7 Wege, um Seelische Gesundheit zu fördern

7 Wege, um Seelische Gesundheit zu fördern

Kaum jemals in der Geschichte stand unsere körperliche Gesundheit so im Fokus wie in den letzten eineinhalb Jahren. Oder soll ich sagen: das nicht-vorhanden-sein-eines-einzlenen-Virus mit mittlerweile nervigem Namen. Als Mensch, der im psychosozialen Bereich tätig ist, wird mir immer deutlicher bewusst (und nicht nur mir): diese Gesundheitskrise hat viele Gesichter. Und sie trifft die Jüngeren härter als Erwachsene. Mit Angststörungen, zwanghaftem Verhalten, psychischen Diagnosen. 

TRIAGE AM LAUFENDEN BAND

Vor dem März 2020 wusste wohl nur medizinisches Personal, was „Triage“ bedeutet. Dass man medizinische Hilfeleistungen bei Ressourcenknappheit priorisieren muss. Heißt soviel, wie: nicht alle bekommen Hilfe, die sie brauchen. Glücklicherweise haben sich nicht alle Horrorszenarien eins zu eins erfüllt. Doch nur weil auf Intensivstationen nicht wie prophezeit trainiert wurde, heißt das nicht, dass wir davon verschont sind. Kinder- und Jugendpsychiatrien sind nämlich längst übervoll und triagieren am laufenden Band. Und nur weil die Kinder nicht wie die Fliegen umfallen, nimmt die Politik das recht geduldig hin.

DA KANNST DU LANG WARTEN

Ich finde es einen Verrat an den nächsten Generationen, wie wir gerade mit ihnen umgehen und bedauere zutiefst, was ich in meiner Arbeit zu sehen bekomm. Ich bin auch überzeugt, dass wir diese Rechnung noch teuer zahlen werden dürfen. Viele Kinder und Jugendliche haben in den letzten Monaten traumatisierende Erfahrungen gemacht. Auf öffentliche Hilfe kann man hierzulande leider sehr lang warten. Also ist es wieder mal an uns Eltern, auch die seelische Gesundheit unserer Kinder mit zu bedenken und sie zu fördern. 

WAS ELTERN TUN KÖNNEN

Die gute Nachricht ist: wir tun dabei nicht nur was für unsere Kinder, sondern auch für uns selbst. Weil hier gilt, was für fast alles in der Erziehung gilt: sie machen’s uns sowieso nach. (Die Frage, warum die Mehrheit der Kinder hier sehr, sehr „spezielle“ Essenvorlieben hat, klären wir ein anderes Mal.)
Anyways: wenn du die seelische Gesundheit deines Kindes stärken möchtest, dann mach das am besten, in dem du es VORlebst und -zeigst, wie es geht. Hier und heute beschreib ich ein paar Wege, die du dabei beschreiten kannst.

Erster Weg: Zeit für Pausen
Wer mich und unseren Familienkalender (aus Erzählungen) kennt, der weiß: wir sind sehr oft ziemlich verplant, die Kinder zur gleichen Zeit in alle Himmelsrichtungen verteilt und es gibt  immer was zu tun. Dennoch achte ich sehr darauf, dass ich mir und die Kinder sich Pausen nehmen und benenne diese auch. Eine Pause kann sein:
+ 10 min auf dem Sofa mit und auch mal ohne Bildschirmgerät
+ 20 min Bewegung draußen oder dösen in der Hängematte
+ 30 min quatschen und von der Seele reden oder sich zurückziehen und allein sein

Zweiter Weg: Frieden mit dir selbst schließen
Wir alle und auch ich haben unsere Makel und Schwächen. Ich kann mich allerdings entscheiden, ob ich mich deswegen permanent miserabel fühle, oder Frieden mit mir schließe und sag: ja. So bin ich auch. Wenn wir auch unsere Schattenseiten besser akzeptieren und integrieren können, schauen wir nicht nur freundlicher auf uns selbst – dieser Blick gelingt uns vermutlich auch bei anderen besser.

Dritter Weg: Gefühle anerkennen
Das ist so ähnlich wie mit unseren kleinen Unvollkommenheiten. Gefühle sind nun mal, wie sie sind. Meist suchen wir sie uns nicht bewusst aus. Sie zeigen einfach an, wie es gerade um unsere menschlichen Bedürfnisse bestellt ist. Wenn wir also grauenhafter Laune sind, brauchen wir das noch nicht gut zu finden. Aber anerkennen, dass das sein darf, weil wir zu müde, hungrig, überlastet, gekränkt, energielos, beleidigt, allein, frustriert der sonst was sind: das dürfen wir schon. Und es bedeutet nicht, dass wir auch augenblicklich eine Lösung für das „Problem“ haben. Anerkennen ist ein wichtiger und großartiger erster Schritt. Wir sagen uns damit: „Ich bin richtig, so wie ich mich fühle.“

Vierter Weg: offene Haltung
Gerade jetzt, wo Gesellschaftsgruppen gespalten und (bewusst) gegeneinander ausgespielt werden, ist es wichtig, aus dieser Dynamik bewusst auszusteigen. Eine offene, respektvolle Haltung gegenüber anders denkenden, fühlenden oder handelnden Menschen garantiert uns, dass wir unser Leben als soziale Wesen wieder besser hinbekommen werden. Ich darf denken, wie ich möchte. Du darfst denken, wie du möchtest. Wir können uns auch einigen, uneinig zu sein. Das geht. Es ist nicht so kuschelig, wie harmonische Einigkeit. Doch die Vielfalt wird uns retten und ein achtsamer Umgang miteinander. Davon bin ich überzeugt.

Fünfter Weg: innere Klarheit
Ha! Leichter gesagt, als gelebt! Innere Klarheit gibt es nicht auf Knopfdruck. Sie ist eine Entwicklung, ein Lernprozess und ein Weg zu dir selbst. Darum auch so gut für seelische Gesundheit! Es bedeutet, heraus zu finden, was dich selbst ausmacht, wonach DU handeln möchest, welche Werte ganz und gar DEIN sind. Weg von der Fremdbestimmung hin zu Autonomie. Und für mich ganz persönlich bedeutet es auch, nicht „alles“ haben zu wollen oder müssen, sondern mich bewusst entscheiden zu können – in größt möglicher Freiheit – und auf manche Dinge daher zu verzichten.

