Ich parke meine Welt

Ich parke meine Welt

Die Emotionen gehen hoch, es wird laut unter den Diskutierenden und schneller als sonst gehen die Gespräche in eine eskalierende Richtung, wo sich Fronten verhärten und jedes Verständnis für den anderen und dessen Meinung verloren geht.
Es gibt eine einfache und deeskalierende Strategie, wie man sich verhalten kann, wenn man aus solchen destruktiven Kommunikationsmustern ausbrechen möchte. Sie hat mit einem Parkplatz zu tun und heute und hier stelle ich sie dir vor.

DIE NERVEN LIEGEN BLANK

Wer kennt es nicht? Besonders in den letzten Monaten gibt es kaum Menschenrunden, in denen das C-Thema nicht aufklappt und zu herzhaften Debatten führt. Das Thema berührt uns, jede und jeden von uns auf eigene Weise und praktisch niemand kann sich ganz davon entziehen. Nun sind ja Gespräche grundsätzlich etwas Gutes, etwas, woraus wir lernen und und weiter entwickeln können, doch in diesem Fall hab ich beobachtet, dass es sehr oft viel zu zerstörerisch wird unter uns. Die Nerven liegen blank und unsere Diskussionskultur leidet darunter.

ES IST KALT GEWORDEN, DA DRAUSSEN

Mal ehrlich. Gespräche zwischen Menschen, die sich nicht regelmäßig begegnet sind, verlaufen zur Zeit anfangs mit einem guten Maß an Vorsicht. Wir tasten uns langsam vor, weil wir vielleicht anfangs noch nicht genau wissen, wie das Gegenüber zum Spaltpilz der Gesellschaft, eventuellen Maßnahmen und Lösungsansätzen steht. Dieses Virus befällt nicht nur Körper, Zellen und überlebenswichtige Organe, sondern schwächt vielmals auch unsere sozialen Fähigkeiten und unser aufeinander-zugehen. Längst klatschen wir nicht mehr füreinander oder erfüllen in großherziger Nächstenliebe irgendwelche Gefälligkeitsdienste. Es ist kalt geworden, da draußen.

IM AUGE DES BETRACHTERS

Unterschiedliche Läger betrachten diese durchaus komplexe Situation aus verschiedensten Richtungen und je nach Blickwinkel gibt es viele richtige Ideen und Ansätze. Was ich schmerzlich vermisse ist die achtsame und respektvolle Kultur miteinander umzugehen, denn für hochkomplexe Probleme in einer hochkomplexen Gesellschaft kann es nun mal keine einfachen Lösungen geben, auch wenn wir uns das noch so sehr wünschen. Um differenzierte und menschenfreundliche Zukunftswege zu entwerfen, brauchen wir die Überzeugung, dass andere Menschen andere Dinge für gut und richtig befinden und es die Freiheit braucht, diese auch zu leben. Weil es im Auge des Betrachters liegt, wie man Probleme empfindet.

DAS LEBEN IST KEINE EINBAHNSTRASSE

Was in allen möglichen Debatten derzeit passiert, ist, dass Druck aufgebaut wird, dass mit schlechtem Gewissen gearbeitet wird und gesamtgesellschaftlich alle möglichen Kniffe aus der psychologischen Trickkiste angewendet werden, um eine bestimmte Marschrichtung erreichen zu können. Doch Druck erzeugt Gegendruck und noch mehr Zweifel und gegenseitiges Unverständnis und wenn wir diese Zeiten als Gemeinschaft halbwegs gut überstehen möchten, täten wir gut daran, wieder aufeinander zu zu gehen. Wir sollen und dürfen einen klaren Standpunkt haben UND eben auch andere Standpunkte respektieren, weil das Leben halt keine Einbahnstraße ist.

PARKPLATZ FÜR VERSCHIEDENE WELTEN

Apropos Straße. Wenn man also voll in Fahrt ist bei Diskussionen aller Art, hilft es, bildlich gesprochen, sich nicht ein Straßenrennen zu liefern, sondern: den Parkplatz zu nützen. 
Diese Idee ist eine Deeskalation-Strategie und kann wie folgt funktionieren.

