Hilfe bei Hilflosigkeit?! – 5 Tipps

Begrenzungen im Außen fühlen sich für die meisten von uns unangenehm an, wir vermissen gewohnte Freiheiten und im schlimmeren Fall haben wir Angst, uns völlig hilflos der Zukunft auszuliefern. Damit wir nicht in der Starre stecken bleiben und nur mehr Frust vor uns herschieben und jeden gestalterischen Willen verlieren, gibt’s heut ein paar Tipps: was hilft bei Hilflosigkeit.

NICHT SCHON WIEDER

Diese letzten Monate haben uns allerhand abverlangt und statt nach einem etwas erleichternden Sommer dem Aufwind zu folgen und wieder Leichtigkeit zu fühlen, geht’s jetzt Vielen von uns genau umgekehrt. Regelungen, Maßnahmen, Vorschriften ziehen uns nach unten, lassen geplante Feste platzen, machen gewohnte Freizeitbeschäftigungen unmöglich, berauben uns selbst kleiner wiedergewonnener Freiheiten und hinterlassen uns fragend, wie das wohl die nächsten Monate über den Winter weitergehen mag.

Also versuche ich mich mal selbst zu erinnern, wie man aus dieser frustrierenden Haltung am besten raus kommt. 

1. TIPP: ANNEHMEN, WAS IST

Kaum ein Gespräch im zwischenmenschlichen Bereich kommt derzeit an dem verhassten C-Thema vorbei. Weil es uns betrifft, und zwar jeden von uns, der nicht in völliger Abgeschiedenheit fern der Zivilisation lebt. In solchen Gesprächen merkt man dann: mit manchen Menschen ist man sich sehr einig, mit anderen überhaupt nicht und es gibt nicht nur die schwarze und weiße Meinung, sondern auch alles dazwischen.

Es gibt Menschen, die sehr viel Angst haben und die sich gar nicht genug beschützt fühlen können und es gibt Menschen, die sehr entspannt bleiben und sich lieber weniger von Außen beschützen lassen würden. Wir sind eben verschieden. Und so verschieden wie wir Menschen sind, ist auch die Einschätzung von bestehenden Gefahren.

“Wenn doch nur alle so denken würden, wie ich, hätten wir kein Problem mehr und alles wär gut”, meinen Menschen in jeder Position. Doch die Realität ist anders. Es gibt viele Haltungen und Zugänge und das lässt sich beim besten Willen nicht ändern. Dann hilft das Annehmen dessen, wie es ist und die innere Einstellung, dem Anderen seine Meinung zu lassen – selbst wenn man selbst völlig anderer Überzeugung ist. “Aha, so siehst du das also.” Es braucht kein “… das verstehe ich” oder andere Zustimmung, wenn du nicht so denkst. Aber andere Meinungen stehen lassen können, das wär schon ein respektabler Anfang.

2. TIPP: VOM OPFER ZUM GESTALTER WERDEN

Es gibt in der Beratung so einen Begriff, der heißt: Leidensgewinn. Damit meint man Menschen, die bewusst oder unbewusst eine leidvolle Angewohnheit, Krankheit oder Beziehung nicht loslassen können, weil sie auch einen Nutzen davon haben. Oft ist das so etwas wie Zuwendung, Aufmerksamkeit, Mitleid und Empathie zu bekommen, ein anderes (noch schwereres) Thema nicht anschauen müssen oder Ähnliches. So komisch das klingen mag, sie halten an schweren Dingen fest, weil sich sonst eine Leere auftun würde, die erst wieder mühsam gefüllt werden müsste. 

Und obwohl der Fokus auf das Schlechte (“die Gefahr”) eine evolutionsbiologische Notwendigkeit war, können uns diese Zustände regelrecht lähmen, wenn sie im Übermaß zur falschen Zeit auftreten.

