Wer ist hier der Boss?

Wer ist hier der Boss?

Die meisten von uns Menschen sind auf verschiedenen Ebenen mit Hierarchien aufgewachsen und leben damit. Lehrer, Pfarrer, Doktor, das waren vor zwei Generationen fix noch Obrigkeiten, die man einfach nicht in Frage gestellt hat. Ebenso wie Eltern.
Kinder leiden unter streng hierarchischen Eltern genauso wie unter führungslosen, die ständig auf einer Ebene mit dem Kind sind. Wer soll in Familien also der Boss sein? Braucht es das überhaupt? Ein Blick darauf, wie Autorität und Respekt heute gelebt werden kann, ohne dass Kinderseelen zu Schaden kommen.

KUSCHEN UND BASTA.

Die Kinder brauchen eine starke Hand. Es braucht einen starken Mann, der die Zügel in die Hand nimmt und  die Dinge in Ordnung bringt oder zumindest eine harte Mutter. Wer auch ab und zu mal alte Filme anschaut – oder sich womöglich selbst noch erinnern kann – weiß: es gab sogar Zeiten, in denen die eigenen Kinder ihre Eltern mit “Sie” angesprochen haben. Man wollte wohl damit erreichen, eine Respektsperson zu sein, sich ihre Achtung verdienen, den Kindern, der verdorbenen jungen Brut, mussten schließlich Manieren beigebracht werden, die mussten ordentlich erzogen sein und der Nachwuchs sollte bitte schon ganz früh lernen, dass man eben zu kuschen hat, wenn da jemand Höherrangiger was sagt. Basti. Ähm, Basta.

Doch: “starke Männer” haben’s noch nie für uns gerichtet. Eher im Gegenteil, wenn man die Geschichte so betrachtet.

DAS ABENTEUERLICHSTE KINDERMÄDCHEN

Wer den genialen Klassiker von Walt Disney “Mary Poppins” kennt, der im Jahr 1910 spielt, braucht bloß an die Anfangsszene zu denken, wie das nächste passende Kindermädchen gesucht wird und welche Kriterien da die Eltern anlegen – streng muss sie sein und unnachgiebig und bitte ja nicht zu freundlich zu den Kindern, sonst hören die ja niemals auf im Park davon zu rennen. Die Kinder schreiben daraufhin ihre eigene Stellenausschreibung, in dem deutlich wird, dass SIE ganz andere Bedürfnisse und Ansprüche an eine betreuende Person haben, als die Eltern. Und sie haben Glück, denn auf wundersame Weise fliegt ihre Notiz durch den Kamin und ruft das jedenfalls abenteuerlichste Kindermädchen auf den Plan. Mary Poppins. Mit Magie und Humor wickelt sie die Kinder (und Eltern) um den Finger.

SEELENRETTUNG BEI KINDERN

Kinder und Eltern haben verschiedene Ansprüche, Wünsche und Bedürfnisse, worüber ich schon öfter geschrieben hab, Stichwort Bedürfniskarussell. Das Bild vom Kind hat sich in den letzten Jahrzehnten krass verändert. Vom Menschen geringeren Werts, dessen Willen gebrochen, der zu einem strammen Staatsbürger herangezogen und gefügig gemacht werden sollte hin zu einem bedürfnisorientierten, beziehungsstärkenden und feinfühligen Umgang mit diesen sensiblen Geschöpfen. Es ist unglaublich, wie viel achtsamer, menschlicher und kindgerechter wir heute unserem Nachwuchs begegnen können (wenn wir wollen), weil wir um die Bedeutung von Nähe, Zuwendung, Bindung, Sicherheit, Beziehung, Autonomie und Zugehörigkeit in der Begegnung und Begleitung von Kindern wissen. Der Segen dieser Erkenntnisse der Bindungs- und Entwicklungsforschung kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Sie retten und schützen Kinderseelen im großen Stil.

DAS PASST DOCH NICHT ZUSAMMEN!

Nun wirft das halt dieses alte Bild von der autoritären Erziehungsperson komplett über den Haufen. Und das neue Bild wird so oft missverstanden. 