SCHRITT 1: WELT PARKEN

Wenn dich jemand kritisiert, beschuldigt, anfeindet, anschreit oder sonst irgendwie „anschießt“ (so nenn ich das gern), dann hilft es, in dem Moment aus der Schusslinie zu gehen statt zurück zu schießen. Im ersten Schritt bedeutet das mal: wahrnehmen, dass ich gerade angeschossen werde und verletzt bin, und kurz einmal durchatmen und das wahrnehmen, denn das darf sein. NIEMALS wird es uns (oder jedenfalls mir) gelingen, uns völlig davon abzukapseln, wenn wir verbal „angeschossen“ werden, und das braucht es auch nicht unbedingt. Gefühle sind wichtig und zeigen auf, was uns fehlt oder eben nicht. Und in diesem ersten Schritt diese eigene Welt samt Gefühlen, Empfindungen, Überzeugungen, Standpunkten vorübergehend zu „parken“. Das heißt, zur Seite stellen, sicher verwahren und sich dennoch bewusst sein, dass sie wertvoll und gut sind.

SCHRITT 2: WELT DES ANDEREN ERKUNDEN

Im nächsten Schritt, wenn ich meine mir gut bekannte Welt gesichert hab (am Parkplatz) kann ich mich in die Welt des Anderen zu begeben, ihn oder sie dort besuchen und mich umsehen, Fragen stellen und versuchen zu hören und zu sehen. Man kann dabei sagen:

  • Aha, so siehst du das also.
  • Hör ich das richtig, es ist dir besonders wichtig, dass …
  • Du siehst das also so, dass …
  • Da merkt man richtig, wie wichtig dieses Thema für dich ist, wenn du so emotional bist.
  • Erklär mir doch mal, was dabei so bedeutend für dich ist….

Das Thema ist grundsätzlich tauschbar, es geht für kritische Stimmen, Impfbefürworter, Testverweigerer, angstvolle Menschen im Zusammenhang mit Corona genau so wie mit jedem anderen zwischenmenschlichen Thema oder elterlichen Haltung: Süßigkeiten, Bildschirmzeiten, Haushaltstätigkeiten, Arbeitsaufteilung, familiäre Organisation.

Ziel dieses Schrittes ist, zu sehen, wie die Welt des anderen aussieht, sich Eindrücke zu verschaffen und es bedeutet NICHT, dass ich auch verstehen „muss“. Ich kann inhaltlich völlig anderer Meinung sein, darum geht es in diesem Moment nicht. Es geht darum, den oder die andere in ihrer Welt „abzuholen“ und das in Worten einfach auszudrücken. Wenn es gelungen ist, dass die andere Person sagt: „Ja, genau! Endlich verstehst du was ich meine!“ ist der Weg frei für Schritt Nummer drei.

SCHRITT 3: EINLADUNG AUF DEN PARKPLATZ

Wenn es gelungen ist, wirklich zuzuhören, kann der nächste Schritt erfolgen. Im besten Fall ist es so, dass sich das Gegenüber nun für DEINE Welt interessiert und nachfragt: „Und, wie siehst du das?“ Was nur dann geht, wenn auch eine gewisse Relevanz und Bindung und noch mehr Interesse aneinander vorhanden ist. Wenn diese Frage ausbleibt, kann man den anderen in die eigene Welt einladen: „Möchtest du wissen, wie ich darüber denke?“ Natürlich besteht hier die Möglichkeit, dass die andere Person verneint. Das ist auch eine klare Aussage für die Beziehung zueinander, da lohnt es sich dann jedenfalls auch nicht, mehr Zeit und Engie zu investieren. Wenn doch, dann ist es in diesem Schritt gut, auf den „Parkplatz“ zu gehen und in die eigene Welt einzutauchen und den anderen Menschen darin „herumzuführen“. So könnte man lernen, dass diese wunderbare Welt für jeden Menschen ein klein wenig anders aussieht und in der Vielfalt die Schönheit entdecken und diese Freiheit zu erleben.

