzen gestoßen bin: ein bisschen anstrengend war’s schon. Allerdings wollte ich ja unbedingt dieses Erlebnis haben, die schönen Ausblicke genießen und mich auch körperlich anstrengen.

Auch in Beziehungen ist es manchmal anstrengend und nach dem einen oder anderen Konflikt bleibt ein „Muskelkater“ in Form von schlechter Stimmung oder schief hängendem Haussegen übrig. Wenn wir wachsen wollen, uns entwickeln und stärker werden – oder einfach nur fit unseren Weg gehen möchten, braucht es die Bereitschaft, sich regelmäßig darin zu üben. Zu trainieren und die damit verbundenen, aber erträglichen Muskelkater auszuhalten.

DU BRAUCHST BEGLEITUNG

Okay, es ist keine Raketenwissensschaft, einen Klettersteig zu gehen. „Es gibt kein Richtig oder Falsch“ hat meine Begleiterin des Vertrauens, Katharina Scharnreiter, mehrmals zu mir gesagt, als wir losgegangen sind. Dennoch hab ich mich sehr wohlgefühlt und war unglaublich entspannt, weil ich wusste, da ist jemand an meiner Seite, der hat Routine, Erfahrung und steht mir in der Not bei. Ich brauche es nicht allein zu schaffen. (Und nebenbei hatte ich supernette Gespräche!)

Auch für Beziehungen gilt: Begleitung macht manchmal richtig viel Sinn. Wenn du / ihr den Weg schon in und auswendig kennt, ohne großes Stolpern voran kommt und immer wieder auch so den Ausblick genießen könnt: WUNDERBAR. Und wenn sich mal eine steile Klippe auftut, die von unten nicht bewältigbar aussieht, dann holt euch eine Begleitung, die euch den Weg angenehmer macht, weil sie Gelassenheit, Ruhe und Expertise mitbringt. Auch wenn es dadurch nicht weniger steil, anstrengend oder schwierig wird: ganz sicher ist es klüger, es so zu tun, als sich allein ohne Know-How rum zu plagen.

DU BRAUCHST WERTSCHÄTZUNG & DANKBARKEIT

Ganz ehrlich: so ein Klettersteig wär nur die Hälfte wert, wären da nicht: diese unfassbar schönen Ausblicke und die Seile, die jemand lang vor mir in den Felsen geschlagen hat. Bei jedem Schritt, den ich auf einen Stahlstift setzen durfte und musste und bei jeder Verankerung eines Seils dachte ich mir: „Wie schön, dass jemand sich diese Mühe und Arbeit gemacht hat, damit ich hier so etwas Schönes erleben kann!“ 

Auch in Beziehungen braucht es langfristig diese kleinen Dankbarkeiten und Wertschätzung, wenn man aneinander Freude haben und behalten möchte. Es ist eben nichts selbstverständlich – auch wenn man sich gewisse Dinge erwarten darf in einer Partnerschaft. Es kostet meistens sehr wenig, ein 

  • Danke
  • Schön, dass du da bist.
  • Hab einen guten Tag.
  • Ich hab gesehen, dass du …. Erledigt hast!
  • Danke, dass du mich aushältst.

… zu sagen. Obwohl wir es vermutlich verdient haben. Dankbar sein und dem anderen wertschätzend begegnen kann Mann und Frau ja trotzdem. Oder gerade deswegen.

Ich wünsche dir und mir, dass wir uns immer wieder im Alltag daran erinnern, dass diese 5 Dinge wichtig und wertvoll sind. Dann wird auch unser Zusammenleben – so wie die Bergtour am Mittwoch – gesegnet sein von freundlicher Stimmung, Sonnenschein, gemütlichen Gesprächen, ein bisschen Aufregung, viel Weitblick und Staunen und nährenden Momenten, die viel länger anhalten als jeder Muskelkater dieser Welt. 


Wenn du in deiner Paarbeziehung gerade eine „steilere“ Passage zu bewältigen hast:
ich bin gern dein Tourguide und stehe euch mit meiner Gelassenheit, meinem Know-How und meiner Expertise zur Seite im

18 Sommer

18 Sommer

Der Küchentisch ist heut Morgen wieder nur von einem Kind besiedelt, zwei Drittel sind ausgeflogen. Was hier immer öfter vorkommt. Mehr und mehr eigene Pläne und Orte, wo sie ihr Leben genießen, unser Zuhause: manchmal nur mehr die Homebase zum Gewand wechseln und kultivieren. 
18 Sommer haben wir mit unseren Kindern (so las ich es bei Ellen Girod), wo wir die Verantwortung für sie tragen. Wenn uns so viel Zeit zusammen gegönnt ist. Warum wir sie nutzen, genießen, auskosten sollten.

