Mental Load – eine Ladung Gedanken

Mental Load – eine Ladung Gedanken

Eine Ladung Gedanken.

An die Musikstunde des Kindes denken. Noch Brot holen, das ist schon wieder aus. Schauen, ob das Kind auch halbwegs die Schulsachen beisammen hat. Die Englisch Vokabel bei der Mittleren prüfen. Sieben Euro für den Werkunterricht bereitlegen. Die Große zur Freundin chauffieren. Waschpulver kaufen und – hab ich schon die Zahnarzttermine vereinbart?
Gedanken, die sich vor allem Mütter machen, die Schaltzentralen in Familien. Was das Schwierige daran ist und welche drei kleinen Lösungsgedanken ich für dich hab.

EINE LADUNG GEDANKEN

Im Kopf einer Mutter ist es kaum einmal still, das Rattern der Gedanken fängt oft beim ersten Augenaufschlag an und geht weiter, bis abends die Lider wieder runterklappen. Es ist kein Full-Time-Job, sondern weit mehr als das. Und selbst wenn die Hände mal ruhen, gehen die Gedanken immer noch im Kreis, weil sich zu viele To-Dos oben tummeln und die Kommandozentrale einer Familie so gut wie nie geschlossen hat. Das ist gemeint, wenn man von Mental Load spricht, der mentalen Last, der Ladung Gedanken, die Frauen täglich tragen und die einen beizeiten fertig machen kann.

WO DIE FÄDEN ZUSAMMENLAUFEN

Auch, wenn ich Familienmitglieder hab, die mittlerweile wissen, dass wir kein Hotel sind, sondern eine Wohngemeinschaft und auch wenn sie relativ bereitwillig ihre Tätigkeiten übernehmen, ist es immer noch zu gefühlten 95% so, dass die Aufgabe vorher in meinem Kopf schwirrt und ich sie jemandem delegiere, bevor ich innerlich ein Hakerl machen kann. Es geht also weniger darum, alles oder so vieles selbst zu machen, es geht darum, dass bei den Frauen oft (nicht zuletzt wegen der einfacheren Verfügbarkeit) alle Fäden zusammenlaufen und dieser Wollknäuel allein schon aufs Gemüt drücken kann, bevor man irgendeine Tätigkeit auch wirklich angeht. 

VON SELBST GEHT GAR NIX

Ich nenne gern noch ein Beispiel, um das zu untermalen. Wenn Männer (oder Kinder) den Einkauf übernehmen, dann gibt es eine Liste und mit ziemlicher Sicherheit kommt kein Ding mehr (oder weniger) mit nach Hause als da drauf steht. Wenn ich selbst durch die Regale flitze, sehe ich das Mehl und denke – “Oh, da haben wir nur noch ein Kilo” und im Vorbeigehen nehm ich noch Salz mit und eine Flasche Spülmittel, das wird auch schön langsam alle. Das ist kein Vorwurf sondern eine schlichte Tatsache und es ist eine kniffelige Aufgabe, hier für mehr Gerechtigkeit und Ebenbürtigkeit zu sorgen. Selbst, wenn die (minderjährigen) Mitbewohner gewillt sind – von selbst geht meistens gar nix.

3 HOFFENTLICH HILFREICHE GEDANKEN

“Als Mann teilt man mit. Als Frau suchst du an”, sagt meine Freundin Verena gern durchaus genervt, wenn es um die Betreuungsübernahme der Kinder für den bevorstehenden Mädelsabend oder Stammtisch geht. So weit, so ungerecht.

Wie rückt man diesem Thema nun zu Leibe? Da ich nicht mehr darüber rede, ob das wirklich so anstrengend ist, das Alltagsmanagement einer Familie über zu haben (weil das einfach Fakt ist), bin ich auf der Suche nach Lösungen, wie man sich im Strudel der familiären Arbeitsfelder mehr Leichtigkeit schaffen kann.
3 hoffentlich hilfreiche Gedanken dazu:


#1: ANSPRECHEN UND AUSSPRECHEN STATT ANNEHMEN

Ja, zunächst ist es wichtig, das aus zu sprechen. Viele Menschen wissen überhaupt nicht, was man damit meint, wenn man von Mental Load spricht. Es ist das Gefühl (oder die Tatsache) sich um alles kümmern zu müssen und auch wenn es sich dabei um Kleinigkeiten handelt, macht eben die Dosis das Gift. Während der Arbeit an die Mathezetteln des Kindes zu denken. Während dem Frühstück sich Gedanken ums Mittagessen zu machen. Während dem Taxifahren geschickte Arbeitsabläufe im Kopf zu erstellen. Es braucht ein größeres Bewusstsein für diese gedankliche Arbeit, wir dürfen aussprechen und ansprechen, was sich alles an Aufgaben anhäuft und dann geht es an den wirklich kniffligen Teil: sich ebenbürtig an diese To-Dos herantasten. Was das Einkaufen betrifft, gibt es hier seit etwa einem Jahr eine App (“Bring!”), in die alle Familienmitglieder eintragen können, was sie als “fehlend” bemerken. Somit hat sich zumindest das Einkaufen auf Zuruf “Mama, die Milch ist aus!” drastisch reduziert. Wer das gewünschte Lebensmittel nicht aufschreibt bzw. eintippt, hat kaum Chancen, dass es nach Haus kommt. Die Verantwortung liegt nicht mehr bei mir allein. Dafür laufen wir wie die Irren im Supermarkt alle mit Handy rum und aktualisieren die Liste.

#2: KEINE AUSREDEN MEHR

Das scheitert ganz oft nicht am guten Willen der beteiligten Erwachsenen, sondern auch an der Tatsache, dass Frauen noch immer so viel mehr von der unbezahlten Care-Arbeit leisten, weil es schlichtweg eine wirtschaftliche Entscheidung ist, und sich die Frage: “Wer sorgt für die Erwerbsarbeit?” einfach nicht stellt, wenn der Mann eineinhalb mal so viel verdient im Job. So rutschen Frauen in diese Kümmerrolle und haben dann die Not in Dosen. Spätestens, wenn sie selbst wieder erwerbstätig (auch mit “nur” so wenig Stunden) sind und die anderen Dinge wie Carearbeit und Haushalt weiterlaufen wie gewohnt.
 Das Mühsame ist: niemand außer uns wird Interesse daran haben, an diesem Umstand etwas zu ändern (weil, bequem ist es ja für die anderen) und so bleibt auch das Aufdecken, Anstupsen und Anregen wieder bei uns hängen. Also:

  • es ist gut und wichtig, darüber zu reden.
  • Es ist gut und wichtig, dafür Bewusstsein zu schaffen.
  • Und es ist gut und wichtig, für gerechtere Verteilung zu sorgen.

Weil alles, wofür man keine primären Geschlechtsteile braucht, genau so gut von einem Mann erledigt werden kann wie von einer Frau. Oder von einem Kind, wenn es eine altersgerechte Tätigkeit ist. Es gibt also keine Ausreden mehr von geschlechtswegen, etwas nicht tun zu können, das ist einfach Blödsinn. Das gehört deutlich gesagt. Tut mir Leid, liebe Männer – ich weiß, die Nachricht ist bitter.

#3: ÜBERNEHMEN STATT HELFEN

Ich achte seit vielen Monaten darauf, wie oft mir das Wort “helfen” über die Lippen kommt, wenn es um Tätigkeiten geht. Immer öfter gelingt es mir, “helfen” einzutauschen und stattdessen das Wort “übernehmen” zu verwenden, weil “helfen” impliziert, dass es eigentlich meine Aufgabe ist und mir jemand dabei was abnimmt. Wenn ich von übernehmen spreche, ist für mich gefühlt klarer, dass die Aufgabe zu erledigen ist und sie im Ursprung überhaupt nie zugeteilt war. Das ermöglicht, dass wir uns durch Sprache weniger Verantwortung auftürmen, als wir ohnehin tragen. Weil, du ahnst es schon: Sprache Realität schafft und es einfach einen Unterschied macht, was wir wie sagen. Auch Kinder können und dürfen früh eingebunden werden in den Bereich der Hausarbeit, nur so kann es irgendwann selbstverständlich werden, den eigenen Teil zum Gelingen einer Familie beizutragen und unsere mentale Last zu erleichtern.

DAS HABEN WIR DAVON!

Was haben wir und vor allem die Anderen davon, sich in diesen Belangen eine neue Umgangsweise zuzulegen? Nun, unsere Vorteile liegen auf der Hand.
Doch auch unsere (minderjährigen) Mitbewohner können davon profitieren und lernen, nämlich dass …

… es miteinander leichter geht.
… es gemeinsam oder nebeneinander lustiger ist.
… jeder Verantwortung für das Gelingen des großen Ganzen trägt.
… jeder wichtig ist und ein wertvoller Teil der Familie.
… alle gehört werden und sich einbringen dürfen.
… uns Zuschreibungen und Rollenklischees immer einengen, egal welches Geschlecht.
… wir die Freiheit haben, Aufgaben so zu verteilen, wie wir es individuell für gut befinden.
… demokratische Prozesse anstrengend sein können, aber wichtig sind.
… die Stimmung sich deutlich verbessert, wenn man auf Augenhöhe agiert.