DER HAKEN DARAN

Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die an der Strategie schwer sind. Erstens: man kann nur die eigene „Welt parken“, wenn man einigermaßen gut versorgt ist (Stichwort: Selicare), weil es ein hohes Maß an Rücksichtnahme und auch das Hintenanstellen von eigenen Bedürfnissen und Gefühlen erfordert. Wenn ich gerade selbst sehr bedürftig und unausgeglichen bin oder müde und mürbe, ist das fast nicht möglich (was übrigens so einiges in der derzeitigen Lage erklärt).
Und: es ist ein klein wenig ungerecht. Weil der Teil, der deeskaliert und die eigene Welt vorübergehend parkt, nachgibt und zurücksteht – und dem oft unreflektierten oder wütenden Gegenüber viel Raum überlässt. Das mag man auch nicht jederzeit aushalten. Wenn es also nicht gelingt: bleib geduldig und nachsichtig mit dir selbst.

Und wenn es gelingt, hast du folgenden Benefit.

  • du lernst die Welt des anderen kennen
  • du erweiterst deinen Blick auf die Dinge 
  • du kannst Neues über dein Gegenüber erfahren
  • du sparst Energie, weil du Streit vermeidest
  • du kannst bewusster steuern, wie hitzige Diskussionen verlaufen

WAS WIRKLICH BEDROHLICH IST

Ich diskutiere leidenschaftlich gern. Auch hitzig und emotional – alles andere find ich beizeiten fad. Es ist also längst nicht so, dass ich meine Welt dauerhaft abstelle und mich nicht positionieren mag, ganz im Gegenteil. Wenn ich aber merke, dass Gespräche zu oft und zu schnell einen zerstörerischen Verlauf haben, wende ich „Ich parke meine Welt“ aber sehr gern an und freue mich dann, dass wir einigermaßen zivilisiert miteinander umgehen können.
Dass wir unterschiedlicher Meinung sein dürfen und keinen Konsens finden.
Dass die Freiheit besteht, die Welt unterschiedlich zu betrachten.
Und das Bedrohliche nicht ist, dass jemand anders DENKT, sondern, dass wir das in manchen Bereichen nicht ZULASSEN wollen. Monokulturen – egal ob in der Natur oder in Form menschlicher Meinung – sind keine gute Idee und sicherlich nicht zukunftstauglich.

In diesem Sinne: es lebe die Vielfalt!
Habt eine gute Zeit und bunte Diskussionen voller Leben in euren Beziehungen.
Besonders in denen, die euch am Herzen liegen.

Wut, Trauer, Frust – Umgang mit heftigen Gefühlen in 3 Schritten

Wut, Trauer, Frust – Umgang mit heftigen Gefühlen in 3 Schritten

Ganz schön viel, das alles. Immer wieder im Leben gelangen wir an unsere Grenzen, stehen an, sind verzweifelt, wissen nicht weiter und sind mit heftigen Emotionen konfrontiert. Besonders anspruchsvoll ist es, dann als erwachsene Person, Kinder dabei zu begleiten. Warum wir von Selbstkontrolle weg zu Selbstregulation hin dürfen und wie das machbar wird, darum geht es heute und hier.

ÜBERLEBENSNOTWENDIG

Wenn wir über Gefühle nachdenken oder darüber sprechen, verwende ich gern zwei Bilder zum besseren Vorstellungsvermögen. Erstens sind Gefühle wie Luft: sie sind unsichtbar, man kann sie nicht angreifen oder vermessen und dennoch sind sie da, existieren und sind pure Lebensenergie. Wir brauchen sie, wie die Luft zum Atmen. Wer keine Gefühle hat, ist tot – zumindest emotional gestorben. Also sind Gefühle nicht nur unbestreitbar ein Teil des Lebens sondern sogar ÜBERlebensnotwendig.

