Umgang mit TOD und TRAUER

Umgang mit TOD und TRAUER

Wenn Kinder mit Tod und Trauer in Berührung kommen, sind die begleitenden Erwachsenen fast immer mit betroffen, was die Situation irgendwie erschwert. In einer Phase, wo man selbst wie vernebelt da steht und Unterstützung brauchen kann, sind Eltern auch noch gefordert, ihre Kinder gut zu begleiten.

Ob Kinder anders trauern als Erwachsene, welche Möglichkeiten wir in der Trauerbegleitung als Eltern haben und was man vermeiden sollte – all das hab ich in einem Gespräch mit Trauerbegleiterin Petra Maria Burger erfragt. Und hier für dich zusammen gefasst.

ERFOLGREICH AUSGEBLENDET 

Ich geb’s zu: der Tod und die Trauer haben in meinem Leben – selbst als Erwachsene – bisher relativ wenig Platz eingenommen. So wie es bei den meisten Menschen ist, kommen die beiden plötzlich und meist unerwartet zu Besuch und bringen diese unerträgliche Schwere. Sie rücken aber immer meine Prioritäten zurecht, wofür ich dann doch wieder dankbar bin. Doch wenn Kinder trauern, ist manches noch mal anders.

EXPERTIN FÜR LEBENSWENDEN

Da ich selbst keine Fachfrau in dem Bereich bin, hab ich mir Know-How von einer Expertin zu dem Thema geholt. Petra Maria Burger ist Begleiterin für LebensWENDEN und ist in dieser Funktion auch als Trauerbegleiterin mit dem Tod öfter befasst als ich. Hier liest du, was wir ganz allgemein über’s Trauern besprochen haben und was es da bei Kindern zu beachten gilt.

ZWISCHEN TOD und TRENNUNG / VERLUST

Wenn Kinder trauern, hat das nicht immer zwangsläufig mit dem Tod eines Menschen zu tun. Für junge Kinder sind Verlust und Trennung oft ebenso schmerzhaft, weil ihnen bis zum Alter von 3 Jahren der Zeitbegriff fehlt. Sie leben völlig im Moment und unterscheiden nicht zwischen lebendigen und leblosen Dingen in ihrem Leben. Sie trauern auch um das verloren gegangene Lieblingsstofftier. Der Tod ist für sie wie eine kurze Abwesenheit von jemandem, etwas Vorübergehendes. Das ändert sich im Grunde nicht wesentlich bis zum Alter von 6 Jahren, wo Kinder immer noch die Idee haben, „ewig“ zu leben. Das dürfen wir Erwachsene in Erinnerung behalten.

ZWISCHEN REALITÄT, FANTASIE und PHILOSOPHIE

Im Grundschulalter lernen Kinder langsam zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden, der Verstand schaltet sich bei dem Thema ein und der Tod wird oft personifiziert („Der schwarze Mann“, „Teufel“ ,…). Da können natürlich große Ängste entstehen, denen sie auch mit forschenden Fragen rund um das Sterben begegnen und alles genau wissen wollen. Erst später tauchen Sinnfragen („Was ist der Sinn meines Lebens?“) auf und spirituelle Dinge („Was kommt nach dem Tod?“) wollen besprochen werden. Sie erleben und gestalten oft schon bewusster ihren Trauerprozess.

WIE REAGIEREN KINDER?

Kinder können zwar je nach Entwicklungsstand nicht alles begreifen, doch sie zeigen dennoch Reaktionen – selbst wenn sie nicht „verstehen“, was da gerade passiert. Das kann alles sein:

  • Rückschritte in der Entwicklung (wieder Schnuller brauchen, einnässen, mehr Einschlafbegleitung benötigen,…)
  • Verhalten kann sich verändern (vor allem Gewohnheiten beim Schlafen, Essen, beim Rückzug,…)
  • Gefühle dringen heftiger an die Oberfläche: sie sind zornig, wütend, aggressiv, unruhig, ängstlich, ..
  • Ängste können auftauchen: vor Trennung, Abschied, Einschlafen, …
  • Fragen werden gestellt: Warum ist Oma gestorben? Wo ist sie jetzt? Kommen die Regenwürmer? 

Wichtig zu wissen ist: es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Reaktionen in der Trauer. So wie Kinder individuell sind, ist es richtig – so lange sie niemandem (sich selbst oder anderen) damit schaden. Die Trauer nimmt einen Platz in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern ein. Diesen Platz dürfen wir als Erwachsene würdigen und betreuen. Und unsere eigene Trauer dabei leben. 

