MEINE 3 G … für eine gute Zukunft

MEINE 3 G … für eine gute Zukunft

Spürst du es auch? Dieses Aufatmen? Die Freude darüber, dass nun wieder aufgesperrt wird und wir ein Stück des “alten Lebens” zurück bekommen? Warum ich trotz der Erleichterung so meine Bedenken hab und welche Werte und Eigenschaften ich statt der drei ominösen “Gs” wirklich möchte, darum geht’s in diesem Beitrag.

GESUND, GLÜCKLICH & GENERALVERDÄCHTIG

Es ist momentan fast unmöglich, nicht auf die neue “3G” Regel aufmerksam gemacht zu werden. Da brauch ich nicht mal einen Radio oder Fernseher aufdrehen oder eine Zeitung lesen. Ganz gleich ob Vereine, Gaststätten oder sonstiges Freizeitprogramm: teilnehmen darf nur, wer eins der drei berühmten “G”s erfüllt – alle anderen sind zwar vielleicht gesund und glücklich aber generalverdächtig.

ALLES FÜR EIN BISSCHEN FREIHEIT

Es stimmt mich bedenklich, dass wir gesellschaftlich in einer Situation angekommen sind, in der ich als Mensch grundsätzlich als gefährlich eingestuft werde, als potentiell krankmachend und als Gesundheitsrisiko. Wenn und so lang ich nicht das Gegenteil beweisen kann. Für den zwischenmenschlichen Umgang ist das – meiner Meinung nach – eine Katastrophe. Nur freuen wir uns gerade so sehr über die “wiedergegebene” Freiheit, dass viele von uns fast alles tun würden, um diese auch genießen zu können. Und gar nicht so wenige tun das auch tatsächlich, obwohl sie die eine oder andere Bestimmung fragwürdig und oder bescheuert finden. So mürbe sind wir von den vergangenen Monaten und den Umständen geworden.

GLIMPFLICH, GEWALTSAM, GEFÄHRLICH?

Ich bin ja keine Juristin, aber gestehen wir nicht gewisse Rechte sogar Straftätern, Verbrechern und Mördern zu? Lautet ein juristischer Grundsatz nicht: “in dubio pro reo” – im Zweifel für den Angeklagten? In Gesundheitsfragen heißt es neuerdings scheinbar: im Zweifelsfall bist du krank, außer du beweist das Gegenteil. Ich muss sagen, dass das schon sehr seltsam klingt, wenn man sich das auf der Zunge zergehen lässt. Wie wird sich das auf unser Zusammenleben auswirken, wie wird das unsere menschlichen Beziehungen beeinflussen, wenn wir unreflektiert auf diesem Weg weiter gehen? Glimpflich? Gewaltsam? Gefährlich?

RECHTE UND PFLICHTEN MIT SINN

Bisher war mein Verständnis von erwachsener Verantwortung recht eindeutig. Ich habe als Mensch in diesem Land gewisse Pflichten. Für ein gelingendes Miteinander halte ich mich an Regeln und Gesetze und auch wenn ich nicht immer im Detail weiß, was geltendes Recht ist, kommt mir das meiste sinnvoll vor. Zu schnell fahren ist gefährlich. Einen Einkauf nicht zu bezahlen wäre Diebstahl. Menschen aufgrund von Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung oder Ähnlichem auszugrenzen, wäre unfair und diskriminierend. 

GLEICHER, GLÄSERN, GESETZLICH

Mit der Sinnhaftigkeit der Pandemiebestimmungen hab ich in letzter Zeit so meine Probleme, wenn ich ehrlich bin. Vielleicht reicht mein Horizont nicht aus. Möglicherweise sind die Macher der neuen Gesetze einfach klüger und haben Wissen und Daten, die mir fehlen. Doch so ganz kapier ich wohl nie, warum negativ getestete Schauspieler oder Fußballprofis ohne Maske arbeiten dürfen und meine Kinder den ganzen Schultag vermummt sind und zu wenig Luft bekommen dürfen (um nur ein Beispiel zu nennen). Dass Einige anscheinend gleicher sind als gleich, ist zwar nicht neu – doch zur Zeit gibt es eine besonders eindrucksvolle Demonstration zu erleben. Ich mache mir Sorgen, wie sich solch ungerechte Behandlungen und die Zusammenführung sensibelster Daten auf uns Menschen und unser Leben auswirken. 