IM RÜCKSPIEGEL BETRACHTET

Ich bin jung Mama geworden. Mit gerade mal 24 Jahren hab ich unser erstes Kind geboren und mich selbst als Mutter dazu. Die Kombination aus fast jugendlicher Unbeschwertheit und sorgloser Selbstverständlichkeit war im Rückspiegel betrachtet ein Glücksfall. Und doch hab ich so jung schon sehr genau gewusst, wie ich mir das mit dem „Kinder haben“ vorstelle. Geprägt von meiner eigenen Geschichte im Oberbuch’schen Bullerbü.

DEMUTSÜBUNG DES LEBENS

Hingabe. Das ist eins der ersten Dinge, die es braucht, wenn man Kinder bekommt. In unzähligen Geburtsgeschichten, war der Moment der Hingabe der, wo die Geburt wirklich losging, wie ich gehört habe. Du gibst dich selbst auf und darfst komplett ins Vertrauen gehen, dass alles, was hier passiert, hoffentlich gut gehen wird. „Mutter werden ist die größte Demutsübung, die es gibt!“ hat eine sehr kluge Frau mal zu mir gesagt. Ich stimme ihr zu.

DAUER DER VORSTELLUNG UNBEKANNT

Wenn dann die durchwachten Nächte hereinbrechen, Brechdurchfälle und gippale Infekte sich die Klinke in die Hand geben, der Haushalt einem jeden Tag noch mehr über den Kopf wächst und um sieben Uhr morgens schon das gefühlt tausendste „MAAAAMMAAAA!“ durch die Wohnung dröhnt, scheint die Zeit wie eingefroren zu sein. Man sitzt in seinem ganz persönlichen Horrorfilm und weiß nicht, wie lang die Vorstellung noch dauert.

WIR SCHAUEN VORBEI

„Kinder dürfen keine Ausrede sein, etwas im Leben nicht zu machen! Das möchte ich ihnen später nicht vorwerfen müssen!“ hab ich kürzlich gehört und die Aussage trifft mich ins Herz. Weil sich darin ein klein wenig der Wert der Kinder in dieser Gesellschaft wiederspiegelt. Wir gaukeln vor, wie wichtig sie sind, tönen „Kinderbetreuungsplätze für alle“ und verlieren meist komplett aus den Augen, um wen es hier eigentlich geht. Und welche Chancen wir verpassen, wenn wir so denken.

18 SOMMER IS ALL WE HAVE

Nein, man muss nicht auf alles verzichten, wenn man Kinder hat. Da bin ich glasklar. Mir erschließt sich der Wert von mehrstündigen Wandertouren mit Säugling im Tragetuch halt nicht. Und so manche andere Sachen, die mir neuerdings wiederkehrend unterkommen. Wann ist es bitte so unpopulär geworden, Zeit für die eigenen Kinder zu haben und die Elternkarenz für alles mögliche zu nützen, nur nicht dem Kind zu widmen? Wir schhhschen sie bei Videokonferenzen, nehmen ihre Signale nicht wahr und schieben sie beiseite, weil wir so beschäftigt sind. Wir verhalten uns, als könnten wir all das später nachholen. Aber wir haben nur 18 Sommer. Manchmal vielleicht sogar weniger.

Wir sollten …

  • … mit ihnen Musik aufdrehen und laut dazu singen.
  • sie mit pubertären Launen aushalten und daran Gelassenheit trainieren.
  • sie mit mildem Blick anschauen, wenn was daneben gegangen ist.
  • die 5 in Bio entspannt hinnehmen, weil sich die Erde sowieso weiter dreht.
  • sie ermutigen, das mit dem Skateboard doch noch mal zu versuchen.
  • ihnen zuhören, wenn sie uns vom Leben erzählen.
  • sie fragen, ob sie heute mal gelacht haben.
  • uns interessieren, was denn gerade in ihrem Kopf vorgeht.
  • mit ihnen feiern! JEDEN TAG! Weil es jeden Tag was zu „feiern“ gibt – im Sinn von: darüber hab ich mich heute gefreut!
  • am Boden mit ihnen spielen und die Welt aus ihrer Perspektive sehen.
  • uns verzaubern lassen von ihren phantasievollen Ideen und Gedanken.
  • sie sehen, wie großartig sie sich dieser verrückten Welt entgegenstellen.
  • sie umarmen, drücken, abknutschen, streicheln, halten. Und aushalten.
  • denken, dass sie schon gut sind, so wie sie sind.
  • ihnen lernen und zeigen, wie wichtig sie uns sind.
  • mit ihnen Bettkantengespräche führen und dabei unsere Verbindung spüren.
  • den Haushalt stehen lassen und mit ihnen im Garten toben.
  • die Videokonferenz unterbrechen, wenn sie zur Tür rein kommen und uns brauchen.
  • sehen, wie sehr sie unser Leben bereichern, nur durch ihre Existenz.
  • jeden Moment schätzen, der uns mit ihnen gegönnt ist.

