Der Hoffnung Flügel verleihen

Der Hoffnung Flügel verleihen

Kurz vor Weihnachten frage ich mich: was wird das wohl noch werden? Nebel, Dunkelheit, Kälte und Verwirrung findet sich an so vielen Orten, in so vielen Herzen. Als Gesellschaft sind wir gebeutelt – durch verschiedene Dinge. Kommt da nicht Weihnachten gerade recht? Das Prinzip Hoffnung und wie und wodurch uns diese Haltung Flügel verleihen kann. Und was ich mir und uns allen zu diesem Fest wünsche.

VOM ANFANG BIS ZUM ENDE

Ganz subtil wird schon seit Wochen und Monaten mit dem Gefühl der Angst in der Gesellschaft gearbeitet, wir werden kleiner und kleiner in verschiedener Hinsicht. Ja, es gibt eine berechtigte Sorge, krank zu werden, leidvolle Erfahrungen zu machen und womöglich auch geliebte Menschen zu verlieren. Ehrlich gesagt, das war noch nie anders – nur so präsent wie jetzt war das Thema unserer Endlichkeit nicht immer. Am Ende, wie am Anfang des Lebens (sowie überall dazwischen) ist es hilfreich, sich tragen zu lassen von einer Haltung mit dem Namen „HOFFNUNG“.

HOFFNUNG IM LEBEN

Wenn wir es nicht mehr in der Hand haben, was passiert, wenn wir nicht beeinflussen können, welche Dinge geschehen, wenn wir nicht mehr kontrollieren können, was wir gern bestimmen möchten, dann bleibt uns jedenfalls zumindest die Hoffnung. 

  • Hoffentlich geht alles gut bei der Geburt.
  • Hoffentlich fühlt sich das Kind in der Gruppe wohl.
  • Hoffentlich kommt die Schülerin im Schulsystem zurecht.
  • Hoffentlich passiert den Kindern nichts am Schulweg.
  • Hoffentlich werden sie nicht emotional verletzt.
  • Hoffentlich kann es glücklich leben.
  • Hoffentlich wird der Mensch bald von seinem Leid erlöst.

Damit die Hoffnung nicht schwach wird oder gar zerschlagen wird, braucht sie unser Zutun. Unsere bewusste Entscheidung, oft gegen jede Vernunft, unseren Verstand oder wissenschaftliche Daten trotzdem an das Gute zu glauben, hoffnungsvoll zu sein und positiv zu bleiben. Was die Hoffnung bekommen möge, darum gehts hier und jetzt.

UNSERE HOFFNUNG MÖGE PHANTASIE BEKOMMEN…

… damit wir neue Ideen entwicklen, wie wir unser Leben neu gestalten können. Wir brauchen Phantasie, Kühnheit und Wagemut um den umerlösten Krankheiten dieser Welt zu begegnen, um das falsch Gelaufene zu ändern und neue, andere, bodenständigere Wege gehen zu können. Wir brauchen Querdenker (ja, positiv gemeint! Seit wann ist das bitte ein Schimpfwort?!), Andersmacher und Aus-der-Reihe Tänzerinnen, wenn wir nach vorne schauen wollen ohne dabei zu verzweifeln. Wir brauchen kreative Geister und unmögliche Ideen und vor allem VIELE davon, wenn wir unserem so komplex gewordenen Leben irgendwie begegnen wollen. Menschen, die daran glauben, dass wir es schaffen können, eine gute, lebenswerte und menschenfreundliche Zukunft aufzubauen ohne dauernd über politische Interessen zu stolpern.

Obwohl so vieles hier noch oder noch immer im Argen liegt, möge unsere Hoffnung Phantasie bekommen. 

UNERSE HOFFNUNG MÖGE HÄNDE BEKOMMEN …

… die zupacken, wo unsere Hilfe gefordert ist. Hände, die streicheln, wenn ein Mensch neben dir verletzt wurde und Trost braucht. Kräftige Hände, die auch schwere Sachen aufheben, darunter schauen, die befreien von großen Lasten und Hände die halten. Aushalten. Hoffnung braucht Hände, die umarmen und Geborgenheit schenken können, wir brauchen liebevolle Berührungen und die nötige Feinmotorik und Feinfühligkeit, unsere Hände für etwas Gutes zu nützen. Um andere Menschen aufzurichten, ihre Tränen trocknen, die Nahrung zubereiten und die Hand zu reichen. Wenn schon nicht real, dann im übertragenen Sinn.

Hoffnung braucht Hände, die im richtigen Zeitpunkt festhalten und dann im richtigen Zeitpunkt loslassen. Offene Hände, die geben und auch nehmen können. Volle Hände – und zwar gefüllt mit Freude, Fürsorge und Dankbarkeit für unsere Mitmenschen und für uns selbst.