“Du Opfer!” sagen Jugendliche als Schimpfwort zu jemandem, der zu viel jammert und meinen wohl damit: “Hör auf mit dem Leiden und mach was! Es liegt in deiner Hand!” Und selbst wenn wir zur Zeit nicht alle Freiheiten der Welt haben, liegt es an uns, was wir aus der Situation machen. Eine ungute Situation wird nicht leichter, wenn wir sie uns selbst auch noch schiech reden. Fragen wir uns lieber: “Wofür ist diese Situation eine Gelegenheit?” … und schon kommen wir aus der Rolle des Opfers in die Rolle des Gestalters, wenn auch mit anderen Möglichkeiten als den bisher vielleicht gewohnten.

3. TIPP: GEMEINSAM STATT EINSAM

Du kennst das sicher. Skeptische Blicke, wenn man im Supermarkt zu nahe steht. Unsicherheit, wie man sich nun “richtig” begrüßen kann und soll. Sterbende Kommunikation unter Mitmenschen, weil die Maske uns definitiv hemmt, freudig wie früher zu plaudern und wir auch so viel von der Mimik verpassen, wenn wir in halbverdeckte Gesichter schauen. 

Wir trennen uns voneinander, driften auseinander und die körperliche Distanz, die wir dauernd wahren sollen wird nun echt zu sozialer Distanz, wie sie seit Beginn lustiger Weise ja schon bezeichnet wird. 

Wir brauchen uns gegenseitig und den Kontakt zum Umfeld in der realen Welt, weil wir soziale Wesen sind. Gerade in Krisen und gerade, wenn es schwer wird. Das geht auch ohne gleich unvernünftig zu sein und andere zu gefährden. Und die echte Horrorvorstellung ist doch nicht, irgendwann zu sterben, sondern (dabei) allein zu sein – das kann dir jede Krankenschwester auf einer entsprechenden Station bestätigen oder Menschen auf Palliativstationen. Die fürchten nicht den Tod, sondern die Einsamkeit. Wenn wir als Gesellschaft gemeinsam (und es wird uns alle irgendwie dazu brauchen) aus dieser Krise rauskommen wollen, dann sollten wir auch spüren, dass wir miteinander verbunden sind und soziale Kontakte sehr wohl pflegen, Kinder in den Arm nehmen dürfen, sie trösten, uns umarmen und Zuneigung ausdrücken, damit wir merken: wir sind nicht allein, wir sind Viele und wir brauchen uns gegenseitig, damit wir das alles schaffen.

4. TIPP: DIE BRILLEN WECHSELN

Nie mehr Jammern, down sein oder sich genervt fühlen? Was vielleicht als paradiesische Vorstellung erscheinen mag, ist einfach nicht das, was ich mir unter “LEBEN” und lebendig sein vorstelle. Unser Dasein hat eben viele Facetten und ohne die trüberen, dunklen würden wir die leuchtend hellen weder erkennen, noch zu schätzen wissen.

Es hilft aber, sich öfter mal bewusst zu werden, durch welche Brille wir gerade unser Leben so anschauen.

Ist es die Pessimisten-Brille im Sinn von: “alles ist furchtbar, das wird uns so viel kosten, wie sollen wir das überleben, ich hasse diese Einschränkungen”? 


Oder eher eine neutrale Brille durch die man sieht “ein neueres Virus beschäftigt den Globus, es gibt viele Zahlen zu positiv Getesteten, Erkrankten oder Verstorbenen, wir leben mit Einschränkungen, Menschen leiden auf vielfältige Weise in vielfältigen Bereichen”?


Oder ist es eine Optimisten-Brille, die erkennen lässt: “wir haben die Chance uns als Gesellschaft zu verändern, wir waren ohnehin auf einem zerstörerischen Pfad, lass uns etwas Positives draus machen”!?

Ich hab ja alle drei “Brillen” und sehe die Welt abwechselnd durch die eine und die andere. Und ich erinnere mich bewusst daran, die Pessimistenbrille abzulegen und meine Welt positiv zu sehen. Ich finde jeden Tag nicht nur einen Grund, sondern mehrere, warum es ein “guter Tag” war. Und wenn es “nur das ist”, ein Dach über dem Kopf zu haben, warme Kleidung und fließendes Wasser – für mich verändert das immer das Erlebte zum Positiven, weil ich in eine dankbare Haltung komme und nichts für Selbstverständlich halte. Und mein Leben – und jeden Tag – als Geschenk annehmen kann. (Notiz: leg dir einen Zettel neben dein Bett mit den Worten “Ein guter Tag” … der erinnert dich an diesen Gedanken …. vor dem Einschlafen und/oder nach dem Aufstehen!)

