5 Parallelen zwischen Beziehungen & Skifahren

5 Parallelen zwischen Beziehungen & Skifahren

Skifahren lernen und Beziehungen führen – das sind doch völlig unterschiedliche Dinge

HA! Weit gefehlt! In diesem Beitrag bekommst du Gedankenschnipsel aus meiner Woche, in der ich wieder mal die Ehre hatte, die Schnullerbären (=Anfänger:innen) im Skikurs zu betreuen. Ich durfte Betreuerin und Zeugin von unglaublich tollen Entwicklungen sein. Wie so oft in meiner Arbeit – auch abseits vom Ehrenamt. Welche fünf Parallelschwünge ich zwischen dem Skifahren und Beziehungen machen kann, liest du hier.

Zum 13. Mal waren wir heuer als Familie beim Eltern-Kind-Skikurs des örtlichen Vereins dabei. Ich hab die ehrenvolle und wichtige Aufgabe, den Minis (und manche sind knapp über 3 Jahre!!) hier das Skifahren zu zeigen und bin dabei drauf gekommen, dass es hier viele Parallelen gibt zum Thema Beziehungen. 

1. DER ANFANG IST WICHTIG

Skifahren beginnt nicht beim ersten Mal „den Hügel runter fahren“. Es beginnt beim Aufwärmen, beim Kennenlernen, beim Klarkommen mit den schweren Schuhen, dem dicken Gewand und den „langen“ Füßen, die man sich selbst anschnallt. In der Ebene, wo alle Kanten spielerisch erforscht und genützt werden dürfen. Das Lernen in der Ebene wird maßlos unterschätzt, dabei ist es essentiell.

Beziehung beginnt nicht erst bei der ersten Kindergartenfreundin, sondern lang vor dem ersten Atemzug und besonders in den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach der Geburt. Wie verlässlich sind meine Bindungspersonen, werde ich gesehen und gehört, können meine Bedürfnisse ausreichend erfüllt werden. Dazu brauchen wir andere Personen, ein Gegenüber. Meistens sind das unsere Eltern.

2. ES BRAUCHT GEDULD UND EMPATHIE

Skifahren kann man nicht von „einmal zuschauen“, es braucht Zeit und Technik und Hingabe, es braucht Kraft und Energie und öfter braucht es auch eine gute Portion Überwindung. Es braucht Einfühlungsvermögen der Erwachsenen, die mit dieser schweren Ausrüstung schon lang vertraut sind und sich oft nicht mehr erinnern, wie anstrengend das besonders für junge Kinder sein kann. Es darf dauern und dabei brauchen die Kids Begleitung von emphatischen Erwachsenen.

„Stell dich nicht so an“ oder „Schau halt, wie die das machen, das kann ja nicht so schwer sein!“ hat noch selten einem Kind geholfen.

Beziehungen brauchen ebenfalls Geduld und Empathie. Anfangs weil man Nächte durchwacht, zu wenig Schlaf bekommt, zu viel kalt gewordenes Essen, oft unsicher ist, wie das mit dem Eltern-sein geht, den neuen Alltag erst kennenlernt, die Kontrolle über die Tagesgestaltung vorübergehend verliert, sich hilflos und überfordert fühlen kann und weil man sich so manches ein wenig anders vorgestellt hat. Einfühlsame Erwachsene, die immer wieder erkennen, dass das Kind nach Bedürfnissen tickt und nicht da ist, um sie zu „ärgern“, können eher günstiges Verhalten zeigen als misstrauisch genervte Eltern.

3. ANSTRENGUNG UND ERFOLG

Skifahren lernen geht nicht ohne Schweiß. Es braucht körperliche Anstrengungen, die nicht immer leicht fallen. Besonders Treppenschritte und Pinguinschritte bringen die Beginner oft an den Rand der Verzweiflung. Auch Stresssituationen beim Liftaussteigen oder nach Stürzen gehören dazu. Natürlich darf es Tränen geben. Und die, die durchhalten und dranbleiben, erleben oft schon nach wenigen Tagen echte Gipfelsiege!

Beziehungen dürfen auch anstrengend sein. Nicht immer ist alles „easy-cheesy“, auch wenn ich eine Anhängerin des Satzes „Es darf leicht gehen“ bin. Einfache Phasen kann jeder gut aushalten und überstehen, in der Krise zeigt sich die Persönlichkeit. Wie gehen damit um, wenn wir unterschiedlich sind, uns streiten, uns nicht verstehen oder toll finden? Auch wenn „Erfolg“ ein sehr dehnbarer und zutiefst subjektiver Begriff ist: er „folgt“ dem, was zuvor in eine Beziehung investiert wurde

4. HOCH HINAUS KOMMEN 

Skifahren ermöglicht echte Glücksgefühle bei denen, die auch Spaß dran haben. Die Kids nach drei Tagen im Pulverschnee herunter kurven zu sehen, war schon beim Zuschauen ein echter Genuss, sie haben gelacht und gejuchzt! So gut! Solche Hochgefühle gibt es nur, wenn man auf der emotionalen Achterbahn dorthin nicht irgendwo im Tal ausgestiegen ist.