Am Montag begehen wir den internationalen Frauentag. Es wäre schön, sagen zu können: “Das brauchen wir doch nicht mehr!”, doch es ist nicht so. Immer noch gibt es zu viele haarsträubende Ungerechtigkeiten, immer noch gibt es zu viele fixe und klischeehafte Rollenbilder und immer noch ist die Aufteilung von Arbeit (geschweige denn, deren Bezahlung) ungerecht verteilt.

Also wiederhole ich gern einen Absatz aus einem Instagram-Beitrag vom letzen Jahr: nehmt diesen Tag und FEIERT:

Jede Pionierin,
jede Mutter,
jede Rebellin,
jede Mentorin,
jede Unterstützen,
jede Legende,
jede Heldin,
jede Kämpferin,
jede Schwester,
jede Freundin,
jede Feministin

und denkt daran, DANKE zu sagen, wenn ihr schon mal ihre Unterstützung von ihr erfahren habt!

Kommentar schreibenKommentare: 2

  • #1Verena (Samstag, 06 März 2021 08:21)Liebe Kerstin!
    Welch wahre Worte…und wie passend zum kommenden Welt-Frauen-Tag! Danke fürs Verschriftlichen, das dir wie immer hervorragend gelungen ist und DANKE fürs Bewusstseinschaffen!!
FEMINISMUS: 10 Fragen & Antworten

FEMINISMUS: 10 Fragen & Antworten

Im Februar diesen Jahres hat mich eine Schülerin der Abschlussklasse der Fachschule Kleinraming gebeten, sie bei ihrer Facharbeit zum Thema Feminismus und Frauenrechte zu unterstützen und Fragen zu beantworten. Ich war natürlich gleich “on fire” – erstens, weil ich gerne junge Frauen unterstütze (wie auch immer) und zweitens, weil mich das Thema begeistert. 

Lena hat mir die Fragen geschickt und mit ihrer Erlaubnis teile ich hier und heute meine Antworten mit meiner Leserschaft.

Liebe Lena, ich wünsch dir übrigens alles Gute für dein Ausbildungsfinale und

dass deine Arbeit bei deiner Lehrerin Fr. König-Felleitner, die mich empfohlen hat,

gut ankommt. Ich drück dir die Daumen! Du wirst das rocken!!!


“If you stand for equality, you’re a feminist. That’s it.” (Emma Watson)


1. Bezeichnen Sie sich als Feministin, wenn ja – warum?

Ja, ich bezeichne mich (mittlerweile) gern als Feministin. Beim Feminismus geht es um Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung aller Menschen und nicht etwa (wie manche Menschen glauben) um Männerfeindlichkeit oder Frauenbevorzugung. Insofern sehe ich keinen Grund mich nicht als Feministin zu bezeichnen, denn die oben genannten Werte sind Grundpfeiler einer gesunden Persönlichkeit. Früher war es für mich auch eher ein “Schimpfwort”.

2. Warum brauchen wir im Jahr 2020 Feminismus?



Eben weil es immer noch geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, wie ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, weil Frauen in vielen Bereichen des Lebens unterrepräsentiert sind (nicht nur in den Führungsetagen des Landes) und besonders, weil so viel hochwertige Arbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird, die sogenannte Care-Arbeit, unbezahlt und daher auch zu wenig wertgeschätzt und gewürdigt wird – von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 

3. Wo herrscht zwischen Frauen und Männer noch am wenigsten Gleichberechtigung?

In der Bezahlung von Arbeit. Und hier meine ich eben nicht nur Erwerbsarbeit, sondern auch und besonders Care-Arbeit. Leider sind zudem sogenannte typische Frauenberufe generell schlechter bezahlt als sogenannte typische Männerberufe, was weitreichende Auswirkungen hat in Bezug auf bezeichnende Lebensentscheidungen – besonders was Familien und die Aufteilung von Arbeit dort betrifft.


Auch sprachlich gehöre ich zu denen, die penibel darauf achten, korrekt zu sprechen. Ich sag bewusst nicht “gendern”, weil das so einen negativen Touch hat!