  • Ja, wir orientieren uns am Kind. Und Eltern sind dennoch Führungskräfte in der Familie.
  • Ja, wir orientieren uns an Bedürfnissen. Und Eltern haben auch Bedürfnisse, die wichtig sin.
  • Ja, wir setzen auf Bindung. Und Eltern sind nicht die einzigen Bindungspersonen, die zumutbar sind.
  • Ja, wir stärken Beziehung. Und Eltern sind nicht die “best friends forever” ihrer Kinder.
  • Ja, wir begegnen uns auf Augenhöhe. Und Eltern haben dennoch die Autorität zu entscheiden.
  • Ja, wir leben Empathie. Und Eltern müssen nicht alles umsetzen, was Kinder fordern.

“Wie soll denn das jetzt gehen, bitte? Da ist doch ein Widerspruch in jedem Satz, Kerstin!!???”
Gut, dann versuch ich mal, das aufzudröseln. 

ORIENTIERUNG AM KIND & SEINEN BEDÜRFNISSEN

Anfangs ist das noch völlig klar: ein Neugeborenes ist schutzbedürftig, braucht uns und wir reagieren instinktiv prompt. So schnell kann man aber oft als Eltern nicht schauen, wird einem eingeredet:

  • “Ha, der weiß schon, dass du springst, wenn er weint!”
  • “Na, die hat dich ja ganz schön unter Kontrolle!”
  • “Gratuliere, wenn die mal in der Pubertät sind, hast du endgültig verloren!”

Als hätte plötzlich der Teufel die Seele des Kindes gekapert. Und als Elternteil musst du jetzt Hölle Staub drauf achten, dass das Kind nicht die Macht über dich erhält.
 Was für eine Sch#*%e. Kinder sind und bleiben bedürftig – wie wir Erwachsene, übrigens. Sie wollen (überlebens-)wichtige Bedürfnisse gestillt haben und haben dafür entweder gar keine Möglichkeit allein (Babys) oder einfach keine oder schlechte Strategien (Kinder von 1 bis 99), zumindest dann, wenn es dabei Konflikte gibt. Konflikte, bei denen sie an Bedürfnisse von anderen Menschen schrammen, vorzugsweise an die von (überlegenen) Erwachsenen.

SIEBZEHNHUNDERT MILLIONEN MAL

Was Kinder da brauchen ist keine Unterstellung von Böswilligkeit, sondern Erwachsene, die da durch begleiten mit viel innerer Klarheit und einem feinen Führungsinstinkt, die das Kind sehen und anerkennen, wie es ist und dann eine passende Entscheidung treffen, was zu tun ist. Es ist ein ständiges Abwiegen von Bedürfnissen aller betreffenden Personen und es gibt kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Eine Grundregel gilt jedoch: je jünger das Kind, desto wichtiger ist es , SEIN Bedürfnis zu priorisieren. Und generell: je mehr Autorität notwendig ist umso mehr Empahtie braucht es für das Kind im selben Atemzug. Ein Säugling kann nicht eine Nacht lang vertröstet werden, weil Papa heute mal in Ruhe schlafen will. Ein Kindergartenkind kann sehr wohl einen Nachmittag mit Mama wo verbringen, wo es ihm nicht 100%ig gut gefällt. 
So stellen wir uns als Mütter wohl siebzehnhundert Millionen mal die Frage im Trubel des Alltags: Was ist jetzt wichtig? Was ist jetzt dringender? Wer kommt jetzt / als erste zum Zug?

BEZIEHUNG & BINDUNG IM FOKUS

In Walt Disney’s Klassiker hatten die Kinder sehr distanzierte Verhältnisse zu ihren Eltern – wofür Mary Poppins ja angerückt kam. Das bis Anfang der 80er Jahre noch ein gängiges Bild: “Lass die Kindern nicht zu nahe kommen, da werden sie so verwöhnt.” Das hat meine Mama noch so gehört und glücklicherweise früh anders gemacht.