5. TIPP: MEHR LEBEN, WENIGER FÜRCHTEN

So Vieles zur Zeit dreht sich um die Bekämpfung von (einer) Krankheit und die Angst davor, dass wir fast auf das Wichtigste vergessen. Nämlich darauf, zu leben. Und was es heißt, gesund zu sein. Gesundheit bedeutet für mich nicht, nicht krank zu sein oder auf was auch immer positiv getestet zu werden. Gesundheit beginnt viel früher.

Und ich kann nicht anders, als mich hier an Dr. Samuel Hahnemann zu halten: es wohnt uns eine Lebenskraft inne, die beeinflusst, ob wir krank werden oder nicht. Wie lässt es sich sonst erklären, dass hochinfektiöse Krankheiten bei manchen so leicht übertragen werden und dann die eigene Ehepartnerin nicht “erwischen”? Es gibt unzählige kuriose Geschichten, welche “Wege” Viren und Bakterien manchmal nehmen und es gibt keine wissenschaftliche Antwort darauf, warum das so ist.

Die Sache ist nur, diese “Lebenskraft” ist halt unterschiedlich fragil und kann auch schon nach einer Auseinandersetzung mit dem Partner, Konflikten mit den Kindern oder mentaler Überlastung aus der Balance kommen. Da reden wir noch gar nicht von gesunder Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung.

“Ich weiß, dass ich nichts weiß” ist ein philosophischer Spruch, der zwar Jahrtausende alt ist, aber wenig von seiner Gültigkeit verloren hat. Wir glauben zwar, Viren, Bakterien und letztlich sogar das Leben “kontrollieren” zu können, weil wir schon so viel darüber wissen, doch ich bin überzeugt: wir wissen noch viel mehr überhaupt nicht. Diese Haltung würde diversen Wissenschaftern manchmal gut stehen.

Hilfe, worauf sollen wir uns dann verlassen? Auf das Leben und wie es geht, gesund zu bleiben. Dass Gesundheit eben nicht nur den Körper und messbare Werte umfasst, sondern auch den Geist und vor allem die Seele. Also frag dich auch: was nährt deinen Geist, was nährt deine Seele? Und dann geh und versorg dich damit, so gut es eben momentan geht. Und lass dich nicht von der Angst leiten, sondern vom Leben. Das sich niemals kontrollieren wird lassen und immer einen Weg findet, auch wenn wir diesen nicht verstehen. Drum: lebe dein Leben, so bunt wie möglich und so geregelt wie unbedingt nötig und freu dich daran.

Denn auch wo Freude ist, hat Krankheit weniger Chance. 

Und nun meine Abschlussfrage: warum war/ist HEUTE ein guter Tag für dich? Schreib in die Kommentare … 

Kommentar schreibenKommentare: 3

  • #1Elke Gruber-Franthall (Freitag, 23 Oktober 2020 12:48)Danke dir liebe Kerstin, für deinen wirklich treffenden, wertvollen Text!!!
    Es ist wie es ist. Es geht darum mehr denn je darum, in der eigenen Balance zu bleiben, das bunte Leben zu leben, jeder für sich und gemeinsam (mein bunt ist, ja nicht das bunt des anderen ;-))
    Da gibts so viele Gründe für “meinen” guten Tag.
    – Das Strahlen meiner Kinder in der früh, selbst wenn ich mal schwer aus dem Bett komm ;-)) was heute nicht der Fall war!!!
    – So herzberührende Gespräche beim Kindergartenbus,
    – einen Vormittagszoomcall mit einer Freundin in der Schweiz, der mich sehr berührt hat und einfach, echt und ehrlich war.
    – Die Vorbereitung meines eigenen Workshopreihe “Auszeit”, auf die ich mich riesig freu und die TeilnehmerInnen ebenso.
    – Ein strahlendes Lächeln der Nachbarin,… und
    – freie Mittagszeit für mich alleine (bei 3 Kindern sehr sehr besonders wertvoll!!).
    – und es ist erst 12:48 Uhr, was da noch alles kommen mag, ich lasse mich überraschen.
    Alles Liebe dir und weiterhin sooo viel erkennen der guten Momente in unsere aller LEBEN!!! Elke
  • #2Birgit Buchinger (Freitag, 23 Oktober 2020 17:30)ich habe gerade täglich in der Arbeit mit Maskengegnern zu tun im Handel.
    Das strapaziert die Nerven und Geduld meinerseits sehr.
    Dein Beitrag ist wunderbar und hat mir gerade jetzt sehr geholfen.
    Vielen Dank
    Wenn man im Arbeitsstress drin ist, ist es von selber oft schwer einen anderen Blickwindel zu bekommen, dank Dir ist mir das jetzt gelungen