Wenn meine Ärztin eine Frau ist, sage ich niemals “zum Doktor gehen”. Es ist schlicht und einfach falsch und hemmt uns im gleichwürdigen Denken! Sprache ist Macht und diese Macht darf genützt werden!
Ich könnte jetzt noch schreiben über weibliche Hauptrollen, wieviel Text Frauen in Hollywood Blockbustern bekommen, welche Rollen Mädchen schon in der Kinder- und Jugendliteratur einnehmen oder über die von Social Media und Co salonfähig gemachten Posen sprechen, die Mädchen einnehmen sollen, damit sie “für Jungs süß” rüberkommen. An dieser Stelle würde die Antwort wahrscheinlich in eine Doktorarbeit münden und mein Nervenkostüm überstrapazieren.

4. Finden Sie dass Feminismus männerfeindlich ist?

Was kann an Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Gleichwürdigkeit von beiden Geschlechtern männerfeindlich sein? Ich weiß schon, dass man Feminismus gerne in diese Ecke rückt – und offen gestanden gibt es auch Persönlichkeiten, die sich männerfeindlich verhalten, doch das hat nichts mehr mit Feminismus zu tun!
 Es braucht die Erkenntnis, dass Männer Stärken haben und Frauen Stärken haben, die GEMEINSAM dazu beitragen können, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Natürlich fühlen sich manche Männer nun bedroht, weil sie eine recht bequeme Position – die des bestimmenden Patriarchen – aufgeben sollen. Echte Männer – nämlich welche, die keine Minderwertigkeitskomplexe haben – kommen mit starken Frauen wunderbar klar.

5. Welche/r Politiker/in wäre für Sie in der Lage wirkliche Veränderungen für Frauen und Mädchen weltweit zu bewirken? Wer sollte mehr Einsatz zeigen?


Das ist eine schwierige Frage, da wir hier in Mitteleuropa diesbezüglich in einer vergleichsweise heilen Welt leben. Ich glaube, dass beispielsweise Michelle Obama sich sehr für Bildung und Chancen von Mädchen weltweit einsetzt und da ist sie bestimmt nicht die Einzige.

Ich schätze unseren Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen, der bei erster Gelegenheit eine Frau als Kanzlerin und ein geschlechtermäßig ausgewogenes Kabinett installiert hat, wenn auch nur als Übergangslösung. Und ich vermute, dass es noch viele andere Personen in politischen Ämtern gibt, die sich ähnlich bemühen – mir aber hier und jetzt nicht einfallen oder bekannt sind. Ich finde immer schade, wenn sich Frauen in Führungspositionen oder aus dem öffentlichen Leben angewöhnt haben wie Männer zu funktionieren anstatt sich auf ihre eigenen Talente zu besinnen. Und wenn solche Frauen dann auch noch ihre enorme Präsenz in den Medien nutzen um andere Frauen zu diskreditieren, bekomme ich alle Zustände vor lauter Enttäuschung.

6. Was verändern Sie als Feministin in unserer Welt?


Ich bemühe mich, jegliche gelernten oder unbewusst überlieferten Bilder von Geschlechtlichkeit bei meinen Kindern zu vermeiden. Keine Mädchenfarben, keine Jungs-Spielsachen oder Ähnliches – jede und jeder darf alles und kann alles machen, was er oder sie gut findet. Ich traue allen Kindern alles zu und versuche nicht etwa Mädchen vor technisch oder körperlich schweren Aufgaben zu schützen oder Jungs vor der Hausarbeit zu schonen. Das ist täglich ein Stück gelebte Gleichberechtigung und Gleichwürdigkeit.


Ich nütze meine Arbeit, um Frauen zu bestärken und ihnen zu echter Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu verhelfen. Ich verdeutliche ihnen den Wert ihrer Arbeit, ermutige sie zu individuellen Entscheidungen, denke aber dabei immer daran, dass wir alle uns in sogenannten Systemen bewegen, in die wir auch hineinpassen möchten und wo wir dazugehören wollen. 
Als jemand, der viele Frauen erreicht, habe ich Einfluss – wenn auch in kleinerem Rahmen als echte Promis. Diesen Einfluss nütze ich so oft wie möglich um uns Frauen zu verbünden, uns gegenseitig zu unterstützen und stark zu machen und zusammen mit Männern eine gute Zukunft zu gestalten. Das könnte man dann *SINNfluencen* nennen. 

7. Hatten Sie schon negative Erfahrung als Feministin?

Mich kränken natürlich abschätzige Kommentare ein wenig mit, wenn man sich anhört, was beispielsweise eine Sigrid Maurer oder die neue Justizministerin Sadic sich anhören oder lesen müssen. Selbst wenn ich weiß, dass diese Meldungen von definitiv unterentwickelten und schwächlichen Männern kommen, lässt es mich nicht völlig kalt.
 Persönlich bekomme ich sehr wenig ab – ich denke, es wird eher hinter meinem Rücken geredet, dass ich eine “Emanze” bin oder wie wir auf gut oberösterreichisch sagen: “a Schoarfe”. Das bringt mich dann wohl eher zum Lachen. 


