17 ANTI-Tipps für die Ferien

17 ANTI-Tipps für die Ferien

Ferienstimmung. Endlich! Nach einem gefühlt endlos andauernden Schuljahr ist die Ziellinie nun in Sichtweite und die Pause zum Greifen nah. Elternteile sehen Ferien ja oft mit gemischten Gefühlen entgegen. Erhöhter Betreuungsbedarf, weniger Entlastung – dafür auch mehr Freiheit und ein entspannter Alltag, weil schulische Pflichten wegfallen.
Hier bekommst du heut keine guten Ideen für die Ferien, sondern 17 Tipps, wie du Ferienstimmung ganz schnell ruinierst: für dein Kind UND dich selbst. (Enthält Spuren von Ironie und Sarkasmus.)

GEWAPPNET FÜR DEN FALL DER FÄLLE

Was war das bitte für ein Jahr. Ich weiß noch, als ich beim Elternabend des Gymnasiumsanfängers saß (zumindest gab’s noch einen Elternabend): Über knapp drei Stunden wurde versucht, uns Eltern auf das Szenario des Homeschooling einzuschwören, wir wurden in technische Details eingewiesen, Plattformen wurden präsentiert, sehr viel Energie für den „Fall der Fälle“ aufgewendet. „Falls es so kommt“, haben sie gesagt. Und ich dachte naiver Weise: „Geh, die Schulen sperren die uns nimmer zu!“. Ha!

HERAUSFORDERUNGEN DER ANDEREN ART

Zwei Wochen später saß die Oberstufenschülern schon daheim und kurz darauf auch die beiden anderen. Schluss mit Lustig. Und zwar für längere Zeit, als ich und wir alle uns wohl je gedacht hätten. Jede und jeder hat diese Zeit anders erlebt, es gab verschiedenste Herangehensweisen und so empfanden Elternteile wie Schüler:innen das distanzierte Lernen unterschiedlich. Je nach Persönlichkeit, Anspruch und Anforderungen der Schule bzw. Lehrkraft und familiärem Umfeld gab es Herausforderungen der besonderen Art. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich … ich freu mich auf die Ferien. In jedem Jahr. Und heuer ganz besonders.

ZWICKMÜHLE FERIEN

Ferien bedeuten oft für Eltern zusätzliche Betreuung zu organisieren, aufgeteilte Urlaubstage und geänderte Tagesroutinen, die auch anstrengend sein können. Doch die Auszeiten sind wichtig und gut – für Eltern und besonders für Kinder. Je jünger, desto mehr. 
Wie du die Ferien für dich und euch zu einer guten Zeit werden lässt? Kann ich nicht genau beantworten, denn auch hier gibt’s verschiedene Vorlieben und Zugänge. Aber hier und jetzt sag ich dir, wie sie garantiert fürchterlich werden.

HOW TO RUIN THE HOLIDAYS:

  1. Gib ihnen täglich Übungen und Aufgaben um den versäumten Stoff aufzuholen!
  2. Sag ihnen möglichst oft, dass sie während dem Homeschooling eh nur faul waren!
  3. Lass sie bloß nicht ausschlafen – das haben sie eh von November bis März getan!
  4. Halte ihnen jeden Tag die nicht geschafften Units unter die Nase!
  5. Prüfe sie täglich! Wahlweise 1×1, Vokabeln, europäische Hauptstädte,…
  6. Lobe sie bloß nicht! Dieses Jahr haben die nix geleistet! 
  7. Hab kein Verständnis für ihre Erschöpfung! Wovon sollen die fertig sein? Vom Daheim-sitzen?
  8. Halte ihnen so oft wie möglich vor, wie schlecht es dir mit ihnen daheim ging!
  9. Zeig bitte kein Mitleid, wenn die Notentendenz nach unten ging! Selbst schuld, oder?
  10. Zwing sie, alles versäumte oder lückenhaft Bearbeitete nachzuholen!
  11. Lass ihnen nur keine Pause! 
  12. Kauf alle Ferienhefte der Schulstufe zu den dazugehörigen Schulbüchern und zwing sie, diese vollständig ab zu arbeiten!
  13. Verbiete ihnen alles, was Freude macht, wenn sie das nicht tun!
  14. Betone immer wieder, dass sie die „verlorene Generation“ sind, die ein ganzes Jahr in den Sand gesetzt hat!
  15. Schimpfe auf ihr mangelhaftes Organisationstalent und gib ihnen zu verstehen, dass sie das ohne dich nie geschafft hätten!
  16. Plane die Ferien minutiös durch und melde sie zu allen Ferienveranstaltungen an, die sie nicht interessieren – so hast du wenigstens Ruhe von ihnen!
  17. Akzeptiere kein Jammern über das letzte Schuljahr – du hattest es doch viel schwerer!