VON OBERFLÄCHLICHKEITEN UND WESENTLICHEM

Das zweite Bild hat mit der Kommunikation ÜBER Gefühle zu tun und beschreibt sie wie einen Schlüssel. Gefühle – beziehungsweise das Sprechen über Gefühle – sind wie Schlüssel zum Tor der Welt des anderen. Wenn wir darüber reden, wie es uns geht, was wir fühlen, was uns berührt und bewegt, kommen wir ganz schnell weg von Oberflächlichkeiten hin zum Wesentlichen, zu den Themen, die uns selbst oder unser Gegenüber gerade ausmachen. Dazu braucht es natürlich eine gute Portion Vertrauen und einen sicheren Rahmen, besonders, wenn wir über Gefühle bei unerfüllten Bedürfnissen sprechen.

LAUTSTARKER AUSDRUCK

Wenn Kinder oder wir selbst Freude, Begeisterung, Leichtigkeit, Dankbarkeit, Zufriedenheit, Enthusiasmus, Inspiration, Erfüllung, Sicherheit, Liebe oder ähnliches empfinden, ist es meist leicht, das zu begleiten oder auszuhalten – weil wir diesen Zustand nicht verändern wollen und alles gut ist. Doch wenn wir andere Farben der Gefühlspalette spüren oder begleiten, sind wir oft recht schnell am Ende unserer elterlichen Weisheit angelangt. Umso mehr, wenn das Kind Emotionen wie Trauer, Wut, Frust, Enttäuschung, Demütigung, Unsicherheit, Angst, Zorn, Langeweile, Sehnsucht oder Hass auch noch deutlich lautstark auszudrücken vermag. 

  • Schrei doch nicht so rum!
  • Jetzt beruhig dich doch!
  • Stell dich Bitteschön nicht so an!
  • Was hast du denn nun schon wieder?
  • Du bist echt ein Wahnsinn, so eine Katastrophe! 

Solche oder ähnliche Sätze (ergänze gern aus deinem persönlichen Repertoire) kommen uns allen (inklusive mir) gelegentlich über die Lippen, dabei bringen sie uns selbst UND dem Kind genau gar nichts. Sie sind auch keine Hilfe für das geplagte Menschlein, sondern lediglich Ausdruck unseres eigenen Zustands, in dem wir uns befinden: zu müde, zu genervt, zu frustriert, zu enttäuscht, zu gestresst, zu schlecht gelaunt, zu sonst was – um angemessener reagieren zu können. Wir wollen einfach, dass es aufhört, dass wir (oder das Kind) endlich wieder kontrollieren, was abgeht.

Kontrolle heißt in dem Fall oft: Unterdrücken, Wegdrücken, Abschalten. Doch es braucht einen anderen Umgang.

Solltest du einfach NICHT WISSEN, wie man besser auf heftige Gefühle reagiert, hab ich hier drei Schritte für dich auf dem Weg von der Unterdrückung hin zur Regulation. Ich beschreibe sie im Folgenden aus der Sicht eines Elternteils zum Kind, doch merke dir: auch mit Erwachsenen verhält es sich so und du kannst diese Schritte jederzeit auf Erwachsenenbeziehungen ummünzen. 

SCHRITT 1: GEFÜHLE ERKENNEN & BENENNEN

Wenn dein Kind sich in einem emotionalen Sturm befindet (oder auch nur einer Verstimmung) ist es wichtig, es dort abzuholen, wo es gerade steht. Je jünger das Kind ist und je geringer die sprachliche Ausdrucksfähigkeit und Entwicklung fortgeschritten ist, desto mehr braucht es eine erwachsene Bezugsperson, die dieses Versprachlichen für das junge Kind übernimmt. Natürlich können wir auch manchmal falsch liegen, aber der Versuch, das Kind in seinem Gefühl zu erfassen, ist enorm wichtig. Sag also:

  • Ich merke, du bist wütend – stimmt das?
  • Du ärgerst dich aber grad richtig – erzähl doch!
  • Das ist richtig frustrierend für dich, hab ich recht?
  • Du weinst ja, bist du grad richtig traurig, was?
  • Du bist verletzt, weil du ausgeschlossen wirst, stimmt’s?