Sechster Weg: hol dir Hilfe
Bei all diesen bisher genannten Dingen, die helfen, die seelische Gesundheit zu stärken, ist eins wichtig: du brauchst das nicht allein zu schaffen. Weder bei dir selbst, noch bei deinem Kind. Wenn du also merkst, dass du entweder allein nicht (oder zu langsam) weiter kommst, wenn du die Last deiner Sorgen teilen möchtest und dabei verlässliche und gute Begleiter brauchst, dann such dir professionelle Hilfe. Ja, es gibt zu wenig Versorgung auf Krankenschein. Und dennoch: es gibt viele gute Therapeuten, Coaches, Mentoren oder Ähnliches, die dir auf deinem Weg helfen können. Klar kannst du es auch allein schaffen. Zusammen geht’s halt schneller und leichter. Give it a try!

Siebter Weg: hilf Anderen
Wie jetzt? Das passt doch NULL zu Weg Nummer 6?! Oh doch, und wie! In einer Zeit, wo der Ruf nach Selbstfürsorge und Selbstliebe scheinbar alles übertönt, kann das nicht genug betont werden. Wir bleiben nicht lang glücklich, wenn wir uns selbst lieben und anerkennen. Es ist wichtig. Vor allem, weil wir uns selbst zum Wohle für Andere einsetzen möchten! Und nicht nur, weil es dem Gegenüber hilft, sondern weil wir besonders SELBST davon profitieren! Ältere Kinder, die jüngeren etwas lernen, lernen selbst noch viel mehr dazu. Die letzte Stufe im Programm der Anonymen Alkoholiker lautet „Hilf einem anderen Alkoholiker.“ Weil wir am DU noch mehr wachsen und uns stabilisieren. Weil es unsere tiefe Sehnsucht nach einem menschlichen Miteinander beflügelt. Weil es gut tut, Gutes zu tun in einer sonst so kalkulierten Welt.

INTERNATIONALER TAG DER SEELISCHEN GESUNDHEIT

Am 10. Oktober ist internationaler Tag der seelischen Gesundheit. Wir dürfen uns nicht nur darin üben, uns um unsere eigene psychische Verfassung zu kümmern sondern brauchen darüber hinaus auch ein höheres gesellschaftliches Bewusstsein für diese Krankheiten, die halt so gar nicht krank „aussehen“. Weil sie nicht bluten, keine abnormalen medizinischen Werte produzieren oder herausstehende Knochen beinhalten. Wichtig ist: wenn jemand schon psychisch krank ist (oder das vermutet), braucht es auch gute fachliche Begleitung. Menschen brauchen oft Unterstützung von Angehörigen, weil sie es alleine nicht schaffen würden, sich Hilfe zu organisieren. 

A MENSCH MÖCHT I BLEIM

Vor allem aber braucht es unser aller Verständnis und Einfühlungsvermögen. Dass das so ist. Dass es diese Krankheitsbilder gibt und dass sie durch die Belastungen und der Angstmaschinerie der letzten 18 Monate befeuert wurden. Seien wir feinfühlig miteinander und unterstützend, wenn der Karren schon etwas verfahren ist. Und wenn’s grade noch so geht: achte und pflege deine Seele, dieses verletzliche und zarte Etwas. Weil wir genau das in einer hochtechnischen, digitalisierten und kalkulierten Zukunft brauchen: unsere Seele. Wenn wir keine Maschinen werden wollen. So wie Wolfgang Ambros so schön singt:

„A Mensch mecht i bleibn, und net zur Nummer mecht i werdn
Und Menschn macht i sehng, wei i bin sehr dagegn
Dass ma unsare Haisa nua mehr füa Roboter baun
Und deppat nur ind′n Fernsea schaun!

A Mensch macht i bleibn, a klaans Geheimnis mecht i hom
Kugerl mecht i scheibn und schena Stana mecht i grobn
I mecht singn und lachn und üwahaupt tuan wos i wui
Owa i glaub do verlaung i scho z’fui!“

Wie siehst du das?
WIE stärkst du deine seelische Gesundheit? Lass mal wissen …

Nikolaus, Krampus, Christkind & CO – 3 Tipps für Eltern

Nikolaus, Krampus, Christkind & CO – 3 Tipps für Eltern

Das kindliche Leben ist erfüllt von verschiedenen magischen Figuren, manche rein in der Fantasie, andere greifbar nahe. Sie sind aufgeladen mit verschiedenen Mythen und Ideen und viele davon sind mehr als verzichtbar. 
Wie man dennoch Traditionen aufrecht erhalten kann, ohne den Kindern damit zu drohen und wo man Magie durchaus nützen darf, darum geht’s heute am Blog. 

WO DER SPASS AUFHÖRT

Zugegeben. Ich bin in mancher Hinsicht befangen. Als ich Teenagerin war, hatten unsere Turnlehrer die ach so witzige Idee, eine Schar Krampusse (ich vermute, es waren unterbelichtete Jugendliche) in der Turnhalle auf uns loszulassen. Sie haben tatsächlich feste ihre Ruten auf uns peitschen lassen, bei einem Fluchtversuch stürzte ich und scherte mir meine Schienbeine kräftig auf, konnte mich dann auf das Klo retten und wurde selbst dorthin von einem geistreichen Maskenträger verfolgt, der unter der Klotür noch die Rute durchschob. Es war alles andere als lustig, dabei war mir zu dem Zeitpunkt natürlich längst bekannt, dass sich darunter einfache (im wahrsten Sinn des Wortes) Burschen verstecken, die einfach nur verkleidet Mist bauten und Gewalt anwandten.

DER ECHTE NIKOLAUS

So oder so ähnlich wie es mir damals ging, denke ich, geht es auch heute noch vielen Kindern, wenn Eltern nicht nur Krampus (das ist ja echt die Härte uns absolut indiskutabel) sondern auch Nikolaus oder Christkind dafür einsetzen, Kinder unter Druck zu setzen. Zumal das ja nicht bei Teenagern gemacht wird, sondern bei viel jüngeren Kindern, die eben noch nicht unterscheiden können, ob das nun eine „Verkleidung“ ist oder „echt“!

