3 Wege für mehr GENDER-Gerechtigkeit in Familie & Partnerschaft

3 Wege für mehr GENDER-Gerechtigkeit in Familie & Partnerschaft

Ich gestehe: das ist ein wunder Punkt bei mir. Gerechtigkeit in der Familie. Auch wenn wir ein grundsätzlich sehr traditionelles Modell leben, ist mir moderne Gerechtigkeit in meiner Partnerschaft ein großes Anliegen. Und diesen Umstand auszuhandeln ist oft unangenehm. Heute nehme ich dich mit auf die Reise, was es mit der Geschlechtergerechtigkeit auf sich hat, warum diese Gerechtigkeit ALLEN nützt und welche drei Wege dabei hilfreich sein können. Los geht’s.

Männlichkeit versus Weiblichkeit

Stein des Anstoßes für diesen Beitrag war meine Teilnahme an einem Studientag, wo es genau darum ging: Gendergerechtikeit in Ehe, Partnerschaft und Familie, bei der Mag.Dr. Erich Lehner als Vortragender sein Wissen mit uns geteilt hat. Gefangen war ich gleich zu Beginn, als die Aussage nämlich war: erstens ist Gender kein Gen, kein Hormon – wir alle sind Menschen und Geschlechtlichkeit wird abseits vom Körper vor allem erlernt und dann von Mythen, Symbolen, Zuschreibungen, Meinungen und so weiter aufrechterhalten. Und zweitens: WEIBLICHKEIT ist meist nicht das Problem. Es ist die Männlichkeit, die zu zaghaft angegangen wird.

DAS GEHIRN – WEDER WEIBLICH, NOCH MÄNNLICH. SONDERN FORMBAR.

Geschlecht ist nicht nur physiologisch, es ist wird vor allem im täglichen Leben und vom ersten Tag erlernt und dann gefestigt und fixiert. Wer die langen Haare hat.

  • Wer mit dem Auto fährt.
  • Wer das Klo putzt.
  • Wer zur Arbeit geht.
  • Wer sich um ein Kind kümmert.
  • Wer die Wäsche macht.

In hunderttausenden Momenten entstehen in unserem Kopf Bilder zu Männlichkeit und Weiblichkeit und wir können uns dann damit identifizieren – oder eben nicht. Das Gehirn ist bei der Geburt gleich – es gibt kein weibliches oder männliches Gehirn. Es wird geformt und trainiert und hierbei spielen eben diese Erfahrungen eine wesentliche Rolle.

TIEF SITZENDE BILDER

Jeder Mensch sollte die Freiheit haben, sich nach seinen Talenten und Fähigkeiten zu entwickeln, ohne dabei in geschlechtertypische Schubladen gepresst zu werden. Es engt uns und andere ein, wenn wir denken:
Warum haben diese Buben lange Haare?

  • Warum spielt dieses Mädchen so körperbetonten Fußball?
  • Warum interessiert sich der Junge für Nagellack?
  • Warum mag die Tochter in eine HTL?
  • Was, der Vater geht überwiegend in Karenz?
  • Wie bitte, sie bleibt nicht beim Kind zuhause?

Wir sollten längst über diese Gedanken drüber sein, doch Hand auf’s Herz: sie sitzen da irgendwo tief hinten in unseren Köpfen. Auch wenn wir sie nicht (mehr immer) aussprechen. 

Also, wie kommen wir zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit und was haben wir überhaupt davon?

WEG 1: MENSCHLICHE INTERESSEN & BERUFE 

Zunächst darf gesagt sein: JEDER Mensch ist gut und richtig, so wie er ist. Wenn wir aufhören, Interessen, Talente, Begabungen oder Eigenschaften als „typisch“ weiblich oder männlich zu klassifizieren (und das tun wir!!), wär schon ein erster und wichtiger Schritt getan.
Statt Frisörin, Krankenschwester oder Volksschullehrerin als Frauenberufe zu bezeichnen,
Mechaniker, Metalltechniker oder Programmierer als Männerberufe einzuteilen, könnten wir uns darauf einigen, dass alles „menschliche“ Berufe oder Interessen sind. Und es für Menschen jeden Geschlechts (und da gibt es bekanntlich mehr als zwei, Stichwort LGBTQIA) okay ist, sich für welche Beschäftigung auch immer zu interessieren.

WEG 2: HALBE HALBE. BEINHART.

Damit das gelingen kann, braucht es möglichst von Geburt an Vielfalt im täglichen Erleben des Kindes. Dass beide Eltern sich anfallende Tätigkeiten ebenbürtig teilen und machen!! Die günstigste Variante ist, dass Kinder erleben, dass BEIDE Elternteile putzen, arbeiten, waschen, Geld verdienen, kochen, einschlafbegleiten, reparieren und um die Dinge kümmern, die eben anfallen. Dr. Lehner hat das mit einem alten Satz, ähnlich dem aus der Imagekampagne zum Familienrechtsänderungsgesetz aus dem Jahr 2000 ausgedrückt:

„Halbe – Halbe. Beinhart. Anders geht’s nicht.“ 

Mag. Dr. Erich Lehner

(Dort hieß es zwar  „Ganze Männer machen Halbe-halbe.“ und gemeint war vor allem die Aufteilung der Haushaltsarbeit, doch im Kern kommt es darauf hinaus. Es braucht eine faire Aufteilung.)