Obwohl soviel Hände immer noch zurückhalten, distanzieren und wegstoßen, möge unsere Hoffnung Hände bekommen.

UNSERE HOFFNUNG MÖGE FÜSSE BEKOMMEN …

… die uns durchs Leben tragen, kräftig genug um auch längere Durststrecken auszuhalten. Füße, die zwar die Steine am Weg spüren und wahrnehmen, die diese Hindernisse aber geschickt überwinden, die drüber steigen und ansonsten neue Wege finden. Füße, die mutig genug sind, auch unbetretene Pfade zu begehen und die sich umkehren trauen, wenn der Weg falsch war. Unsere Hoffnung möge geduldige Füße bekommen, die nicht beim ersten Kieselstein „AUA!“ schreien, sondern weitergehen, wahrnehmen und dranbleiben. Füße, die dort hin gehen, wo so unbeschreiblich großes menschliches Leid geduldet wird. Füße, die nicht monatelang auf der Stelle treten und sich im Kreis drehen, schwer werden und vielleicht einknicken, sondern Füße, die Leichtigkeit spüren, sich abheben trauen und dann sicher und geerdet ihren Weg entschlossen weitergehen können. 

Obwohl wir müde Beine haben und so viel Trägheit spüren, möge unsere Hoffnung Füße bekommen.

UNSERE HOFFNUNG MÖGE WORTE BEKOMMEN…

… die das Gute in uns heraufbeschwören. Worte, die uns zueinander bringen und uns als Gemeinschaft beschreiben. Die das Verbindende vor das Trennende stellen, die unsere Solidarität stärken und nicht unsere Ängste. Die Hoffnung braucht Worte, die nicht nur gedacht werden, sondern laut ausgesprochen, ja hinaus gesungen und gerufen werden. Getragen von Zuversicht, Fröhlichkeit und Mut. Indem wir einander sagen, dass wir es gemeinsam schaffen. Indem wir uns gegenseitig respektieren und ernst nehmen. Indem wir uns Mut zusprechen und Vertrauen auf das Bessere hin geben mit der Kraft der Menschlichkeit.

Obwohl soviel von Tod, Krankheit und Gefahr die Rede ist, möge unsere Hoffnung Worte bekommen.

UNSERE HOFFNUNG MÖGE KRAFT BEKOMMEN…

… indem wir ihr Raum geben und sie einziehen lassen in unsere Wohnungen, in unsere Familien und in unsere Seelen. Wenn wir nicht glauben, dass wir es schaffen, wird es uns auch nicht gelingen, und wir sind diejenigen, die der Hoffnung Leben einhauchen. Sie bekommt Kraft durch uns Menschen: durch unsere Worte, Hände und Füße, durch unsere Phantasie und unseren Glauben daran, dass wir guter Hoffnung sein dürfen. Wir sollten nicht müde werden, auch in den widrigsten Umständen an das Gute zu glauben und die Hoffnung nicht zu verlieren.

HOFFNUNG FÜR WEIHNACHTEN

Widrige Umstände. Müde Füße. Erschöpfte Hände. Keine Kraft mehr. Und ohne Plan, wie das gehen soll. Das ist übrigens das, was Weihnachten ist. 

Maria, die nach einer langen Reise nirgendwo mir ihrem Mann Unterschlupf fand. Deren Beine schwer waren und deren Sorge vermutlich noch schwerer.

Man kann nur erahnen, wie es ihr damals gegangen sein mag. Unter diesen Umständen, ohne Perspektive, weit weg von daheim, zurückgewiesen und ignoriert, menschenunwürdig behandelt und allein gelassen.

Dieses „Weihnachten“ ist nicht 2000 Jahre her, es ist mitten unter uns.

Ein Blick nach Kara Tepe auf Lesbos und ich sehe: die Problematik ist größer denn je.

Hoffnung allein reicht nicht aus.

Kerstin Bamminger

Unsere Hoffnung braucht Phantasie, Hände, Füße, Worte und vor allem Kraft, was bedeutet: wir werden uns anstrengen müssen. Wie bei einer Geburt. Hoffnung ist gut und wichtig und wir brauchen sie. Und dann brauchen wir noch uns. 

Lasst uns Mensch werden. 
Lasst uns Hoffnung säen.
Lasst uns hinschauen, zupacken und aufeinander zugehen.
In jeder unserer Familien. Und in gar nicht so fernen Flüchtlingslagern.
Gott hat den Anfang gemacht.
Seine Hoffnung in die Menschheit hat Hand und Fuß bekommen.
Lasst uns daran denken.
Nicht nur zu Weihnachten. Aber da ganz besonders.