Dies ist der achtzehnte Sommer mit unserem ersten Kind. Rein rechtlich ist sie im Herbst eine unabhängige Erwachsene, die uns nicht mehr braucht. Natürlich bedeutet das kein Ende des Kontakts. Wir hoffen, dass „DAHOAM“ immer noch und noch lange ein Ort ist, wo sie gerne lebt und immer wieder zurück kommt. Um aufzutanken, loszulassen, einzukehren und sich zu verbinden

Wie endlich unsere gemeinsame Zeit ist, haben wir oft zu wenig am Radar.
Einerseits ist es gut, andererseits eine Schande.
Weil wir Gelegenheiten verpassen, die nie mehr wiederkommen.

Weil das Glück in Momenten zu finden ist.
Weil es die Beziehungen zueinander sind, die unser Leben reich machen.
Und das Leben überhaupt lebenswert.

Wie viele Sommer hast du hoffentlich noch? Schreib mir in die Kommentare, was dir bei dem Gedanken durch den Kopf geht, wenn du magst …

Das Schwere und das Leichte. Mutter sein.

Das Schwere und das Leichte. Mutter sein.

Es ist der schönste Job, den ich je in meinem Leben machen werde und gleichzeitig auch der Wichtigste für mich. Er ist der schlecht bezahlteste und gleichzeitig unbezahlbar für unsere Gesellschaft und Wirtschaft. 

Mutter zu sein ist für mich jeden Tag wieder alles zusammen. Von herzerwärmenden bis haarsträubenden Momenten hat er einfach alles zu bieten. Über das Schwere und das Leichte am Mutter sein.

SO HAB ICH MIR DAS NICHT VORGESTELLT

Ich kann mich, wenn ich ehrlich bin, nicht mehr so genau erinnern, wie ich mir das Mutter sein vor knapp 18 Jahren so vorgestellt hab. Doch ich bin ziemlich sicher, dass es relativ bis überdimensional idyllisch war. Und heute weiß ich: man KANN es sich nicht richtig vorstellen. Selbst dann nicht, wenn man – wie ich – vier jüngere Schwestern hat oder beste Freundinnen, die kurz zuvor selbst Mutter wurden und man das alles mehrmals hautnah miterlebt hat.

Ich wage zu behaupten, dass das Wochenbett noch nicht vorüber war, als ich mir zum ersten Mal gedacht hab: „So hab ich mir das nicht vorgestellt.“

NIX FÜR WEICHLINGE

Mutter sein ist eine Initiation. Du musst es erlebt haben, um es zu verstehen.

  • Dass du es wirklich mit einem Neugeborenen oft bis am Nachmittag nicht aus dem Pyjama schaffst.
  • Dass sich eine dreiminütige Dusche wie ein Wellnessurlaub anfühlen kann.
  • Wie es ist, vor dem ersten Kaffee frühmorgens schon zweimal die Küche gewischt zu haben, weil die Kakaotassen geflogen sind.
  • Wie schnell dich permanenter Schlafmangel in eine Horrorversion von dir selbst verwandelt. Mutter sein ist echt und jedenfalls nix für Weichlinge.

DU BIST HIMMLISCH 

Gleichzeitig gibt es nichts Betörenderes als den Duft eines Säuglings zu riechen (vorausgesetzt, die Windel ist nicht grad voll), zu spüren, welche Hormonwellen ein einziges kurzes Lächeln des Kindes in dir lostreten kann oder erahnen, wie wichtig und bedeutsam du für dieses kleine menschliche Wesen bist. Der Griff der Kinderhand um deinen kleinen Finger, die Art und Weise, wie sie dich anhimmeln, auch wenn du gerade aussiehst wie durch Sonne und Mond geschossen, drei Tage nicht geduscht hast und Essensreste der letzten Mahlzeiten an deinem Gewand haften. Sie lieben dich bedingungslos.

NO LÖSUNG IN SICHT

Worauf ich definitiv nicht vorbereitet war, waren die Situationen, für die es keine Lösungen zu geben schien. Wenn ein kleines Kind trotz aller Beruhigungsversuche nicht aufhören kann, zu weinen und du am Ende deiner Weisheit und Nerven angekommen bist. Wenn das Kindergartenkind raus gebissen wird und du einfach nur seine Trauer oder den Frust auffangen kannst. Wenn du gern Unterstützung annehmen würdest und das Kind einfach nur DICH haben will, obwohl ihr euch schon den ganzen Tag aneinander aufreibt. Dass dein Hirn zu einer hochkomplexen Denkzentrale mutiert, wo alle familieninternen Informationen zusammenlaufen und du gefühlt dauernd zwölf Schalthebel gleichzeitig bedienen sollst.

