Meine 5 größten Fehler als Mutter

Meine 5 größten Fehler als Mutter

Diese drei. Die uns anvertraut sind. Bei denen wir möglichst alles richtig machen wollen. Sie haben auch öfter ziemlich was aushalten müssen. Weil wir als Eltern und ich als Mutter eben lang nicht perfekt waren, sind und nie sein werden. Weil wir Fehler machen und trotz besseren Wissens es oft nicht anders schaffen. Wir brauchen eine neue Fehlerkultur, einen ehrlichen Umgang mit unseren Schattenseiten um den Druck zu reduzieren. Ich fange hier an.

DAS HARDCORE PRAKTIKUM

Als ausgebildete Kleinkindpädagogin kam ich ja schon früh im Leben in Kontakt mit dem erzieherischen Optimum, mit relativ aktuellen pädagogischen Ansätzen und hatte einen soliden und guten Sockel, was die Theorie anging, schon lang bevor ich einen Kinderwunsch hatte. Ich fühlte mich fit für den Alltag mit Kindern – jedenfalls in meiner Arbeit. Und da ich ja viele jüngere Schwestern hab, war mir auch bekannt, wie es in echten Familien so zugeht. Kurzum: ich dachte, ich wär mit allen Wassern gewaschen. Selbst Eltern zu werden ist halt dann doch noch mal eine ganz andere Geschichte.
Ein Hardcore-Praktikum quasi, immer im Dienst, wenig Urlaub, kaum Pausen, keine Kohle und jederzeit volle Verantwortung und unbefristet sowieso mit schlechten Umstiegschancen
Ja, ich war gut ausgebildet und mit viel Liebe bei der Sache.
Ja, ich hatte viel Erfahrung aus meiner Familie, die auch wirklich nützlich war.
Ja, ich hatte viel Ahnung als Pädagogin.
Doch all das bewahrte mich nicht davor, Fehler zu machen. Und fünf meiner größten Fehler in der Begleitung unserer Kinder teile ich heut mit dir.

DIE LATTE TIEFER HÄNGEN

Eins ist mir noch wichtig. Ja, ich teile diese Fehler, weil ich finde, dass man auch aus den Fehlern von anderen lernen kann und daher nicht alle auch selbst machen braucht. Doch das klingt schon wieder nach mehr Druck und das Gegenteil ist mein Ansporn. Auch wenn ich Elternbildungskurse gebe, ausgebildete Pädagogin und Coach bin, mich als Expertin für familiäre Beziehungen bezeichne, bin ich mangelhaft, vergreife mich im Ton, treffe Entscheidungen, die ich bereue oder fühle mich hilflos. So wie jede Frisörin auch mal einen Bad-Hair-Day hat. Neben meiner Profession bin ich nämlich auch vor allem eins: menschlich, lebendig und unvollkommen. Vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass ich mir seeeeeeehr viele Gedanken zum Thema „Kinder begleiten“ mache.
Ich lege die Latte hiermit tiefer für alle, die meinen, dass bei uns zuhause alles wie am Schnürchen rennt.

FEHLER Nr.1: LIEBESENTZUG ANGEWENDET

Es dürften so die Kleinkindjahre der Mädels gewesen sein, die (obwohl so unfassbar entzückend) mich auch des öfteren an den Rand der Verzweiflung gebracht haben. In ihrer kindlichen Experimentierfreude gab es immer wieder Szenen, die mich rasend gemacht hatten und an eine erinnere ich mich besonders. Sie hatten ein kleines Fläschchen roten Gemüsesaft hüpfend am grünen Hochfloorteppich verschüttet und im Eifer des Gefechts auch noch recht dekorativ an Wand, Decke und Fenster verteilt. So lustig sich das jetzt vielleicht anhören mag: ich war am Ausflippen und verscheuchte sie, laut schimpfend auf die Kellerstiege (genauer gesagt, die erste Stufe unterhalb des Erdgeschosses, was noch ein freundlicher Platz ist, aber dennoch), so was wie „die stille Treppe“. Dort mussten sie ausharren, bis ich beschloss, sie wieder heraus zu lassen. Auch wenn das oft nur ein paar Minuten waren: es war falsch. Jedes unserer Kinder hat mal (oder mehrmals) dort gestanden und Liebesentzug erfahren müssen. Ich spürte schon, dass das womöglich nicht richtig ist, doch meine Hilflosigkeit, meine Wut und meine Verzweiflung waren in dem Moment einfach größer. Ich war zu keiner besseren Lösung fähig.