Und so verkehrt sich das auch damals schon für Mütter angefühlt hat, so verkehrt war es auch. Wir brauchen Nähe, um Beziehung zu erleben. Wir brauchen Bindung, um Sicherheit zu spüren. Und wir Eltern haben die wichtige Aufgabe, diese Basis mit unseren Kindern zu bauen.

Wenn das Kind aber auch nach mehreren Jahren keine andere Bindungsperson zulässt und stur darauf beharrt, dass “nur” Mama oder Papa in Frage kommen, obwohl es auch Omas, Tanten oder sonstige Bezugspersonen gibt, dann darf man auch über die Zumutbarkeit nachdenken. Ja, wir Eltern sind meist die wichtigsten Bindungspersonen für unsere Kinder. Und wir tun ihnen keinen Gefallen, wenn wir keine anderen Menschen zulassen, auch ihre Beziehung zu ihnen auf zu bauen. Kinder brauchen, von Anfang an und vor allem ab dem Kindergartenalter andere Bezugspersonen, um ihren Platz in der Gesellschaft finden zu können und das ist oft mühsam und gefühlsbetont, und gut. Als Eltern ist es gut, sich der eigenen Besonderheit im Klaren zu sein und dann ist es gut, zu wissen: 

  • Eltern sein ist kein Beliebtheitswettbewerb.
  • Eltern brauchen nicht die besten Freundinnen der eigenen Kinder sein.
  • Eltern können viele Rollen einnehmen, aber niemals alle (Lehrerin, Trainer, sonstwas). Sorry, not sorry.

AUF AUGENHÖHE & EMPHATISCH

Von oben herab, desinteressiert und unterdrückend ist man lange Zeit mit Kindern umgegangen. “Das hat uns ja auch nicht geschadet!” oder “Aus uns ist auch was geworden!” hört man dann oft, wenn es darum geht, warum das ungünstig für Kinder ist. 
Man kann antworten: “Woher willst du das wissen, dass es dir nicht geschadet hat?” oder “Und wie wäre es erst gewesen, wenn jemand auch noch an dich geglaubt hätte!” Es stimmt: viele Menschen sind faszinierend resilient, stecken widrigste Umstände erstaunlich gut weg und sind kaum beeinträchtigt von kindischem, kontrollierendem oder unterdrückendem Verhalten der eigenen Eltern. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, was der Mensch aushält.

Es ist meine tiefste Überzeugung, dass es immer gut tut, wenn mir jemand auf Augenhöhe begegnet und umgekehrt. Wenn mir jemand meine Realität zugesteht und umgekehrt. Wenn mich jemand so sein lassen kann, wie ich bin und umgekehrt. 
Autorität und Respekt geht ohne autoritär oder unterdrückend zu sein. Es geht auch auf Augenhöhe. So mit Kindern zu leben heißt: ihnen menschlich ebenbürtig zu sein, ihren Bedürfnissen gleich viel Bedeutung zu schenken wie den eigenen und sie empatisch zu begleiten, mit ihnen zu fühlen und sie anzuerkennen, wie sie sind. Autorität und Respekt beginnen mit innerer Klarheit, Ruhe und Selbstvertrauen – was ich wohl kaum erlerne, wenn mich dauernd jemand klein macht.

Gleichzeitig dürfen und sollen Eltern die Verantwortung übernehmen, Entscheidungen zu treffen. Und bedürfnisorientiert heißt bitte nicht, dass immer die Bedürfnisse des Kindes sofort umgesetzt werden müssen. Es heißt, diese zu erkennen, benennen und dann abzuwägen, was JETZT zu tun ist. Es geht nicht darum alle Wünsche möglichst schnell zu erfüllen, sondern darum, sie zu hören, zu sehen und zu benennen und dann nach passenden Lösungen zu suchen und Strategien zu entwickeln.

Um sich selbst zu helfen.
Dem Kind zu helfen.
Dem Kind zu helfen, sich selbst zu helfen.
Und dabei als Erwachsene Person stets das Steuer in der Hand zu haben.

WER IST HIER DER BOSS?