So oder so ähnlich geben wir dem Kind zu verstehen: ich sehe dich in deinem Gefühl. Ich lasse dir dein Gefühl und sag dir durch meine Worte: du bist richtig und gut und darfst dich so fühlen. Auch wenn wir es auf unserer erwachsenen Verstandesebene vielleicht überhaupt nicht kapieren. Das ist in dem Moment egal. Es geht um das Kind und darum, dass es gesehen werden will.

Und darum, dass wir unseren Lösungsimpuls: „Geh, ist doch nicht so schlimm!“ erstmal unterdrücken, weil es vorher noch etwas anderes braucht.

SCHRITT 2: BEDÜRFNIS SEHEN

Vor jedem Gefühl steht ein Gedanke, und hinter jeder Emotion steht ein Bedürfnis, das gerade erfüllt ist (wenn es uns „gut“ geht) oder eben nicht erfüllt ist (wenn es uns „schlecht“ geht). Ich plädiere gern dafür, auch positive Gefühlslagen sprachlich auszudrücken, weil es auch dafür Worte braucht, um eine gute emotionale Bildung zu fördern. Doch das Beschreiben von Bedürfnissen hinter belastenden Gefühlen ist NOT-wendig. Es ist der erste Schritt in Richtung Lösung, wenn wir solche kleinen oder großen Krisen bewältigen und absolut wichtig, weil wir uns in diesem Schritt damit befassen: welches meiner Bedürfnisse ist grad nicht ausreichend erfüllt?

Dieser Schritt wirft uns zurück auf uns selbst, weil jeder Mensch unterschiedlich auf Situationen reagiert und jede Person individuelle Belastungsgrenzen hat. Bedürfnisse selbst sind allerdings immer universell, das heißt: JEDER Mensch hat sie, wenn auch in verschiedenem Ausmaß.

  • Du möchtest wieder mit deiner Mannschaft Fußball spielen können, nicht?
    (Bedürfnisse dahinter z.B.: körperliche Bewegung, Spaß, Spiel, Gemeinschaft, Selbstausdruck…)
  • Du möchtest auch mitspielen mit deinem Bruder, hab ich recht?
    Bedürfnisse dahinter z.B.: Dazugehörigkeit, Akzeptanz, Frieden, Harmonie, Integration, Liebe, Verbindung, Anerkennung…)
  • Du vermisst deine Freundinnen schon heftig, und würdest die gern wieder umarmen?!
    (Bedürfnis dahinter z.B.: Berührung, Leichtigkeit, Wohlgefühl, Wahlfreiheit, Wärme,…)

Je jünger Kinder sind, desto eher braucht es eine „Übersetzung“ in eine kind- und altersgerechte Sprache. Ein Zweijähriger hat nämlich sehr wohl ein Bedürfnis nach Integrität, kann aber mit dem Wort nix anfangen. Das erfordert schon allerhand sprachliches und emphatisches elterliches Geschick.

SCHRITT 3: AUSDRUCK VERLEIHEN

Wenn jemand erfreut ist, würden wir nie sagen: hör doch auf zu Lächeln. Bei Emotionen, die wir als „negativ“ bewerten, verlangen wir das aber öfter von uns oder den Kindern. Dabei dürfen und sollen Gefühle „raus“ – es kommt nur auf ein gutes „WIE“ an.
Wut an anderen Kindern auslassen: ungünstig. In den Boxsack kicken, weinen, stampfen: gut möglich. Rausgehen, sich körperlich betätigen, Musik hören, ablenken: vielleicht auch. Es kommt immer auf individuelle Lösungen an, weil für jeden Menschen etwas anderes gut ist. 