FEHLER Nr.2: MACHTMISSBRAUCH

Kennst du die Phase, wo Kinder glauben, einfach alles auf dieser Welt lässt sich mit Klebeband basteln oder zusammenkleben? Nun, in dieser Phase war unsere Mittlere grad, mit etwa drei Jahren. Ein später, trüber Herbstnachmittag, mehrere durchwachte Nächte mit dem jüngsten Stillkind intus und alle Nerven des Tages aufgebraucht. Sie will eine Kamera basteln aus Karton und bittet mich um Hilfe. Als ich das nicht so hinbekomme, wie sie will, eskaliert die Situation. Sie weint und schreit, weil ich das nicht hinbekomme oder schaffe, wie sie es sich wünscht. Und ich brülle zurück, dass „niemand das schafft, weil es einfach nicht geht, und ich bin Kindergärtnerin, ich weiß, wie man bastelt!“ Das sagt schon ziemlich viel aus über das Ausmaß meiner Überforderung und Müdigkeit und die Tatsache, dass sie so ein Häufchen Elend war hat mich fast noch mehr in Rage gebracht. Es war unschön, grauenhaft und einprägsam und wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Die Tochter kann sich mittlerweile nicht mehr erinnern (an mein Geschrei, wohl noch an die fantastische Kamera in ihrer Vorstellung, die es hätte werden sollen), doch der Schaden ist dennoch nicht klein zu reden. Es war psychische Gewalt, es waren Drohgebärden im Spiel, es war eine Machtdemonstration von mir an ihr. Auch wenn es nur um eine unwichtige Alltagsbastelei ging: wir müssen die unangenehmen Dinge beim Namen nennen.

FEHLER Nr.3: MANGELNDES BEWUSSTSEIN

Ein fürchterliches Geständnis zuerst. Ich hab mich tatsächlich in meiner Schulzeit nicht für alternative Pädagogik interessiert. Montessori, Fröbel, Steiner, Reggio … war mit sechzehn nicht so mein Fall, also hab ich das auch später bei der Matura geflissentlich umschifft. Schon in meinem ersten Berufsjahr allerdings holte mich das Thema ein und ich hab mittlerweile alles und mehr aufgeholt, was mich damals einfach nicht begeistern konnte.

Doch was mir und uns viel zu wenig bewusst war: welche Auswirkungen das starre Regelschulsystem auf unsere Kinder – und uns als Familie – haben würde und es war offen gestanden lang kein Thema, die Kinder in eine freie Schule zu schicken. Erst nach einigen Jahren Erfahrung in der Schule wurde dieser Wunsch riesig, ließ sich aber dann aus verschiedenen Gründen nicht mehr verwirklichen. Ich finde und erlebe immer noch – teilweise an unseren eigenen Kindern, noch mehr in der Beratung – wie das Regelsystem, wenn es rückschrittlich gelebt wird, Persönlichkeiten bricht, wie es Gewalt anwendet, wie es mit Druck und Leistungszwang jede Lernfreude zerstört und Kinder in eine Anpassung zwingt, die dem 21. Jahrhundert nicht würdig ist. Die Entscheidung, welches Schulsystem, welche Kinderbetreuungseinrichtung wir für die Kinder wählen, hätte mehr Bewusstsein gebraucht. Und mehr Mut und unbequeme Entscheidungen.

FEHLER Nr.4: SCHLAFTRAINING AUSPROBIERT

Vor siebzehn Jahren bezogen wir Eltern unser Wissen noch hauptsächlich aus Büchern. Das Internet war längst nicht so bestückt und vielfältig wie heute. Und ein Klassiker dieser Bücher war schon damals immer wieder in aller Munde: „Jedes Kind kann schlafen lernen.“ Wir waren monatelang geduldige „Einschlafbegleiter*innen“ für unser erstes Kind (obwohl dieses Wort damals keiner verwendete), doch als auch so knapp nach einem Jahr das Kind „immer noch nicht“ allein zu Bett gehen wollte („Oh Wunder!“), haben wir zwei Tage lang versucht, sie abends jeweils ein paar Minuten absichtlich weinen zu lassen, wenn sie einschlafen sollte. Nicht zuletzt, weil mehrere Mamas mir von den wunderbaren Erfolgen berichtet hatten. (Tja, heute weiß ich ja, dass nicht „das Programm“ funktioniert, sondern Kinder einfach kapitulieren müssen.) 