Kinder brauchen Sicherheit und Orientierung. Sie brauchen Zuwendung, Anerkennung, Nähe und Zugehörigkeit, gleichzeitig Autonomie und elterliches Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Auf diesen großen Familientankern sind wir die Steuerfrauen und Steuermänner, wir haben die Übersicht, die Lebenserfahrung, die Verantwortung und die Entscheidungsfähigkeit und sorgen dafür, dass es der Crew an Bord gut geht, dass sie mitreden und mitwirken dürfen, dass diese Bootsfahrt eine halbwegs angenehme Reise wird. 


Als Eltern dürfen und sollen wir IMMER auf der Seite unserer Kinder sein, sie stärken und motivieren, sie auch anleiten und führen und ganz, ganz viel begleiten, wenn sie sich nach und nach vom elterlichen Frachtschiff entfernen und auf eigene Faust die Weltmeere besegeln (oder auch nur den ersten kleinen Teich). Und solange wir alle zusammen auf diesem Schiff sind, sind wir Erwachsenen der Boss. Wir sind Kapitäninnen und Kapitäne. Und haben das Steuer fest in der Hand.

Und auch wenn wir selbst mal die Orientierung verlieren, ein Notfall an Bord auftritt und wir nicht mehr weiter wissen, sind wir ZUSTÄNDIG und VERANTWORTLICH.

Und Magie und Humor sind wie schon bei Mary Poppins nicht nur wichtig sondern auch hilfreich.

55 Dinge, die man mit Geschwistern lernt

55 Dinge, die man mit Geschwistern lernt

Geschwister zu haben ist eins der größten Geschenke, die ich habe. In meinem Fall reden wir ja von vier Schwestern. Diese Beziehungen beeinflussen uns auf vielfältige Weise und längst weiß auch die Wissenschaft:

Geschwister prägen mindestens so sehr wie Eltern. 

Was man mit Geschwistern alles so erlebt und lernt, hab ich heute mal hier beschrieben. Ein Stückerl Lebensrealität aus knapp vier Jahrzehnten gefiltert.