    Liebe Grüße
  • #3Elisabeth (Sonntag, 01 November 2020 19:58)Liebe Kerstin, danke für deinen wertfreien Zugang zur aktuellen Situation, die uns alle im gleichen Ausmaß be-triff im wahrsten Sinne des Wortes. Heute war mein Tag gut und schön, weil ich Zeit mit meiner Familie in der frischen Luft und in der schönen herbstgefärbten Natur verbringen durfte. Weil Du mir mit Deinen positiven Worten den Abend versüßt. ���
  • #4
5 Haltungen für das neue Jahr

5 Haltungen für das neue Jahr

Ein neues Jahr beginnt. Irgendwie steckt da doch immer etwas Magie drin. Nicht nur Hermann Hesse hat das in seinem Stufengedicht gespürt, wir spüren es (glaub ich) alle. Obwohl ich mich heuer gefragt hab, was so Besonders ist an geänderten Jahreszahlen merke ich die Kraft und Energie, die in diesen Tagen einfach da ist, die Motivation ein “gutes Neues Jahr” zu starten und das alte gut hinter sich lassen zu können. 

Was ist nun hilfreich, wenn man sich aufmacht in ein neues Jahr? Auf welche Dinge soll man sich konzentrieren? Wonach orientieren, wenn es 365 neue Möglichkeiten gibt, den Tag zu leben?
Nun, viele dieser Fragen dürfen und sollen natürlich individuell beantwortet werden, weil wir einfach unterschiedlich sind und VERSCHIEDENE Dinge, Personen, Erlebnisse und Werte uns glücklich machen. Es gibt aber ein paar Haltungen, die jedem und jeder von uns gut tun, unabhängig von unseren persönlichen Zielen, und wahrscheinlich dazu führen, dass das nächste Jahr ein Gutes wird.

#1: Dankbarkeit

Wenn man etwas Neues beginnt, darf man vorher das Vergangene abschließen und hinter sich lassen. Am besten geht das mit einer guten Portion Dankbarkeit für alles was war. Dafür kannst du zum Beispiel eine Liste mit Dingen erstellen, mit Momenten, Menschen, Begegnungen, Erfolgen, oder was auch immer, für die du im vergangenen Jahr dankbar warst. Es ist immer wieder schön, sich selbst zu bestätigen, was gut war, das durch Aufschreiben sichtbar zu machen und sich nocheinmal darüber freuen.
Auch für deine trüben Erlebnisse, Misserfolge, Kränkungen und Verletzungen kannst du das tun und sie bei Gelegenheit in ein Feuer werfen und so loslassen und in etwas Gutes verwandeln.
Das ist auch Dankbarkeit.

#2: Zuversicht

Daran glauben, dass etwas Gut wird. Daran glauben, dass man es schaffen kann. Daran glauben, dass man auch herausfordernde Zeiten bewältigen kann. Daran glauben, dass nach einer anstrengenden Phase auch wieder Höhenflüge kommen. 

Wenn alles gut läuft, wir ausgeruht, voll Energie, satt und zufrieden sind, lässt sich leicht über Zuversicht reden (oder schreiben :-)! Doch das Leben zeigt sich auch manchmal von einer kratzigeren Seite und genau dann ist es vorteilhaft, zuversichtlich zu sein. Den Kopf zu heben, weiterzugehen. Denn durch schwarzmalen und pessimistisch sein werden schwere Zeiten jedenfalls nicht leichter – drum lieber gleich eine Ration Zuversicht einpacken!