Jedenfalls haben wir in unserer elterlichen Erschöpfung und dem Gefühl der Aussichtslosigkeit auch versucht, die hilflose Kleine weinen zu lassen. Ich seh mich noch auf der Couch hocken, höre sie weinen und heule selbst noch mehr, weil sich einfach alles daran falsch angefühlt hat. „Man muss schon ein bisschen hart bleiben!“ hieß es, „… sonst lernen sie es ja nicht!“ 
Und ehrgeizig, wie ich war hab ich nicht gleich aufgegeben. Nach zwei Abenden war jedenfalls Schluss – denn da war mir klar: auch wenn ich nicht will, dass ich ewig zum Einschlafbegleiten verdammt bin: DAS (nämlich schreien lassen) wollte ich ganz sicher nicht. Doch auch dieses Erlebnis kann ich nicht rückgängig machen, es war gewaltvoll, rücksichtslos und verkehrt, einem wehrlosen Kind so ein Verhalten entgegen zu bringen. Auch nur für zwei Abende lang.

FEHLER Nr.5: FALSCHE SITUATIONSEINSCHÄTZUNG

Das Schlimmste kommt zum Schluss. (Danke zwischendurch, dass du bis hierher gelesen hast.)

Es war ein tiefwinterlicher Vormittag, nach dem Spaziergang zum Kindergarten (Mittlere abgeliefert) hab ich mit dem Zweijährigen Schnee geschaufelt, denn es pulverte wie verrückt. Erschöpft und glücklich kamen wir um etwa viertel nach elf ins Haus, ich bereitete schnell was zum Essen zu und dann gleich wieder los, das Kindergartenkind abholen. Der Junior sträubte sich wie wild, war er doch grad erst herein gekommen. Ich dachte: „Das Abholen geht heut schnell, die waren auch Bobfahren. Ich parke ihn vor dem TV und Mickey Mouse Wunderhaus übernimmt kurz die Aufsicht, während ich 10 min weg bin.“ Das sagte ich auch dem Junior, mahnte ihn, einfach hier zu bleiben, ich sei gleich zurück.

Du ahnst es vielleicht schon. Ich komme sieben (!!) Minuten später mit dem Kindergartenkind heim, die Haustür steht offen und kleine Fußabdrücke im Schnee führten schnurstracks weg von unserem Haus auf die Straße, wo die Spur sich verlor. Ich verfiel in Panik, schrie nach ihm, zuerst drinnen, dann draußen, rannte unkoordiniert hin und her, Tränen in den Augen, der Puls am absoluten Anschlag. Er war weg. Ohne Schuhe, ohne Jacke, raus in den Schneesturm und keine Spur von ihm so weit das Auge reichte. Als ich zu Fuß die Straße rufend nach ihm absuche, öffnet mir ein Nachbar – 80 m von uns – die Tür: „Wir haben da jemanden reingeholt!“
Schluchzend nahm ich das Kind in den Arm, bedankte mich beim Nachbarn und trug ihn wie ein Baby heim. Der Junior erzählt, er wollte im letzten Moment doch noch mitkommen zum Abholen und ist mir nachgelaufen. Obwohl außer dem ordentlichen Schock, den wir alle hatten, nix passiert ist, war es doch ein Fehler, mich auf die Zusage eines Zweieinhalbjährigen zu verlassen und die Situation so dermaßen falsch einzuschätzen. Auch er kann sich nicht erinnern an diesen Tag, die Geschichte kennt er mittlerweile auswendig, wir erzählen sie oft, wenn es heftig schneit.

WIR SIND ALLES DAZWISCHEN

Ja, manchmal wünsche ich mir, diese Dinge rückgängig machen zu können. Sie repräsentieren Schatten, schwache Seiten, Fehltritte und Mängel. Und da hin zu schauen, die Dinge beim Namen zu nennen, ist ein unangenehmes Stück Arbeit.

Ich will nicht sagen, „es hat ihnen nicht geschadet, schau sie dir doch heute an!“, denn es hat ihnen geschadet, auch wenn die Wunden jetzt verheilt sind. Es ist gut, dass Kinder und wir Menschen alle auch widerstandsfähig sind und mit ungünstigen Umständen umgehen können. Dass Kinder Eltern mit Fehlern aushalten, weil niemand von uns NUR gut ist, wir alle sind beides: gut und schlecht und vor allem: ALLES DAZWISCHEN.