55 Dinge, die man mit Geschwistern lernt …

  1. das Gewand teilen oder die wertvollsten Stücke vor den Schwestern verstecken
  2. sich des nächtens beim Einschlafen erschrecken, indem man sich lautlos aus dem Bett schleicht (gut Übung übrigens für eventuelle spätere Elternschaft)
  3. sich gegenseitig die Osternester leerfuttern
  4. unterm Küchentisch die (wahlweise) eigenen oder schwesterlichen Haare / Stirnfransen mit der Bastelschere auf 2 cm kürzen (Partienweise auch das Haupthaar; Judith: immer schon die Styling Queen).
  5. der jüngeren Schwester das Radfahren beibringen
  6. gemeinsam bis zum Umfallen Flöte üben und dabei Ohrenschmerzen bekommen
  7. bis aufs Blut streiten und sich dabei die Haare ausreißen (da war ja abschneiden noch besser)
  8. den anderen Schwestern (wahlweise) die Schuld zuschieben – für was auch immer – und selbst das Unschuldslamm geben
  9. füreinander einstehen – zum Beispiel wenn der Freund der Schwester sie schlecht behandelt
  10. vor Rührung beim Schulabschluss der Schwester heulen wie ein Schlosshund
  11. 10-Groschen-Münzen auf den Bahngleisen nebst dem elterlichen Haus vom Güterzug platt pressen lassen (was haben wir eigentlich damit gemacht??)
  12. Lianen in der “Leid’n” schneiden, mit Gras füllen und rauchen (nein, kein Filter und im VS Alter)
  13. als Teenager mit 20 m Abstand morgens zum Bus gehen, weil man sich noch nicht ausstehen kann um halb 7 in der Früh (das war damals schon Social Distancing)
  14. Doktorspiele im Kindergartenalter im begehbaren Schrank verheimlichen
  15. die Firmvorbereitungsgruppe der jüngeren Schwester leiten (Lisa, du Arme hattest mich sicher ZU viel am Hals)
  16. beim gemeinsamen Umdichten von Liedern für runde Geburtstage verzweifeln
  17. die goldene Popcornregel (“Eins und eins”) beim Anschauen von Liselotte Pulver Filmen lernen
  18. auf jüngere Geschwister aufpassen, während die Eltern am Ball beim Wirt im Ort waren (und nein, sie hatten kein Handy dabei. Im Notfall hätten wir den Wirt am Festnetz angerufen, doch so weit ist es nie gekommen. Heißt: wir haben gelernt mit aller Art Schwierigkeiten umzugehen, ohne beim ersten Problem die Eltern zu rufen)
  19. jeden Tag denselben Mann zwei Mal zu küssen (Den Paps ;-).)
  20. sich gegenseitig um Haare, Klamotten, Freunde, Schulnoten, Spielsachen,… beneiden und sich dennoch (meist) nicht an die Gurgel zu gehen
  21. Patentante oder besser gesagt Godi für die eigenen Kinder werden
  22. kapitale Fahrradstürze ansehen und sich danach gegenseitig verarzten (wer braucht schon einen Doktor?)
  23. als Kinder artig Gedichte bei runden Geburtstage aufsagen und dann heimlich Geld zugesteckt bekommen von allerhand (uns unbekannten) weitschichtigen Verwandten
  24. schnell “gscheit schauen” wenn Familienfotos gemacht werden, was sonst eine elend lange Prozedur wird
  25. unerklärliche Spiele erfinden und mit Begeisterung spielen (Stichwort: Arschtreten)
  26. vertrocknete Haustiere im Garten zusammen bestatten
  27. geheime Parties schmeißen, wenn die Eltern zum Wandern übers Wochenende weg sind
  28. die ältere Schwester sofort dafür verpfeifen, sobald die Eltern bei der Tür herein treten (und betrübt feststellen, dass die ganze “Spurenbeseitigung” für die Katz war – soviel zu “geheimer Party”)
  29. betrunken die Aufsicht für jüngere Geschwister beim Ortsskitag übernehmen 
  30. sich gegenseitig für derartiges Fehlverhalten NICHT verpfeifen
  31. immer wieder vergleichen, was die anderen tun, haben und dürfen und grundsätzlich (was auch immer) beim anderen besser finden und dafür die Eltern nerven
  32. im elterlichen Garten im Hochsommer ausschließlich Bikini-OBERteile tragen, denn die waren wesentlich schicker als die Bikinihosen. (Plus: stolz damit für ein Foto posieren)
  33. eine Vespa halbwegs intakt an die jeweils jüngere Schwester vererben und der Letzten dann das Verschrotten überlassen (Lena, da hattest du Glück, und: schad … dieses Moped könnte Geschichten erzählen!)
  34. von den besten Freundinnen verwechselt werden, weil die Haarfarbe grad ähnlich ist
  35. sich siebzehnhundert mal anhören, wie arm doch unser Papa ist mit fünf Mädels (wobei ich immer gesagt hab: das ist der glücklichste Mensch der Welt, wird jeden Morgen von sechs Frauen geküsst – darauf hin war meistens Ruh.)
  36. die Lieblings-Stofftiere der anderen verstecken und so tun, als wisse man nicht, wo sie sind
  37. durch dick und dünn miteinander gehen (und das ist hier auch wörtlich gemeint)
  38. zusammen (gefühlt) alle Haarfarben des Spektrums abdecken (so, auf’s Leben gesehen. Danke, Katrin – du trägst hier den Löwenanteil!)
  39. streiten, argumentieren, seinen Standpunkt verteidigen, nicht aufgeben, dranbleiben, sich erkämpfen, was überlebensnotwendig ist (z.B. Jausenbrote)
  40. heimlich Gewand oder Schuhe der Schwester ausleihen und dann am Fußballplatz damit von ihr entdeckt werden (unschöne Szenen)
  41. sich Spielmännchen in die Nase stecken (liebe Grüße an alle, die so mit uns Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt haben – Hygiene wurde damals anders bewertet) und dann damit Fangen spielen oder Dick & Doof Masken drüber tragen
  42. gemeinsam beim Dachbodenausbau Ziegel schleppen
  43. dass eine Schaukel auch für 3-4 Kinder reicht
  44. eine kompletten Schwäche für Disney Filme entwickeln und dem dann bei der Hochzeit einer Schwester frönen
  45. im Pyjama Weihnachten feiern (das war wenigstens gemütlich!)
  46. stundenlang in Musikschulen sitzen, auf die Schwestern wartend (damit nicht so oft Taxi gefahren werden musste)
  47. zahllose Vortragsabende von Instrumentalklassen von den Geschwistern überleben 
  48. gemeinsamen Familien-Wellness-Urlaub im Teenageralter als Horrortrip empfinden 
  49. mehr Nähe aushlaten, als manchmal gesund ist
  50. in die selben Jungs verknallt sein und sie geschwisterlich (wenn auch zeitlich versetzt) teilen
  51. Dekorationskämpfe die Kinderzimmer betreffend austragen
  52. sich beim Rauchen vor den Eltern verstecken und sich gegenseitig decken
  53. der Schwester Jause ins Internat liefern um das Überleben zu sichern
  54. zusammen blödeln, bis man vor lauter Lachen Bauchweh hat
  55. mindestens 5 ICE Nummern (In Case of Emergency) im Telefon eingepeichert haben und wissen, dass man sich todsicher auf sie verlassen kann.

