Umgang mit TOD und TRAUER

Umgang mit TOD und TRAUER

Wenn Kinder mit Tod und Trauer in Berührung kommen, sind die begleitenden Erwachsenen fast immer mit betroffen, was die Situation irgendwie erschwert. In einer Phase, wo man selbst wie vernebelt da steht und Unterstützung brauchen kann, sind Eltern auch noch gefordert, ihre Kinder gut zu begleiten.

Ob Kinder anders trauern als Erwachsene, welche Möglichkeiten wir in der Trauerbegleitung als Eltern haben und was man vermeiden sollte – all das hab ich in einem Gespräch mit Trauerbegleiterin Petra Maria Burger erfragt. Und hier für dich zusammen gefasst.

ERFOLGREICH AUSGEBLENDET 

Ich geb’s zu: der Tod und die Trauer haben in meinem Leben – selbst als Erwachsene – bisher relativ wenig Platz eingenommen. So wie es bei den meisten Menschen ist, kommen die beiden plötzlich und meist unerwartet zu Besuch und bringen diese unerträgliche Schwere. Sie rücken aber immer meine Prioritäten zurecht, wofür ich dann doch wieder dankbar bin. Doch wenn Kinder trauern, ist manches noch mal anders.

EXPERTIN FÜR LEBENSWENDEN

Da ich selbst keine Fachfrau in dem Bereich bin, hab ich mir Know-How von einer Expertin zu dem Thema geholt. Petra Maria Burger ist Begleiterin für LebensWENDEN und ist in dieser Funktion auch als Trauerbegleiterin mit dem Tod öfter befasst als ich. Hier liest du, was wir ganz allgemein über’s Trauern besprochen haben und was es da bei Kindern zu beachten gilt.

ZWISCHEN TOD und TRENNUNG / VERLUST

Wenn Kinder trauern, hat das nicht immer zwangsläufig mit dem Tod eines Menschen zu tun. Für junge Kinder sind Verlust und Trennung oft ebenso schmerzhaft, weil ihnen bis zum Alter von 3 Jahren der Zeitbegriff fehlt. Sie leben völlig im Moment und unterscheiden nicht zwischen lebendigen und leblosen Dingen in ihrem Leben. Sie trauern auch um das verloren gegangene Lieblingsstofftier. Der Tod ist für sie wie eine kurze Abwesenheit von jemandem, etwas Vorübergehendes. Das ändert sich im Grunde nicht wesentlich bis zum Alter von 6 Jahren, wo Kinder immer noch die Idee haben, „ewig“ zu leben. Das dürfen wir Erwachsene in Erinnerung behalten.

ZWISCHEN REALITÄT, FANTASIE und PHILOSOPHIE

Im Grundschulalter lernen Kinder langsam zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden, der Verstand schaltet sich bei dem Thema ein und der Tod wird oft personifiziert („Der schwarze Mann“, „Teufel“ ,…). Da können natürlich große Ängste entstehen, denen sie auch mit forschenden Fragen rund um das Sterben begegnen und alles genau wissen wollen. Erst später tauchen Sinnfragen („Was ist der Sinn meines Lebens?“) auf und spirituelle Dinge („Was kommt nach dem Tod?“) wollen besprochen werden. Sie erleben und gestalten oft schon bewusster ihren Trauerprozess.

WIE REAGIEREN KINDER?

Kinder können zwar je nach Entwicklungsstand nicht alles begreifen, doch sie zeigen dennoch Reaktionen – selbst wenn sie nicht „verstehen“, was da gerade passiert. Das kann alles sein:

  • Rückschritte in der Entwicklung (wieder Schnuller brauchen, einnässen, mehr Einschlafbegleitung benötigen,…)
  • Verhalten kann sich verändern (vor allem Gewohnheiten beim Schlafen, Essen, beim Rückzug,…)
  • Gefühle dringen heftiger an die Oberfläche: sie sind zornig, wütend, aggressiv, unruhig, ängstlich, ..
  • Ängste können auftauchen: vor Trennung, Abschied, Einschlafen, …
  • Fragen werden gestellt: Warum ist Oma gestorben? Wo ist sie jetzt? Kommen die Regenwürmer? 

Wichtig zu wissen ist: es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Reaktionen in der Trauer. So wie Kinder individuell sind, ist es richtig – so lange sie niemandem (sich selbst oder anderen) damit schaden. Die Trauer nimmt einen Platz in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern ein. Diesen Platz dürfen wir als Erwachsene würdigen und betreuen. Und unsere eigene Trauer dabei leben. 

Wie kann man also Trauer von Kindern begleiten?

MIT…

… HÄNDEN

  • ins Tun kommen, besonders, wenn Kinder verschlossen sind
  • etwas gestalten (eine Kerze verzieren mit Farben oder Dingen, die es an den verstorbenen Menschen erinnern, eine Zeichnung machen oder einen Brief schreiben,…)
  • einen Raum schaffen: eine Ecke in der Wohnung mit Erinnerungsstücken, Fotos einrichten
  • zum Grab gehen, Blumen hinbringen, Kerzen anzünden, …
  • alle Sinne mit ein beziehen um zu begreifen (Gerüche als Erinnerungen einordnen, das Lieblingsessen des Verstorbenen kochen, den Klang der Stimme auf Videos etc. anhören…)
  • sich halten und aushalten. Und sich gegenseitig trösten, um zu trösten! (NICHT: um das Weinen, traurig sein, … zu stoppen!)
  • begreifen: der Sarg ist wichtig, um den Tod zu begreifen, das gelingt „nur“ mit der Urne schwerer

… GEFÜHLEN

  • nicht nur über den verstorbenen Menschen reden, sondern darüber, wie ich mich dabei gefühlt hab, als wir das mit ihm / ihr erlebt haben
  • gleichzeitige Gefühle bei Kindern zulassen: sie sind dazwischen auch fröhlich, ausgelassen und lustig. Das ist natürlich und braucht erwachsenes Verständnis, weil wir diese Emotionen eher „hintereinander“ erleben.
  • teilhaben lassen! Auch wenn Kleinkinder nicht verstehen, was da beim Verabschieden (Begräbnis, Leichenhalle,..) passiert: wichtig ist das Gefühl, Teil des Familienverbandes, des „größeren Ganzen“ zu sein! 
  • gemeinsam schweigen können und einfach fühlen, wenn die Worte fehlen („Ich weiß nicht, was ich sagen soll“ – immer noch besser als ausweichen oder Kontakt vermeiden).
  • das Kind abholen, wo es ist: Wem öffnet es sich, wem vertraut es?
  • feinfühlig sein und auch nachfragen „Was brauchst du jetzt (von mir)?“

… WORTEN

  • Worte finden für das Gefühl und es benennen – bei sich selbst (es dem Kind vorleben) und beim Kind selbst (es unterstützen mit der Sprache)
  • im Gespräch bleiben, Erinnerungen austauschen und aufleben lassen 
  • Geschichten erzählen, die man mit dem gegangenen Menschen erlebt hat
  • dabei den Namen des verstorbenen Menschen aussprechen
  • sich mutig den Fragen des Kindes stellen, aufrichtig beantworten UND
  • mutig Fragen stellen („Kannst du schlafen? Magst du darüber reden? Weinst du dich in den Schlaf?“)
  • Anteilnahme AUCH dem Kind gegenüber zeigen „Es tut mir Leid, dass dein Opa gestorben ist!“ (Sie nicht einfach übergehen!)