Doch auch ohne es zu verharmlosen, bin ich überzeugt: ich hab daraus gelernt

  • Ich hab gelernt, dass Liebesentzug verkehrt ist und immer mehr versucht, mich in die Perspektive des Kindes hinein zu versetzten, die Welt jeden Tag ein Stück mehr mit ihren Augen zu sehen, auch wenn’s schwer ist. 
  • Ich hab gelernt, dass die Hilflosigkeit meines Kindes meine eigene Hilflosigkeit triggert, dass mich das rasend macht und ich frühzeitig aus solchen Szenen aussteigen will, um Eskalation zu vermeiden. 
  • Ich hab gelernt, dass es auch im Regelschulsystem Eltern braucht, die kritisch sind und Veränderungen anregen und wenn das der Sinn und Zweck war, warum es bei uns so gelaufen ist, dann hab ich meine Schuldigkeit jedenfalls getan. 
  • Ich hab gelernt, dass erschöpfte, müde, überlastete und gestresste Eltern selten so reagieren können, wie sie es möchten. Wenn das Großhirn aufhört zu funktionieren, gibt’s halt eher Kampf oder Flucht. 
  • Ich hab gelernt, dass Elternschaft sehr oft sehr unbequem ist und sein muss, wenn man es „gut“ machen will und dass bequeme Lösungen nur im Moment leicht sind, man dafür aber später die Rechnung präsentiert bekommt.

Ich bin Mutter, und als solche bin ich gut genug. Ich mache sehr vieles mit den Kids hervorragend und öfter auch Dinge grundlegend falsch. Ich habe nicht nur 5 sondern eher 5000 Fehler = Erfahrungen gemacht. Doch ich gehe sehr bewusst mit beiden Seiten der Medaille um. Und wo du sonst immer nur das Strahlen und Leuchten von mir siehst oder hörst oder liest, hab ich dir heute mal die Kehrseite gezeigt. Im Wissen, dass es Dinge gibt, wo wir hinschauen dürfen, sollen, müssen. Damit wir diese Welt kinderfreundlicher machen können. UND elternfreundlicher.

Mit weniger Druck und mehr Bewusstsein.
Mit weniger Gewalt und mehr Frieden.
Mit weniger Angst und mehr Vertrauen.
Dass wir diese Kinder nicht verbiegen müssen, weil sie richtig sind. Oft noch viel richtiger als wir.

Wer ohne Schuld, der werfe den ersten Stein! 😉
Nein, im Ernst: bist du mutig genug, deinen größten Fehltritt als Elternteil hier zu teilen? Ich bin gespannt, wer die Einladung annimmt …

Was uns bei Fehlern fehlt

Was uns bei Fehlern fehlt

„Ich will keinen Fehler machen!“ sagte einmal eine besorgte Mutter zu mir. Komisch, dachte ich mir. Eltern sein lernt man doch erst, wenn man Kinder bekommt, es ist noch keine Mutter vom Himmel gefallen. Wir versuchen täglich Dinge – manche funktionieren, andere nicht. 

Wie will man denn lernen, wenn man keine Fehler machen möchte? 
Gehen lernen ohne Hinfallen?
Skifahren ohne Stürzen?
Sprechen ohne ein falsches Wort?
Schule ohne einen Fehler?
Obwohl ich ihre Sorge wahrnehmen konnte sagte ich ihr, dass „keinen Fehler zu machen auch heißt, sich nicht weiterentwickeln zu wollen.“

Es ist die Bewertung, die wir Fehlern geben, die sie wirklich problematisch machen. 

Fehler sind schlecht. 
Fehler werden rot angestrichen. 
Fehler werden verheimlicht. 
Fehler sind eine Schwäche.
Fehler werden geschreddert. 
Fehler werden vertuscht. 
Fehler sind etwas Peinliches.

„Aus Fehlern wird man klug“ lautet ein altes Sprichwort, dessen Bedeutung wir in unserer Gesellschaft teilweise vergessen. Wir streben nach dem Vollkommenen, dem Perfekten, dem Optimalen und Idealen und loben uns gegenseitig ausgiebig, wenn wir diese Dinge (fast) erreichen. Es ist beinahe Kult, sich selbst, die eigenen Kinder, den Partner, die Wohnung, den Garten, den Beruf, die Freundschaften, Freizeitaktivitäten, Urlaube und Zukunftspläne einem richtigen Optimierungswahn zu unterwerfen. Alles soll makellos sein und dabei merken wir irgendwie: das geht sich alles nicht aus.

Fehler sind Erfahrungen

Leider sehen wir Fehler als etwas Falsches und Schwaches an, wir würden sie am liebsten ungeschehen machen. So schade. Denn Fehler sind nichts anderes als Erfahrungen. Genau gesagt: eine Erfahrung, die uns gefehlt hat. Ja, manchmal schmerzhaft und meistens nicht sonderlich angenehm, doch: sie bringen uns voran! Sie bieten uns die Chance, uns zu entwickeln und neue Möglichkeiten zu probieren. Jeder Fehler ist eine Gelegenheit zu lernen. 