Nur so zur Erklärung: in meiner Zeit als Elementarpädagogin hat sich der Nikolaus vor den Kindern sein Gewand angelegt (um zu zeigen, dass wir das nur im Andenken an diesen Heiligen tun) und hinterher waren sich die Kinder einig: der „echte“ Nikolaus war bei uns gewesen! 😉

ZWISCHEN FASZINATION & VERANTWORTUNGSLOSIGKEIT

Was für die einen faszinierend und eine schöne Tradition ist, die sie nicht missen möchten, ist für andere Kinder der blanke Wahnsinn. Sie fürchten sich vor den riesigen Gestalten in ihrem außergewöhnlichen Gewand und auch wenn diese noch so friedlich erscheinen, können sie bei manchen Kindern heftige Ängste auslösen. Ein Kind hat sich hier mal, während der Nikolaus da war, tatsächlich groß in die Windeln gemacht. Ich brauche an dieser Stelle nicht erklären, was das zu bedeuten hatte. Gerne würde ich diese Situation ungeschehen machen und im Nachhinein manches korrigieren. Doch vieles haben wir auch gut gemacht in all diesen Jahren, wo die Kinder diese Figuren so faszinierend fanden. Denn die Verantwortung für was auch immer gaben wir nie in die Hand solcher Wesen und Gestalten.

ZWISCHEN SCHWÄCHE & GLAUBWÜRDIGKEIT 

  • „Du musst brav sein, das Christkind fliegt schon und schaut dir zu!“ 
  • „Da kommt der Krampus, wenn du nicht machst, was ich sage!“
  • „Der Nikolaus erfährt alles, wirst schon sehen!“

Mit solchen Sätzen machen es sich Eltern scheinbar leicht und zwingen ihre Kinder, ihren Vorstellungen und Wünschen zu sprechen. Und vor lauter (Ehr-)Furcht, Angst und Zweifel kooperieren Kinder weit über die Zumutbarkeitsgrenze hinaus. Doch der Schein trügt. Eltern schwächen sich mit solchen Aussagen. Sie schwächen ihre Kompetenz, ihre Glaubwürdigkeit und vor allem ihre Beziehung und Bindung zum Kind, denn es heißt ja indirekt: „… und ich lasse zu, dass das geschieht!“ 

Sicherheit geht verloren, Vertrauen auch und die Freude sowieso.

Was also tun? Wenn man Traditionen liebt und sie den Kindern auch nicht vorenthalten will? Wieviel Ehrlichkeit brauchen Kinder? Wo sind die Grenzen dieser magischen Wesen?

Hier hab ich drei Tipps für Eltern, die das gut angehen möchten.

TIPP 1: NEVER EVER DROHEN

Das Wichtigste von allem ist tatsächlich, Figuren wie Nikolaus, Zahnfee, Krampus, Osterhase, Christkind oder weiß der Kuckuck wen, niemals als Drohgebärde zu verwenden. Es ist schlecht. Punkt. Schlecht für Eltern und schlecht für die Kinder. Hört auf damit. 

Wenn Kinder sich nicht ohnehin fürchten, tun sie es bestimmt nachher, auch wenn sie oft scheinbar noch so cool zurück schmettern „… macht mir eh nix!“

Ihr Eltern seid stark genug, ihr wollt starke Kinderselbstbewusste dazu und das ist wirklich das letzte, was ihr damit erreichen werdet, wenn ihr droht: „Da kommt aber ….. !“ 

TIPP 2: BEOBACHTEN, WAHRNEHMEN & INTERPRETIEREN

Allezeit drei wichtige Kompetenzen, die Eltern brauchen. Schau auf dein Kind: will es den Nikolaus wirklich sehen? Oder reichen Geschichten und ein still und heimlich gefundenes Sackerl mit Brief völlig aus? Was erzählt es darüber? Wie ist seine Körpersprache? Was kannst du als Elternteil wahrnehmen und beobachten? 

Und danach komme ins Interpretieren und versuche, eine Lösung für dein Kind zu finden. Manche Kinder freuen sich unfassbar, wenn sie den Nikolaus sehen oder angreifen dürfen. Manche sind echt coole Socken und plaudern locker-lässig mit diesen magischen Figuren. Wenn aber auch nur der Anflug von Ängstlichkeit vorhanden ist, dann sollte man nachdenken:

  • Wird mein Kind dadurch gestärkt?
  • Wird mein Kind dabei ernst genommen?
  • Wird mein Kind dadurch besser gesehen?
  • Bekommt es Hilfe, wenn es Abstand, Rückzug oder Schutz braucht?

Und gib dir selbst die Antwort, ob es das wirklich braucht, solche Personen einzusetzen.

Es kann kaum einheitliche Lösungen für große Kindergruppen geben, so nebenbei angemerkt.

TIPP 3: MAGIE RICHTIG NÜTZEN

Es ist immer ein wenig Magie im Spiel, wenn wir von Nikolaus, Christkind, Osterhase, Weihnachtsmann oder so sprechen – und diese Magie kann durchaus genützt werden. Und zwar weit besser, als wir das manchmal tun. 

Kinder sind im Kindergartenalter (und oft weit darüber hinaus) sehr empfänglich für magische Ideen und auch ich nütze dieses Alter, um Kinder mit Magie zu stärken, wenn ich Kinder coache. In der Praxis sind das dann Mutsteine, Kraftmurmeln oder Zaubergriffe, die dem Kind die Möglichkeit geben, in die Handlungsfähigkeit zu kommen und den Glauben an sich zu stärken. 

Wenn schon Nikolaus, dann bitte in das „goldene Buch“ ausschließlich positive Botschaften reinschreiben, worauf das Kind stolz ist, Anerkennung zollen, es aufbauen, bewundern. 
Wenn schon Zahnfee, dann bitte als Mutmacherin. 
Wenn schon Christkind oder Weihnachtsmann, dann als positive, bestärkende Instanz nicht als bestrafender, ewig beobachtender Erziehungshelfer.

Nütze Magie und die Vorstellungskraft um dein Kind GROSS zu machen, um ihm Vertrauen zu schenken und es zu unterstützen bei herausfordernden oder zermürbenden Aufgaben. Alles andere kannst du getrost weglassen.

ZWISCHEN EHRLICHKEIT & DESILLUSION 

Kinder haben ein Recht auf magische Ideen, wie ich finde. Sie dürfen sich imaginäre Freundinnen zulegen, an die Zahnfee glauben und das Christkind bewundern. Wenn sie dich fragen: „Gibt es das wirklich?“ Dann halte es wie der fabelhaft schlechte Therapeut aus „Monsieur Claude und seine Töchter“, der immer dasselbe sagt, was in diesem Fall aber super passt: „Oh. Und du? Was meinst du? Aha. Und weiter?“

Das heißt soviel wie: Höre genau hin, das Kind zeigt dir, wie viel es wissen mag! Und du erfährst aus seiner Welt! Der Vorteil dabei: du wirst es nicht mit deinen Erklärungen überfordern, wenn du dich an ihm orientierst! Nur, wenn es explizit nach deiner Meinung fragt, äußere sie.