#3: Offenheit

Manchmal wird uns zu Jahreswechsel besonders bewusst, dass wir nicht wissen, was so passieren wird in der näheren Zukunft. Weil wir im Rückspiegel sehen, dass nur manches von dem, was im vergangenen Jahr geschehen ist, auch vorhersehbar war.

Das Leben überrascht uns immer wieder mit Lektionen, mit Erfahrungen, mit Begegnungen, mit Momenten oder Erlebnissen, die wir nicht berechnet oder einkalkuliert haben. Da ist es gut, diese mit offenem Herzen anzunehmen, sich darauf einzulassen und anzunehmen, was der nächste Tag oder das nächste Jahr so bringt. Ein offenes Herz kann man auch mit dem Körper üben (OH, danke Yoga!!) – am besten: Schultern zurück und vorstellen, wie dein Herz mit einem unsichtbaren Faden mit dem Himmel verbunden ist. Ausprobieren und fühlen, wie sich deine Ausstrahlung verändert ;-)!

#4: Mut

In schnelllebigen Zeiten gibt es viele Veränderungen. Kein Stein bleibt oft auf dem anderen und das ist nicht ausschließlich angenehm. Es braucht Mut um gut voran zu kommen. Dein Bewusstsein, dass du schaffst, was du dir vornimmst, dich an Dinge heranwagst, die neu für dich sind und frei nach Pippi Langstrumpf fest überzeugt bist: “Das hab ich noch nie gemacht, also bin ich absolut sicher, dass ich es kann!”.

Wir brauchen mutige Leute, die sich trauen, neue Wege zu gehen, die das Leben anders wagen, und sich nicht von alten Mustern, Rollenbildern oder Gewohnheiten aufhalten lassen, die hinderlich wären. Mutig sein ist nicht immer angenehm. Meistens jedoch wird es ausgiebig belohnt mit Glückshormonen, Freude über sich selbst und jedenfalls: neuen Erkenntnissen.

#5: Humor

Selbst wenn du alle oben genannten Haltungen super drauf hast, aber leider selten lachst, macht das Leben nur halb so viel Spaß. Humor kann man sich manchmal bewusst abholen – durch einen lustigen Film, einen guten Witz oder einem Kabarettbesuch. Noch besser ist es, wenn du Zeit mit Mesnchen verbringen kannst, die dich zum Lachen bringen, mit denen du scherzen und blödeln kannst, mit denen du die Leichtigkeit spürst, die das Leben auch zu bieten hat.

Und immer wieder ist es gut, Humor als Haltung im Alltag zu üben. Über sich selbst lachen können. In lustige Rollen schlüpfen, die Stimme verstellen und die Ulknudel für die eigenen Kinder abgeben.

Mal einfach peinlich sein. 
Und es leicht nehmen. 
Das Leben. Dich selbst. Und deine Mitmenschen. 
Und lächle dir selbst zu dabei.
Welche Haltung hast du dir besonders für heuer zurecht gelegt?

Erzähl’ mir davon …!

Von Nebel und Dankbarkeit

Von Nebel und Dankbarkeit

Wir sitzen im Nebel. Vielleicht nicht alle von uns, aber viele. Diese Herbsttage an denen das Grau einfach nicht aufgeht, schlagen manchmal ganz schön aufs Gemüt und lassen uns stimmungsmäßig in den Keller sinken. Die Fotos, die man dann in den sozialen Medien sieht von Berggipfeln, die sich über der Nebelsuppe erheben und die Kraxler in der schmeichelnden Herbstsonne zeigen sind da leider auch nicht förderlich. Schnell werde ich missmutig und wünsche mir auch die Sonne her, ohne zu bedenken, dass sie eh da ist – auch wenn wir sie gerade nicht sehen

So geht’s mir auch manchmal mit meiner Dankbarkeit. Vor lauter Nebel (sich beschweren, jammern, klagen, …) vergesse ich, dass ich trotzdem genügend Grund hab, dankbar zu sein. Weil die Sonne scheint, auch wenn wir sie gerade nicht sehen können. So hab ich heute für dich 5 Anregungen, die dich zu mehr Dankbarkeit anstiften können. Wenn du vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr siehst.