WEG 3: SELBSTBESTIMMUMG ERMÖGLICHEN & FÖRDERN

Auch wenn es bequemer sein mag, in einer Art „Gewaltentrennung“ zu leben – du kümmerst dich um Erwerb, ich um den Haushalt – wir schränken die Selbstbestimmungsmöglichkeiten unserer Kinder damit ein. Ja, ich weiß. Das ist ein AUTSCH. Es ist die Aufgabe von Elternteilen, den Kindern größt mögliche Freiheit in der Selbstbestimmung des eigenen Lebens und auch Gerechtigkeit in der Beziehungsgestaltung vorzuleben. 

Das ist angesichts dessen, dass es fast alle Konsumgüter (Kleidung, Lego oder Überraschungsei, um nur drei zu nennen) extra für Jungs und für Mädchen gibt, schon schwierig. Das fordert uns Eltern, diese Fixierungen nicht zu verstärken. Sonst wird sich hier nie was ändern.

THE PROBLEM IS

Ich hab ja viel mit Paaren vor der Familiengründung zu tun und ich kann sagen: die wollen das! Moderne Paare wollen sich frei entscheiden,

  • wer wann wieviel arbeiten geht
  • wer wie lange etwaige Kinder (und später auch alte, kranke oder sterbende Familienmitglieder) versorgt!
  • wer wann wie lange welchen Beruf ausüben kann und darf
  • welche Aufteilung es für anfallende Haushaltsarbeiten gibt
  • wer wann wie persönliche Bedürfnisse und Vorlieben (in unterschiedlichsten Lebensbereichen) leben kann.

Sie werden Eltern und stellen dann fest: wir schaffen es nicht, wie wir’s uns vorgestellt haben. Weil strukturelle Gegebenheiten wie zum Beispiel der Gender-Pay-Gap keine idealistische Entscheidung möglich machen. Vieles wird zu einer wirtschaftlichen Entscheidung. Und dann bleibt die unbezahlte Care- und Haushaltsarbeit halt wieder bei denen, die traditioneller Weise schlechter verdienen. 

MÄNNER WERDEN MÜSSEN WOLLEN

Mädchen in die Technik! Frauen zurück in den Beruf! Immer diese Teilzeit-Mütter! Sucht euch halt Männerberufe, damit ihr ordentlich verdient!
So und so ähnlich schallt es uns dann entgegen, dabei liegt es nicht an den Frauen, hier etwas in Bewegung zu bringen. Männer haben dafür gesorgt, dass es hier eine Schieflage zu ihren Gunsten in Punkto Bewertung gibt. Und genau diese Männlichkeit wird laut Dr. Lehner viel zu zaghaft angegangen. Obwohl sie immer noch das Weibliche dominiert (ein Blick in die Politik und Wirtschaft sollte reichen) und ungerechter Weise in vielen Belangen höher bewertet wird. Profisport – auch so eine Sache. Nicht die Frauen sollen sich mehr anstrengen und tun – die sind in diesem Hamsterrad ohnehin der Erschöpfung nahe. Es sind die Männer, die diese Situation ändern können und werden müssen wollen. (!)

WER DAVON PROFITIERT

Nicht wir Frauen sollen immer mehr so tun wie die Männer. Wo uns überhöhte und toxische Männlichkeit im Extremfall hinführt, sehen wir ja derzeit in Osteuropa. Oder an der Anzahl der Femizide in Österreich. Gewalt und Aggression hängt mit der männlichen Dominanz unmittelbar zusammen und ist ebenfalls: ERLERNT und nicht angeboren! Sonst wären ja alle Männer so, war Gott sei Dank nicht stimmt. Dennoch: Männer dürfen ihr Bild von Männlichkeit neu definieren und anpassen.
Warum sie das tun sollten?

Weil die Folgen der Gleichstellung ihr eigenes Wohlbefinden erhöht (laut UNO 2015), weil es ihnen Sinn und Erfüllung schenkt und weil auch ihre soziale Kompetenz gestärkt wird. Und auch Frauen profitieren davon, die familiäre und unbezahlte Arbeit besser aufzuteilen. Sie können sich in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Erwerbstätigkeit besser entfalten und auch das dient einer gelungenen Beziehung!

UND DIE KINDER?

Kinder profitieren wohl am meisten von gerechterer Aufteilung unter den Geschlechtern. Sie steigern nicht nur ihre Fähigkeit zur Empathie und ihre sozialen Kompetenzen, wenn beide Elternteile ebenbürtig und gerecht die Arbeit teilen. Sie können auch in der Schule leistungsfähiger sein und verfügen über bessere Problembewältigungsstrategien (Fthenakis, 1999).

Und ganz nebenbei erleben sie zufriedenere Eltern, die ihnen mehr Freiheit schenken, ihr eigenes Leben so zu entwerfen, wie es ihnen eben gefällt. Ohne in die rosa oder hellblaue Schublade passen zu müssen.