… VERSTAND

  • naturwissenschaftliche Erklärungen liefern für ältere Kinder („Ja, wir bestatten den Körper, der wird verwesen.“)
  • auch absurde Fragen beantworten: Kommen da jetzt die Regenwürmer? („Da drin leben Regenwürmer und ja, die machen alles wieder zu Erde, auch den begrabenen Körper.“)
  • jede Veränderung als natürliche Reaktion auf Verlust anerkennen
  • aufmerksam sein, wenn Jugendliche im „Netz“ trauern – sich dafür interessieren und nachfragen! („Hast du schon Erfahrungen geteilt im Internet? Wo machst du das? Möchtest du mich teilhaben lassen?“) Trauer kann dort leicht missbraucht werden, weil Kinder und Jugendliche in dieser sensiblen Phase besonders empfänglich für die tröstenden Worte sind, die dort gespendet werden können.

… VORSICHT

  • „Opa schläft jetzt für immer.“ Bitte das Wort „schlafen“ raus halten! Das könnte Auswirkung auf das Schlafverhalten haben und Ängste schüren!
  • „Das erste Jahr ist das Schlimmste!“ oder „Es wird leichter werden!“ Das weiß man nicht, also bitte NICHT sagen. Manchmal bleibt eine Resttrauer für das Leben lang da.
  • „Oma ist im Himmel und sitzt auf einer Wolke!“ – bitte den Kindern nur sagen, wovon man selbst überzeugt ist! Die spüren sonst diese Ungewissheit! „Er lebt weiter in unseren Erinnerungen, wenn wir von ihm sprechen, einen Geruch mit ihm verbinden, …!“
  • nicht gleich ein verstorbenes Haustier „ersetzen“, wenn es gestorben ist – auch darum trauern!
  • ganzes Haus als Erinnerungszone zu gestalten, erschwert die Trauer! 

… HILFE

  • annehmen, wenn möglich & zumutbar: Kinder von Freunden abholen / betreuen lassen – schafft Auszeiten für Kind und Eltern!
  • anbieten, wenn du jemanden kennst, der trauert: 
    • „Was brauchst du in dieser Situation?“
    • „Ich hab mir gedacht, ich bring euch etwas zu essen / Kuchen / Obst … vorbei, wär das was für euch?“
    • „Was kann ich jetzt gerade für dich tun?“
  • suchen, wenn man als Elternteil überfordert ist; besonders bei Verlust des Elternteils – es gibt Trauergruppen, Rainbows, … wo man Unterstützung und Entlastung bekommt

UNBEGREIFLICH TRAURIG

Was für Kinder auch sehr schwer zu begreifen sein kann, ist das Thema Fehlgeburt. Wenn sie (direkt oder am Rande) mitbekommen, dass die Mutter eine Fehlgeburt erlebt, heißt es achtsam sein. Das Kind hat zwar vielleicht noch keine Bindung zum Ungeborenen aufgebaut, spürt aber die Trauer der Eltern über den Verlust und hat Fragen. Da kann es heilsam sein, klare Worte zu finden und das unbegreiflich Traurige auszusprechen …

  • „Wir hätten uns schon so gefreut, noch ein Baby zu bekommen. Darum sind wir so traurig.“
  • „Es scheint, als war es nicht gesund genug, um zur Welt zu kommen.“

Auch ungeborene Kinder dürfen ihren Platz im Familiensystem erhalten, gesehen und geehrt werden. Man kann einen Platz in Natur oder Garten für das Kind finden, eine Gedenkstätte für Ungeborene aufsuchen oder zum Beispiel auch ein Schifferl aus Naturmaterial basteln und es in einen Bach oder Fluss setzen. Und das Leben ziehen lassen. Empfehlung: aufmerksam hinhören, welche Fragen das Kind stellt. Diese (und nicht mehr) beantworten – aufrichtig und ehrlich, in kindgerechter Sprache. Dann wird es nicht überfordert von erwachsenen Antworten.

DEN WEG GEHEN

Abschließend kann man sagen: Trauer ist keine Krankheit, sondern ein Weg und somit Teil des Lebens. Man muss nach einem Verlust, wobei der Tod die endgültigste Form ist, nicht gleich wieder „funktionieren“ wie immer, es darf dauern, bis man in der neuen Lebenssituation angekommen ist. Das Familienmobile wackelt heftig, wenn jemand verstirbt. Diese Unsicherheit und Bewegung macht sich in jedem System auf seine Art bemerkbar. Es ist anstrengend, aufreibend und Kräfte zehrend, sich dem Prozess zu stellen. Für Kinder und Erwachsene.

„Trauer ist Teil des Lebens. Sie ist Liebe, die über den Tod hinaus reicht. Nehmen wir sie an.“

Petra Maria Burger

Dieses Zitat ist für mich ein Schimmer der Hoffnung, ein Zeichen, dass wir trauern sollen und dürfen. Dass unsere Verstorbenen einen würdigen Platz verdienen und wir sie in den unterschiedlichsten Dingen des Lebens ehren dürfen.
Und für sie weiter leben.
Jeden Tag als Geschenk annehmen.
Und dankbar bleiben für all das Gute, was wir durch sie und mit ihnen im Leben erfahren haben.

Intuitive Elternschaft

Intuitive Elternschaft

Es ist so eine Sache mit der intuitiven Kompetenz, wenn man Eltern wird. Wir alle brauchen ein gutes Stück davon, weil Familie leben ein individueller Prozess ist, ständig in Veränderung und äußeren Einflüssen unterlegen. Da gibt es keine allgemein gültigen Patentrezepte, die man in gewissen Situationen einfach aus der Schublade zieht und anwendet. Leider – das würde auch ich mir manchmal wünschen, weil es so viel einfacher wäre.

Also geht’s heute darum: wie kann ich mein intuitives Handeln fördern und entwickeln, was ist eigentlich der „Engelskreis“ und ist Instinkt und Intuition dasselbe?