Wie kann man also Trauer von Kindern begleiten?

MIT…

… HÄNDEN

  • ins Tun kommen, besonders, wenn Kinder verschlossen sind
  • etwas gestalten (eine Kerze verzieren mit Farben oder Dingen, die es an den verstorbenen Menschen erinnern, eine Zeichnung machen oder einen Brief schreiben,…)
  • einen Raum schaffen: eine Ecke in der Wohnung mit Erinnerungsstücken, Fotos einrichten
  • zum Grab gehen, Blumen hinbringen, Kerzen anzünden, …
  • alle Sinne mit ein beziehen um zu begreifen (Gerüche als Erinnerungen einordnen, das Lieblingsessen des Verstorbenen kochen, den Klang der Stimme auf Videos etc. anhören…)
  • sich halten und aushalten. Und sich gegenseitig trösten, um zu trösten! (NICHT: um das Weinen, traurig sein, … zu stoppen!)
  • begreifen: der Sarg ist wichtig, um den Tod zu begreifen, das gelingt „nur“ mit der Urne schwerer

… GEFÜHLEN

  • nicht nur über den verstorbenen Menschen reden, sondern darüber, wie ich mich dabei gefühlt hab, als wir das mit ihm / ihr erlebt haben
  • gleichzeitige Gefühle bei Kindern zulassen: sie sind dazwischen auch fröhlich, ausgelassen und lustig. Das ist natürlich und braucht erwachsenes Verständnis, weil wir diese Emotionen eher „hintereinander“ erleben.
  • teilhaben lassen! Auch wenn Kleinkinder nicht verstehen, was da beim Verabschieden (Begräbnis, Leichenhalle,..) passiert: wichtig ist das Gefühl, Teil des Familienverbandes, des „größeren Ganzen“ zu sein! 
  • gemeinsam schweigen können und einfach fühlen, wenn die Worte fehlen („Ich weiß nicht, was ich sagen soll“ – immer noch besser als ausweichen oder Kontakt vermeiden).
  • das Kind abholen, wo es ist: Wem öffnet es sich, wem vertraut es?
  • feinfühlig sein und auch nachfragen „Was brauchst du jetzt (von mir)?“

… WORTEN

  • Worte finden für das Gefühl und es benennen – bei sich selbst (es dem Kind vorleben) und beim Kind selbst (es unterstützen mit der Sprache)
  • im Gespräch bleiben, Erinnerungen austauschen und aufleben lassen 
  • Geschichten erzählen, die man mit dem gegangenen Menschen erlebt hat
  • dabei den Namen des verstorbenen Menschen aussprechen
  • sich mutig den Fragen des Kindes stellen, aufrichtig beantworten UND
  • mutig Fragen stellen („Kannst du schlafen? Magst du darüber reden? Weinst du dich in den Schlaf?“)
  • Anteilnahme AUCH dem Kind gegenüber zeigen „Es tut mir Leid, dass dein Opa gestorben ist!“ (Sie nicht einfach übergehen!)

… VERSTAND

  • naturwissenschaftliche Erklärungen liefern für ältere Kinder („Ja, wir bestatten den Körper, der wird verwesen.“)
  • auch absurde Fragen beantworten: Kommen da jetzt die Regenwürmer? („Da drin leben Regenwürmer und ja, die machen alles wieder zu Erde, auch den begrabenen Körper.“)
  • jede Veränderung als natürliche Reaktion auf Verlust anerkennen
  • aufmerksam sein, wenn Jugendliche im „Netz“ trauern – sich dafür interessieren und nachfragen! („Hast du schon Erfahrungen geteilt im Internet? Wo machst du das? Möchtest du mich teilhaben lassen?“) Trauer kann dort leicht missbraucht werden, weil Kinder und Jugendliche in dieser sensiblen Phase besonders empfänglich für die tröstenden Worte sind, die dort gespendet werden können.