IRONIE OFF

So, und jetzt wieder im Ernst: diese unsere Kinder haben Unglaubliches geleistet. Genau wie wir. Sie haben vielleicht den Stoff nicht in jedem Gegenstand lückenlos erarbeiten können, doch sie haben teilweise wichtigere Dinge gelernt. Dass Schule ein wichtiger Ort ist und soziale Kontakte überlebensnotwendig sind. Schüler:innen haben viel über sich selbst erfahren: wie geht’s mir, wenn ich alleine lerne? Liegt mir das mehr oder weniger? Kann ich mich selbständig organisieren? Wie gut habe ich meine Aufgaben im Blick? Wer oder was motiviert mich, wenn ich wenig synchronen Kontakt mit meinen Lehrkräften hab? 

UMGANG MIT DER ANGST

Wir alle waren auf irgendeine Art und Weise mit unseren Ängsten konfrontiert. Bei manchen war das Angst vor Krankheit, bei anderen Angst vor Überforderung, vor Überlastung, Zwang. Auch die Ängste, die viele Schüler bei jedem „harmlosen“ Nasenbohrertest hatten, weil ein positives Testergebnis wie ein kleines Damoklesschwert dreimal die Woche über ihnen schwebte. Und nicht zu vergessen: die Angst, was das alles mit uns als Gesellschaft macht und ob wir die Spaltungen und Differenzen überwinden werden können. Allein dafür haben wir uns schon einen Urlaub verdient.

WIR SIND ERSCHÖPFT

Egal, was dich oder mich in diesem Jahr besonders mitgenommen hat: wir sind alle irgendwie erschöpft. Das ist nach einem „normalen“ Schuljahr schon so und heuer ganz besonders. Doch wir haben’s fast geschafft. Vieles ist gründlich schief gegangen und läuft auch jetzt noch nicht rund. Hier gab es definitiv mehr Konflikte, die emotionale Zündschnur war zeitweise kürzer als kurz und mir gelang es nicht immer, den zwischenmenschlichen Umgang so zu gestalten, wie ich es mir gewünscht hätte. In Ausnahmesituationen funktioniert man eben nicht wie normal. 

Jetzt haben wir uns eine Pause verdient. Alle zusammen. Die Jüngsten in dieser Gesellschaft und alle Erwachsenen rundherum, die auf ihre Weise dazu beigetragen haben, dass dieses Jahr ohne Totalschaden vorbeigeht. Kratzer und Dellen haben wir womöglich alle davongetragen. Und die dürfen jetzt ein Stückerl heilen.

So wünsch ich dir jetzt schon:

… einen guten Abschluss für dieses verrückte Schul- und Kindergartenjahr.
… einen entspannenden Sommer mit viel Sonne im Herzen (das Wetter haben wir ja nicht in der Hand ;-)!
… zahlreiche Momente die du mit Nichtstun befüllen kannst.
… Langeweile und ein bisschen Kreativität.
… dass du auftanken kannst für den Herbst – egal wie der dann aussieht.
… Leichtigkeit, Freude und glückliche Momente (und dass du sie erkennst ;-)!)

Worauf freust du dich am meisten diesen Sommer?
Hast du eine Empfehlung für Eltern, die einfache Tipps für die Ferien möchten?
Immer her damit in den Kommentaren! Danke dir … 🙂