SICH SELBST AN DIE LEINE NEHMEN

Du kennst das vielleicht. Im Geschäft bemerkst du eine Familie, das Kind brüllt um sein Leben im Kinderwagen und du möchtest am liebsten hingehen, es hochnehmen und trösten. Eventuell, weil das Geschrei in den Ohren weh tut – vermutlich aber noch mehr, weil es ein angeborenes, unbewusstes Verhalten ist und wir von Natur aus nicht dafür gemacht sind, das kindliche Weinen gut auszuhalten. Der Spruch „Lass es doch ein wenig schreien, das kräftigt die Lungen!“ war immer schon grundverkehrt und falsch und unsere Intuition bestätigt das. Ich bin mir sicher: die meisten Mütter, die dem gefolgt sind, haben sich innerlich ganz schön an die Leine nehmen müssen, um NICHT zu reagieren.

BEGINNER IM ENDGAME

Das Besondere am Eltern.sein ist, dass wir nicht in der Anfängerstufe beginnen, wie bei den meisten Dingen, die wir so im Leben lernen, sondern auf einem High-Level (wenn nicht im Endgame). Es ist oft kein sanftes Hineinwachsen sondern eher ein Sprung ins kalte Wasser, denn:

  • Neugeborene können uns nicht in Worten sagen, wenn wir falsch liegen
  • fast alle gezeigten Bedürfnisse sind eine überlebensnotwendige Angelegenheit
  • wir brauchen prompte Antworten auf ihre Nöte
  • Neugeborene sind auf ihre Eltern angewiesen, um sich selbst zu regulieren und versorgen
  • wir haben oft überhöhte und idealisierte Vorstellungen davon, wie Eltern-sein ist

ZÄRTLICHES ERBE

Wir können also teilweise gar nicht so schnell lernen, wie es notwendig wäre. So sind wir auf unser unbewusst abgespeichertes Verhalten angewiesen, das wir an verschiedenen Ecken im bisherigen Leben erfahren haben. Damit ist zum Beispiel gemeint, 

  • wie wir selbst erlebt haben, dass mit uns als Kind umgegangen wurde
  • welche Möglichkeiten wir hatten, Handlungserfahrung zu sammeln (z.B. auf Geschwister aufpassen) 
  • ob wir schon vor den eigenen Kindern Babysitterdienste übernommen haben
  • und auch das Puppenspiel kann eine Lernquelle sein (spätestens hier wird klar, warum Puppen kein geschlechtsspezifisches Spielzeug sind und sein sollen, sondern allen Kindern gut tun)
  • wie viel zärtlichen Umgang wir erlebt haben ( Christine Kügerl nennt es „Zärtliches Erbe“)

„Ich werd schon wie meine Mutter!“ ist ein augenzwinkerndes Zeichen des Lebens, dass die alten Muster wirken. 

INTUITON IST NICHT INSTINKT

Intuitiv machen wir im Umgang mit Kindern vieles richtig: wir erhöhen die Stimmlage, verändern unsere Sprachmelodie, übertreiben oft mit unserer Mimik, wiederholen uns oft und nähern uns Babies auf unter 30 cm, damit sie uns „scharf“ sehen. In wenigen hundertstel Sekunden rufen wir solches Verhalten ab – Instinkt und Reflex sind noch schneller! Der Unterschied dazu ist zudem: intuitives Verhalten ist flexibler, verwundbar und kann auch verschüttet werden. Zu viele Ratgeber, ein stark beeinflussendes Umfeld, Pseudoexperten (z.B. Winterhoff) und gesellschaftliche Trends wirken auf Eltern und ihr Tun. Daher ist es gut und wichtig, zu wissen, wie man die eigene Intuition „ausgraben“ und stärken kann.

ENGELSKREIS

In diesem Kreis (nach Dr. M. Papoušek) werden Signale des Kindes vom Erwachsenen richtig wahrgenommen, verstanden und interpretiert, danach kommt es zu einer passenden Handlung oder Reaktion und das Kind kann (auch ohne Worte) rückmelden, ob Mama, Papa oder sonst jemand, richtig gehandelt hat. Klingt relativ einfach. Die Tücken liegen im Detail. Auf jeder Ebene 

  • Wahrnehmen
  • Verstehen
  • Interpretieren
  • Handeln

können Missverständnisse auftauchen und zu Fehlern, besser gesagt neuen Erfahrungen für betreuende Erwachsene führen. Damit wir Kinder möglichst reibungslos begleiten können, dürfen wir sehr präsent, aufmerksam und zugewandt sein. In einer Welt voller Ablenkungen und einer schier unendlichen Welle an Reizen, die auf uns eindröhnt ist das eine echte Herausforderung.

BE A BABY FLÜSTERIN / FLÜSTERER

„Ja, wie um Himmels Willen, soll mir das denn gelingen – vor allem bei einem Baby? Das kann ja gar nichts sagen!?“ Es stimmt. Wenn Kinder sich auch sprachlich ausdrücken können, wird manches ein großes Stück einfacher. (Die Betonung liegt auf „MANCHES“ ;-))

Und auch Säuglinge, Babies und Kleinkinder kommunizieren mit uns: 

  • über ihren Blickkontakt, 
  • die Art, wie sie die Stirn runzeln, 
  • ihre lockeren oder verzwickten Augenlider, 
  • sowieso die gesamte Mimik,
  • auch Körperspannung und Körperhaltung geben uns Auskunft
  • sowie Stimme, Laute und Sprache, die Tonlage und 
  • ganz allgemein ihr Verhalten.

OHNE WORTE ALLES GESAGT

Auch wenn später der sprachliche Ausdruck mehr Gewicht bekommt: 80% der Mitteilung werden durch Mimik und Körpersprache vermittelt. Und diese Erfahrungen, die wir als frisch gebackene Eltern da mit unseren Kindern sammeln, kommt uns auch später massiv zu gute. Wenn ein Kind mit hängenden Schultern und nach unten gezogenen Mundwinkel und gesenktem Kopf von der Schule oder Arbeit heimkommt, dann brauchen wir nicht lang zu überlegen, wie es ihm wohl geht. Noch bevor das erste Wort gesprochen ist, können wir schon fühlen: da geht’s jemandem nicht gut

Unsere Intuition ist auf das menschliche Gegenüber angewiesen. In der direkten Interaktion können wir auf dieses angeborene, unbewusste Verhalten zugreifen und dieses rasch verfügbare Wissen für uns und das Kind nutzen. Es gibt ja genug zu tun. Kinder brauchen in verschiedensten Bereichen eine Bindungsperson, die beim Regulieren hilft:

  • Aktivität & Schlaf
  • Bindungsbedürfnis & Forscherdrang
  • Anpassung & Selbständigkeit
  • Gefühle und Stress
  • Essen & Trinken

Je jünger, desto mehr braucht es die erwachsene Bindungsperson, klarerweise. Es wird dazu auch noch weitere Blog Artikel geben, um einzelne Bereiche besser abzudecken.