WIE KLINGT DAS FÜR DICH?

Gerechtigkeit macht übrigens besonders in Beziehungen einen riesigen Unterschied. Wenn Paare sich gerecht aufteilen, wofür sie verantwortlich sind, wenn sie sich ebenbürtig sehen und gegenseitig respektieren, sich gegenseitig Dinge zutrauen und zumuten, dann ist da viel mehr Wachstum möglich, als in fixierten Rollenbildern. Für mich klingt es danach, als wär’s die Mühe des Aushandelns wert.

Und für dich? Schreib mir deine Gedanken in die Kommentare!

Mental Load – eine Ladung Gedanken

Mental Load – eine Ladung Gedanken

Eine Ladung Gedanken.

An die Musikstunde des Kindes denken. Noch Brot holen, das ist schon wieder aus. Schauen, ob das Kind auch halbwegs die Schulsachen beisammen hat. Die Englisch Vokabel bei der Mittleren prüfen. Sieben Euro für den Werkunterricht bereitlegen. Die Große zur Freundin chauffieren. Waschpulver kaufen und – hab ich schon die Zahnarzttermine vereinbart?
Gedanken, die sich vor allem Mütter machen, die Schaltzentralen in Familien. Was das Schwierige daran ist und welche drei kleinen Lösungsgedanken ich für dich hab.

EINE LADUNG GEDANKEN

Im Kopf einer Mutter ist es kaum einmal still, das Rattern der Gedanken fängt oft beim ersten Augenaufschlag an und geht weiter, bis abends die Lider wieder runterklappen. Es ist kein Full-Time-Job, sondern weit mehr als das. Und selbst wenn die Hände mal ruhen, gehen die Gedanken immer noch im Kreis, weil sich zu viele To-Dos oben tummeln und die Kommandozentrale einer Familie so gut wie nie geschlossen hat. Das ist gemeint, wenn man von Mental Load spricht, der mentalen Last, der Ladung Gedanken, die Frauen täglich tragen und die einen beizeiten fertig machen kann.

WO DIE FÄDEN ZUSAMMENLAUFEN

Auch, wenn ich Familienmitglieder hab, die mittlerweile wissen, dass wir kein Hotel sind, sondern eine Wohngemeinschaft und auch wenn sie relativ bereitwillig ihre Tätigkeiten übernehmen, ist es immer noch zu gefühlten 95% so, dass die Aufgabe vorher in meinem Kopf schwirrt und ich sie jemandem delegiere, bevor ich innerlich ein Hakerl machen kann. Es geht also weniger darum, alles oder so vieles selbst zu machen, es geht darum, dass bei den Frauen oft (nicht zuletzt wegen der einfacheren Verfügbarkeit) alle Fäden zusammenlaufen und dieser Wollknäuel allein schon aufs Gemüt drücken kann, bevor man irgendeine Tätigkeit auch wirklich angeht. 

VON SELBST GEHT GAR NIX

Ich nenne gern noch ein Beispiel, um das zu untermalen. Wenn Männer (oder Kinder) den Einkauf übernehmen, dann gibt es eine Liste und mit ziemlicher Sicherheit kommt kein Ding mehr (oder weniger) mit nach Hause als da drauf steht. Wenn ich selbst durch die Regale flitze, sehe ich das Mehl und denke – „Oh, da haben wir nur noch ein Kilo“ und im Vorbeigehen nehm ich noch Salz mit und eine Flasche Spülmittel, das wird auch schön langsam alle. Das ist kein Vorwurf sondern eine schlichte Tatsache und es ist eine kniffelige Aufgabe, hier für mehr Gerechtigkeit und Ebenbürtigkeit zu sorgen. Selbst, wenn die (minderjährigen) Mitbewohner gewillt sind – von selbst geht meistens gar nix.

3 HOFFENTLICH HILFREICHE GEDANKEN

„Als Mann teilt man mit. Als Frau suchst du an“, sagt meine Freundin Verena gern durchaus genervt, wenn es um die Betreuungsübernahme der Kinder für den bevorstehenden Mädelsabend oder Stammtisch geht. So weit, so ungerecht.

Wie rückt man diesem Thema nun zu Leibe? Da ich nicht mehr darüber rede, ob das wirklich so anstrengend ist, das Alltagsmanagement einer Familie über zu haben (weil das einfach Fakt ist), bin ich auf der Suche nach Lösungen, wie man sich im Strudel der familiären Arbeitsfelder mehr Leichtigkeit schaffen kann.
3 hoffentlich hilfreiche Gedanken dazu:


#1: ANSPRECHEN UND AUSSPRECHEN STATT ANNEHMEN

Ja, zunächst ist es wichtig, das aus zu sprechen. Viele Menschen wissen überhaupt nicht, was man damit meint, wenn man von Mental Load spricht. Es ist das Gefühl (oder die Tatsache) sich um alles kümmern zu müssen und auch wenn es sich dabei um Kleinigkeiten handelt, macht eben die Dosis das Gift. Während der Arbeit an die Mathezetteln des Kindes zu denken. Während dem Frühstück sich Gedanken ums Mittagessen zu machen. Während dem Taxifahren geschickte Arbeitsabläufe im Kopf zu erstellen. Es braucht ein größeres Bewusstsein für diese gedankliche Arbeit, wir dürfen aussprechen und ansprechen, was sich alles an Aufgaben anhäuft und dann geht es an den wirklich kniffligen Teil: sich ebenbürtig an diese To-Dos herantasten. Was das Einkaufen betrifft, gibt es hier seit etwa einem Jahr eine App („Bring!“), in die alle Familienmitglieder eintragen können, was sie als „fehlend“ bemerken. Somit hat sich zumindest das Einkaufen auf Zuruf „Mama, die Milch ist aus!“ drastisch reduziert. Wer das gewünschte Lebensmittel nicht aufschreibt bzw. eintippt, hat kaum Chancen, dass es nach Haus kommt. Die Verantwortung liegt nicht mehr bei mir allein. Dafür laufen wir wie die Irren im Supermarkt alle mit Handy rum und aktualisieren die Liste.

#2: KEINE AUSREDEN MEHR

Das scheitert ganz oft nicht am guten Willen der beteiligten Erwachsenen, sondern auch an der Tatsache, dass Frauen noch immer so viel mehr von der unbezahlten Care-Arbeit leisten, weil es schlichtweg eine wirtschaftliche Entscheidung ist, und sich die Frage: „Wer sorgt für die Erwerbsarbeit?“ einfach nicht stellt, wenn der Mann eineinhalb mal so viel verdient im Job. So rutschen Frauen in diese Kümmerrolle und haben dann die Not in Dosen. Spätestens, wenn sie selbst wieder erwerbstätig (auch mit „nur“ so wenig Stunden) sind und die anderen Dinge wie Carearbeit und Haushalt weiterlaufen wie gewohnt.
 Das Mühsame ist: niemand außer uns wird Interesse daran haben, an diesem Umstand etwas zu ändern (weil, bequem ist es ja für die anderen) und so bleibt auch das Aufdecken, Anstupsen und Anregen wieder bei uns hängen. Also:

  • es ist gut und wichtig, darüber zu reden.
  • Es ist gut und wichtig, dafür Bewusstsein zu schaffen.
  • Und es ist gut und wichtig, für gerechtere Verteilung zu sorgen.

Weil alles, wofür man keine primären Geschlechtsteile braucht, genau so gut von einem Mann erledigt werden kann wie von einer Frau. Oder von einem Kind, wenn es eine altersgerechte Tätigkeit ist. Es gibt also keine Ausreden mehr von geschlechtswegen, etwas nicht tun zu können, das ist einfach Blödsinn. Das gehört deutlich gesagt. Tut mir Leid, liebe Männer – ich weiß, die Nachricht ist bitter.

#3: ÜBERNEHMEN STATT HELFEN

Ich achte seit vielen Monaten darauf, wie oft mir das Wort „helfen“ über die Lippen kommt, wenn es um Tätigkeiten geht. Immer öfter gelingt es mir, „helfen“ einzutauschen und stattdessen das Wort „übernehmen“ zu verwenden, weil „helfen“ impliziert, dass es eigentlich meine Aufgabe ist und mir jemand dabei was abnimmt. Wenn ich von übernehmen spreche, ist für mich gefühlt klarer, dass die Aufgabe zu erledigen ist und sie im Ursprung überhaupt nie zugeteilt war. Das ermöglicht, dass wir uns durch Sprache weniger Verantwortung auftürmen, als wir ohnehin tragen. Weil, du ahnst es schon: Sprache Realität schafft und es einfach einen Unterschied macht, was wir wie sagen. Auch Kinder können und dürfen früh eingebunden werden in den Bereich der Hausarbeit, nur so kann es irgendwann selbstverständlich werden, den eigenen Teil zum Gelingen einer Familie beizutragen und unsere mentale Last zu erleichtern.

DAS HABEN WIR DAVON!

Was haben wir und vor allem die Anderen davon, sich in diesen Belangen eine neue Umgangsweise zuzulegen? Nun, unsere Vorteile liegen auf der Hand.
Doch auch unsere (minderjährigen) Mitbewohner können davon profitieren und lernen, nämlich dass …

… es miteinander leichter geht.
… es gemeinsam oder nebeneinander lustiger ist.
… jeder Verantwortung für das Gelingen des großen Ganzen trägt.
… jeder wichtig ist und ein wertvoller Teil der Familie.
… alle gehört werden und sich einbringen dürfen.
… uns Zuschreibungen und Rollenklischees immer einengen, egal welches Geschlecht.
… wir die Freiheit haben, Aufgaben so zu verteilen, wie wir es individuell für gut befinden.
… demokratische Prozesse anstrengend sein können, aber wichtig sind.
… die Stimmung sich deutlich verbessert, wenn man auf Augenhöhe agiert.

Am Montag begehen wir den internationalen Frauentag. Es wäre schön, sagen zu können: „Das brauchen wir doch nicht mehr!“, doch es ist nicht so. Immer noch gibt es zu viele haarsträubende Ungerechtigkeiten, immer noch gibt es zu viele fixe und klischeehafte Rollenbilder und immer noch ist die Aufteilung von Arbeit (geschweige denn, deren Bezahlung) ungerecht verteilt.