Solltest du lieber schlechte Laune haben wollen, hör bitte HIER auf zu lesen!

Kinder

In Gesprächen mit anderen Müttern und in Beratungen geht es oft um die Anstrengungen, die mit unseren Kindern verbunden sind. Ihre Wutanfälle aushalten, sie gefühlt von Kopf bis Fuß zu bedienen, die unzähligen Handgriffe, die wir tagtäglich für sie erledigen, andernorts die durchwachten Nächte, anstrengende Körpernähe oder das Gefühl immer nur am Schimpfen zu sein. 

Dabei könnten wir unsere Kinder auch einfach ein wenig mehr genießen. So viele Paare würden sich wünschen, ein Kind zu haben, das sie nervt. Für viele der Konflikte, die wir täglich erleben oder begleiten sollen, gibt es einfache Lösungen, wenn man mal die Perspektive wechselt und etwas Anderes probiert. Kinder machen uns menschlich, weise, mitfühlend, sie bringen uns zum Lachen und halten uns den Spiegel vor, sie versetzen uns in Staunen und bereichern unseren Alltag. Ja, es ist auch anstrengend, Kinder zu haben. Doch noch mehr ist es belebend, erfüllend und sinnstifend.

Haushalt

Oje. Meine schwerste Übung, weil ich diese Tätigkeiten so gar nicht mag. Putzen, kochen, waschen, bügeln – eher ein lästiges Muss als ein Juhuu-ichdarf!  Dennoch: ich wache morgens auf, liege in einem warmen Bett, hab ein Dach über dem Kopf, im Bad fließt Wasser aus der Leitung und im Kühlschrank findet sich essenswertes. Es ist kein ich-muss-aufstehen, ich-muss-putzen, ich-muss-bügeln, sondern ein: “Ich tu’s, weil es mir wichtig ist. Weil ich möchte, dass ich meinen Tag nütze, weil ich möchte, dass die Wohnung halbwegs sauber ist und weil ich möchte, dass mein Gewand ordentlich ausschaut.”

Nur gleich zur Erläuterung … natürlich bin es nicht nur ICH sonder WIR (die diese Arbeit erledigen), auch wenn das oft ein kleiner Kraftakt ist, weil andere Menschen in der Familie andere Werteordnungen haben. 
Ich erinnere mich hiermit, dass viel Wäsche zu waschen heißt, dass wir genug Gewand haben. Jeden Tag zu kochen heißt, ausreichend Essen zu haben. Und viel putzen zu können bedeutet, viel Platz zu haben, den man bewohnen und genießen kann.

Wetter

Der Nebel war ja schon eingangs das Thema. Wie oft beschweren wir uns über das Wetter … es ist zu nebelig, zu kalt, zu heiß, zu trocken, zu regnerisch, zu …. . Mal ehrlich: so richtig recht machen kann’s uns das Wetter nicht. 

Statt dem ewigen Jammern könnten wir uns darüber freuen, dass wir so viel verschiedenes Wetter erleben, dass wir an einem Ort leben, wo es vier Jahreszeiten gibt, jede mit ihrer eigenen Schönheit und dass jeder Tag einzigartig ist und richtig, so wie er ist. Wir haben warme Kleidung um uns vor Kälte zu schützen, wir haben Regenjacken und -schirme, wenn es mal kübelt und wir können hochsommerliche Temperaturen in der Sonne genießen oder den Schatten der Bäume nützen. Wir können uns bei Nebel zuhause einkuscheln und es uns gemütlich machen.

Es ist eine Frage der Perspektive, wie wir das Wetter anschauen und, mal ehrlich: tagein, tagaus immer Sonnenschein und blauer Himmel? Wär doch langweilig!