Zusammenfassend kann man sich folgende Sätze hinter die elterlichen Ohren schreiben: ich hoffe, du hast genug Platz hinter den Lauschern 😉

  • Respektiere dein Kind als eigenständige Person.
  • Erkenne die Signale deines Kindes.
  • Interpretiere sie richtig.
  • Reagiere in einem angemessenen Zeitraum.
  • Mit dem passenden Angebot.
  • Sei bereit, die mit deinem Kind weiter zu entwickeln und passe dein Erziehungsverhalten an die Entwicklung deines Kindes an.

Je feinfühliger und präsenter wir unsere Kinder begleiten, desto günstiger ist es für sie. Jeder von uns macht Fehler, weil wir eben auch einfach Menschen sind, abgelenkt werden und (oh Wunder) auch Bedürfnisse haben, die wir erfüllt haben möchten, um gut leben zu können. Elternschaft ist echt oft eine einzige große Demutsübung. Bei allem Verzicht, schweren Lektionen und dem Leben am Limit steckt darin eine einzigartige Chance zu wachsen. Über uns selbst hinaus. Mit unseren Kindern. Und für unsere Kinder.

Das sagt einem ja schon in der Schwangerschaft die Intuition: …. das könnte etwas GROSSARTIGES werden! (Und recht hat sie!)


Eine gute Möglichkeit, die Intuition zu schärfen, ist ein wenig Training in

ACHTSAMKEIT für Eltern

4. November 2021 – 18.00 – 21.00 Uhr im
Bildungshaus Schloss Puchberg – Wels, OÖ
Workshopkosten: € 40
(Elternbildungsgutscheine od. Bildungsgutscheine der Diözese Linz einlösbar)

9 Mythen über Eltern(schaft) und ihr Wahrheitsgehalt

9 Mythen über Eltern(schaft) und ihr Wahrheitsgehalt

Menschen mit Kindern sind schon eine besondere Spezies. Erst wollen sie gern Nachwuchs haben. Dann sind sie dauernd unzufrieden und überfordert. „Ich mach das alles mal ganz anders!“ denken sich viele Menschen, bevor sie ein eigenes Kind haben. Nicht zuletzt wegen einiger Gerüchte, die da so kursieren, wie das mit dem Eltern-sein wirklich ist. Ich überprüfe ein paar dieser Mythen heute auf ihren Wahrheitsgehalt und versuche zu erklären, ob und was wirklich dran ist. Streng unwissenschaftlich, aber mit viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen der Autorin.

KINDERLOSE ERZIEHUNGSEXPERTEN

„Das kommt bei mir mal nicht in die Tüte!“ hab ich damals der Schwägerin gesagt, als sie erzählt hatten, dass das Kind nur im Bett der Eltern einschläft. Gott sei Dank ist noch ein bisschen Zeit vergangen, bis unser erstes Baby das Licht der Welt erblickte. Bis dahin hatte ich den Satz schon selbst revidiert. Doch ging es uns nicht allen irgendwie so? Dass wir VOR den Kindern viel besser WUSSTEN, WIE das genau geht mit dem Schlafen, Füttern, Beruhigen und der Disziplin? Wir waren doch alle ein klein wenig solche kinderlose Erziehungsexperten, nicht?

Wenn du nicht weißt, wie du es mit deinem Nachwuchs „richtig“ machen sollst, frag Menschen ohne Kinder. Die wissen das.

Quelle unbekannt

In den Partnerkursen für Brautpaare, die ich regelmäßig für die Abteilung beziehungseben halten darf, hab ich viel mit jungen (noch kinderlosen) Paaren zu tun, die bald Familien werden möchten. Es erstaunt mich immer wieder (und erheitert mich), was die so für Vorstellungen haben von Elternschaft. Welche Meinungen sie so über Eltern haben. Heut greif ich mal 9 davon auf und servier dir meine Sicht der Dinge dazu.

STIMMT DAS?

„Eltern lassen sich von ihren Kindern dauernd um den Finger wickeln.“

JA, wenn damit gemeint ist, dass Eltern einfühlsam und flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Kinder angemessen reagieren. Es ist praktisch unmöglich, in dieser hochintensiven emotional aufgeladenen Beziehung eine kühle Taktik umzusetzen. Das geht nicht und es ist auch nicht notwendig. Im Gegenteil: mitfühlen und das eigene Reaktionen anpassen ist ein wichtiger Schlüssel für gelungene Beziehung und sichere Bindung.

NEIN, wenn damit gemeint ist, dass Eltern sich nicht gegenüber ihren Kindern wehren können. Elterliche Führung und Klarheit sind dennoch ein wichtiger Faktor. Das kann auch mal bedeuten, dem Kind nicht nachzugeben, eigene Grenzen aufzuzeigen und respektvoll aufrecht zu halten ohne sich dabei manipulieren zu lassen.

Eltern, die ihr Kind im Elternbett schlafen lassen, bekommen die nie wieder raus.

JA, wenn damit gemeint ist, dass es auch eine Gewohnheit werden kann und viele Kinder es einfach genießen in der Nacht die elterliche Nähe zu spüren, dadurch Sicherheit zu bekommen und ruhigeren Schlaf zu finden. So lang das für alle Beteiligten okay ist, kann das gern (lang) so sein.

NEIN, wenn damit gemeint ist: die schlafen auch noch als Erwachsene bei euch. Ich lieb den Spruch von Jan Uwe Rogge, der gern erklärt: „Wann sollten Sie sich Sorgen machen, dass das Kind immer noch bei Ihnen im Bett schläft? Wenn es 17 ist und den Freund mitbringen will!“
Ich kenne keine einzige Erwachsene, die regelmäßig gern bei den Eltern im Bett übernachtet. Ich finde: die Bedürfnisse von Kindern UND Erwachsenen dürfen hier gehört werden.

Eltern machen intuitiv alles richtig.

JA, wenn damit gemeint ist, dass Eltern die Fähigkeit entwickeln können, ein Bauchgefühl zu entwicklen, das die Signale des Kindes rasch und passend zu beantworten. Intuition ist immer da, aber sie ist verwundbar (durch Stress, Sorge, ..) und auch oft verschüttet. Daher:

NEIN, wenn damit gemeint ist: du kannst das als Mutter oder Vater immer und von Anfang an. Geboren wird bei der Geburt nicht nur das Kind, sondern auch die Eltern. Sie sind Anfänger:innen und dürfen viel lernen mit und über das jeweilige Kind. Niemand „kann“ es einfach so. Diese Skills werden erlernt, erlesen, erfahren, erworben und fallen nicht einfach vom Himmel. Intuition ist abhängig von eigenen Erfahrungen und Lernmöglichkeiten. Intuition erfordert eine feinfühlige Wahrnehmung und kann vom Verstand unterstützt werden. 