… VORSICHT

  • „Opa schläft jetzt für immer.“ Bitte das Wort „schlafen“ raus halten! Das könnte Auswirkung auf das Schlafverhalten haben und Ängste schüren!
  • „Das erste Jahr ist das Schlimmste!“ oder „Es wird leichter werden!“ Das weiß man nicht, also bitte NICHT sagen. Manchmal bleibt eine Resttrauer für das Leben lang da.
  • „Oma ist im Himmel und sitzt auf einer Wolke!“ – bitte den Kindern nur sagen, wovon man selbst überzeugt ist! Die spüren sonst diese Ungewissheit! „Er lebt weiter in unseren Erinnerungen, wenn wir von ihm sprechen, einen Geruch mit ihm verbinden, …!“
  • nicht gleich ein verstorbenes Haustier „ersetzen“, wenn es gestorben ist – auch darum trauern!
  • ganzes Haus als Erinnerungszone zu gestalten, erschwert die Trauer! 

… HILFE

  • annehmen, wenn möglich & zumutbar: Kinder von Freunden abholen / betreuen lassen – schafft Auszeiten für Kind und Eltern!
  • anbieten, wenn du jemanden kennst, der trauert: 
    • „Was brauchst du in dieser Situation?“
    • „Ich hab mir gedacht, ich bring euch etwas zu essen / Kuchen / Obst … vorbei, wär das was für euch?“
    • „Was kann ich jetzt gerade für dich tun?“
  • suchen, wenn man als Elternteil überfordert ist; besonders bei Verlust des Elternteils – es gibt Trauergruppen, Rainbows, … wo man Unterstützung und Entlastung bekommt

UNBEGREIFLICH TRAURIG

Was für Kinder auch sehr schwer zu begreifen sein kann, ist das Thema Fehlgeburt. Wenn sie (direkt oder am Rande) mitbekommen, dass die Mutter eine Fehlgeburt erlebt, heißt es achtsam sein. Das Kind hat zwar vielleicht noch keine Bindung zum Ungeborenen aufgebaut, spürt aber die Trauer der Eltern über den Verlust und hat Fragen. Da kann es heilsam sein, klare Worte zu finden und das unbegreiflich Traurige auszusprechen …

  • „Wir hätten uns schon so gefreut, noch ein Baby zu bekommen. Darum sind wir so traurig.“
  • „Es scheint, als war es nicht gesund genug, um zur Welt zu kommen.“

Auch ungeborene Kinder dürfen ihren Platz im Familiensystem erhalten, gesehen und geehrt werden. Man kann einen Platz in Natur oder Garten für das Kind finden, eine Gedenkstätte für Ungeborene aufsuchen oder zum Beispiel auch ein Schifferl aus Naturmaterial basteln und es in einen Bach oder Fluss setzen. Und das Leben ziehen lassen. Empfehlung: aufmerksam hinhören, welche Fragen das Kind stellt. Diese (und nicht mehr) beantworten – aufrichtig und ehrlich, in kindgerechter Sprache. Dann wird es nicht überfordert von erwachsenen Antworten.

DEN WEG GEHEN

Abschließend kann man sagen: Trauer ist keine Krankheit, sondern ein Weg und somit Teil des Lebens. Man muss nach einem Verlust, wobei der Tod die endgültigste Form ist, nicht gleich wieder „funktionieren“ wie immer, es darf dauern, bis man in der neuen Lebenssituation angekommen ist. Das Familienmobile wackelt heftig, wenn jemand verstirbt. Diese Unsicherheit und Bewegung macht sich in jedem System auf seine Art bemerkbar. Es ist anstrengend, aufreibend und Kräfte zehrend, sich dem Prozess zu stellen. Für Kinder und Erwachsene.

„Trauer ist Teil des Lebens. Sie ist Liebe, die über den Tod hinaus reicht. Nehmen wir sie an.“

Petra Maria Burger

Dieses Zitat ist für mich ein Schimmer der Hoffnung, ein Zeichen, dass wir trauern sollen und dürfen. Dass unsere Verstorbenen einen würdigen Platz verdienen und wir sie in den unterschiedlichsten Dingen des Lebens ehren dürfen.
Und für sie weiter leben.
Jeden Tag als Geschenk annehmen.
Und dankbar bleiben für all das Gute, was wir durch sie und mit ihnen im Leben erfahren haben.

Alles wie IMMER, eigentlich. ?!

Alles wie IMMER, eigentlich. ?!

Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten?
Noch nie war unser Leben so wie jetzt?
Die Krise ist einfach nur fürchterlich und soll möglichst schnell vorbeigehen? 
Ja und nein. Warum ich finde, dass in vielen Bereichen alles wie immer ist und wie uns das in eine positive Zukunft leiten kann, gibt’s hier und heute zu lesen.