Partner

Wenn wir mit Partnern zusammenleben (und Familien haben) dann ist das meistens so, weil wir den überwiegenden Teil daran gut finden. Ich ertappe mich auch dabei, wie mich Dinge am Gegenüber nerven, wie verschiedene Verhaltensweisen mich verärgern und meine Stimmung deshalb alles andere als erfreulich ist. Wie bei den Kindern vergessen wir auch hier, dass wir (hoffentlich) reichlich Gründe haben, dankbar zu sein.

Dass wir jemand haben, mit dem wir das Leben teilen wollen, der uns wichtig ist, den wir respektieren und wertschätzen. Der anders ist als wir und diese Verschiedenartigkeit uns bereichern kann und dass wir nicht mit allem einverstanden sein müssen, um die Person trotzdem gut finden zu können. Meist ist es die fehlende Zeit füreinander, das Ausbleiben von liebevollen Gesten, die für selbstverständlich genommene Anwesenheit des Partners / der Partnerin, die zu Unzufriedenheit führt. Bewusst verbrachte gemeinsame Zeit ist ein guter Weg, diese Beziehung wieder zu stärken und die Dankbarkeit zu spüren, von der Pizzera & Jaus singen: “Dass du ohne mi kannst, aber net ohne mi wüllst!”

Arbeit

Wenn man in die Gesichter von Autofahrer*innen am Morgen blickt, bekommt man den Eindruck, die fahren alle ins Verderben. Klar, nicht jede*r hat das Privileg, einen Beruf auszuüben, der einem auch Spaß macht, die eigenen Stärken zum Vorschein bringt und für den man Wertschätzung bekommt. Doch auch, wenn dich dein Job “angeht”: du bist nicht verpflichtet hinzugehen. Nein! Niemand zwingt dich! Wenn du nicht mehr kommst, hat das allerdings Folgen – du wirst vermutich gekündigt, bekommst dann nach einer Weile kein Geld mehr und hast wahrscheinlich (solltest du nicht auf einem fetten Erbteil sitzen) Probleme, dein Leben zu finanzieren.

Also. Wir wollen arbeiten. Weil wir nützlich sein wollen. Weil wir etwas Sinnvolles tun wollen. Weil wir zeigen wollen, was wir können. Weil wir mitgestalten wollen. Und zumindest: weil wir dafür Wertschätzung in finanzieller Form bekommen. Es gibt gute Gründe, zu arbeiten. Für jede*n von uns. Diese Gründe können sehr unterschiedlich sein. Wer keinen einzigen guten Grund findet, seinen jetzigen Job zu machen, hat auch die Freiheit zu wechseln. Oder weiter zu jammern. 
Man kann sagen: ja, bitte – wenn ich mich immer damit tröste, wie schlecht alles sein könnte bringt mich das nicht weiter. Stimmt. Wenn ich mir dauernd vorstelle, was alles noch viel besser sein könnte aber auch nicht.

Es ist eine Entscheidung. Dankbar zu sein. Es ist eine Haltung. Man kann das lernen und trainieren. Man muss nicht. In der Entscheidung, dankbar zu sein liegt allerdings eine gute Kraft, die zufrieden macht und uns selbst vermittelt: wir sind gut, so wie wir sind. 

Das Leben ist gut, so wie es ist.
Die Kinder sind gut, so wie sie sind.
Der Alltag ist gut, so wie er ist.
Das Wetter ist gut, so wie es ist.
Der Partner ist gut, so wie er ist.

Und für alles was nicht gut ist, hast du die Möglichkeit, etwas zu verändern. Dich zu entwickeln und dazuzulernen.
Danke, dass du bis hierher gelesen hast und dankbarer sein möchtest.

Wofür bist du heute schon dankbar? Was macht dich glücklich und zufrieden?
Schreib in die Kommentare, wenn du etwas davon hier und jetzt teilen möchtest!