Eltern haben keinen Sex mehr.

JA, wenn es bedeutet, dass die Frequenz zunächst abnimmt und Dinge sich verändern, weil nach einer Geburt mögliche Verletzungen, Schlafmangel, Stress und Hormone die Lust in den Keller verfrachten. Das ist völlig natürlich und darf auch so sein. Habt Geduld miteinander und versucht mit Flexibilität und Humor neue Wege zu entwickeln, Zärtlichkeit, Erotik und Sexualität zu leben. Auch hier kann man sich professionelle Hilfe in der Beratung holen.

NEIN, wenn gemeint ist: nie wieder oder von jetzt geht’s steil bergab. Ganz ehrlich – da gäbe es ja keine Mehrkindfamilien. Also. Viele Eltern schaffen es wunderbar, sich weiterhin auch als Liebespaar zu erleben und können Sexualität als das integrieren was es sein darf: Ein wunderbares Geschenk durch das wir unsere Liebe auch körperlich feiern, eine Quelle der Freude und Lust und lebensspendendes Element der Einzelpersonen und als Paar.

Eltern machen dauernd ein Drama um alles – das kann doch nicht so schwer sein!

JA, wenn es bedeutet, dass Eltern den Kopf oft voller Sorgen haben und darüber auch reden. Die Herausforderungen, die man mit Kindern erlebt gehen oft ans Eingemachte und das weckt Emotionen und Energien, die halt zeigen, wie sehr wir manchmal am Rand stehen. Und ja, es ist manchmal schwer. Auch wenn man viel Unterstützung bekommt.

NEIN, wenn damit gemeint ist: wir regen uns zu sehr künstlich auf über alles mögliche. Klar ist es auch eine Temperamentsfrage, wie schnell man „in die Luft“ geht. Doch die Anforderungen, Erwartungen und der Druck, den Eltern spüren – von außen und von innen – sind echt. Und alle, die meinen, da könnte man ja ruhig darüber reden, sollen das gern probieren nach Wochen oder Monaten mit zu wenig Schlaf, zu kaltem Essen, zu blanken Nerven, wenig Körperpflege, zu wenig erwachsenen Gesprächen, zu viel Babygeschrei im Ohr und inmitten von Wäschebergen, gegen die der Mount Everest klein erscheint. Merke: Eltern mit unerfüllten Grundbedürfnissen wissen: the drama is real!

Elternschaft ist doch nur eine Frage der Organisation!

JA, wenn damit gemeint ist, dass man sich Hilfe und Unterstützung erbitten, erfragen oder zukaufen soll und das als Eltern alles organisiert.

NEIN, wenn damit gemeint ist, dass sich alle Schwierigkeiten mit ein paar Telefonaten und etwas Geld lösen lassen. Sichere Bindung kann man nicht kaufen. Aufgabengerechtigkeit kann man nicht kaufen. Liebe und emotionale Verfügbarkeit kann man nicht kaufen. Oft sind das die Dinge, die uns am meisten „ausrinnen“ lassen. Auch wenn es in Österreich viele passable Sozialleistungen gibt. Bis zu echter Gleichberechtigung und fairen Verhältnissen in Bezug auf Carearbeit in Familien haben wir noch ein gutes Stück Strukturveränderung vor uns. Das kann man partnerschaftlich ausgleichen, wenn man finanziell sehr unabhängig ist. Für viele Familien fallen organisatorische Entscheidungen aber aus wirtschaftlichen Gründen. #truthbomb

Eltern werfen alle guten Vorsätze, die sie vorher hatten, über Bord!

JA, wenn das bedeutet, dass man mit der Erfahrung klüger wird und sein Verhalten danach anpasst statt stur bei überlieferten oder alten Leitsätzen zu bleiben.

NEIN, wenn damit gemeint ist, dass sie es nicht besonders gut meinen und nicht mehr das beste für das Kind wollen. Natürlich haben Eltern oft die besten Absichten und wählen dann leider Gottes eigenartige oder ungünstige Strategien für die Erreichung eines Ziels. Viele Eltern gehen aber sehr bewusst an ihre Elternschaft heran und sind überaus reflektiert und achtsam, was die Begleitung ihrer Kinder angeht. Sie passen ihr Verhalten sehr wohl öfter an und ändern leicht den Kurs als Menschen, die strikt die Marschrichtung einhalten ohne wahrzunehmen, was links oder rechts passiert. (Oder mit ihren Kindern und der Beziehung zu ihnen.)

Eltern sind ja sooo gescheit, die wissen immer alles besser.

JA, wenn damit gemeint ist: Eltern können ihr Kind am besten einschätzen, haben oft den sichersten Zugang zu ihnen und verfügen über die meiste Erfahrung was den Umgang mit ihrem Kind betrifft.

NEIN, wenn damit gemeint ist: die wissen alles für alle (anderen) auch besser. Eltern sind Spezialist:innen und Expert:innen für ihre Kinder und dürfen das auch sein. Was bei den eigenen Kindern hilft, hilft noch lang nicht bei einem anderen. Also Vorsicht bei (gut gemeinten) Ratschlägen, die eben auch Schläge sein können. Man kann immer fragen: Möchtest du wissen, wie das bei uns war? Darf ich dir eine Rückmeldung geben? Dann darf der oder die andere entscheiden, ob ja oder nein!

Eltern sein macht Menschen irgendwie komisch und anders.

JA, wenn das bedeutet: Eltern sein verändert Menschen. Wenn diese elementare Erfahrung an lebendigen Wesen spurlos vorbeigehen würde, würde ich mir mehr Sorgen machen. Eltern werden darf dich verändern. Eltern sein darf dein Leben verändern. Es steckt viel zu viel Gutes da drin, also nimm dir von dem, was Elternschaft dir schenkt! Lass dich bereichern und verändern!

NEIN, wenn man damit meint: seit die Eltern sind, sind die verrückt! Die meisten frisch gebackenen Eltern sind tatsächlich ver-rückt im Sinn von „etwas neben der Spur“. Es darf auch dauern, bis man sich in der neuen Rolle als Mutter oder Vater wieder findet bzw. sich überhaupt da entdeckt. Dass das „neu“ und „anders“ ist, als was wir bisher von diesen Menschen kennen, mag sein. Neues finden wir eben auch gewöhnungsbedürftig. Aber wer bestimmt hier schon, wer verrückt ist? 

DIE WAHRHEIT UND NICHTS ALS DIE WAHRHEIT

Natürlich könnte man jetzt sagen: sie ist ja selbst Mutter! Klar sieht die die Dinge auch nicht, wie sie sind. Und wenn ich ehrlich bin: ich weiß es nicht so genau, ob meine Sicht der Dinge auf diese Mythen über Elternschaft der „Wahrheit“ entspricht. Ich kann nur sagen: mit dieser, meiner Wahrheit kann ich als Mutter gut, nein besser leben. Es hilft mir, diese große Verantwortung leichter zu schultern. Und das Leben mit meinen Kindern mehr genießen zu können.