Nun leben wir bereits seit einem Monat in einer so genannten Ausnahmesituation. Wir erleben Einschränkungen, die jeden und jede von uns im täglichen Leben in irgendeinem Bereich betreffen und unseren Alltag scheinbar komplett auf den Kopf stellen.
Nachdem ich mich selbst oft auf den Kopf stelle (Kopfstand oder andere Umkehrhaltungen…) ist’s passiert. Ich hab bemerkt, dass Vieles gar nicht so sehr anders ist, als vor vier Wochen. 

Zum Beispiel beim Thema….

… SCHULE:

Ja, die Schulen sind zugesperrt und der Unterricht wurde ins Wohnzimmer beordert, digitalisiert und an uns Familien ausgelagert, verbunden mit viel Druck.

Und doch ist es so, dass da vorher schon Druck war, und dass es meiner Beobachtung nach jetzt so ähnlich ist wie vorher. Die Lehrpersonen, denen die Schüler*innen am Herzen liegen, schaffen es auch jetzt, sie zu motivieren und die machen auch jetzt gute Arbeit. Die, die vorher schon mangelhaft waren, bringen auch jetzt keine empathische Zeile in einen Elternbrief oder einen Funken Verständnis für die Kinder auf (von uns Eltern gar nicht zu reden) und sorgen sich lediglich um die Abarbeitung von Lehrplänen, als wäre das WIE im Umgang miteinander irrelevant. Das System ist veraltet und braucht dringend Veränderung, Innovation und Pädagog*innen mit ganz viel Herz und Hirn, die meine Hoffnung für das System am Leben erhalten.

Also: Alles wie immer, eigentlich.

… MOBILITÄT:

Ja, die Reisefreiheit ist derzeit nicht gegeben und wir sollen unseren Aktionsradius möglichst klein halten – unnötige Fahrten vermeiden. Und ja, das ist auch traurig – denn vom „Welt anschauen“ bekommt man auch eine andere „Weltanschauung“, was wichtig ist für einen weiten Horizont.

Und doch ist es so, dass es vorher schon ungesund war, in welchem Ausmaß wir die Welt beflogen haben, für zweistündige Meetings vier Stunden im Flieger zu sitzen oder dass wir wegen jeder Kleinigkeit ins Auto einsteigen und CO2 in die Luft blasen. Es geht auch mit viel weniger, wie wir uns gerade selbst beweisen und das war auch schon vorher so.

Also: Alles wie immer, eigentlich.

… KONSUM:

Ja, die meisten Geschäfte sind zu, die großen Einkaufstempel leer und seit Wochen kaufen wir fast ausschließlich das, was wir tatsächlich zum Überleben in der westlichen Zivilisation brauchen und reduzieren uns somit drastisch.

Und doch ist es so, dass es vorher sowieso „too much“ war, dass wir sowieso reflektieren dürfen, was wirklich notwendig ist und vor allem: woher unsere Güter kommen. Dass Regionalität und vor allem Saisonalität bei Lebensmitteln wichtig sind, dass wir lokale Geschäfte dem Online Handel vorziehen sollten und dass wir auch mit viel, viel weniger überleben. (!) 

Also: Alles wie immer, eigentlich.

… GESUNDHEIT:

Ja, ein weitgehend unbekanntes Virus bedroht die Gesundheit vieler Menschen und gefährdet die ohnehin Geschwächten in einem zunehmend überlasteten Gesundheitssystem. 

Und doch ist es so, dass Gesundheit mehr ist, als die Abwesenheit von speziellen Krankheiten und Erregern. Gesundheit ist auch nicht nur körperlich, sondern umfasst den Menschen als Ganzes mit Körper, Geist und Seele. Und es war auch schon immer so, dass wir selbst Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen dürfen, auf uns selbst achten und bewusste Entscheidungen treffen sollten, anstatt die Macht darüber komplett und widerspruchslos in die Hand von Tabletten, Spritzen, Götter in Weiß oder Pharmakonzerne abzugeben. Gesundheit ist und war immer schon mehr als ein Wert, der sich in eine Tabelle einordnen lässt und vor allem: kostbar. Das wird uns halt derzeit wieder deutlich bewusst.

Also: Alles wie immer. Eigentlich.

… BEZIEHUNGEN:

Ja, wir dürfen derzeit viele unserer „Lieben“ nicht treffen, umarmen oder mit ihnen feiern. Digitale Kanäle werden genützt für virtuelle Stammtische, Mädelsabende, Yogaeinheiten oder Fitnesstrainings, Musikunterricht oder zum Singen als Chor – vor einigen Wochen teilweise noch unvorstellbar.