BESSER ALS JEDES KABARETT 

Was ich jedoch auch unterschätzt habe: WIE LUSTIG das Leben mit Kindern ist. Die vielen lustigen Sager, die sie am Beginn ihrer Sprachkarriere liefern. Oder, wenn sie monatelang glauben, sie „SEIEN“ Pippi Langstrumpf und total in dieser Rolle versinken. Wie sie Spielideen (wie einen Süßigkeitenlift ins Obergeschoss) umsetzen – und ja, das ganze Haus dabei verwüsten – und wie unbeschwert und leicht sie in jeden Tag leben. Ich hab zig Stunden Videomaterial aus den Kinderjahren, die mich auf ewig an diese goldenen Zeiten erinnern werde, weil sie so viel Licht und Helligkeit in den doch öfter trüben Alltag von uns Erwachsenen gebracht haben. Kinder sind oft ehrlich besser als jedes Kabarett.

UNGERECHTIGKEITEN, DIE ES IMMER NOCH GIBT

Heute sind unsere Kinder – wie man so schön sagt – aus dem Gröbsten raus. Alle können reden, sich verständigen, mal auch was für sich selbst kochen, (theoretisch und wirklich auch praktisch) putzen, kochen und waschen und wir führen einen halbwegs entspannten Alltag. Was ich immer noch schwierig finde ist, dass es so ein Ungleichgewicht in der gesellschaftlichen Sicht gibt, was die Rolle der Mutter betrifft.

GOTTGEGEBEN

Wenn Väter mit ihren Kumpels wegfahren, fragt kein Schwein, wo denn die Kinder derweil sind. Es ist gottgegeben, dass wir Mütter da sind. Wenn wir Frauen uns mal für ein, zwei Nächte (an drei traut sich schon fast Keine denken) davon stehlen, fragen wir uns gegenseitig, wer denn bei den Kindern sei. Das find ich immer noch und immer wieder krass. Abgesehen davon, ist zuhause bei Vielen vorgekocht, die Wäsche gewaschen und alles rundherum wartet eh geduldig darauf, bis du wieder da bist. Und bitte, da haben wir Frauen sehr wohl einen Anteil daran, das dieses Bild so aufrecht erhalten bleibt. Und WIR können das auch ändern!! 

(An dieser Stelle sei gesagt: hier sind wir mittlerweile schon sehr fortschrittlich unterwegs als Familie – darauf bin ich stolz mitsamt Mann und Kind. Es zahlt sich aus, Arbeitsaufteilung immer wieder auszuhandeln!!)

MEHR ALS KLATSCHEN

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass Familien eine echte Chance bekommen, Gleichberechtigung in Familien zu leben und zwar ohne die großen wirtschaftlichen Einbußen, mit denen es natürlich jetzt schon möglich ist. Ich wünsche mir für die Mütter, dass sie ihren ebenbürtigen Platz neben ihrem Partner einnehmen, erkennen, wie wertvoll ihr Tun ist und sich selbst und andere immer wieder daran erinnern. Ich wünsche mir mehr Anerkennung für die gewaltige Leistung, die Mütter tagtäglich unbezahlt erbringen, weil ihnen das Wohl ihrer Familie so sehr am Herzen liegt. Und mit Anerkennung meine ich bitte: ein bisserl mehr als Klatschen.

WÜNSCHE ZUM MUTTERTAG

Und DIR wünsche ich, wenn du bis hierhin gelesen hast: einen schönen Muttertag mit herzerwärmenden Momenten, viel Humor (wenn hinter den Kulissen alles schief gegangen ist), eine Prise Leichtigkeit (weil am Montag wieder alles ist wie vorher) und JEDENFALLS:

die Erkenntnis, die mich immer wieder streift: was für ein Glück es ist, Mutter sein zu dürfen. Denn bei allen Herausforderungen, Ungerechtigkeiten und Schlamasseln, die diese Rolle mit sich bringt, brauche ich keine Sekunde überlegen, ob das Leichte oder das Schwere hier überwiegt.

Meine lieben Kinder, wegen euch schlägt mein Herz höher, ist mein Lachen lauter und mein Leben bunter – ihr seid mein absolutes Glück. Danke, dass ihr euren Weg zu mir als Mutter gefunden habt.

Kerstin Bamminger

Ich lieb euch.

Was möchtest du deinen Kindern sagen, die dich zur Mutter gemacht haben?