  • Können wir uns einander weiter oder wieder unbeschwert begegnen?
  • Können wir uns gegenseitig die Freiheit geben, individuelle Entscheidungen über unseren Körper zu treffen?
  • Können wir respektieren, wenn jemand andere Wege geht, die für uns unsinnig erscheinen?
  • Können wir zurückfinden zur Leichtigkeit und dem Vertrauen ins Leben?
  • Können wir dabei gleichzeitig achtsam mit den Ängsten anderer bleiben?
  • Können wir sicher sein, dass Gesetze absolut verantwortungsvoll und zu unserem Wohl gemacht werden?

CHEMIE, WATTESTÄBCHEN & SONDERMÜLL

Eins ist sicher: wir werden miteinander auskommen müssen. Weil wir einerseits soziale Wesen sind und dazugehören wollen und andererseits nur gemeinsam wachsen und die Herausforderungen der Zukunft stemmen können. Wenn wir langfristig gesund bleiben wollen (und nicht nur Corona-negativ) dann braucht es mehr als ein bisserl Chemie, Wattestäbchen und eine Zettelwirtschaft, in sehr viel Sondermüll verpackt. Denn Gesundheit ist immer noch und war immer schon mehr, als das Fehlen von (einer bestimmten) Krankheit.

3Gs, DIE ICH MIR WÜNSCHE

So wünsche ich mir und dir und jedem Menschen dieser Welt die Freiheit, den eigenen Körper als geschützten Raum zur Verfügung zu haben. Ganz ohne Einschränkungen und Auswirkungen für das gemeinschaftliche Leben. Ich wünsche mir die Achtung der körperlichen Integrität und Unversehrtheit zu jeder Zeit auf diesem Planeten. Und ich wünsche mir, dass wir uns folgende drei G’s dick auf unsere gesellschaftlichen Fahnen heften: gleichwürdig, gemeinschaftlich und großherzig.

Welche 3 positiven “Gs” wünscht du dir für unsere Gesellschaft und zwischenmenschliche Beziehungen? Tipp: man kann “Adjektive mit g” googeln 😉 … such dir was schönes aus!

3 Punkte für das Leben

3 Punkte für das Leben

Erstens kommt es anders. Und zweitens als man denkt. Das hat uns dieses Jahr 2020 wohl jedenfalls gelernt. Und trotzdem schallt es von überall: “Kontrolle zurückgewinnen”, als wäre das Leben ein einfacher Bauplan, den man stupide befolgen muss.

3 Punkte, warum ich gar keine Kontrolle haben will und welcher Teil von mir sich freut, wenn uns das Leben überlistet, liest du heute hier.

DER MONK IN UNS

Ordnung ist das halbe Leben. Wer in Jogginghose herum läuft, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Man braucht einen Plan. Sätze wie diese kennt wohl jeder von uns in solcher oder ähnlicher Form, und sie machen uns glauben, es – und zwar ALLES – liege in unserer Hand.

Wenn wir stets alle Regeln befolgen, wenn wir Checklisten schreiben, uns einfach mal richtig anstrengen, akribisch vorausplanen, Termine ineinander schachteln oder Zeitpläne erstellen, blüht das organisatorische Herz auf. Wir fühlen uns gut, weil wir bestimmen können, es ist angenehm, zu wissen, was morgen, übermorgen und irgendwann ist oder eintreffen wird und wir bekommen Orientierung im Alltag.

Der kleine Monk in uns macht Luftsprünge.

HERR UND FRAU DER LAGE

Wenn Dinge dann wie geplant ablaufen, wenn Termine wie gewünscht stattfinden, wir die ersehnten Freundinnen treffen, Urlaub machen, Veranstaltungen besuchen können, wenn wir unsere To-Dos in der geschätzten Zeit erledigt haben, das Geld der Firma rechtzeitig am Konto eintrudelt und wir uns auf die Annehmlichkeiten des täglichen Lebens verlassen können, dann haben wir auch das Gefühl: wir haben alles im Griff. Wir bringen es auf die Reihe. Wir sind Herr oder Frau der Lage. Doch es ist eine trügerische Illusion.