Sollte sich am Ende des Tages heraus stellen, dass ich falsch lag.

Na, dann hat’s zumindest mehr Spaß gemacht, so darüber zu denken. 

Kennst du noch andere Mythen über das Eltern-sein oder so schlaue Sätze von Menschen ohne Kinder über das Leben MIT Kindern?
Schreib mir gern in die Kommentare! 

Falls du diesen Beitrag liest, bevor du dein erstes Kind bekommst: 

Es gibt ein tolles Angebot, das dich ein bisschen tiefgründiger und umfassender auf Elternschaft vorbereiten kann: den Online Kurs „Plötzlich MAMA!“

Check dir mal die Infos dazu!

7 Dinge, die wir von Kindern lernen können

7 Dinge, die wir von Kindern lernen können

Am Montag, 20. September war „Weltkindertag“. Es gibt international mehrere Tage an denen wir die Kinder mit ihren Rechten und Bedürfnissen feiern – zurecht, wie ich finde. Nicht nur, weil es noch immer viel zu tun gibt was Umsetzung und vor allem Einhaltung von Kinderrechten betrifft, sondern auch, weil wir viel zu selten zu unseren Kindern hinauf schauen. Ja, hinauf. Heute nütze ich die Gelegenheit und zähle 7 Dinge auf, die wir von Kindern lernen können und auch sollten.

Sie kennen im Schlaf die Namen aller Teletubbies, wissen über die Abenteuer der PawPatrol bescheid, können sich lautlos im Schlafzimmer anpirschen oder aus der Küche davon schleichen und wissen ganz genau, wie sie uns schnellst möglich um den Finger wickeln. Also mich jedenfalls. Kinder sind in vielerlei Hinsicht ein Knaller und uns weit überlegen – nicht erst seit die Digitalisierung uns 80er Jahre Eltern blass da stehen lässt, sondern immer schon. Wir schauen als Gesellschaft oft zu den Kindern „hinab“, dabei müssen wir uns ganz schön strecken, um ihr Niveau zu erreichen. Zumindest was folgende Dinge angeht:

  1. AUTHENTISCH SEIN
    Kinder (je jünger desto mehr) sind in meinen Augen die einzigen Menschen, die jederzeit hundert Prozent authentisch sind. Sie verziehen das Gesicht, wenn das Essen nicht schmeckt. Sie weinen, wenn sie beleidigt wurden oder protestieren heftig, wenn ihre Bedürfnisse übergangen werden. Oft zum Leidwesen von uns Eltern. Doch dieses völlige „bei-sich-sein“ und sich nicht verstellen (können) ist schon eine besondere Qualität, die uns Erwachsenen abhanden gekommen ist. Jedenfalls teilweise, manchen sogar in großem Maß.

    „Authentisch ist das neue cool!“ lautet ein Spruch und JA! Es ist cool, sich selbst nah zu sein, sich ganz wenig verstellen zu „müssen“ und vor sich selbst gerade stehen zu können. Trotz unserem Bedürfnis nach Verbundenheit dürfen wir uns selbst sein lassen, wie wir sind. Die besten Vorbilder haben wir (oft) direkt vor unserer Nase sitzen.

  2. ACHTSAM SEIN
    Jeder, der schon mal mit einem zweijährigen Kind spazieren war, weiß: Kinder entdecken jeden winzigen Käfer, finden die schönsten Steine und sind fasziniert von Vielem, was ihren Weg kreuzt. Was das Spazierengehen durchaus mühsam machen kann. Sie sind echte Profis, was Achtsamkeit angeht, weil sie alles mit diesem forschenden und interessierten Geist wahrnehmen. Sie können sogar schön finden, wenn Nacktschnecken auf ihrer Haut kriechen. Jedenfalls bis wir unsere Wertung hinein packen und erklären, das sei ekelig.

    Ich lasse mich gern verzaubern und anspornen von der Begeisterung für die kleinen Dinge, die Kinder noch sehen und für die wir schon oft blind sind. Ich lasse mich von ihnen entführen in Welten, wo die einfachsten Dinge einfach gesehen werden, wie sie sind.

  3. EHRLICH SEIN
    „Boah, der Mann ist aber dick!“ „Mama, warum hat die Frau so viele Falten?“ „Der Aufstrich schmeckt nach nix!“ … solche und ähnliche Sätze (lautstark vor sich hingesagt) kennen Eltern von ihren Kindern mit hoher Wahrscheinlichkeit. Man selbst ist oft peinlich berührt und weist das Kind vielleicht reflexartig zurecht, dass „man das nicht sagt“. Aber im Grunde merken wir oft: das Kind hat den Mut, das zu sagen, was es sich denkt und was für sie oder ihn richtig ist.

    Natürlich kann man nicht immer nur die Wahrheit sagen, wenn man auch irgendwie sozial akzeptiert sein möchte. (Es gibt dazu ein wunderbares Lied von Reinhard Mey.) Manchmal täte es uns aber gut, ein Scheibchen bei den Kindern abzuschneiden, was Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit angeht. Und bis wir den Mut haben, dürfen wir uns am Kindermund erfreuen, wenn er die Wahrheit spricht, wo wir zu angepasst dafür sind.

  4. FLEXIBEL SEIN
    Kinder haben genau die gleichen Bedürfnisse wie wir Erwachsenen. So wie alle Menschen eben. Vielleicht halt nicht alle im selben Ausmaß und zur selben Zeit. Wenn wir uns aber dann ansehen, wie sehr wir oft über Kinder hinweg denken, handeln und entscheiden und wie gut sie dennoch in dieser erwachsenen Welt funktionieren, kann ich nur sagen: Hut ab. Hut ab, dass die so flexibel, anpassungsfähig und situationselastisch sind.

    Klar, es bleibt ihnen oft keine andere Wahl. Sie sind abhängig und auf uns angewiesen, weil sie (noch) nicht eigenständig überleben könnten. Darum kooperieren sie auch, bis sie nicht mehr können. Wenn sie also protestieren, sich querlegen und abblocken, dann nicht, weil sie uns als Eltern ärgern wollen. Sondern weil Kooperationsbereitschaft und Flexibilität erschöpft sind. Aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht denkst du beim nächsten Wutanfall dran.