Mein Mann kriegt da eher manchmal etwas ab, weil Männer ihn sehr wohl konfrontieren mit seiner Frau, die so unangenehme Sachen ausspricht und eine von denen ist, die “scheinbar den Hals nicht vollkriegen”.  So nach dem Motto:  “… was wollen sie denn noch alles, die Frauen?” Womit wir wieder bei Frage 2 wären.

8. Gab es schon Situationen wo Sie es bereut haben, sich als Feministin einzusetzen?

Nein, ich habe noch nichts bereut – im Gegenteil. Ich wünsche mir manchmal, ich hätte früher schon in manchen Situationen deutlichere Worte gefunden.

Obwohl ich sehr schlagfertig bin, war ich oft perplex angesichts einer frauenfeindlichen Meldung mir oder einer anderen Frau gegenüber. 
Dass das aber auch gefährlich sein kann, ist mir bewusst und dieses Gefühl hatte ich sehr wohl schon. Wenn du einem Mann klar sagst, er soll die Hand von deinem Hintern nehmen und er das beinhart und provokant ignoriert, du dich dann mit deinem Stiletto Absatz auf seinem Vorfuß verteidigst … dann kann das schon mal fast ins Auge gehen. 


Selbstverteidigungskurse sind super und hilfreich, letztlich darf man sich aber auch selbst schützen, indem man eine Situation verlässt und nicht “bis zum bitteren Ende” ausharrt. Kluge Frauen treffen eben kluge Entscheidungen.

9. Finden Sie es gut, dass es auch männliche Feministen gibt?

Ich finde es nicht nur gut, ich finde es hervorragend!!

Wie gesagt: es geht um Gleichberechtigung, Gleichwürdigkeit, Selbstbestimmung – all das geht nur, wenn wir uns mit den Männern verbünden, sie als ebenbürtig ansehen und uns nicht überhöhen. Dafür brauchen wir sie mit im Boot und es ist zu einem großen und guten Teil auch an einem Mann – nämlich meinem Papa – gelegen, dass ich zu der Frau geworden bin. 


Väter können wesentlich dazu beitragen, ihre Töchter zu stärken, sie gleichwürdig und gleichwertig behandeln und nicht wegen ihres Geschlechts Spezialbehandlungen anwenden. Sie leisten 50% der Arbeit, also: JA, wir brauchen sie! Dringend! Und mehr von ihnen!!

10. Glauben Sie, dass Frauen einmal dieselben Rechte wie Männer bekommen könnten?


Das glaube ich nicht, das weiß ich. Es muss so kommen!

Die Frage ist nur, wie lange es noch dauern wird. Das Patriarchat war bis 1976 in Österreich gesetzlich verankert – und die gesellschaftlichen Mühlen mahlen oft langsam – besonders, was Rollenbilder betrifft. Also brauchen wir vermutlich noch etwas Geduld. Leider. 
Ich glaube, dass das die Rettung der Welt bedeuten könnte. 
Frauen führen anders, Frauen denken anders, Frauen handeln anders.

Und die aktuelle Situation (Klima, Kapitalismus, Kriege) sind meiner Meinung nach eindeutig auf männliche Entscheidungen zurückzuführen. Frauen waren ja nirgendwo an der Macht!


Das würde sich schlagartig ändern und das wird sich schlagartig ändern, wenn mehr Frauen vorne stehen (wie mein Opa liebevoll sagen würde).

Das ist ein Bild voller Hoffnung!

Ich bin außerdem voll Zuversicht, wenn ich mir viele junge Frauen anschaue, die das Thema schon viel früher und viel bewusster aufnehmen. So wie Sie!
Die Zukunft wird weiblicher und das ist dringend nötig. Wenn wir mehr Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mittragen können, wird das spürbar sein für Frauen in unserem Land. Gemeinsam mit Männern kann es gelingen.

Ein friedliches, konstruktives und gegenseitig bereicherndes Miteinander.

So stell ich mir das vor. Und Gedanken schaffen Realität.
Also tragen wir die Gedanken hinaus in die Welt!