Ich fand folgende Sätze immer wertvoll:

„Gibt es den Nikolaus?“ – „Ja, das war ein Mann, der vor langer Zeit gelebt hat und Gutes getan hat, sodass wir heute noch an ihn denken und ihn feiern.“
„Gibt es das Christkind wirklich?“ – „Ja, das Christkind ist das Kind in der Krippe. Das Kind von Maria und Josef!“
„Bringt das Christkind die Geschenke?“ – „Hm. Was meinst du?“

Und pack all dein Fingerspitzengefühl aus, wenn du ins Gespräch gehst.

WENN DIE ZEIT REIF IST

Wenn Kinder aus dem magischen Alter eindeutig draußen sind und wissen wollen, was hinter dem Zauber von Weihnachten – neben dem Geburtstag von Jesus – noch versteckt ist, hat man verschiedene Möglichkeiten. Unsere Töchter bekamen damals von uns einen Brief zu Weihnachten, mit dem wir Eltern sie ins „Team Christkind“ geholt haben. Und der Jüngste spielt heuer wohl ein letztes Mal „Sherlock Holmes“ am Heiligen Abend, denn er will es heuer unbedingt selbst herausfinden, hat er letzten Sonntag gesagt. Wir werden ihm  diese Freude gönnen und mit einer kleinen Träne in den Augen auch ihm diesen Brief unterm Baum geben … und damit das letzte unserer Kinder hereinholen in unser magisches Weihnachtsteam. 


Du siehst also:

Magie kann wundervoll sein und bezaubernd, stärkend und inspirierend.
So dürfen und sollen wir sie nützen … empathisch, ehrlich und fasziniert: denn das tut auch uns Eltern gut!
Du bist meiner / anderer Meinung? Schreib mir gern in die Kommentare, wie du das Thema siehst!


Du könntest eine Vorlage für so einen „Team CHRISTKIND Brief“ brauchen?
Ich schenke dir unsere Formulierung weiter.
Verwende sie gern, wenn sie für dich stimmig ist!

Ja. bitte schick mir diesen Brief!

Für „kniffligere“ Fragen steh ich auch gern am MAMAtelefon zur verfügung! 
Unkomplizierte, rasche und individuelle Hilfe – ohne Termin, von daheim aus!
Lass mich dein Telefonjoker sein ;-).
(Abrechnung nach tatsächlicher Gesprächszeit, 1€ pro Minute)

Mehr zum MAMAtelefon!

Kaktusphasen & Kuschelepisoden

Kaktusphasen & Kuschelepisoden

Dass Kinder verschieden sind, ist ja nun keine bahnbrechende Neuigkeit.
Dass jeder Mensch gute und bessere Tage hat, auch nicht.
Dass Eltern aber ab und zu echte Meisterleistungen in punkto Anpassungsfähigkeit erbringen dürfen, weil die immer voll im Moment lebenden Kinder ziemliche Achterbahnfahrten mit ihren Gefühlen erleben, will ich heut mal würdigen. 
Mein Leben also zwischen Kaktusphasen und Kuschelepisoden.

Ich merk es ja selbst. Jeder Tag ist anders und ich fühle mich nicht immer gleich.
Das mag damit zu tun haben, wie gut man geschlafen hat, welche Gedanken einen gerade beschäftigen, ob der Tag sehr dicht verplant ist oder eher viel Freiraum bietet, wieviel Bewegung und frische Luft man so zur Zeit bekommt, ob (schwelende) Konflikte in der Luft liegen oder sich kürzlich in einem Gewitter entladen haben, ab und zu ist auch das Wetter mit Schuld und ganz sicher auch die Hormone.

Nun ist es ja oft schon schwer genug, sich selbst auszuhalten mit den eigenen Launen und Befindlichkeiten. Als Eltern leisten wir dazu noch extra viel, wenn wir auch noch ein oder mehrere Gegenüber (in Form von Kindern) dabei begleiten und sie aushalten.
Was man zwischen Kaktus („Schau mich nicht an! Rühr mich nicht an! Red mich nicht an!“) und Kuschelbär („Du bist die beste Mama der Welt! Ich hab dich lieb! Wieso bist du so gut zu uns?“) gut gebrauchen kann, hab ich versucht hier zusammen zu tragen.

Annehmen. („Es ist, wie es ist.“)

Ich hab mal gelesen: wenn wir mit der Realität streiten, sind wir immer die Verlierer. Das kann man als Eltern insofern nutzen, als dass man nicht versucht, dauernd etwas anderes zu wollen, als man gerade hat. Wenn ein Kind zum Beispiel tobt und weint, hilft es meist wenig, sich in dieser Situation auch noch lautstark darüber zu beschweren und zu lamentieren, wie furchtbar das gerade ist. Klar, wünschen wir uns einen harmonischen Alltag und einen entspannten Umgang, doch die Realität ist eben, dass wir – und unsere Kinder – auch mit viel Frust umgehen dürfen. Und der lässt sich eben nicht einfach wegblasen wie die Samen einer Pusteblume. Da gibt’s eben heftige Gefühle und ungehemmten Ausdruck, die als Ventil dienen, um sich von innerem Druck befreien zu können. So lange keine anderen Lebewesen und Gegenstände dabei zu Schaden kommen, darf das sein. Ansonsten braucht es dienlichere Strategien, mit dem Frust umzugehen.

Jemandem zu sagen: „… geh, sei doch nicht so wütend!“ ist meiner Erfahrung nach wenig Hilfe. 