Wichtig ist einfach: Emotionen unterdrücken führt dazu, dass sie sich einerseits aufstauen im Innen und andererseits zu einer Unterdrückung, die langfristig nicht nur zur Folge hat, dass negative Regungen dann irgendwann ausbleiben sondern leider auch positive. Dann gibt’s nur mehr minimale Höhen und Tiefen und ganz viel „plattes Land“, wie Nora Umlau das in ihrem Buch („So viel Freude, so viel Wut“) beschreibt. Und das will ich ja bitte überhaupt nicht, dass wir bei unseren Emotionen, unserer Lebensenergie am Bremspedal stehen!

Also braucht es ein Ventil, noch besser mehrere verschiedene, eine passende Ausdrucksmöglichkeit und die Botschaft an das Kind:

  • DU bist okay, wie du bist.
  • Du hast starke Gefühle und die kannst du auch ausdrücken.
  • Ich begleite dich dabei, dass das in Akzeptanz deines Umfeldes passieren kann. 

In diesem Feld gehen wir also mit (intensiven) Gefühlen um. Das ist emotionale und menschliche Schwerstarbeit und daher sei gesagt: kein Elternteil dieser Welt schafft das in 100% der Situationen, weil es dazu braucht, dass wir selbst eine halbwegs gut versorgte Bedürfnislage brauchen, um diese sensible Arbeit mit den Kindern (oder anderen Menschen) erfüllen zu können.
Fehler (=Erfahrungen) sind erlaubt und auch okay, sie zeigen dir einfach: DU SELBST hast auch gerade ein Bedürfnis nicht erfüllt ;-). Eine Einladung zur Selbstfürsorge, sozusagen.

BEGEGNUNGEN IM VERHÄLTNIS 5:1

Es gibt Untersuchungen, die zeigen: wenn auf fünf positive Begegnungen eine negative folgt, ist das immer noch eine gute / glückliche / zufriedene Beziehung. Also im Zweifelsfall und in intensiven Zeiten dann jedenfalls darauf achten, genügend positive Beziehungsangebote zu setzen, die dieses Verhältnis herstellen können. 

  • Eine Umarmung.
  • Ein liebevoller Blick.
  • Ein wertschätzendes Wort.
  • Eine kleine Gefälligkeit.
  • Das Lieblingsessen kochen.
  • Ein gemeinsamer Spaziergang. Es kann was ganz, ganz Kleines sein.

Die Einschränkungen und Veränderungen im Leben der Kinder in den letzten Monaten machen was mit ihnen. Und mit uns.
Seien wir die Lobby unserer Kinder. Setzen wir uns für ihre Bedürfnisse ein. Geben wir ihren Gefühlen Raum und Gewicht und begleiten sie da durch.

Wenn „Freunde einladen“ der neue zivile Ungehorsam ist, dann – JA – ist das ein Aufruf, sich weniger an Regeln zu halten als an menschliche Bedürfnisse. Das sehe ich als meine elterliche Verantwortung.

Was in diesem Beitrag war neu für dich und was willst du dir mitnehmen in deinen Alltag?
Lass es mich wissen! Mehr zu diesem Thema? Einfach kommentieren …. bitte & danke!


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Kommentar schreibenKommentare: 1

  • #1Viola Liebisch (Sonntag, 07 Februar 2021 11:20)Ich lese schon länger deinen Blog und wollte dir auf diesem Weg von ganzem Herzen danken. Du gibst mir so viel Inspiration, so viel Verständnis für mich selbst und meine Kinder. Es ist oft wie ein Rettungsring wenn man denkt, dass das Leben und die Gefühle einen überrollen, wie eine Welle im Meer. Du hast so eine tolle Art zu schreiben und es ist immer wieder sehr beruhigend, wenn man sieht, dass es anderen mit Kindern oder dem Partnern auch so ergeht. Und das große Highlight: dass du verschiedene Lösungswege gleich dazu schenkst, die in der Realität auch wirklich umsetzbar sind 😀 Danke auch für die Buchtipps und Zitate, dadurch kann man sich gut zusätzliche Infos holen. Alles Liebe Viola