Kommentar schreibenKommentare: 2

  • #1Andrea Holzer-Breid (Freitag, 06 März 2020 13:12)Liebe Kerstin! Vielen Dank für deinen wunderbaren Beitrag zum Thema Feminismus! Der Film „Die Dohnal“, der gerade in den Ö-Kinos gespielt wird, passt super zu deinen Impulsen.
  • #2Kerstin Bamminger (Montag, 09 März 2020 14:01)Liebe Andrea, danke für deine Rückmeldung! Ich möchte mir den Film voll gern ansehen und hoffe echt, ich find ein Zeitfenster ;-)!! Lg, Kerstin
Der Neun-Kuh-Mann

Der Neun-Kuh-Mann

Bildquelle: Pixabay

Es gibt da eine Geschichte, die ich gern bei meinen Partnerkursen für Brautpaare vorlese. Die Geschichte von der “Neun-Kuh-Frau”. Ich mag diese Erzählung, weil sie eine wunderbare Metapher dafür ist, wie Gedanken unsere Realität erzeugen und sie ist außerdem ein perfektes Beispiel dafür, wie – wenn wir uns als Partner gegenseitig in unserer vollen Größe sehen – wir wachsen, reifen und uns gegenseitig stärken. 
Nun hab ich zwar immer dazugesagt, die Frauen mögen sich die Geschichte schon während dem Erzählen geschlechter-verdreht vorstellen, nämlich als ginge es um den “Neun-Kuh-Mann” – doch richtig glücklich war ich nie darüber, dass die Begebenheit eher klischeehaft und aus Sicht des Mannes beschrieben wird und so alte Bilder gestärkt werden.

Also machte ich mir jetzt den Spaß, eine zweite Version der Geschichte zu schreiben, die die andere Perspektive anbietet und in etwas modernderm Gewand daher kommt. Hinten nach kannst du gern die ursprünglicher Version von Regina Swoboda nachlesen.


Viel Vergnügen mit meiner Erzählung vom …


“NEUN-KUH-MANN”

Es waren einmal zwei Freundinnen, die sich einen Traum erfüllen wollten – nämlich mit einer kleinen Segelyacht die Erde zu umrunden. Sie starteten guten Mutes und alles verlief wunderbar. Von Zeit zu Zeit liefen sie einen Hafen oder kleinere Inseln an, um Wasser und Lebensmittel aufzunehmen.

Als sie bereits viele Wochen unterwegs waren, kamen sie zu einem Eingeborenenstamm. Der Empfang und die Gastfreundlichkeit waren so großartig, dass die beiden entschieden ein paar Tage Pause einzulegen und zu bleiben.
Eine der beiden Frauen wurde auf einen Mann aufmerksam und konnte seine Augen nicht wieder von ihm abwenden. Schnell war klar, dass die Sympathie beidseitig war. Die Frau hatte nur noch den Mann im Kopf und schwärmte ihrer Freundin vor, wie gutaussehend und klug er wäre, dass sie nie einen faszinierenderen Mann getroffen hatte – sie war völlig verrückt vor Liebe.

Ihre Freundin versuchte, sie auch auf andere, noch charismatischere und strahlendere Männer aufmerksam zu machen. Schließlich erlebte sie schon während ihres Besuchs, wie er öfter anderen Frauen nachpfiff oder nächtelang am Feiern war. Aber die Verliebte ließ sich nicht abbringen und schließlich beschlossen die beiden, den Bund für’s Leben zu schließen.

Nun war es bei dem Eingeborenenstamm üblich die Stammesälteste, die Clanmutter, um die Hand eines Mannes aus dem Stamm zu bitten und den Preis für den Bräutigam festzulegen. 
Je nach Qualitäten des Mannes (Kooperationsbereitschaft, Gleichberechtigungssinn, Aufgeschlossenheit, Kompetenzen, Eloquenz, Aussehen, Gemeinschaftssinn etc.…) betrug der Preis zwischen einer Kuh für einen Mann mit wenig Qualiäten und neun Kühen für einen Mann mit maximalen Qualitäten – den perfekten Mann schlechthin. 

Noch nie hatte es in der Stammesgeschichte diesen Brautpreis für eine Frau gegeben.

Obwohl noch nie eine Fremde in den Stamm eingeheiratet hatte, willigte die Stammesälteste in die Hochzeit ein und legte den Heiratspreis auf drei Kühe fest. Da sagte die Frau: „Wie, nur drei Kühe? Schau` dir diesen Mann doch an. Er ist auf jeden Fall neun Kühe wert. Ich zahle neun Kühe.“ 

Das irritierte die Clanmutter und sie erklärte, weshalb der Mann nur drei Kühe wert ist. „Er gehört nicht zu den Schönsten im Dorf. Er ist ein Hallodri und wechselt seine Partnerinnen wie die Unterhosen. Außerdem ist er total auf seinen persönlichen Erfolg fixiert, verschleudert oft sinnlos sein Geld und hat wenig Respekt vor Frauen.“ 
Doch die Freundin blieb stur und sagte: „Ich zahle neun Kühe.“ 

Die Clanmutter war noch nie mit einer derartigen Situation konfrontiert und berief den Weisenrat ein, der aus den ältesten Frauen und Männern des Dorfes bestand. Nach langen Diskussionen beschlossen sie, dass die Frau die neun Kühe bezahlen darf.  Die Hochzeit war ein rauschendes Fest und am Tag danach segelte ihre Freundin weiter, mit dem Versprechen nach ein paar Jahren wieder zu Besuch zu kommen.