DIE UNVORHERSEHBARKEIT DES LEBENS

Denn längst ist nicht alles kontrollierbar, planbar und unserem Willen unterlegen, auch wenn wir uns noch so anstrengen. Ich hab das zum Beispiel besonders gut gelernt, als ich bei allen drei Kindern weit über den errechneten Geburtstermin hinaus auf das Baby gewartet hab. Wenn ich es super-eilig hatte und dann an der Supermarktkassa wieder die langsamste und längste Schlange erwischte. Als sich unser jüngstes Kind in die Familie eingeladen hat, ohne vorher zu Fragen (Der war damals schon ein Wesen mit starkem Willen!). Wenn liebe Menschen viel zu Früh aus dem Leben schieden und andere gefühlt ewig nicht “gehen durften”. Die Unvorhersehbarkeit des Lebens ist nicht immer, aber oft eine leidvolle Angelegenheit.

Warum ich dennoch niemals absolute Kontrolle über mein Leben haben möchte, kann ich recht gut in drei Punkten zusammenfassen. 

PUNKT 1: ICH LIEBE ÜBERRASCHUNGEN

Egal wie, was, wann oder wo: ich mag gern, wenn ich vom Leben überrascht werde. Eine Freundin, die unangekündigt vor der Tür steht, ein nettes Gespräch am Parkplatz mit einer lieben Bekannten, eine Weihnachtskarte mit der ich nicht gerechnet hab, schöne Blumen von meinem Mann, einfach so (Schatz, das ist kein Wink mit dem Zaunpfahl.), weil Valentinstag kann jeder. Nur kurz bei Freunden reingehen und dann bis früh morgens versumpfen. Am Berg plötzlich vom nächsten Gipfel wunderbaren, mehrstimmigen Gesang hören. Kannste nicht planen.

Ein Leben unter absoluter Kontrolle würde für mich heißen, dass jede Spontanität verloren geht und da ist mir ein bisschen Chaos allemal lieber.

PUNKT 2: KEINE FEHLER, KEINE ENTWICKLUNG

Super Kontrolle würde heißen, dass wir keine Fehler mehr machen, denn: wer plant denn schon ein, den falschen Treibstoff zu tanken, einen wichtigen Termin zu vergessen oder beim Geschenke einpacken vom Kind erwischt zu werden. Kein Kind würde mehr ungeplant geboren werden, Haustiere würden nicht überfahren werden, und auch Ibiza würde heute noch immer einfach eine Partyinsel für uns Österreicherinnen sein. Auch wenn das oft mit unangenehmen Folgen zusammenhängt ist es doch so (und wer mich kennt, weiß das vermutlich schon): jeder Fehler ist eine ERFAHRUNG. Erfahrungen lassen uns wachsen und reifen, sie lernen uns was über das Leben und wenn wir nur ein bisschen wollen, merken wir, das Leben führt uns. Und nicht umgekehrt.

PUNKT 3: FREIHEIT ÜBER SICHERHEIT

Kontrolle hat (nicht nur in Bezug auf kleine, fiese Viren) immer auch mit der Einschränkung von Freiheit zu tun. Weil Kontrolle uns vor allem eins geben soll und kann: Sicherheit. Doch Abläufe, Dinge oder Menschen kontrollieren zu wollen kann auch sehr schnell zwanghaft werden und wer Mr. Monk kennt, der weiß, dass zwanghaftes Verhalten gar nicht gut ist. Egal wen es betrifft. Es handelt sich um eine psychische Erkrankung, etwas, das viel Leid schafft für die Betroffenen. Ja, oft haben wir ein angenehmes Gefühl, wenn Dinge wie am Schnürchen klappen, wenn alles hinhaut und funktioniert. Doch das geht nur, wenn das Leben mitspielt und das Leben – DAS haben wir nicht in der Hand. “Wer die Freiheit riskiert um Sicherheit zu erreichen, wird letztlich beides verlieren”, lautet ein bekanntes Zitat von Benjamin Franklin. Ich übersetze das für mich: lieber etwas Unsicherheit haben als völlige Kontrolle.