Also wiederhole ich gern einen Absatz aus einem Instagram-Beitrag vom letzen Jahr: nehmt diesen Tag und FEIERT:

Jede Pionierin,
jede Mutter,
jede Rebellin,
jede Mentorin,
jede Unterstützen,
jede Legende,
jede Heldin,
jede Kämpferin,
jede Schwester,
jede Freundin,
jede Feministin

und denkt daran, DANKE zu sagen, wenn ihr schon mal ihre Unterstützung von ihr erfahren habt!

Kommentar schreibenKommentare: 2

  • #1Verena (Samstag, 06 März 2021 08:21)Liebe Kerstin!
    Welch wahre Worte…und wie passend zum kommenden Welt-Frauen-Tag! Danke fürs Verschriftlichen, das dir wie immer hervorragend gelungen ist und DANKE fürs Bewusstseinschaffen!!
3 Arbeitspakete und wie sie auszuhandeln sind

3 Arbeitspakete und wie sie auszuhandeln sind

Das Zusammenleben in Familien ist oft herzerwärmend, stärkend und unfassbar lehrreich weil man so viel miteinander erlebt, sich aneinander entwickelt und voneinander profitiert.
Familie ist daneben auch ganz viel Arbeit. 
Wer übernimmt den Einkauf, wer schaut auf die Kinder, wer geht wann einer Erwerbsarbeit nach, wer wäscht, kocht, putzt, bügelt, wer kauft das Geschenk für den nächsten Geburtstag, wer organisiert den Babysitterdienst?

All diese Dinge lassen sich meiner Meinung in drei Pakete einteilen, die gut ausgehandelt werden sollen. Ein neuer Blick auf Arbeit ist dazu notwendig.
In Beratungen mit Paaren ist das immer ein heißes Thema. Die Aufteilung von Arbeit innerhalb einer Familie. Der größte Stolperstein dabei ist, wie ich finde, eine alte Sicht- und Denkweise, was als „Arbeit“ gesehen wird – und was nicht.

Lange, lange Zeit gab es ganz einfach festgeschriebene Rollen – ein Partner geht arbeiten, der andere kümmert sich um Kind und Haushalt (= die Hausfrau, wie der schöne Name ja sagt). Dieses Modell (Patriarchat) war ja sogar bis 1976 in Österreich geseztlich verankert, und bis zum Jahr 2000 konnten Frauen nicht arbeiten gehen, wenn der Mann damit nicht einverstanden war, weil sie es einmal anders vereinbart hatten.

Bei diesen Jahreszahlen stellt es mir immer wieder die Nackenhaare auf – und gleichzeitig bekomme ich ein klein wenig Verständnis dafür, warum wir immer noch so viel Klärungsbedarf in diesem Feld haben: es ist noch nicht sooo lange her, dass die Uhren ganz anders tickten.

Wir brauchen ein neues Bild von aufzuteilender Arbeit in Familien. Es sind nicht nur zwei Bereiche, sondern drei. Und es ist höchst an der Zeit, dieses Wissen und diese Haltung endlich bei uns allen sickern zu lassen.

PAKET #1: Erwerbsarbeit

Wenn man nicht gerade millionenschwer geerbt hat, ist es üblicherweise erforderlich, dass jemand in der Familie einer Erwerbstätigkeit nachgeht – also den Lebensunterhalt verdient. Wir leben Gott sei Dank in einer Zeit, in der relativ frei entschieden werden kann, WER diese Aufgabe übernimmt und WIE man sich die Erwerbsarbeit aufteilt. Das gesetzlich festgeschriebene Recht auf Elternteilzeit gilt für Mütter und Väter (!!) und auch Karenzzeiten können geschlechtsunabhängig und recht flexibel in Anspruch genommen werden, was schon mal sehr fortschrittlich ist.

Wäre da nicht der Gender-Pay-Gap, also die tendenziell schlechtere Bezahlung von Frauen (besonders in typischen Frauenberufen), die eine echte Wahlfreiheit einschränken. Das ist eine Milchmädchenrechnung. Während bei Beamtinnen und Beamten lediglich knapp 4% Einkommensdifferenz besteht, verdienen Arbeiter fast 56% mehr als Arbeiterinnen. Da ist es dann relativ logisch, dass der Mann den Erwerb erledigt, wenn die Frau in der selben Zeit nur die Hälfte seines Bruttojahreseinkommens kassiert. Wer’s nicht glaubt, kann gern bei der Statistik Austria vorbeiklicken.

Zu Erwerbsarbeit in Familien sei auch noch gesagt: derjenige Partner, der diesen gesellschaftlich geschätztenTeil übernimmt, kann das NUR tun, wenn der andere die Care-Aufgaben schultert, der weder ausreichend bezahlt noch anerkannt wird. Was immer also in Familien erwirtschaftet wird, gehört beiden Elternteilen gleichermaßen. Das ist hoffentlich langsam selbstverständlich.