  5. SPIELERISCH SEIN
    „Nur gespielt!“ bekam ich als Elternteil oft als Antwort auf die Frage, was das Kind im Kindergarten gemacht hat. In der Formulierung steckt schon drin, dass wir das Spielen oft abwerten, geringschätzen oder begrenzen wollen. „Das ist kein Spiel, das ist ernst!“ kommt uns auch über die Lippen. Dabei ist das Spiel ein elementares Bedürfnis und ein Grundphänomen bei Menschen. Nicht nur bei Kindern! Was Elementarpädagoginnen längst wissen und nutzen: die Freude und Leichtigkeit, die oft mit dem Spielen einher geht, fördert und befeuert das Lernen gerade zu!

    In der erwachsenen Welt geht es viel zu oft und viel zu sehr um’s Kämpfen und Gewinnen, es muss alles ernst und durchdacht sein und wenn es leicht geht, hat es manchmal gleich einen geringeren Wert. So schade. Wir sollten uns die spielerische Leichtigkeit von unseren Kindern abschauen, die sie bis zur Schule oft in hohem Ausmaß haben. „Spielen bewahrt uns den Optimismus“ sagt auch Brian Sutton-Smith. „Wir wären verloren und die Pessimisten würden Seite an Seite mit den Zynikern die Welt untergehen lassen.“ Recht hat er, wie ich finde.
    Man kann das Spiel gar nicht ernst genug nehmen! 😉

  6. DIGITALE SKILLS BEHERRSCHEN
    So. Ich meine hier nicht, dass Vierjährige sich den Tablet-Code merken können und Zweijährige schon wissen, wie sie über Bildschirme wischen sollen. Das ist keine Meisterleistung, Leute! Die Dinger wurden extra so gemacht, dass die das intuitiv können. Dass die digital Natives uns dennoch abhängen, was ihre Fähigkeiten und vor allem das Tempo angeht, wie sie sich mit Anwendungen und neuer Technologie durchs Leben handeln, ist wohl klar.

    Sie navigieren pfeilschnell an ihnen unbekannten Orten, checken sich spielerisch durch komplexe Apps und beherrschen seit Minecraft nicht nur einfache Programmiersprache sondern auch ein bemerkenswertes Englisch Vokabular. Machen wir uns nix vor: wir können da von ihnen lernen und sie genießen auch, wenn so eine Autoritätsumkehr ab und zu stattfindet. Sie werden zu Lehrer:innen und wir zu den Lernenden. Dann stehen wir in mehrerlei Hinsicht erstaunt daneben und bekommen den Mund kaum noch zu.

  7. VIEL MEHR LACHEN KÖNNEN
    „Wie oft lachst du an einem Tag?“ … diese Frage stelle ich in einem meiner Workshops. Kinder lachen Gerüchten zufolge über 100 mal am Tag. Erwachsene schaffen oft keine 15 mal. (In meinen Vorträgen waren schon Menschen, die hatten noch düsterere Zahlen am Start!). Fest steht jedenfalls: Kinder lachen öfter und mehr als wir Erwachsene. Das hat viel mit Nummer 5 zu tun: dem Spiel. Klar haben Kinder auch weniger Verantwortung und Sorgen. Ein Blick (oder besser ein Ohr) in einen Kindergarten gehalten und zum Vergleich in ein Großraumbüro würd das vermutlich bestätigen.

    Lustig sein sollten wir uns wieder mehr von den Kindern abschauen und auch bewusst humorvollen Dingen, Filmen, Menschen, Beschäftigungen in unserem Leben Raum geben. Das Hormonfeuerwerk, der beim Lachen im Gehirn abgefeuert wird, ist sonst nur teuer in Apotheken oder illegal zu erhalten. Also: lass dich von deinem Kind anstecken und lach mal mit. Es ist gesund und hebt die Stimmung – hochgezogene Mundwinkel reichen schon dafür. 

VORBILDER & LEITSTERNE

Kinder brauchen uns als Vorbild und als Leitsterne. Sie schauen uns zu und auch gerne ab, sie orientieren sich an uns und machen nach. Insofern sind wir und unser Handeln wichtig für sie. Für eine Beziehung auf Augenhöhe und um ein spielerisches Element rein zu bringen, tut jedoch ein Positionswechsel auch mal gut.

Wir dürfen und können auch von ihnen viel von ihnen lernen. Es ist eine Symbiose im besten Sinn. Sie profitieren und lernen von uns. Und wir profitieren und lernen von ihnen. So darf es sein und so soll es sein.

Lass mal wissen: was hast du schon von deinem Kind gelernt?
Und was möchtest du gern von deinem Kind (wieder) lernen?

Schreib gern in die Kommentare!

5 Wege, um Kinder zu stärken

5 Wege, um Kinder zu stärken

Das neue Schul- Kindergarten- und Krabbelstubenjahr ist noch taufrisch und wie immer um diese Zeit fragen sich Eltern, wie sie den eigenen Nachwuchs für DAS stärken können, was da so auf sie zukommt. 

Also hab ich mir mal Gedanken gemacht und ein paar Dinge zusammengetragen, die immer hilfreich sind – egal in welchem Alter dein Kind gerade ist. Auf geht’s !

KALTES WASSER & GLUCKEN 

Loslassen, das ist es, was wir in diesen Tagen als Eltern wieder üben. Wenn die Kinder vermehrt ihre eigenen Wege gehen, wenn sie ihre Kindergruppen und Schulklassen besuchen und ihre eigene Welt ein Stückerl neu entdecken. Neues, Veränderung, Wandel – nicht alle Menschen können diese Dinge gleich leicht schultern. Es kommt, wie so oft, auch darauf an, was wir früh in unserem Leben erfahren haben. Ein Schubser ins kalte Wasser ohne Vorwarnung kann genau so schwierig sein wie Eltern, die wie Glucken auf ihren Küken sitzen.

NEVER TOO STRONG

Jetzt fragst du dich bestimmt: Wie soll ich denn wissen, was der Bereich dazwischen ist? Nun – darauf gibt es tausend Antworten. Was richtig für dich ist, kann nur dein Kind gemeinsam mit dir bestimmen. Doch folgende Ideen können dir helfen, dein Kind jedenfalls zu stärken, denn in einem bin ich mir sicher. Sie können niemals „zu stark“ sein für diese Welt, also profitieren auch widerstandsfähige und selbstbewusste Kinder von Eltern, die folgende Dinge tun.

1. SIGNALE WAHRNEHMEN & RICHTIG INTERPRETIEREN

Es hört sich so einfach an und ist doch so schwer. 

  • Was will ein Kind ausdrücken, wenn es weint? 
  • Was bedeutet das Schreien nun wirklich? 
  • Warum ist das Kind so verschlossen? 

Es ist für mich immer ein Genuss, Eltern zu beobachten, die feinfühlig und sensibel ihre Kinder begleiten. Und mein Herz blutet jedes Mal, wenn Eltern eindeutige Signale des Kindes fehlinterpretieren oder gar nicht reagieren. Dass sich das auf Dauer fix ungünstig auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirkt, brauch ich glaub ich nicht extra zu betonen.