IRGENDWAS DAZWISCHEN

Es gibt zu diesen Themen wahrscheinlich so viele Meinungen wie Sandkörner am Strand. Weil es auch mit uns Menschen in unserer Unterschiedlichkeit zu tun hat, wie wir damit umgehen können. Ja, die Natur mag uns wild und ungezähmt erscheinen, zumindest noch mancherorts, doch in jeder Zelle herrscht peinliche Ordnung, denn wenn diese Ordnung verloren geht, nennt man das zum Beispiel Krebs. Wir brauchen ein Zwischending

… zwischen perfektem Plan und überraschendem Zufall,
zwischen tollpatschigem Stümpern und hochwissenschaftlichem Fortschritt,
zwischen grenzenloser Freiheit und zwanghafter Sicherheit

Und vor allem täte uns, glaub ich, ein bisschen Demut vor dem Leben gut. 
Die Überzeugung, dass wir nicht alles kontrollieren werden und müssen. 
Und vor allem die Freiheit, andere Meinungen zu hören, zu respektieren und darüber zu reden.

Über das Verbindende. Bei so viel Trennendem, das wir gerade erleben.

Abschlussfrage: Wo siehst du dich, in einer Zahl zwischen 1 und 10 gesprochen?
Wenn 0 “Zwanghafte Kontrolle” bedeutet und 10 “Absolutes Vertrauen”…. schreib einfach die Zahl in die Kommentare 😉


Es fällt dir schwer, Kontrolle abzugeben und Vertrauen ins Leben? 
Das hat oft mit persönlichen Ängsten zu tun und Ängste sind eins meiner Lieblingsfelder in der Beratung.
Lass uns deiner Angst gemeinsam zu Leibe rücken!

Termin jetzt vereinbaren!

Kommentar schreibenKommentare: 6

  • #1Jolanda (Freitag, 18 Dezember 2020 13:59)8-10 je nach Stimmung �

    Ich habe einmal folgenden Spruch gelesen:
    Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähl ihm von deinen Plänen. (Sufi Weisheit)

    Und nach diesem turbulenten, chaotischen und doch wieder schönen Jahr, bekommt dieser Spruch für unsere Familie, eine ganz besondere Bedeutung ❤️
  • #2Judith St. aus Edt/Lambach (Freitag, 18 Dezember 2020 14:55)Ich sehe mich mittendrinnen…
    Bin gern selbsr organisiert und es macht mich verrückt, wenn mein direktes Umfeld dies komplett gegensätzlich lebt �… hier darf ich noch einiges an Toleranz lernen…

    Toller Text Kerstin – wie immer aus dem Leben gegriffen! ❤️
  • #3John Lennon � (Freitag, 18 Dezember 2020 16:27)You may say I’m a dreamer, but I’m not the only 10
  • #4Tina (Freitag, 18 Dezember 2020 16:41)Liebe Kerstin, da schreibe ich mühsam einen holprigen Text an mein Team zum Jahresschluss und dann kommt dein Bloeintrag und spricht mir ganz aus Herz, Hirn und Seele….. ich hoffe ich darf diese tollen Worte weitergeben und natürlich deinen Namen darunterschreiben…viele vom Team kennen dich ja 😉
    Ich habe soooo viel gelernt in diesem Jahr, nämlich genausoviel wie in den Jahren davor auch 😉
    Ach ja, 7 🙂
    Und mein Wort des Jahres ist “Team“ und hat ganz viel mit C…… zu tun, aber doch wieder auch nicht.
    DANKE für deine Worte und Gedanken die du teilst!!!
  • #5Kerstin Bamminger (maybe Yoko Ono) (Samstag, 19 Dezember 2020 15:25)@Jolanda: ich lieb diesen Spruch auch! Alles Liebe dir und deiner Familie!

    @Judith: wir lernen nie aus, und das Leben serviert uns halt Menschen und Möglichkeiten, die das entstehen lassen – auch wenn wir es oft mies finden.

    @John Lennon – what an honor to have you here …. 😉
    I hope some day most people join us … and the world will live as one. 🙂

    @Tina: schön, wenn ich dich mit meinen Worten berührt hab – ich find 7 super 😉 Lg an das Team, ich freu mich, dass du den Text weiter gibst!!
  • #6xx (Samstag, 19 Dezember 2020 19:53)3
  • #7