PAKET #2: Care-Arbeit

Unter Care-Arbeit wird jener Bereich verstanden, der mit dem Versorgen und Sich-Kümmern von Familienmitgliedern zu tun hat. Das umfasst zunächst natürlich die eigenen Kinder, später aber vielleicht auch irgendwann die Pflege von älteren Angehörigen, die auch auf die Erwerbsarbeit Auswirkungen hat.

Die Betreuung von Kindern, die ganze körperliche, emotionale und geistige Zuwendung, das Beaufsichtigen, sich beschäftigen ist hiermit gemeint. Der Taxidienst zum Ballet, die Vereinbarung des Kieferorthopädentermins, das Erinnern an die Klavierstunde, die Begleitung beim Üben für das Flötenkonzert, die Fahrten zum Tennistraining, zu Fußballturnieren, Übernachtungsparties (mit vorherigem Geschenkbesorgen), Freunde-Verabredungen, dem Nachkaufen zu kurz gewordener Hosen und T-shirts, gemeinsamen Aufräumnachmittagen in den Untiefen der Spielzimmer, dem Seelentrösten nach der verhauenen Mathe-Schularbeit und eskaliertem Freunde-Streit, dem Pflegeurlaub wegen krankem Kind bis zum Helfen oder Begleiten bei Schulveranstaltungen und CO …. you name it.

Diese Arbeit hat tausend Gesichter. Sie ist täglich variierend und manchmal einschläfernd eintönig. Sie ist nervenaufreibend und kräfteraubend, weil es stets um DAS geht, was vielen wohl das „wichtigste auf der Welt ist“ – um die Kinder (oder später die Pflegebedürftigen). Die meisten von uns wollen das hier wirklich gut machen und strengen sich an. Was zwar belohnt wird – hoffentlich – mit guten Beziehungen, emotionalen Erlebnissen und dem Gefühl ihnen eine „sichere Basis“ bieten zu können. Gesellschaftlich und wirtschaftlich, besonders im Hinblick auf unser Pensionskonto ist die Care-Arbeit aber so gut wie nichts wert. 

Dabei basiert das ganze Wirtschaftssystem auf der Tatsache, dass diese Arbeit unentgeltlich (von Frauen) gemacht wird. Think about it.

Wer diese Arbeit in Familien übernimmt, ist verhandelbar. Ich hab ja selbst – und mache es immer noch – den Großteil der Carearbeit gerne übernommen, weil es mir wichtig ist und war, für die Kinder da sein zu können und ich neben dem monetären Wert vor allem den menschlichen geschätzt hab.

Das ändert aber nichts an der Ungerechtigkeit, wenn diese Arbeit im Außen und wirtschaftlich derartig unterbewertet wird. Besonders, wenn wir über Paket #3 zu reden beginnen.

PAKET #3: Haushaltsmanagement

„Moment, das gehört doch zur Hausfrau dazu, wenn die eh nicht arbeiten geht, ist doch klar, dass sie den Haushalt machen muss!“

NEIN. EBEN NICHT. Das ist genau der Punkt, den wir erkennen dürfen: Care Arbeit ist ein Full-Time-Job, und was Energie und Aufwand betrifft jedenfalls einer Erwerbsarbeit (mindestens) gleichgesetzt. Und dann ist da noch der Haushalt.

Wer sammelt die Wäsche, sortiert sie farblich, startet die Waschmaschine, hängt die Wäsche auf, legt sie zusammen, bügelt (wenn unbedingt nötig), wer schreibt auf was eingekauft werden soll, wer geht ins Geschäft, wer räumt zuhause alles in den Kühlschrank, wer räumt auf, plant und kocht das Essen, wäscht ab, wer saugt den Boden, wer putzt das Klo, wer macht die Betten, lüftet am Morgen und so weiter und so fort? 
Während junge Paare ohne Kinder, die beide vollzeit erwerbstätig sind, zunehmend ebenbürtig und selbstverständlich diese Aufgaben aufteilen, fällt das oft ungeliebte Ressort bei Familien manchmal automatisch den Partnern zu, die sich um die Kinder kümmern. 

Dabei ist es ein eigenes, zusätzliches Paket, das auszuhandeln ist. Zunächst unter den beiden Partnern, später innerhalb der ganzen Familie (je nach Altern und Kompetenz).
Die Fülle an Aufgaben, die ein – sogar halbwegs intakter – Haushalt erfordert ist immens. Wer mehr dazu lesen will, kann mal unter dem Hashtag #mentalload nachschauen. 

Es braucht ehrliches Sichtbarmachen dieser Arbeit.
Es braucht öffentliche Wertschätzung dieser Tätigkeiten.
Es braucht ebenbürtige Aufteilung unter gleichberechtigten Partnern.

Arbeit ist unfassbar vielseitig und unterschiedlich beachtet. Jede und jeder von uns kann bestimmte Dinge besser als andere, macht bestimmte Tätigkeiten lieber als andere. Talente, Vorlieben und Wünsche können und sollen berücksichtigt werden in dieser Verteilungsdebatte. Vor allem jedoch erfordert es ganz viel Empathie und dann Organisationstalent, wenn man ebenbürtig, partnerschaftlich und gleichwürdig an diese Sache herangehen möchte.