Kommentar schreibenKommentare: 2

  • #1Simone (Samstag, 26 Oktober 2019 17:57)Hallo Kerstin! Echt gut geschrieben und mir fällt auch auf das sehr viele Leute sehr unzufrieden sind egal bei was, sie Wissen immer was zum aussetzen! Ich bemühe mich sehr es eben positiv zusehen und wir sind sehr dankbar und glücklich das unser Ludwig in unsere Familie geboren ist!
    Ich freu mich auf weitere Geschichten von dir – alles liebe
  • #2Kerstin (Dienstag, 29 Oktober 2019 11:08)Heyyyy, liebe Simone! Danke für dein Feedback und noch viel WICHTIGER: herzlichen Glückwunsch zur Geburt von Ludwig! Da bist du ja nun vielleicht ein bisschen getragen von der hormonellen Welle. Alles Liebe, viel Unterstützung für euch als Familie und Gesundheit und Kraft für die natürlichen Anfangsturbulenzen!
Weihnachten: Gesucht? Gefunden!

Weihnachten: Gesucht? Gefunden!

GEFUNDEN … 

… in der so berührenden & stärkenden Weihnachtskarte, die unverhofft in meinem Postkasten lag.
… in der unaufgeräumten Wohnung der Mama, der die Kinder wichtiger sind als das Putzen.
… in der Freude darüber, dass mein Liebster nach drei Wochen Reha wieder Tisch und Bett mir mir teilt.
… in den vielen Aufträgen, die ich in den letzten Tagen für 2018 bekommen hab.
… in der schweißtreibenden Yogastunde, die mich aus meiner Komfortzone lockt und doch näher zu mir selber bringt.
… in den leuchtenden Augen des Kindes, das mir erzählt wie kunterbunt das Christkind aussieht (und nicht, wie ich mir einfältigerweise dachte, ganz weiß und golden ist)!
… im Verhalten unserer 13-jährigen Tochter, die alle vorrätigen Lebensmittel auf ihre Herkunft untersucht, weil sie Produkte von ausbeuterischen und grausamen Konzernen nicht weiter haben will.
… in unseren drei Kindern, die das Wohnzimmer seit Tagen (praktisch) spielzeugfrei halten und somit Platz machen für das Christkind (… jaja, und den Baum und die Geschenke!)
… im Bemühen der lieben Lehrerin, geballte Wertschätzung für ihre Kollegin zu sammeln um sie dann zu verschenken.
… im herzhaften Lachen, das mich packt, weil ein 4-jähriger ein lustiges Video über das Handy der Mama an das halbe Adressbuch verschickt.
… in dem wunderbaren Geräusch von knirschendem Schnee unter meinen Schuhen, das ich zumindest schon einmal im Advent gehört hab.
… in meinem Mut, mir die Zeit für eine morgendliche Laufrunde zu stehlen.
… in der Initiative des Ehevorbereitungs-Kollegen, der mir ein Radio Interview ermöglicht hat.
… im Lächeln der über 80-jährigen Nachbarin, die sich einfach freut, wenn wir ihr beim Vorbeigehen zuwinken am Weg zur Schule.
… im humorvollen und feinsinnigen Weihnachtsmail einer befreundeten Familie, das mich jedes Jahr (wieder) zum Schmunzeln bringt.
… beim gemeinsamen Singen adventlicher Lieder: im Chor, in der Familie, im Altersheim, …
… in öliger “Freude” (JOY), die mir geschenkt wurde …
… in philosophischen Gesprächen während der Autofahrt zur Yogastunde … 
… in der Bethlehemkerze (oh, Kindheitserinnerung!), die mir meine Mama geschenkt hat und den Gedanken, die mich begleiten, wenn ich sie entzünde.
… in den Liedern, die ich höre und die mir eine Gänsehaut bescheren.
… in meiner Vorfreude auf den Mädelsabend.
… im DA-sein und SO-sein der tollen Frauen, die mein Leben bereichern, manche näher, manche ferner, durch persönlichen Kontakt oder eine einfache Text (oder Sprach-) Nachricht.
… in meiner Dankbarkeit, dass DU Teil meiner Welt bist, egal in welchem Zusammenhang.
… diese Liste ist unendlich.

Weihnachten ist DA. 

Wo Menschlichkeit ist, Dankbarkeit, Achtsamkeit, Freude, Staunen … Liebe.
DU brauchst es nur zu entdecken.
Mein Weihnachten hab ich schon gefunden.
Und, wo hat sich DEINS versteckt?
Menschliche, weihnachtliche & lebendige Grüße, deine Kerstin