Wahrnehmen. („Aha. So ist das also.“)

Wahrnehmung ist immer „wahr“, sonst würde es ja „Falschnehmung“ heißen. Was einfach klingt, ist oft ganz schön schwer zu verstehen. Wenn wir nicht verstehen, warum das Kind jetzt Angst hat, auf das Baumhaus zu klettern oder wir nicht nachvollziehen können, woher ein Tobsuchtsanfall kommt. Beim Wahrnehmen kann man sich darin üben, ohne Wertung zu beschreiben. Weil Wahrnehmen noch nicht „verstehen“ ist. Also kann ich sagen: „Wow, du hast ein hochrotes Gesicht und die Tränen rinnen über die Wangen, du schreist, so laut du kannst – du musst ganz schön ärgerlich sein.“

Das beinhaltet nicht, dass ich das verstehen muss. Doch was wir dabei tun, ist: das Kind sehen. In dem Zustand, in dem es jetzt eben ist. Das geht natürlich auch im Positiven: „Ich sehe deine leuchtenden Augen und dass du ganz sacht auf meinen Schoß krabbelst und dich anschmiegst – willst du kuscheln?“ 

Wir können uns bemühen, in diesen emotionalen Phasen zwischen Kaktus und Kuschelbär mit zu fließen, auch wenn wir sie nicht verstehen. Und versuchen, zu geben, was das Kind in dem Moment braucht.

Gelassen bleiben. („Ich bin gut genug.“)

Das hört sich hier einfacher an (und ist auch einfacher geschrieben) als es getan ist. Besonders, wenn wir wieder bedenken, dass auch wir Erwachsene Menschen mit Gefühlen und unterschiedlichen Bedürfnis- und Gefühlslagen sind. Das eigene „raus“ zu halten, geht einfach oft nicht und beeinflusst unser elterliches Tun maßgeblich. 

Wenn es uns also gelingt, gut und angemessen auf diverse emotionale Höhenflüge oder Tiefschläge der Kinder zu reagieren, dann ist das wunderbar. Wir können auch einfach danach fragen: „Was kann ich für dich tun?“ „Was brauchst du, damit es dir wieder besser geht?“

Wenn aber mal Geduld und Nerven zu Ende gehen und der Tag schon lang ist, dann ist es wichtig, die eigenen Ansprüche runter zu schrauben und gelassen zu bleiben

  • Oft ist weniger mehr. 
  • Einfach in den Arm nehmen oder dem Kind den Rückzug gönnen.
  • Zuhören, ohne gleich was drauf sagen. 
  • Hinschauen, ohne gleich eine Wertung aufzutischen. 
  • Atmen und loslassen.

Eltern können (und sollen) bitte nicht alles richtig machen. Es ist erstens immer im Auge des Betrachters, zu beurteilen, was nun richtig ist und was nicht. Zweitens erlauben uns Fehler, zu wachsen, zu lernen und uns zu entwickeln und drittens wären wir vollkommen ätzend für unsere Kinder, aalglatt und perfekte Ausstellungsstücke. Unerreichbar. Und so will ich jedenfalls als Mutter nicht sein.

Bleiben wir menschlich und freundlich mit uns selbst und mit unserem Umfeld. Und wenn es mal nicht mehr weiter geht: jemand anderen übernehmen lassen oder sich zurück ziehen. Auf die eigenen Kräfte schauen und alle möglichen Ressourcen aktivieren, die zur Verfügung stehen und auftanken. Die Höhen und Tiefen der Kinder und alles zwischendrin zu begleiten als Eltern ist eine fordernde Aufgabe, die meine kühnsten Vorstellungen manchmal sprengt.

Und dann denk ich mir wieder: DAS hier ist das VOLLE Leben. 
Ungeschminkt, ungefiltert, unzensiert.
Es darf so sein. 

Ist mir allemal lieber als überkontrolliertes, gezähmtes, zurechtgestutztes Verhalten. 
Es braucht Mut, Vertrauen und Zuversicht – und dafür bekommen wir intensive Erlebnisse und Erinnerungen und
… echte Beziehung.

Was findest du herausfordernd beim Eltern-sein?
Hast du auch schon Kaktusphasen erlebt? Wie gehst du damit um? Lass uns voneinander lernen! ….


Kommentar schreibenKommentare: 4

  • #1Gerlinde (Freitag, 05 Juni 2020 14:54)Hallo!
    Danke für den Super Blog! Also ich durchlebe auch immer wieder mal Kaktusphasen mit meinen Kindern und bin da gerade mitten drin am üben, weil ich den Online Kurs von dir Kerstin gemacht habe- was mir wirklich ein sehr tolles „Rüstzeug“ geworden ist.
    Einfach die Kinder mit ihren Bedürfnissen zu sehen und sich nicht immer gleich als „Richterin“ ein zu schalten.
    Ich freue mich, dass ich durch deine Beiträge und deinem Online Kurs so viel lernen darf .
  • #2Sabine (Dienstag, 09 Juni 2020 14:29)Das hast du sehr gut formuliert: Du kannst nicht mit der Realität streiten – denn das ist dann eigentlich die doppelte Auflage. Ein wahrer Zugang liebe Kerstin – ich danke dir für deine wohl
    formulierten Beiträge!
  • #3Verena (Donnerstag, 11 Juni 2020 21:33)Liebe Kerstin!
    …wie immer: scharfsinnig beobachtet, treffend formuliert, mitten ins Herz!!
  • #4Kerstin (Freitag, 12 Juni 2020 08:28)Danke für die bestärkenden Rückmeldungen. Es freut mich, auch hier zu lesen, dass ich euch mit meinen Worten erreiche – das ist mein Ansporn für diesen Blog. Fühlt euch umarmt!
33 Ideen für den Schulweg zu Fuß

33 Ideen für den Schulweg zu Fuß

Oft weiß man als Eltern nicht, wann man mit dem Kind etwas „das letzte Mal“ macht. Das letzt Mal stillen, wickeln, füttern, einschlafbegleiten, im-gleichen-Bett-schlafen, … – viele finale Kapitel elterlichen Tuns gehen fast unbeachtet über die Bühne, weil plötzlich der nächste Schritt gegangen wird. 

Diese Woche – und das ist ziemlich gut kalkulierbar – geht für mich eine Ära zu Ende.
Nach zehn Jahren wird das geliebte tägliche zu-Fuß-in-die-Schule gehen der Geschichte angehören.
Was wir alles erlebt haben auf diesen etwa 2000 Schritten jeden Morgen, erzähl ich dir heute.

Vorsicht: nicht weiterlesen, wenn du weiterhin dein Kind mit dem Elterntaxi chauffieren möchtest. Es könnte sein, dass ich dich begeistere, zu Fuß zu gehen.

Bevor ich damit anfange, aber noch ein Wort.