Katrin, Judith, Lisa und Lena – ihr seid mit die wertvollsten Menschen in meinem Leben und ich wünsche mir, dass wir dieses Band, das uns zusammen hält auf immer gut schützen und es pflegen – auch wenn man nie weiß, was das Leben bringt…

Und – hast DU auch Geschwister?

Was hast du von oder mit oder wegen deinen Geschwistern schon für’s Leben gelernt?

Ich bin schon sehr gespannt, was ihr kommentiert …


Du interessierst dich für GESCHWISTERbeziehungen?

Was das Besondere an dieser längsten Beziehung des Lebens ist?
Wie mehr Harmonie im Kinderzimmer einziehen darf?
Wie du Konflikte unter Geschwistern gut und nachhaltig löst?
Dann hüpf doch mal rüber zu meinem

ONLINE Kurs “Geschwister sind für immer!”
Check dir den ONLINE Kurs hier!


Kommentar schreibenKommentare: 5

  • #1Katrin (Donnerstag, 30 April 2020 17:26)Sehr sehr berührend und absolut treffend beschrieben! 🙂 Die Pokale unter der Bettdecke…. 😀 muss ich heute noch lachen wenn ich dran denke….
    Ein unglaublich wertvoller Schatz, solche Schwestern zu haben! Das Kompliment kann ich von Herzen zurück geben! ❤️
  • #2Kerstin (Freitag, 01 Mai 2020 12:08)Javaaa! Die Pokale – war sicher deine Idee, damals …! Dir fallen bestimmt noch viel mehr Begebenheiten ein, mit deinem Elefantengedächtnis 😉 …
  • #3Papa (Freitag, 01 Mai 2020 20:29)ich bin ein sehr stolzer und glücklicher Vater von 5 so feschen Töchtern die sich alle zu tollen Persönlichkeiten entwickelt haben. Es ist schön zu lesen was ihr in eurer Jugend so alles gut überstanden habt. Bleibt so wie ihr seid und lernt jeden Tag was Neues. Ein Leben ohne euch für mich nicht vorstellbar….
  • #4Gabi (Samstag, 02 Mai 2020 09:16)Da sind selbst für mich als Mama jetzt noch ein paar Dinge neu! Auch wenn aus der Elternebene nicht direkt ein Kommentar gefragt ist, möchte ich trotzdem etwas schreiben. Die unterschiedlichen Bedürfnisse von 5 (oder besser gesagt sind es eigentlich in unserem Fall 7) sich entwickelnden Persönlichkeiten “unter einen Hut zu bringen” sind eine wahre Herausforderung im Familienalltag. Es ist SEHR SCHÖN, so eine große und lebendige Familie hoch 19 zu haben! 55 x BIG HUGS
  • #5Kerstin (Freitag, 15 Mai 2020 17:29)Lieber Papa! Liebe Mama!
    Vielen Dank für diese herzerwärmenden Kommentare!
    Eure Erstgeborene

    Falls sich noch jemand fragt, warum wir alle “so toll” ;-P geworden sind … es liegt wohl an diesen beiden Menschen!
  • #6
Im Kelomat der Gefühle & Bedürfnisse

Im Kelomat der Gefühle & Bedürfnisse

Familien im Ausnahmezustand.