P.S. die Inspiration zu diesem Text bekam ich durch eine Weihnachtskarte des Bildungszentrum St.Benedikt in Seitenstetten, für die ich im Februar 2021- HOFFENTLICH – ein Beziehungsseminar gestalten darf. 


Liebe Leserin! Lieber Leser!

Ich wünsche dir herzerwärmende Momente und viel HOFFNUNG für die Feiertage!
Schreib mir doch, wo und wie DU die Hoffnung dieser Tage spüren konntest, oder was DU dazu getan hast,
der Hoffnung Flügel zu verleihen?! Das Gute ist nah!
Lass es sichtbar werden in den Kommentaren 😉

Curling-Eltern, Komfortzonen & Bob-der-Baumeister Mentalität

Curling-Eltern, Komfortzonen & Bob-der-Baumeister Mentalität

Kinder sind höchst abhängig davon, wie wir Erwachsenen mit ihnen umgehen – besonders wir als Eltern. Wir können von ihnen nur Respekt erwarten, wenn wir selbst respektvoll sind. Wir können von ihnen nur Einfühlungsvermögen erwarten, wenn wir selbst empathisch sind. Wir können von ihnen nur Engagement erwarten, wenn wir sie auch machen lassen. (Bitte hier beliebig fortsetzen.)

Welche bedenklichen Entwicklungen es meiner Beobachtung nach durch Curling Eltern gibt, was das Verlassen von Comfort Zonen bringt und was eine Bob-der-Baumeister Menatlität ist, gibt’s hier und heute zu lesen.


„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes,
wenn einmal unsere heutige Jugend die Männer von morgen stellt.
Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“

Aristoteles
(384 – 322 v. Chr.), griechischer Philosoph


Dieses Zitat, das Aristoteles zugeschrieben wird, ist knapp zweieinhalbtausend Jahre alt. Was beweist, dass es scheinbar schon immer Zweifel einer vorangegangenen Generation gegenüber der Nachfolgenden gegeben hat. 

Wenn man, wie ich, in verschiedenen Lebensbereichen mit jungen Menschen zu tun hat, wird man zwangsläufig mit den Eigenheiten der „Jungen“ konfrontiert. Das ist oft wirklich spannend und erfrischend, weil jede Generation ein bisserl anders „tut“ als die vorherige und wir davon profitieren können, wenn Dinge von Anderen anders gemacht werden.

Manchmal ist es auch ein wenig besorgniserregend. Was mich im Speziellen traurig macht, ist, wenn Kindern das Vertrauen in sich selbst abhanden kommt und der Wille, etwas erreichen zu wollen. Wenn sie verlernen, wie befriedigend es ist, sich für etwas anzustrengen und dann den Erfolg zu genießen. 

Ich beobachte (und ja, das mag eine sehr subjektive Einschätzung sein), dass Kinder häufig nicht mehr aus ihren Komfort Zonen herauskommen. Sie machen das, was sie schon kennen und können, das, was „leicht geht“ und wenn es wo besonderen Einsatz oder Engagement braucht, wenn etwas körperlich anstrengend wird oder etwas Mut und Zuversicht braucht heißt es gern: „Das kann ich nicht. Du musst das für mich tun. Das geht aber nicht. Das ist ja anstrengend.“

Und es folgt keine weitere Reaktion, weil ihre Erfahrung zu sein scheint: „… wenn ich das sage, oder mich so verhalte, kommt jemand, der mir die Tätigkeit abnimmt.“

Womit wir beim springenden Punkt sind. Es sind nicht die Kinder, denen hier etwas vorzuwerfen ist, sondern die Erwachsenen. Manche Eltern räumen von Beginn an alle Schwierigkeiten aus dem Weg. Das beginnt beim Spielzeug, das dem krabbelnden Baby entgegen gebracht wird, über Anziehservice von Kopf bis Fuß im Kindesalter bis hin zu bequemem Chauffieren der Jugendlichen, denen ein Gehweg nicht zugemutet wird.

Es gibt ein Wort für diese Art Elternschaft: Curling-Eltern.

Das sind Eltern, die sich permanent in der Nähe ihres Kindes aufhalten, es in seinen Aktivitäten überwachen, wie beim Curling, jede Unebenheit am Lebensweg wegpolieren, so dass der Nachwuchs ruhig die Bahn entlang gleiten kann.
Kein Wunder, dass sich solche Kinder dann beschweren, wenn es plötzlich uneben und steinig wird, wenn erste Hindernisse auftauchen und sie ihre eigene Energie darauf verwenden dürfen, etwas zu schaffen, einen Weg oder eine Aufgabe zu bewältigen und das nicht jemand anders für sie übernimmt. 