Beziehungen bringen ebenfalls Berg- und Talfahrten mit sich, wobei wir hier wahrscheinlich die Talfahrt weniger amüsant finden als die Bergfahrt – genau umgekehrt wie beim Skifahren, also. Zu lebendigen Beziehungen gehört halt einfach alles dazu. Wir könnten die Höhen nie erkennen und schätzen, wenn wir nicht auch die Täler durchwandern. Drum ist das Dranbleiben eine wichtige Sache, wenn man hoch hinaus kommen will.

5. DU DARFST DIR HELFEN LASSEN

Skifahren – hab ich schon hunderten Kids gelernt. Aber meinen eigenen Dreien nicht! Warum? Weil ich als Mama eine andere Rolle hab. Wir haben sie gern in die Hände von Expert:innen gegeben (im Verein unseres Vertrauens 😉 !) und dann vom Ergebnis profitiert. Wenn ich sehe, wie oft Eltern auf wirklich schwindelige Art und Weise versuchen, ihren Kindern das Skifahren beizubringen, wundert es mich nicht mehr, dass sich auch so viele grauenhafte Skifahrer:innen auf den Pisten tummeln. Die nicht nur eine Gefahr für andere, sondern auch für sich selbst sind.

Beziehungen brauchen auch manchmal Hilfe von Profis. Eltern können und müssen nicht alles selbst wissen. Sie sind Lernende vom ersten Tag an und dürfen das Know-How und die Erfahrung von Profis anzapfen, um besser vorwärts zu kommen. Natürlich sind Eltern (im Unterschied zum Skifahren) im besten Fall SELBST die umsetzenden Instanzen. Hilfreicher Support und lösende Ideen kommen jedoch oft von Außen leichter, weil man im eigenen System oft ein klein wenig „betriebsblind“ ist und eine andere Perspektive ein absoluter Mehrwert sein kann.

Natürlich kann man auch schlechte Beziehungen führen, was viele Menschen ja auch tun – wie beim Skifahren, eben! 😉

THE BIG DIFFERENCE

Es gibt trotz aller Gemeinsamkeiten EINEN Unterschied, der wirklich essentiell ist. Wir werden diese Welt nicht mit perfekt ausgebildeten Skifahrer:innen retten. (Auch wenn das ein schöner Gedanke ist!).

Doch gut gebaute Beziehungen, sichere und verlässliche Bindungen, Urvertrauen und Mut, die Gewissheit Unterstützung zu haben oder holen zu können, Geduld und vor allem ein ganzes Stück mehr Empathie können diese Welt wirklich zu einem besseren Ort machen.

Damit wir nicht auch in Zukunft von komplett wahnsinnig gewordenen, persönlichkeitsgestörten Menschen und ihren gekränkten Egos in den Nachrichten hören müssen oder sogar ihre Gräueltaten ertragen.

Lebendig gelebte Beziehungen können jeden Tag an dieser Vision zimmern:

  • durch ein freundliches Lächeln für eine Fremde
  • mit einer hilfreichen Hand für einen, der sie braucht
  • in deiner mitfühlenden Geste für ein Kind, auch wenn ich es grad nicht verstehe
  • durch friedliche und respektvolle Worte zwischen dir und deinem Gegenüber
  • in der Zuversicht und dem Glauben daran, dass es gelingen kann.

Gut und miteinander in Frieden zu leben.

Die 5 Säulen für gelungene Beziehungen

Die 5 Säulen für gelungene Beziehungen

Beziehungen, besser gesagt, gelungene Beziehungen sind also das Salz in unserer Suppe, das Sahnehäubchen auf unserer Lebenstorte, die Quintessenz unseres Antriebs – das haben wir ja im letzten Beitrag hier geklärt.
Was jedoch macht eine Beziehung „gelungen“?
Was brauchen menschliche Verbindungen, wenn sie für angenehm empfunden werden sollen?
Wir werfen einen Blick auf die 5 Säulen, auf denen Beziehungen stehen.