Wir alle wollen was tun, wir wollen nützlich sein und wollen auch unseren Teil zum Gelingen des großen Ganzen beitragen. Arbeit ist etwas WICHTIGES und GUTES, sie gibt uns Sinn und erfüllt uns auch mit Dankbarkeit. Es kommt halt darauf an:



Auf das WIE.
Auf das WER.
Auf das WANN.
Auf das WO.
Auf das WIEVIEL.
Und wenn diese Dinge gut besprochen sind, ist das WARUM meist viel leichter zu ertragen.

Wir feilen grad (gefühlt) am meisten an Paket #3, wie es schon im Beitrag zu „Wir sind kein Hotel, sondern eine WG“ zu lesen gab.

Wo hängst du am meisten? Und was habt ihr schon passabel ausgehandelt? Let me know 😉

Enttäuscht. Alte Rollenbilder, verstaubte Klischees?

Enttäuscht. Alte Rollenbilder, verstaubte Klischees?

Die Reaktionen auf mein Interview mit Sabine Kronberger waren durchwegs positiv und bestätigend.

AUSSER DIE EINE.

Ich bekam eine Nachricht in der sich der Leser, ein (fast) frischgebackener Vater, ziemlich über meine Antworten beschwerte.

„Ich habe Ihr Interview heute in der Krone gelesen. Und ich war enttäuscht. Schade, dass Sie ein altes Klischee in die neue Zeit mitnehmen. Mag sein, dass Ihnen in der Praxis die Rollenverteilung einseitig vorkommt.  Aber: es gibt auch sehr viele positive Beispiele, die immer unerwähnt bleiben.  Mütter sind „alles“ und Männer – dem Text zwangsläufig zu entnehmen-  nichts, kann ich nicht teilen.  In meinem Bekanntenkreis gibt es keinen einzigen Mann, der nicht auch Taxi, Nachhilfelehrer, Krankenpfleger, Koch, Freund und vieles mehr ist.  Inklusive mir. Mag sein, dass sie beruflich mit vielen Müttern zu tun haben, die von ihren Männern nicht unterstützt werden. Dann tut es mir für diese Frauen sehr leid. Aber kann man endlich aufhören alle in einen Topf zu werfen.  Denn es gibt inzwischen immer mehr Männer, die ihre Vaterrolle nicht nur ernst nehmen, sondern auch voll ausfüllen. Und das ist gut so!  Ich erlebe mit meinem knapp 2jährigen Sohn, dass ich als Papa am Spielplatz kein Exote bin. 
Als Frau bist du….. was ist man als Mann? 
Nein Frau Bamminger. Wir schreiben das Jahr 2018 und es gibt mehr Männer, als man vermuten möchte, die 100% Papa UND Ehemann sind.“

Das hat gesessen.

Ich las mir den Text noch mehrere Male durch und kam zu der Erkenntnis: JA, man könnte auch diese Info den Zeilen entnehmen. Wenn man ein längeres Telefonat in eine vorgegebene Zeichenanzahl pressen soll, dann führt das leider dazu, dass gestutzt und gekürzt werden muss. Ich hab die Redakteurin schon vorher bewundert, dass Sie das so gut schafft – es ist eine knifflige Aufgabe.


Da die Kritik aber berechtigt war, nahm ich mir Zeit, ausführlich zu antworten.
Hier ist, was ich sinngemäß geschrieben hab.

Umgang mit Kritik
„Zunächst mal freut es mich, dass Sie sich
a) den Artikel gelesen haben und
b) sich Zeit genommen haben zu antworten.
Das ist längst keine Selbstverständlichkeit. Ich bedauere, dass Sie den Eindruck gewonnen haben, dass ich alte Klischees füttere und Männer indirekt abwerten möchte. Es ist so: ja, ich habe oft mit Müttern zu tun, die überfordert sind, weil sie viele Aufgaben und Rollen erfüllen, auch manchmal weil sie zu wenig Unterstützung von den Vätern erhalten. Und manche sind am Rande der Belastung, obwohl sie gut unterstützt werden. 

In der Kürze liegt die … Krux.

Ich hatte mit Sabine Kronberger (die ich wirklich mag) ein telefonisches Interview über 20 Minuten und die Arme hatte dann die qualvolle Aufgabe den Inhalt in so wenige Zeichen zu quetschen. Wenn Sie uns zuhören hätten können, hätten Sie gehört, dass ich mehrmals gesagt hab: „… die Person, die hauptsächlich Betreuungsaufgaben der Kinder übernimmt, spürt die Zerrissenheit heftiger!“ … in der Regel sind das immer noch überwiegend Frauen … daher kam wohl diese verkürzte und zugegeben etwas einseitige Formulierung.