Manche guten Pädagogen setzen das schon in der Schule um und schreiben unter ein Diktat: 20 Wörter richtig und 5 Chancen, dich zu verbessern! Das ist ein völlig anderer Blick auf die Dinge als „5 Fehler“. (Falls die Lehrperson deines Kindes das -noch- nicht macht, sag deinem Kind daheim selbst diesen Satz dazu, wenn du es dir ansiehst!“).

Es braucht Ehrlichkeit

Zwischen Müttern entsteht leider oft großer Druck, weil wir uns ständig miteinander vergleichen und dann bewerten, obwohl wir alle in verschiedenen und individuellen Lebenssituationen sind. Manche Mütter bekommen viel Unterstützung vom Umfeld, andere sind völlig auf sich gestellt oder wollen alles allein schaffen. Es gibt Mütter, die in vielen Bereichen sehr hohe Ansprüche haben (sinnvolle Beschäftigung, gesunde, selbstgekochte Nahrung, aufmerksame Pflege, reflektierter Umgang mit den Kindern) und andere, die recht sorglos ihre Elternschaft leben. Die Unterschiedlichkeit der Kinder mit ihren jeweiligen Temperamenten spielt hier auch eine große Rolle und beeinflusst unseren Alltag. 

Durch diesen Dschungel kommen wir nicht, ohne Fehler zu machen, eine falsche Abzweigung zu erwischen, gegen eine Wand zu laufen, verletzt zu werden oder die Orientierung zu verlieren. 

Es ist nicht die immer aufregende Safari mit stets neuen und schönen Entdeckungen und berauschenden Eindrücken, die uns fasziniert das Wunder des Lebens bestaunen lässt. Statt diese Reise des Elternseins immer schön zu reden sollten wir eine freundlichere Fehlerkultur entwickeln.

Ja, ich hab meine Kinder angeschrien.
Ja, ich hab ihnen Tiefkühlpizza gemacht.
Ja, ich hab sie mit einem Eis erpresst.
Ja, ich hab ihn eine Stunde vor dem Bildschirm geparkt.
Ja, ich hab heut gedroht, das Spielzeug wegzunehmen, wenn es nicht aufgeräumt wird.

Eltern sein ist schwierig, besonders, wenn man von sich selbst so viel erwartet. Wir spüren, wie mühsam es ist, Säuglinge zu begleiten, monatelang nicht durchzuschlafen, wie viel Energie die Beziehungsarbeit fordert und wie anstrengend es ist, so viele Bedürfnisse zu balancieren. Wir haben unsere Zweifel, ob wir auch gut genug sind, wir schaffen es nicht allein, wir brauchen Hilfe und Unterstützung von Partnern, Familie und Gesellschaft. Es ist ein vielseitiger Job, der unendlich viele Qualitäten erfordert und besonders beim ersten Kind machen wir das zum ersten Mal.

Wir alle machen Fehler. Wir alle scheitern. Mit dem Scheitern werden wir ge-scheiter, genau so wie Fehler uns wachsen lassen und reifen. Sie bieten die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen und uns zu entwickeln. Auch wenn sie manchmal schmerzhaft sind und Narben hinterlassen sollen und dürfen wir dennoch dankbar sein dafür. Wenn wir uns dann auch noch gegenseitig von unseren größten Fehlern, ääähm, Erfahrungen offen erzählen können, können wir miteinander wachsen. Machen wir uns menschlich.

Und für alles, wo wir wirklich das Gefühl haben, etwas verbockt zu haben, gibt es die Möglichkeit sich zu entschuldigen, zu sagen: 

Es tut mir Leid. 
Ich nehme mir die Erfahrung mit. 
Ich lerne daraus und entwickle mich weiter.
Für dich und für mich. Und für diese Gesellschaft.


Wenn ich mein Leben noch einmal Leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen.
Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.

Marlene Dietrich


Welchen Fehler hast du gemacht, aus dem du viel gelernt hast? Lasst uns anfangen, ehrlich zu sein!

Kommentar schreibenKommentare: 1

  • #1Elke Gruber Franthall (Freitag, 06 September 2019 14:35)Toller Beitrag Kerstin!!�! Wie war wie war!!! Ich oute mich��
    Bei deinem Vortrag in Roitham im November wär das auch super zu erwähnen (falls du es nicht ohnehin machst �) Glg und einen schönen Schulstart, Elke
  • #2