ECKDATEN DER BFF – NOT

Ich bin sicher, du kennst eine solche Person: eine, die sich im gemeinsamen Kontakt immer so wichtig nimmt, gerne und ausgiebig von sich erzählt und dich kaum fragt, wie es dir geht. Mit der du jederzeit alles unternehmen kannst, was sie möchte, und kaum soll’s mal nach deinen Vorstellungen gehen, ist sie wie vom Erdboden verschluckt. Die gern deine Hilfe annimmt, aber so gut wie nie die ihre anbietet und schon gar nicht bemerkt, ob du welche nötig hast. Falls du ein Bild von so einer Person im Kopf hast, weißt du jetzt genau, was es braucht, damit Beziehungen schief laufen. Das sind die Eckdaten, die keiner im Profil der BFF (*Jugendsprache für Best Friend Forever) stehen haben will.

WAS RADFAHREN MIT BEZIEHUNGEN ZU TUN HAT

„Es ist so kompliziert, das mit den Menschen“ … hat neulich eine überaus liebenswerte Klientin bei mir gesagt und ich musste lachen. Denn ja: einerseits sind wir zu Kooperation und menschlichem Miteinander geboren und motiviert. Und gleichzeitig braucht es tatsächlich ganz schön viel, um so eine Beziehung am Laufen zu halten. Frei nach dem platten, aber manchmal recht zutreffenden Spruch: „Was haben Beziehungen und Fahrradfahren gemeinsam? Bergab geht’s von selbst!“

Also schnapp ich mir nochmal eine Erkenntnis aus dem Buch „Prinzip Menschlichkeit“ und drösle hier für dich auf, was es braucht, um gute Beziehungen erleben und gestalten zu können. Ich nenne sie für dich: die 5 SÄULEN für GELUNGENE BEZIEHUNGEN

SÄULE 1: EINANDER SEHEN UND BEACHTEN

Damit ist nicht nur sprichwörtlich das Sehen gemeint (auch wenn wir stark über diesen Sinn angesprochen werden), noch mehr ist es das „sich-gegenseitig-Wahrnehmen“. Darin steckt für mich einerseits der Aspekt, dass ich mich unabgelenkt, sprich: aufmerksam dem anderen zuwende. Gleichzeitig bedeutet es auch, dass ich den Anderen so sein lasse, wie er ist: ihn „wahr“ nehme und nicht „falsch“ abstemple mit seinen jeweiligen Gefühlen und Bedürfnissen. Das ist schon der fließende Übergang zum zweiten Teil dieser Säule: das „achten“. Achten bedeutet für mich in dem Zusammenhang: annehmen und auf das Bewerten verzichten. Einfach erklärt, schwer nachgemacht. Denn das Vergleichen und Bewerten haben wir meistens super gut geübt ganz im Gegensatz zum wertfreien Erfassen.

SÄULE 2: GEMEINSAME AUFMERKSAMKEIT TEILEN

„Gegensätze ziehen sich an!“ „Wir sind so unterschiedlich, da ergänzen wir uns prima!“ Ja, auch an diesen Sätzen ist etwas dran. Und gelungene Beziehung braucht ein Minimum an gemeinsamer Aufmerksamkeit, an gemeinsamer gerichteter Aktivität. Wie viel wir gemeinsam machen und was das ist, ist höchst individuell und in der Beziehung auszuhandeln. Immer wieder. Es ist notwendig unsere Bedürfnisse als Einzelne als Basis für die Entscheidungen zu verwenden: wann, wo, wieviel der verfügbaren Zeit und Energie wir auf UNS verwenden.

Auch hier gibt es meiner Meinung nach je nach Lebens- und Beziehungsphase natürliche Schwankungen. Nähe und Distanz dürfen wir, wie viele andere Gegensätze täglich neu austarieren.


Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in dieselbe Richtung blickt!

Antoine de Saint-Exupéry

SÄULE 3: SICH AUF GEFÜHLE DES ANDEREN EINLASSEN

In einer gelungenen Beziehungen braucht es die Fähigkeit, sich auf die Gefühle bzw. die Stimmung des anderen einzulassen. Ein Mindestmaß an emotionaler Resonanz, quasi. Sich zum Beispiel von der Freude und auch von der Trauer des anderen anstecken lassen zu können ist ein überaus verbindendes und motivierendes Element in Beziehungen. Das kann natürlich nicht erzwungen werden und niemand muss selbst gleichermaßen dem Gefühl des anderen „erliegen“. Denk an ein Radio: es geht um ein Wahrnehmen der Frequenz, auf der das Gegenüber gerade „sendet“. Die Stimmung dort mitzubekommen und sich „einzutunen“ ist überaus beziehungsfördernd. Auch wenn ich dann wieder auf meinen Sender umschalten möchte und darf.