Papas auf Augenhöhe sind Realität

Stimmt! Es gibt genügend Männer und Väter, die ihren Frauen ebenbürtige Partner sind, alles rund um Kind und Haushalt auf Augenhöhe erledigen, in Karenz gehen und Elternteilzeit in Anspruch nehmen. Ich selbst hab das Glück einen solch wunderbaren Mann geheiratet zu haben, der alle (!!) diese genannten Dinge schon gemacht hat. Ich weiß also, wovon ich rede.
Nie im Leben möchte ich behauptet, dass die Männer unwichtig sind. Im Gegenteil!! Ich ermutige Frauen (die manchmal das ihre zum Problem dazu tun), ihren Männern alles zuzumuten und sie tun lassen!!
Da kommt es natürlich vor, dass Väter genau so diese Rollenvielfalt spüren und sie vielleicht auch als belastend erleben. Darüber weiß ich weniger – sie tauschen sich möglicherweise nicht so intensiv diesbezüglich aus.

Alle in einen Topf?

Nein, natürlich niemals! Differenzierung ist so wichtig! Ich weiß, dass es große Unterschiede gibt, und man die Papas nicht alle in einen Topf werfen KANN (genau so wie Mamas). Es wäre ungerecht gegenüber allen, die sich ernsthaft bemühen und einbringen wollen und das als Selbstverständlichkeit betrachten.
Es freut mich, dass Sie als Papa sich selbst und ihr Umfeld als natürliches Feld erleben, indem Väter genau so wichtig sind wie Mütter, denn das sind sie. Aber von Gleichberechtigung in allen Belangen sind wir dennoch ein Stück entfernt, also gibt’s noch genug Arbeit!

Aufteilung von Erwerbsarbeit 

Kaum ein Elternpaar, das ich kenne, teilt sich auch die Erwerbsarbeit 50 / 50 % auf. Dass – wenn beide anwesend sind – beide Elternteile gleichberechtigt und gleichwertig sind: dem kann ich in vielen Familien zustimmen (aus meiner Beobachtung und Arbeit). Ich sehe es als Luxus, wenn es gelingt auch Erwerbsarbeit gleich gut aufzuteilen. Was durch die tendenziell niedrigeren Einkünfte der Frauen leider erschwert wird. Viel zu oft gibt es wirtschaftliche Gründe, die bestimmen, welches Familienrollenbild gelebt wird.

Volle Kraft voraus

So mag ich Ihnen Mut machen, ihr Rollenbild weiter so zu leben, dass es Ihnen und Ihrer Familie damit gut geht (wie immer das aussieht – denn nur individuelle Lösungen sind gute Lösungen)! Tragen Sie das Bild der „neuen Väter“ weiter, ich werd mir Ihre Anregungen und die Kritik auch gut merken und in Zukunft vielleicht noch sensibler formulieren. „

MEIN VERSTÄNDNIS MEINER ROLLE

Ich sehe mich als Frau und Mama als eine Kombination aus Tradition und Moderne. Wir leben selbst ein eher konservatives Familienbild – das aber aus Überzeugung. Ich stehe dazu, lange 9 Jahre nicht berufstätig gewesen zu sein, weil mir unsere Kinder und dass ICH sie hauptsächlich betreue, wichtig sind. 
Immer noch stecke hauptsächlich ich in der Erwerbsarbeit zurück, wenn es um das Thema Vereinbarkeit geht. Dass mein Mann auch schon seinen Teil dazu beigetragen hat, hab ich oben schon beschrieben und das kann ich ihm gar nicht hoch genug anrechnen. 

Wir sind uns einig, dass unsere Kinder den höchsten Stellenwert in unserem Leben haben und wir richten uns danach aus. Jedenfalls in der Lebensphase in der wir momentan (immer noch) sind.
Ja, das ist manchmal schmerzhaft. Weil auch wir Ziele haben, die wir dadurch (noch) nicht verwirklichen können und in persönlichen Interessen ab und zu zurückstecken. 

Ich hab in dem Artikel geschrieben: wir alle wollen zu viel.

Das stimmt. Besonders wollen wir alle zu viel zur gleichen Zeit!
Es gibt noch genügend Zeit und Gelegenheit für mehr Engagement in der Karriere, für Selbstverwirklichung und ausladende Paarzeiten. ALLES GLEICHZEITIG zu wollen ist das, was uns stresst und was einfach auch nicht möglich ist, denn jeder von uns zahlt seinen Preis für das Modell, die Rolle, die Lebensweise, die wir wählen. Egal ob nun Berufstätigkeit, Hobbys, Kinder oder Karriere ganz oben im Ranking stehen.

Wir sollten es uns selbst recht machen wollen und nicht jemand anderem. Das ist eh schwierig genug, bei aller Kritik und den vielen subtilen Rollenbildern, die uns Werbung, Politik und Gesellschaft täglich frei Haus liefern. Und dazu die wirtschaftlichen Faktoren, die auch noch eine große Rolle spielen.

Über Rollen in Familien und deren Verteilung zu sprechen ist wichtig und gut. Es braucht alle Teile, damit Familie gelingen kann. Mamas, Papas, die Kinder. Jeder ist Teil des Systems und kann zum Gelingen und Scheitern beitragen.

Auf seine Art und Weise. 
Was ist deine Meinung dazu? 
Schreib gern in den Kommentaren, was dir dazu einfällt.
Kritik? Immer her damit.