„Meine Kinder, es war eine unglaublich schöne Zeit, die wir gemeinsam erlebt haben. Anfangs mit Kinderwagen und allerlei Gefährten als Hilfe, mit netten Wegbegleiterinnen oder allein: ich hab jeden Schritt an eurer Seite geliebt und genossen. Ich hab gerne die oft schwere Schultasche geschleppt als Motivationsdienst und euch getragen, wenn es zu viel wurde für die jungen Beine. Ihr hattet Zeit, euch umzustellen von „Daheim“ auf „Kindergarten“ oder „Schule“ und konntet vielleicht den Umstieg in die jeweilig andere Welt besser verkraften als durch eine 5 Minuten Autofahrt. Ich bin überzeugt, nicht nur euch sondern auch mir etwas Gutes getan zu haben mit diesen morgendlichen 20 Gehminuten, die so viel mehr sind und waren als „einfach nur gehen“, weil es so viel zu erleben gab.“

33 Dinge, die man am Fußweg zur Schule erleben kann:

  1. die buntesten Himmelsfarben des Morgenrot bewundern, das Grün der Blätter einatmen und beobachten, wie sie sich im Jahreskreis verfärben, abfallen und wieder austreiben
  2. die Schritte zählen und dabei siebzehn mal unsicher sein, ob man sich nicht doch verzählt hat
  3. über den Zebrastreifen gehen wie die Beatles (und dabei Musikgeschichte diskutieren)
  4. die aktuellen Ohrwürmer der Kinder gemeinsam trällern – von Mai Cocopelli über Beatles, Springsteen, AC/DC … je nach Jahreszeit und Stimmung war so ziemlich alles dabei
  5. alle Schultaschen der Kinder im Expeditionswagen transportieren (Aufgabe der Eltern) und den Weg in eine Parcouring Strecke verwandeln, sodass schon vor dem ersten Läuten „turnen“ war
  6. im Matschgewand in alle Pfützen springen (als Eltern empfiehlt es sich, den nötigen Abstand einzuhalten) und danach mit Gummistiefeln deren Tiefe messen
  7. in der kalten Jahreszeit gefrorene Spinnennetze an der Traunbrücke bestaunen und dem Knirschen des frisch gefallenen Schnees unter den Schuhen zuhören (Musik in den Ohren von Winterfans)
  8. den Baufortschritt verschiedenster Projekte täglich aus nächster Nähe beobachten (z.B. Salzstaldn) und mitansehen wie baufällige Häuser mit neuem Leben erweckt werden, Grünflächen zubetoniert werden, historische Gebäude in Schutt & Asche gelegt werden (Flachsspinnerei) und dabei über Oberflächenversiegelung debattieren
  9. bei diesen Baustellen tätige, spektakuläre Baumaschinen fachmännisch benennen (und dann wegen zu langer Beobachtung derselben zu spät zur Schule kommen)
  10. zweistimmig Pizzera & Jaus „Kaleidoskop“ singen und damit die Bewohner am Weg beglücken
  11. zu zweit mit dem Roller fahren und es „Schulbus“ nennen (einer läuft ein Stück voraus, stellt sich an den Wegrand = Bushaltestelle und wird dort vom „Bus“ abgeholt)
  12. mit diesem Roller einen kapitalen Sturz hinlegen und dabei auf das Kind drauf fallen 
  13. Streckenabschnitte mit Fantasienamen kennzeichnen (z.B. Schneckenfriedhof … dabei über das grausame Massensterben von Nacktschnecken sinnieren)
  14. die Freundinnen am Weg aufgabeln und wuseliges Geplapper bis zur Schule anhören (Erwachsene: mit der Mama dieser Freundinnen das eigene Feldwebelgehabe vor dem Außer-Haus-gehen analysieren und sich gegenseitig mütterliches Fehlverhalten eingestehen und einander danach beruhigen – es ist halt irgendwie überall gleich)
  15. ungestörte und kostbare Einzelzeit mit dem Kind genießen = Beziehungsgestaltung pur
  16. zusammen schweigen und den Morgenmuffel raus hängen lassen
  17. jeden Tag ein Stück Müll aufheben und zum nächsten Mistkübel bringen (das macht in diesen Jahren dann rund 1800 Dosen / Papierl / Becher / Verpackungen …pro Person!) 
  18. sich bei deftigen Minusgraden den Allerwärtesten abfrieren und die dabei sichtbar werdende Atemluft cool als „rauchen“ definieren (das kenn ich noch aus meiner Kindheit)
  19. am Weg allen Menschen freundlich (und möglicherweise mit einem Lächeln) „griaß di“ zurufen
  20. bei orkanartigem Wind versuchen, wie Mary Poppins mit dem Schirm abzuheben (und dabei den Regenschirm ruinieren)
  21. verschiedenste Vogelstimmen am Weg hören und versuchen zuzuordnen
  22. das Zupassen mit dementsprechenden Steinen vom Wegrand üben – schafft der Stein es bis zur Schule?
  23. Eiszapfen von Autos oder Brückengeländern abbrechen und bestaunen (und vielleicht mal dran lutschen, wenn Mama nicht hinsieht – gutes Immuntraining, übrigens!)
  24. die neuesten Klatschgeschichten vom Kind erfahren und darüber diskutieren
  25. noch schnell das Gedicht für die Schule auswendig lernen (Bewegung & Sprache lässt sich prima und vorteilhaft kombinieren) – dabei den Sprechrhythmus an die Schritte anpassen
  26. vor Liebe taumeln, weil das Kind seine Hand immer noch beim Gehen in deine legen will 
  27. die eigene Wut (oder die des Kindes) mit jedem Schritt in den Boden stampfen
  28. vorgeben, ein kleiner Hund zu sein, der vom Kind Gassi geführt werden muss (die Nachbarschaft hält mich sowieso für eine Verrückte, also was soll’s) inklusive Gebell, Bein heben und treuherzigem Blick beim Hecheln
  29. vorauslaufen, sich in einer Ecke verstecken und die anderen höllisch erschrecken wenn sie herankommen 
  30. nicht auf Risse im Asphalt oder Fugenlinien treten – wer’s tut, stirbt klarer Weise
  31. sämtliche Käfer und Insekten sorgsam „umgehen“ und so Zeit vertrödeln, weil man nicht zur Schule gehen mag
  32. ZÄHLEN! und zwar alles mögliche: Zigarettenstummel auf dem Weg (wir zählten mal rund 280), Autos, die vorbeifahren, (Brücken-)Geländerstäbe, Leitpflöcke, Häuser, … – was immer Spaß macht
  33. Klima schonen und sparen! Laut einer Berechnung sind das: Eingespartes CO2 (kg) 1589.76 kg, eingesparte Fahrtkosten 2592€, Vermeidung von Umweltkosten 216€, Vermeidung von Unfallfolge- und Staukosten: 1224 € (wow, wir sollten auf Urlaub fahren für dieses Geld!)