Egal ob wir daheim praktisch aufeinandersitzen müssen oder ob wir durch einen systemerhaltenden Beruf vor anderen Herausforderungen stehen: die momentane und wohl noch länger dauernde Situation ist alles, außer gewöhnlich.

Seit Bekanntwerden der Empfehlung “Bleib daheim!” gibt es eine Flut von Tipps und Rezepten, wie man Kinder daheim beschäftigt, was mit ihnen zu tun ist und ganz selbstverständlich übernehmen wir Eltern aus dem Stand den Heimunterricht. Warum Mütter dennoch keine Entertainer sind, was jetzt tatsächlich zählt und warum der Streit mit der Realität nichts bringt, darum geht’s heute hier am Blog.

Zack, zack, zack. Und der Staat wird auf Minimalbetrieb runter gefahren. Die Kinder sind daheim oder wir stehen vor echten Betreuungsproblemen. Das tägliche Leben wie wir es kennen: abgesagt.
Die Welt steht kopf. (Alle? Nein, eine Insel im Nordwesten Europas lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.)

Wie schon letzte Woche hier beschrieben, gibt es gute Gründe ruhig zu bleiben, das Neue als Chance zu wachsen zu sehen, die Herausforderung anzunehmen, in der Liebe zu bleiben.
Doch, dass nun der Druck auf Familien noch mal deutlich erhöht wird, fällt erst auf den zweiten Blick auf.
Mein erstes Gefühl war auch: hey, viel mehr Freiheit und Selbstbestimmung.
Das zweite allerdings: alles lastet auf meinen / unseren Schultern als Eltern.

Kein Wunder, dass man weiß, dass Quarantäne Maßnahmen die Zahl der häuslichen Gewalttaten in die Höhe treiben. Der Frust, die Enge, die Spannung entlädt sich – wie immer – nach unten: bei den Schwächeren, sprich Kindern und Frauen.

Wir sitzen im Kelomat (für alle, denen das Wort nix sagt: Druck-Schnellkochtopf. 🙂 ) Unterschiedliche Menschen unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und teils heftigen Gefühlen. Deckel drauf und dann kräftig aufheizen, der Druck kann steigen. Muss er aber nicht.

Ja, Kinder brauchen gerade in Krisenzeiten Struktur. Sie brauchen Rituale, die (vielleicht neu erfunden) jetzt gewisse Eckpfeiler im Tagesablauf markieren. Sie brauchen auch sinnvolle Beschäftigung und Anleitung. 

Doch wir sind nicht für die Dauerbespaßung und -belehrung zuständig. Wenn wir in diese Rolle fallen, machen wir uns kaputt. Wir sollten erst gar nicht versuchen, jede Minute mit sinnvollem Tun zu füllen, eine Bastelidee nach der anderen umzusetzen, Aktivitäten vorauszuplanen und den Kindern dann vorzugeben. Das sind einfach gewohnte, alte Muster, die sich ihren Weg bahnen wollen. Doch wir brauchen nicht wieder “volles Programm” und “action” am laufenden Band.

Was jetzt not-wendig ist (Achtung, Wortspiel!), ist Beziehung. 

Sie brauchen jemanden, der ihre Gefühle erfasst und benennt.
Sie brauchen jemanden, der ihre Bedürfnisse erkennt und anspricht.
Sie brauchen jemanden, der da ist: aufrichtig, ehrlich und echt.

Bedürfnisorientiertes und beziehungsorientiertes Handeln in einem neuen Licht, also. Weil wir nicht aus der Fülle an Möglichkeiten schöpfen können, die wir gewohnt sind, und Wünsche jederzeit erfüllen, werden wir zurückgeworfen auf das, worum es eigentlich geht: 
das HINSEHEN, HINHÖREN und HINFÜHLEN.(Statt: “… ich schau, wie ich das möglichst schnell erfülle, damit Ruhe ist!”)