Wenn man Signale und Verhaltensweisen des Kindes gut wahrnehmen möchte, braucht man mehrere Gaben, vor allem aber braucht es Fokus. Eltern, die nicht abgelenkt sind – von Bildschirmen, Arbeit und Ähnlichem – schaffen dies sicherer als andere. Weil es Präsenz braucht und die Fähigkeit, im Moment zu sein. Und alle verfügbaren Sinne.

2. GEFÜHLE & VERHALTENSWEISEN ERNST NEHMEN

Manchmal erwarten Erwachsene im Umfeld bestimmte Verhaltensweisen vom Kind. 

  • „Du freust dich bestimmt schon auf den Kindergarten!“
  • „Das wird sicher lustig in der (neuen) Schule!“
  • „Da brauchst du keine Angst zu haben, das wird schon werden!“

Wenn Kinder sich freuen, darf man sie freilich darin bestärken. Falls allerdings eine unsichere Miene, hängende Mundwinkel oder zweifelnde Gedanken den neuen Weg säumen, dann zahlt es sich aus, diese auch ernst zu nehmen. Zumindest so lang, bis das Kind den Eindruck hat:

  • Ich werde gesehen, wie ich bin.
  • Jemand nimmt mich ohne Erwartung an.
  • Ich bin richtig, so wie ich mich verhalte.

Solche Botschaften stärken Kinder und Menschen jeden Alters ungemein. In jeder Lebenslage.

3. BEWÄHREN STATT BEWAHREN

Ich ertappe mich selbst öfters dabei, wie ich mir wünsche, dass meine Kinder nicht Fehler begehen, die für mich auch irgendwann schmerzhaft waren. Obwohl ich genau weiß, dass es nix bringt. Sie dürfen und sollen ihre eigenen Erfahrungen machen. Wenn wir sie jederzeit davor bewahren wollen, die Lektionen des Lebens zu lernen, dann werden sie irgendwann womöglich „dumm“ dastehen. Kinder brauchen Eltern, die ihnen viel zutrauen, die mutig sind und sie probieren lassen. Kinder sollen sich bewähren können auf der Bühne des Lebens. Nur zwei kleine Pünktchen unterscheiden die beiden Wörter – doch es sind völlig unterschiedliche Haltungen, wenn es um das Begleiten der Kinder geht. 

  • Krabbelstubenkinder, die lernen, ihr Geschirr weg zu räumen.
  • Kindergartenkinder, die mit Zurückweisungen anderer Kinder klarkommen sollen.
  • Schulkinder, die auf einmal den Schulweg alleine bewältigen können.
  • Jugendliche, die ihren Alltag neu und selbständig organisieren üben.

Natürlich dürfen wir ihnen unterstützend zur Seite stehen, wenn sie sich das wünschen. Und ansonsten üben wir uns darin, weniger zu bewahren und mehr bewähren zu lassen (frei nach Gerald Koller). Weil das die schönen Momente des Staunens über die Entwicklung des eigenen Kindes beinhaltet. Genieße sie!

4. FEHLERFREUNDLICHE KULTUR

Gehen lernen ohne Hinfallen?
Sprechen lernen ohne lustige Wortkreationen?
Beziehungen eingehen ohne Kränkungen?
Ist wohl noch keinem Menschen gelungen. Was am Beginn des Lebens noch recht gut akzeptiert ist, wird mit zunehmendem Alter immer weniger ertragen. Wir wünschen uns viel mehr perfekte Ergebnisse, makellose Biografien und saubere Abläufe.

Doch wir lernen nur – oder jedenfalls am meisten – wenn Dinge schief gehen. Wenn Fehler passieren und wir daraus Erkenntnisse gewinnen. Erlauben wir also auch Kindern in jedem Alter, solche Erfahrungen zu machen. 

  • Dass es okay ist, einen Umweg von der Schule heim zu gehen.
  • Dass die Welt sich weiter dreht, wenn man mal den Bus versäumt.
  • Dass und wie sie Hilfe bekommen, wenn sie mal irgendwie anstehen.
  • Dass sie wachsen, wenn sie Konflikte ohne Erwachsene austragen dürfen.
  • Dass sie geliebt sind, gerade wenn ihnen etwas misslungen ist.

Wenn Kinder erleben, dass Fehler und Missgeschicke nicht automatisch mit Zurechtweisung und Moralpredigten verbunden sind, werden sie mutiger und trauen sich selbst mehr zu. Weil sie wissen: es darf auch mal schief gehen – ich bin dennoch geliebt. Das ist Rückenstärkung pur.

5. LEADERSHIP ZEIGEN

Wenn Kinder ins kalte Wasser geschubst werden und sich quasi uferlos fühlen, fällt es ihnen auch schwerer einen guten eigenen Weg zu finden. Sie brauchen Orientierung und Halt und das am besten von den vertrauten Bindungspersonen – je nach Alter in unterschiedlichem Ausmaß.

Das gelingt, wenn du als Elternteil eine gewisse Ruhe und Klarheit in DIR hast, wenn du weißt, welche Werte für euch wichtig sind, einen groben Plan hast und dafür die Verantwortung übernimmst.
Kinder brauchen (länger als man meint) Menschen, die ihnen einen verlässlichen Rahmen anbieten. Auch wenn sie immer wieder dagegen anrennen und sich mitunter auch gegen Grenzen wehren. In Wirklichkeit sind sie auf der Suche nach Kontakt zu dir. Also sei da. 

  • Sei die Sicherheit, die sie brauchen ohne sie einzuschränken. 
  • Sei der Halt, den sie suchen ohne Festzuhalten. 
  • Sei die Orientierung, die nötig ist und dennoch flexibel bleibt.

On top kann ich auch noch empfehlen, dass es sich immer auszahlt, eine große Portion Humor zu haben und viel Freundlichkeit über den Alltag zu streuen. Diese Woche habe ich gelesen, dass sogenannte „Weak Ties“ uns (die losen, oberflächlichen Kontakte zu Menschen) uns ein gutes Gefühl geben. Sie stärken unser Zugehörigkeitsgefühl in der Gesellschaft und heben die Verbundenheit in unserem sozialen Geflecht, auch wenn sie wenig tiefgründig sind. Ein freundlicher Gruß beim Bäcker, der Smalltalk beim Kinder abholen, ein kurzer Plausch mit der Nachbarin. Markus Hengstschläger erwähnt auch gern das „Survival of the friendliest“ – also weniger Ellenbogen, mehr Empathie.

Das können wir nun wirklich alle gebrauchen.
Nicht nur unsere Kinder. Lasst es uns vorleben!

Wie stärkst du deine Kinder?

Hast du noch andere Ideen, wie das gehen kann? Schreib gern in die Kommentare!