Wie versprochen, legte fünf Jahre später eine Yacht am Steg des kleines Dorfes an und die Frau, die von Bord ging, war ganz aufgeregt endlich ihre Freundin wieder zu treffen. 

Beim Aussteigen sah sie einen Mann, er war unglaublich attraktiv, mit einem kleinen Kind auf dem Arm. So strahlend und herzlich, viel anziehender als jeder andere Mann, die sie je zuvor gesehen hatte. Er bemerkte sie gar nicht, weil er so vertieft in das Gespräch mit dem anderen Kind war, das er an der Hand führte.
Vor lauter Ehrfurcht traute sie sich gar nicht, ihn anzusprechen.

Sie fand ihre Freundin, die sie unter Jubel willkommen hieß und sich mit ihr bei einer Tasse Tee gemütlich zusammensetzte und zu plaudern begann. Sie erzählte, dass sie bereits zwei gemeinsame Kinder hatten, sich partnerschaftlich um Kinder und Haushalt kümmerten, die Zeit für ihre berufliche Tätigkeit auf Augenhöhe aushandelten und ihr Mann zu einem absoluten Familienmenschen mutiert war, der sich bemüht, der Tochter und dem Sohn die gleichen Chancen für’s Leben zu bieten und ihnen unabhängig von typischen Geschlechterbildern das Leben zuzutrauen. Er hielt zu seiner Partnerin und andere Frauen interessierten ihn auch nicht mehr.

„Du hast ihn ja schon gesehen“, sagte die Freundin. „Unten am Steg.“ 
„Das war nicht doch nicht der Hallodri von vor 5 Jahren“, sagte die Seglerin. “Der Mann da unten war der tollste Mann, den ich je gesehen habe. Er hatte eine komplett andere Ausstrahlung als dein Typ von damals.“ 
Und während sie das sagte, kam er mit den beiden Kindern zur Tür herein und sie erkannte ihn voller Staunen. 
„Was um alles in der Welt ist der Grund, dass du dich so radikal verändert hast“, fragte sie den Mann. Er lächelte und antwortete:

„Meine Frau hat neun Kühe für mich bezahlt und behandelte mich jeden Tag unseres gemeinsames Lebens so großartig, wie es nur ein Neun-Kuh-Mann verdient. Sie zeigt mir jeden Tag ihre Wertschätzung, behandelt mich respektvoll und wir unterstützen uns gegenseitig in allen Bereichen des Lebens so gut wir können.
Ich konnte gar nicht anders, als mich in einen Neun-Kuh-Mann zu verwandeln. Genau in den Mann, den sie schon immer in mir sehen konnte!”


Also: wenn du in einer Partnerschaft lebst, denk immer dran:
Dein Partner wird so, wie du ihn dir vorstellst.
Dein Partner kann das, was du ihm zutraust.
Dein Partner ist so großartig, wie du ihn findest!
Und auch wenn es “den perfekten Mann” oder “die perfekte Frau” nicht gibt, weil wir alle kleine Eigenheiten (= “Special Effects”) haben, gibt es doch das “perfekt für mich” 
Und je eher es uns gelingt, unseren Partner / unsere Partnerin hoch zu halten, wertzuschätzen und toll zu finden, desto eher werden diese leuchtenden Facetten von ihm / ihr auch ans Licht kommen.
Ich finde: es ist einen Versuch wert!


Und hier noch die originale Geschichte … als Draufgabe! 😉

Die Neun-Kuh-Frau

Es waren einmal zwei Freunde, die sich einen Traum erfüllen wollten, nämlich mit einer kleinen Segelyacht die Erde zu umsegeln. Sie starteten guten Mutes und alles lief wunderbar. Von Zeit zu Zeit liefen sie Häfen oder kleinere Inseln an, um Wasser und Lebensmittel aufzunehmen. 