Statt: “Jammere bitte nicht schon wieder wegen den Freundinnen!”
Ja, es ist traurig, dass du deine Freundinnen so lang nicht sehen kannst.

Statt: “Du hast es doch so schön ruhig, jetzt lern halt einfach, was dir aufgegeben wurde!”
Ja, es ist frustrierend, dass du ganz allein lernen sollst.

Statt: “Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du derzeit mit niemandem spielen kannst!”
Ja, es ist furchtbar, die Nachbarskinder zu sehen und dennoch nicht spielen gehen zu können.

Statt: “Das geht jetzt nicht, wir können Oma und Opa jetzt einfach nicht besuchen!”
Ja, es ist schade, dass wir Oma und Opa jetzt so lang nicht sehen.

Statt: “Ich kann das – mir ist soooo fad – nicht mehr hööööreenn!”
Ja, es ist auch langweilig, dauernd zuhause sein zu müssen.

Es ist, wie es ist.

Kerstin Bamminger

Wenn wir mit der Realität streiten, sind wir immer die Verlierer.
Was den Druck im Kelomat also erleichtert, ist folgende Haltung:
“Ich sehe deine Bedürfnisse.
Ich höre deine Wünsche. Ich fühle, wie es dir geht.
Und ich helfe dir dabei, das auszudrücken und auszuhalten. “
Niemand sagt, dass das leichter ist, als Kinder zu “bespaßen” oder “beschäftigen”. Doch es ist definitiv dringender und vor allem NOT-wendig. Nach dem WAHRnehmen folgt übrigens keine gemeinschaftliche, langanhaltende Depression, sondern die Suche nach Lösungen

  • Was glaubst du, hilft dir, wenn es so langweilig ist?
  • Was glaubst du, lenkt dich jetzt ab?
  • Was können wir denn tun, wenn …. gerade nicht geht?

Bindet die Kinder in die Lösungsfindung ein! WIR müssen nicht alles wissen! Wir können Möglichkeiten anbieten und vorleben (“Weißt du, mir hilft zum Beispiel, ….”). Wir können aber auch unwissend sein.

Es ist deswegen trotzdem manchmal schwer auszuhalten, weil wir in unseren Möglichkeiten begrenzt sind, oder uns zumindest begrenzt fühlen – und: weil wir selbst im Ausnahmezustand sind.

Du darfst auch sagen:
Ich bin auch traurig. Ich bin auch frustriert. Ich bin auch überfordert. 
UND: wir schaffen das GEMEINSAM. 
Es darf dauern, bis sich ein neues System “einpendelt” und dabei darf es auch ordentlich wackeln
Vertrauen wir darauf, dass wir jetzt die Gelegenheit haben, Dinge neu zu ordnen, unseren ausschweifenden und überdimensionalen Lebensstil zu überdenken und dass es gelingen wird eine bodenständige, neue Ausrichtung zu bekommen

Auch wenn wir jetzt noch nicht genau wissen, wie die aussehen wird.
Stay positive. Stay strong.


GEFÜHLspaletten als Hilfswerkzeug

Das Ausdrücken von Gefühlen und Bedürfnissen ist oft schwieriger als vermutet. Wir sind, wie ich gern sage, sachlich verwahrlost, was dieses Thema angeht, unterscheiden bei der Frage “Wie geht’s dir denn?” oft nur zwischen gut und schlecht. Dabei sind wir soooooo viel mehr! 


Diese beiden Gefühlspaletten schenke ich dir: druck sie aus und hänge sie an einen gut sichtbaren Ort, wo sie dir hilfreich sein können als Unterstützung beim Formulieren von Gefühlslagen. Wenn deine Kinder noch nicht lesen können, biete ihnen verschiedene Begriffe an, oder versuche für sie den richtigen Ausdruck zu finden.

Das verlangt viel Empathie, ich weiß – es ist aber sprachliche Bildung und Herzensbildung in höchster Form!


Bei Fragen: immer gern das MAMAtelefon nützen 😉 …