Dabei hat es so viele Vorteile, wenn wir als Eltern mal den „Curling Besen“ wegstellen und uns stattdessen (bildlich gesprochen) an die Bahn stellen und sie anfeuern, aufmuntern und anleiten. Wie sie es selbst schaffen können.

Ihnen zurufen, dass wir an sie glauben.
Ihnen – wenn gewünscht – mit unserer Erfahrung beiseite stehen.
Und – wenn nicht – sie auch mal auf die Nase fallen lassen können und dann da sind.
Um zu trösten, zuzuhören, auszuhalten.

Kinder – und davon bin ich fest überzeugt – wollen lernen, wollen sich entwickeln und sie wollen sich auch anstrengen. Das liegt in der menschlichen Natur. Sie haben grundsätzlich eine Bob-der-Baumeister-Mentalität („Können wir das schaffen? JA, wir schaffen das!“).
Es ist jedoch möglich, dies abzutrainieren, worauf wir als Eltern bewusst verzichten dürfen.

Niemand wird sich wohl selbst (gern) als Curling-Elternteil bezeichnen und doch sind wir alle nicht geschützt davor, solches Verhalten zu zeigen.

Weil’s schneller geht, ihnen die Schuhbänder selbst zu binden, obwohl sie es können.
Weil’s bequemer ist, sie schnell zu fahren, als das Gejammer auszuhalten.
Weil’s sauberer ist, sie selbst zu füttern, obwohl sie den Löffel halten können.
Weil’s leichter geht, sie den Berg rauf zu tragen, als sie zum Gehen zu motivieren.
Weil’s einfacher ist, dem Wunsch nachzugeben, als die Gegenwehr auszuhalten.

Ich nehme mich nicht aus. Auch ich bin in mancher Hinsicht ausbaufähig und könnte den Kids noch mehr zutrauen oder von ihnen verlangen. (Siehe „Wir sind eine WG, kein Hotel!“
Am Wichtigsten ist meiner Meinung nach, dass wir das Bewusstsein dafür entwickeln, wo wir sie sinnvoller Weise unterstützen und wo wir ihenn Dinge unnötiger oder bequemer Weise abnehmen.

Es gibt diesen schönen Spruch: „Outside your comfort-zone is … where the magic happens!“

Was heißen soll: lasst uns selbst und unsere Kinder immer wieder raus aus unseren Komfortzonen, den inneren Schweinehund überwinden, den Curlingbesen im Schrank versperren, ins kalte Wasser springen, das Unmögliche wagen ….. (nenne es, wie du willst) 
… und lasst uns dann voll Freude darüber staunen, was möglich ist, was wir alles schaffen, was sie sich selbst zutrauen, wenn wir es ihnen zutrauen, wie wir alle zusammen über uns hinauswachsen und … die MAGIE dahinter spüren.

Hand auf’s Herz. 
Wo entdeckst du dich im Alltag mit dem Curling-Besen? 
Wo brauchst du mehr von der Bob-der-Baumeister-Mentalität?
Wo chillst du zu sehr in deiner Komfortzone?
Wo solltest du mal den Sprung ins kalte Wasser wagen?

Kommentar schreibenKommentare: 2

  • #1Jolanda (Mittwoch, 26 Februar 2020 21:10)Hallo Kerstin!
    Ich habe meine Kleinen heute zu einer „Frischluft Kur“ verdonnert, nachdem es endlich mal windstill und trocken war. Kaum draußen ist meine Tochter mit dem Scooter vom Weg abgekommen und hat sich aufgeschürft, mein Sohnemann hat einen Trotzanfall bekommen und ich war kurz davor retour zu gehen, alle beide ins Auto zu sitzen und nicht mehr zu Fuß einkaufen zu gehen!
    Aber – ich brauchte selber DRINGEND Frischluft, hab mich nochmal aufgerafft und so sind wir nach gutem Zureden doch noch marschiert ☺️
    Am Rückweg hat uns ein ordentlicher „Hagel-Schneesturm“ (Kinder Mund) erwischt und das Abenteuer war perfekt! Keine Spur mehr von Müdigkeit, Trotz oder „ich mag nicht mehr“ ☺️
    Einmal raus aus der Comfort Zone und man erlebt die schönsten kleinen feinen Abenteuer! Es war für uns alle ein lustiger Spaziergang und das einschlafen am Abend ging ganz, ganz problemlos �
    LG Jolanda
  • #2Kerstin Bamminger (Montag, 02 März 2020 16:52)Jolanda, das ist ja eine wunderbare Geschichte. Wir Mütter brauchen solche magischen Wendungen im Alltag eh ganz dringend. Schön, dass du das so erlebt hast! Alles Liebe und: let the magic happen 😉 Kerstin