Und doch ist es so, dass es vorher schon diese Möglichkeiten gab und wir sie in vielen Bereichen nicht verwendet haben, weil eins jetzt so richtig klar wird: menschliche Begegnung, Echtzeit-Reaktion ohne Bildschirm dazwischen und körperliche Nähe können NIEMALS auf Dauer durch Videochats, Telefonanrufe oder Live-Streams ersetzt werden.

Kein Mädelsabend, kein Musikunterricht, kein Training und auch keine Yogastunde, mag sie auch noch so gut angeleitet sein. Wir merken gerade den haushohen Unterschied in der Qualität der Begegnung im echten Leben zur digitalen Version, auch wenn wir vielleicht froh sind, zumindest DAS momentan zu haben. 

Also: Alles wie immer. Eigentlich.

… VERSTAND:

Ja, irgendwie wird uns das Denken und Entscheidungen treffen scheinbar kollektiv abgenommen, weil uns verkündet wird, wie wir uns wo und wie lange zu verhalten haben, was uns erlaubt ist, und was nicht.

Und doch ist es so, dass es jetzt, genau so wie vorher, wichtig ist, seinen Verstand weiterhin zu benützen, genau hinzuschauen und mit zu denken. Steckt vielleicht mehr hinter dem, was wir auf dem Tablett und offensichtlich serviert bekommen? Welche Situationen werden hier gesellschaftlich oder politisch wofür verwendet? Wie verhalten wir Menschen uns als Masse? Welche Dinge werden in den Medien kommuniziert und welche eventuell vermieden? Wie läuft die Kommunikation ab und welche Wörter fallen (häufig)? Es ist und war immer schon gut, einen Blick hinter das Offensichtliche zu wagen, eine eigene Meinung zu bilden, menschlich und mit Hausverstand zu handeln und auch nicht in kritischen Situationen zum Objekt degradieren zu lassen, sondern Subjekt zu bleiben. Und den Verstand zu benützen, wenn vorhanden.

Also: Alles wie immer, eigentlich.

… FAMILIE:

Ja, für Familien ist das derzeit ein Ausnahmezustand. (Also: gerade nicht sooo sehr, sind ja Osterferien ;-). ) Gesellschaftliche Erwartungen werden an die Familien gestellt, sie sollen umsetzen, erfüllen, funktionieren.

Keiner fragt, ob und wie das gehen kann. Sie setzen uns in den Kelomat

Und doch ist es so, dass das ja vorher schon so war. Die Spielregeln wurden nur geändert.

Vorher hieß es: die Kinder müssen früh in Betreuung oder Schule, das ist gut und wichtig für sie.

Jetzt heißt es: macht das zuhause, aber bitte gut, denn: das ist wichtig für sie. Und wenn man es nicht „schafft“, ist es keine „Schande“, die Kinder tageweise auch zurück in die Betreuung zu bringen. (Überlegt euch mal die Wortwahl!! Wer fühlt sich gut, da die Kinder abzugeben, lieber Kommunikationsprofi??)

Jedenfalls mussten wir vorher schon umsetzen, erfüllen, funktionieren. Und vorher schon war es wichtig, den Raum „Familie“ zu schützen. Vor falschen und klischeehaften, idealisierten und unrealistischen Bildern, die da an uns herangetragen werden, vor überhöhten Vorstellungen von Außen, wie Erwerbsarbeit, Carearbeit und Haushalt unter einen Hut zu bringen sind. 
Familie, das wird uns gerade wieder sehr bewusst, ist ein kostbarer Raum. Der intensive Pflege und Auseinandersetzung braucht, wo Gefühle und Bedürfnisse gelebt, aufgefangen und bearbeitet werden.

Unsere Insel, unser Fels in der Brandung. Was vorher schwierig war, ist es jetzt eventuell noch mehr. Und was gut und bereichernd war, ist es jetzt definitiv auch. Zumindest hier.

FAMILIE ist ein schützenswerter Raum, ein sensibles Gefüge, das leicht ins Wanken kommen kann.

Ein System, das uns beeinflusst und trägt, und eigene Dynamiken entwickelt und hoffentlich die Sicherheit bietet, die wir brauchen und die unsere Kinder brauchen.

In ruhigen und in krisenhaften Zeiten.

Also: ALLES wie IMMER.