SÄULE 4: GEMEINSAM HANDELN

Es ist meist völlig unterschätzt, wie verbindend das gemeinsame Tun ist. Egal ob es um Gartenarbeit, die gemeinsame Carearbeit oder um’s zusammen Kochen geht: einfache und ganz konkrete Dinge in die Tat umzusetzen ist für beide Seiten motivierend und bestärkend. Wenn hingegen einer nur delegiert und der andere sich aus Bequemlichkeit nicht in Bewegung setzt, kommt schnell Frust auf. Nebeneinander oder gleichzeitig für eine gemeinsame Sache zu arbeiten, Zeit und Energie aufzuwenden, kann die Beziehungskultur positiv prägen.

SÄULE 5: MOTIVE UND ABSICHTEN DES ANDEREN VERSTEHEN

Jetzt sind wir quasi in der Champions-League des Beziehungsgames angekommen. Damit man hierhin kommt, sind die Säulen eins bis vier praktisch Voraussetzung. Und dann braucht dieses Verstehen zusätzlich zu einem scharfen Beobachtungssinn und einer Prise Gespür vor allem eins: das Gespräch.
Bei Kindern (je jünger, desto mehr) ist es schon erforderlich, dass die Eltern das Verhalten des Kindes wahrnehmen, interpretieren und darauf reagieren. Besonders, wenn sie eben noch nicht sprechen können. 

Doch für erwachsene Beziehungen gilt: was ich nicht verstehe, kann ich womöglich erfragen. Was nämlich irgendwie fies ist: unser Gehirn möchte sich das „immer wieder neue Verstehen“ ersparen und beurteilt lieber nach deinem alten und bekannten Schema. Ich brauch wohl nicht zu erwähnen, dass das für aktuelle Situationen und Beziehungen meist nicht hilfreich ist, wenn das Gehirn in der Vergangenheit kramt und Schablonen über das Jetzt legt.
Ganz persönlich glaube ich, dass es bei dieser Säule vor allem um das unablässige Interesse am Tun des Anderen geht, weil es bedeutet: du bist mir wichtig. Ich möchte wissen, wofür du brennst, wobei du lebendig wirst. Auch wenn wir manche Dinge vielleicht nie 100%ig kapieren – der ehrliche Wille zählt für’s Werk

NACH DEM WISSEN KOMMT DAS TUN

So, nun wissen wir also, welche Säulen gebaut werden sollen, wenn wir unsere Beziehung als schönes Dach über euch erleben möchtet. Welche Zutaten es benötigt, wenn ihr euch ein feines Beziehungssüppchen kochen wollt. Es gibt nur eine deprimierende Nachricht zum Schluss (sorry!): leider steht eine Beziehung nicht wie ein Designertisch auch auf drei oder vier Beinen gut – es braucht alle fünf, wenn sie langfristig halten soll. Doch immerhin: üblicherweise geht es ja darum, mit Menschen, die wir mögen, an etwas zu werkeln, das wir selbst gewählt haben. So schlimm sollte dieses „Dranbleiben“ dann hoffentlich nicht sein.

IT TAKES TWO, BABY

Und noch ein Aspekt ist für mich erwähnenswert: es reicht nicht, wenn nur einer in der Beziehung all diese Sachen erfüllt und sich darum kümmert. (Eltern-Kind-Beziehungen mal ausgenommen, da gibt’s eigene Gesetze und Dynamiken.) Beziehung ist keine Einbahnstraße sondern eine zweispurige Fahrbahn. Jeder darf, kann und soll seinen Teil dazu beitragen, dass diese Säulen erbaut und erhalten werden, sonst wird’s schwierig. Bekanntlich braucht es zwei um eine Ehe (Beziehung) zu führen – und nur einen, um sie zu brechen. So schade das auch manchmal ist.

Und weil ich unmöglich mit einem negativen Gedanken aufhören kann: die frohe Botschaft! All das zu tun ist 

  • meistens sofort möglich
  • braucht nur dich und deine Entscheidung dazu
  • baut unmittelbar vielleicht bröckelnde Säulen wieder auf
  • kostet dich keinen Cent
  • bringt euch näher zueinander.

Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst,
weil da ganz schön viel „Baustelle“ ist in deiner Beziehung, dann lass uns zusammen arbeiten.

Ein Haus baut man auch nicht ohne professionelle Hilfe und ohne Plan – das heißt, man kann schon! Und anders ist es einfacher und effizienter!

Ruf gerne unverbindlich an,
um abzuklären, ob wir „zusammenpassen“ und ich die Richtige für euer Anliegen bin!