Gratuliere, du hast es bis hierhin geschafft beim Lesen!

Morgen hat das jüngste Kind hier Radfahrprüfung und wird somit zukünftig lieber mit dem Drahtesel den Weg bewältigen, statt an meiner Seite zu Fuß.
Es ist ein Stück Loslassen und Abschied nehmen und erfordert eine Anpassung der Morgenroutine an neue Verhältnisse.
Ich möchte dir sagen: nütze die Zeit & Gelegenheit, deine Kinder zu Fuß zu begleiten und wenn du zu weit weg wohnst, geht zumindest die letzten 10 Minutuen zusammen (Stichwort Elternhaltestellen)!

Es zahlt sich aus und das Zeitfenster schließt sich irgendwann, wo diese Begleitung gewünscht ist. 
Und dann gehst du – wie ich gestern – zum letzten Mal mit … und bist dankbar dafür, dass du rund 300.000 Schritte ganz dicht neben ihnen gehen durftest. 

P.S: der Junior hat mein leidvolles Gesicht gestern bemerkt und gesagt („Vielleicht regnet’s ja mal voll, dann gehen wir noch einmal, ja Mama?!“)
Wie süß ist das denn bitte??!!!!

Kommentar schreibenKommentare: 4

  • #1dein Papa (Donnerstag, 28 Mai 2020 12:22)schade das ich das mit euch 5 Mädels nie gemacht habe, sehr berührend, du bist eine ganz tolle Mama ich bin stolz das deine Kinder dich haben.
  • #2Gerlinde (Donnerstag, 28 Mai 2020 14:30)Sehr schön, wie du in liebevoller Begleitung deine Kinder am Weg zur Schule und früher zum Kindergarten begleitet hast. – sehr schöne lustige 33 Ideen, in einigen Ideen finden wir uns auch – zum Beispiel beim beobachten der Bauarbeiten, Sammeln vieler Naturmaterialien- das ist immer was spannendes.
    Wir haben ca. 1Kilometer zum Kindergarten und legen diesen Weg soweit es vom Wetter möglich ist auch meist mit dem Fahrrad zurück.
    Erst diese Woche habe ich mit meinem 6 jährigen Sohn wieder mal alleine eine kl. Wandung gemacht – er hat es so genossen – ungeteilte Mama Zeit .

    Ein gemeinsamer Fußweg ist schon was besonders – ich werde mir diese Ideen auf jeden Fall auch für den Herbst mit nehmen, denn da gibt es dann bei uns auch unser erstes Schulkind :-)!
    Danke für deine tollen BLOG Einträge
  • #3Kerstin (Donnerstag, 28 Mai 2020 18:13)Lieber Papa, danke für die Wertschätzung! Ich hab es mit den Kindern langsam richtig schätzen gelernt, weil ich es eben aus meiner Kindheit nicht kannte – nur den Schulbus, weil wir ja weg vom Schuss lebten. Busfahren war auch manchmal lustig, aber Gehen toppt das einfach bei Weitem 😉

    Gerlinde – yay! Schön, wenn du motiviert bist, da hast du dieses schöne Wegstück ja noch vor dir!
  • #4Bianca (Donnerstag, 28 Mai 2020 20:19)Jedes mal, wenn ich deine Zeilen lese egal ob über deine Kinder, Klima etc. denk ich mir immer wieder, was für eine wahnsinns Mutter/Frau bist. Du motivierst mich immer und immer wieder. Ich bin wirklich begeister von Dir und kann vieles lernen. Dafür Dank ich dir.
9 Ideen, um flexibel zu bleiben

9 Ideen, um flexibel zu bleiben

9 Ideen, um flexibel zu bleiben

Gewohnheiten, Routinen, Alltag. Viele Dinge in unserm täglichen Leben sind wiederkehrend, wir erledigen sie auf die gleiche Weise, wir ziehen gewohnte Bahnen. 

Was für Kinder und auch Erwachsene eine wichtige und gute Grundlage für ein stabiles Lebenshaus ist, kann auch beizeiten zur Einengung werden. Der Grat zwischen Sicherheit und Einschränkung, die solche Rituale, Abläufe und Strukturen bieten, ist oft schmal. In Zeiten der Veränderung ist es wichtig und notwendig, flexibel zu sein und zu bleiben. Sich anpassen zu können, an sich verändernde Umstände. 

Das fällt uns manchmal leicht und manchmal schwerer. Die Gehirnforschung weiß, dass die „Bahnen“ die oft befahren werden, gut ausgebaut sind und das „befahren“ sich daher für uns leicht anfühlt. Wenn wir hingegen etwas Neues probieren, „rumpelt“ es manchmal ein bisschen, weil die „Bahn“ im Gehirn eben erst grade gebaut wird, oder eben noch nicht so gut befahren, wie andere, die wir schon tausende male genützt haben. Je mehr verschiedene Bahnen unser Gehirn bauen kann, desto besser. Doch die Bequemlichkeit, der innere Schweinehund oder gute alte Traditionen halten uns oft zurück, Neues zu wagen.

Nicht zu letzt deshalb versuche ich heuer schon zum wiederholten Mal jeden Monat etwas zu tun, was ich noch nie zuvor im Leben gemacht hab. 
Heute geht’s hier also einfach darum, wie du in kleinen Schritten immer neue Bahnen bauen kannst, welche (oft MINI-) Schritte du gehen kannst, damit dein Geist lernt, beweglich zu bleiben oder zu werden.

Na, hast du Lust bekommen, dich selbst ein wenig herauszufordern und flexibel zu werden wie ein Gummiringerl?
Dann schnapp dir eine der folgenden Ideen (oder mehrere) und …. los geht’s!

1. Anders gehen. Geh deinen täglichen Fußweg (wohin auch immer) einmal anders: geh 50 m rückwärts (und denk nicht an die Leute, die dich dabei sehen 😉 !), geh sie besonders schnell, besonders langsam oder hopse dabei. Letzteres ist nur für Mutige!