Als sie bereits viele Wochen unterwegs waren, kamen sie zu einem Eingeborenenstamm. Der Empfang und die Gastfreundlichkeit waren so großartig, dass die beiden entschieden ein paar Tage Pause einzulegen und zu bleiben.

Einer der beiden Freunde wurde auf eine Frau aufmerksam und konnte seine Augen nicht wieder von ihr abwenden. Schnell war klar, dass die Sympathie beidseitig war. Der Mann hatte nur noch die Frau im Kopf und schwärmte seinem Freund vor wie attraktiv und strahlend sie wäre, dass er nie eine schönere Frau gesehen hätte – er war völlig verrückt vor Liebe. Sein Freund versuchte ihn auch auf andere, noch schönere und strahlendere Frauen aufmerksam zu machen, aber nichts funktionierte und schließlich beschloss der Verliebte dieser Frau einen Heiratsantrag zu machen.

Nun war es bei dem Eingeborenenstamm üblich den Häuptling um die Hand einer Frau aus dem Stamm zu bitten und den Brautpreis festzulegen. 
Je nach den Qualitäten der Frau (Aussehen, Kochkünste, Wissen im Bereich Heilung, Fähigkeiten bei der Jagd, gebärfreudiges Becken, etc….) bewegte sich der Brautpreis zwischen einer Kuh für eine Frau mit wenig Qualitäten und 9 Kühen für einen Frau mit maximalen Qualitäten – der perfekten Frau schlechthin. Noch nie hatte es in der Stammesgeschichte diesen Brautpreis für eine Frau gegeben.

Obwohl noch nie ein Fremder in den Stamm eingeheiratet hatte, willigte der Häuptling in die Hochzeit ein und legte den Brautpreis auf drei Kühe fest. Da sagte der Bräutigam: „Wie, nur drei Kühe, schau`Dir diese Frau doch an. Sie ist auf jeden Fall 9 Kühe wert. Ich zahle 9 Kühe.“ Das irritierte den Häuptling und er erklärte, weshalb die Frau nur 3 Kühe wert ist. „Sie gehört nicht zu den Schönsten im Dorf. Ihr Jagdgeschick lässt sehr zu wünschen übrig und sie kann weder gut kochen noch ist sie sehr ordentlich.“ Doch der Werber blieb stur und sagte: „Ich zahle 9 Kühe.“

Der Häuptling war noch nie mit einer derartigen Situation konfrontiert und berief den Ältestenrat ein. Nach langen Diskussionen beschloss dieser, dass der Mann die 9 Kühe bezahlen darf.
Die Hochzeit war ein rauschendes Fest und am Tag danach segelte der Freund weiter, mit dem Versprechen nach ein paar Jahren wieder zu Besuch zu kommen.
Wie versprochen, legte fünf Jahre später eine Yacht am Steg des kleines Dorfes an und der Mann, der von Bord ging, war ganz aufgeregt seinen Freund wieder zu treffen. Die erste Frau, die er sah, war eine unglaublich attraktive Frau, mit einem kleinen Kind auf dem Arm. So strahlend und schön, viel attraktiver als jede andere Frau, die er je zuvor gesehen hatte. Vor lauter Ehrfurcht traute er sich gar nicht sie anzusprechen. Er fand seinen Freund, der ihn unter Jubel willkommen hieß und ihm ein köstliches Essen vorsetzte. So gut hatte der Weltreisende noch nie gegessen. Das Fleisch war zart. Die Hütte war wohnlich eingerichtet, stilvoll und versprühte eine heimelige Atmosphäre. Der Freund erzählte, dass seine Frau die Königin der Jägerinnen ist und bald sein zweites Kind gebären wird.

„Du hast sie ja schon gesehen“, sagte der Freund. „Unten am Steg.“ „Das war nicht deine Frau“, sagte der Segler. Die Frau dort unten war die schönste Frau, die ich je gesehen habe.“ Und während er das sagte, kam sie zur Hütte und er erkannte sie voller Staunen.
„Was um alles in der Welt ist der Grund, dass Du dich so radikal verändert hast“, fragte er sie. Sie lächelte ihr liebreizendes Lächeln und antwortete: „Mein Mann hat 9 Kühe für mich bezahlt und behandelte mich jeden Tag unseres gemeinsames Lebens so großartig, wie es nur eine 9-Kuh-Frau verdient. Also konnte ich gar nicht anders als mich in eine 9-Kuh-Frau zu verwandeln. Genau in die Frau, die er immer in mir sehen konnte.“

Kommentar schreibenKommentare: 2

  • #1Alexandra Weber (Montag, 20 Januar 2020 21:23)Was für eine wundervolle Geschichte �❤️