2. Die andere Hand. Nimm mal nicht deine „dominante“ Hand bei den alltäglichen Erledigungen: Zähne putzen, umrühren mit dem Kochlöffel, Haare bürsten, Waschmaschine einschalten … – spätestens hier wird das Prinzip mit den gut ausgebauten „Straßen“ im Gehirn klar!

3. Stell die Welt auf den Kopf. Umkehrhaltungen sind nicht nur im Yoga cool (und machen angeblich jünger??? – also, looooos!!) sondern verändern augenblicklich unsere Sicht der Dinge. Knie dich einfach hin und bring deinen Kopf (weiche Unterlage ist hilfreich) auf den Boden. Das ist eine wunderbare Erdung, übrigens, da kommt richtig Energie auf! Hände neben den Kopf zur Unterstützung und dann nach Lust und Laune den restlichen Körper über den Kopf bringen (nur so viel Gewicht, wie du angenehm empfindest!!). Wie schaut deine Welt von hier aus aus?

4. Lebensmittel. Ich glaub, die Kassiererin im Supermarkt könnte Listen anfertigen, von Produkten, die wir immer wieder kaufen. Manches davon ist aus Überzeugung und weil langjährig erprobt und beliebt gekauft, anderes aus Gewohnheit. Kauf nächstes Mal ein Produkt, dass du noch nie gegessen hast und wo du keine Ahnung hast, wie es schmeckt. Es empfiehlt sich, nicht gleich eine Großpackung zu nehmen (falls du es doch nicht magst!).

5. Neue Wege. Immer dieselbe Laufstrecke? Immer derselbe Berg beim Wandern? Immer dieselbe Spazierrunde? Überrasch dich doch mal selbst und beweg dich wohin, wo du noch nie oder schon lang nicht mehr warst!

6. Kopf hoch. Wie oft zeigt dein Kopf nach unten (zur Zeitung, dem Buch, dem Smartphone, zur Arbeit…) und wie oft am Tag zum Himmel? Schau nach oben, entspanne in der Weite deine Augen, betrachte die Wolken, die jeden Tag anders aussehen (und nie wieder genau so wie jetzt). Wer den Kopf viel „hängen lässt“, neigt eher zu Depressionen! Also: Kopf hoch!!

7. Flexibler Plan. Du gehst immer am selben Tag einkaufen? Wäscht am selben Tag die Bettwäsche? Hast einen fixen „Putztag“? Was mir ja von Grund auf unerklärlich ist, praktizieren viele Menschen scheinbar wirklich und finden diese Struktur beruhigend. Ich hab eine ganz verrückte Idee: bügle mal dienstags statt freitags. Kaufe mal montags statt donnerstags ein. Einfach so zum Spaß – und beobachte, wie sich die Äffchen in deinem Kopf darüber aufregen!!!

8. Raus aus der Blase. Wir bewegen uns oft im Alltag in einer „Blase“, hören und lesen von denselben Themen, umgeben uns mit ähnlichen Menschen, die ähnliche Meinungen und Interessen haben. Schmeiß dich mal raus aus diesem Feld. Lies mal auf einer Facebookseite der Partei, die du nicht leiden kannst. Schau dir eine Doku über Extrembergsteiger an, obwohl du wandern nicht magst. Lies ein Buch über ein Thema, dass du hasst. Versuch zu verstehen, was deine Kinder an einem bestimmten digitalen Spiel so toll finden. Und dann kannst du wieder ganz verwundert in deine eigene Bubble zurück kommen (… oder, wer weiß schon – bereichert sein!).

9. Körper über Geist. In unserer doch sehr verkopften Welt vergessen wir manchmal, wie nützlich unser Körper sein kann, wie viel Informationen er uns gibt und wie er mit uns spricht (O-Ton, Yoga Trainer!).
Wir können unseren Körper nützen um Flexibilität zu trainieren, wenn der Kopf sich schwerer tut: übe immer wieder, dich in alle möglichen Richtungen zu verbiegen: Vorbeugen, Rückbeugen, Seitbeugen, Drehbewegungen in der Wirbelsäule, Umkehrhaltungen (ach, das hatten wir ja schon…). Na, jedenfalls ist meine Überzeugung auch die: der Körper macht’s vor und der Geist macht’s nach. Es ist definitiv einen Versuch wert.

Rituale, Gewohnheiten und feste Abläufe sind oft in unserem Leben, weil der Alltag dadurch leichter, effizienter und planbarer wird – was uns ja auch gut tut. Als kreativer Kopf und jemand, dem übertriebene Ordnung sowieso irgendwie suspekt ist, liebe ich halt solche kleinen Challenges und habe auch selbst über die Jahre erlebt, was für ein Geschenk es ist, flexibel zu sein, sich selbst als handlungsfähig und selbstwirksam zu erleben und wie es mich auch weich und beweglich macht, mich auf diese Weise zu fordern. (Im Übrigen merke ich gerade, dass ich wahrscheinlich ziemlichen Yoga-Entzug hab, wenn ich mir die Ideen so lese.)

Jedenfalls wünsche ich dir viel Spaß beim „Strabag“ spielen im Gehirn und lustige, aufschlussreiche Erfahrungen. Du hast noch andere Ideen, wie wir unsere gewohnten Kreise behutsam stören können? Wunderbar, lass uns doch hier teilhaben…

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  • #1Elke Gruber-Franthall (Samstag, 11 Januar 2020 10:04)Ja liebe Kerstin, weich und geschmeidig, flexibel im Leben, das ist es finde ich… und dann macht das Leben richtig Spaß und Freude… ich bin dabei beim durch die Welt hüpfen :-))) Danke für die tollen Impulse!!!! Also wenn du jemanden durch Roitham hopsen siehst, war ich mutig :-)))))) Glg Elke
  • #2Verena Bieregger (Freitag, 17 Januar 2020 09:42)Ein wunderbarer Input 🙂 besonders freut mich, dass ich auf die Idee schon selbst gekommen bin. Ich verwende laufend die andere Hand, bei eintrainierten Tagesabläufen, oder nehme die Beine beim Bodensitz mal auf die andere Seite. Das hat auch für die Gesundheit der Wirbelsäule super Auswirkungen!
    Danke für die Anregungen, ich werde mehr davon ausprobieren! 🙂
    lg Verena
  • #3Kerstin Bamminger (Dienstag, 21 Januar 2020 11:54)Danke, ihr Lieben – ich freu mich, wenn ich euch beim Hüpfen seh oder ihr an veränderten Abläufen wachst und gedeiht ;-)! Liebe Grüße in alle Richtungen!