Der Hoffnung Flügel verleihen

Der Hoffnung Flügel verleihen

Kurz vor Weihnachten frage ich mich: was wird das wohl noch werden? Nebel, Dunkelheit, Kälte und Verwirrung findet sich an so vielen Orten, in so vielen Herzen. Als Gesellschaft sind wir gebeutelt – durch verschiedene Dinge. Kommt da nicht Weihnachten gerade recht? Das Prinzip Hoffnung und wie und wodurch uns diese Haltung Flügel verleihen kann. Und was ich mir und uns allen zu diesem Fest wünsche.

VOM ANFANG BIS ZUM ENDE

Ganz subtil wird schon seit Wochen und Monaten mit dem Gefühl der Angst in der Gesellschaft gearbeitet, wir werden kleiner und kleiner in verschiedener Hinsicht. Ja, es gibt eine berechtigte Sorge, krank zu werden, leidvolle Erfahrungen zu machen und womöglich auch geliebte Menschen zu verlieren. Ehrlich gesagt, das war noch nie anders – nur so präsent wie jetzt war das Thema unserer Endlichkeit nicht immer. Am Ende, wie am Anfang des Lebens (sowie überall dazwischen) ist es hilfreich, sich tragen zu lassen von einer Haltung mit dem Namen „HOFFNUNG“.

HOFFNUNG IM LEBEN

Wenn wir es nicht mehr in der Hand haben, was passiert, wenn wir nicht beeinflussen können, welche Dinge geschehen, wenn wir nicht mehr kontrollieren können, was wir gern bestimmen möchten, dann bleibt uns jedenfalls zumindest die Hoffnung. 

  • Hoffentlich geht alles gut bei der Geburt.
  • Hoffentlich fühlt sich das Kind in der Gruppe wohl.
  • Hoffentlich kommt die Schülerin im Schulsystem zurecht.
  • Hoffentlich passiert den Kindern nichts am Schulweg.
  • Hoffentlich werden sie nicht emotional verletzt.
  • Hoffentlich kann es glücklich leben.
  • Hoffentlich wird der Mensch bald von seinem Leid erlöst.

Damit die Hoffnung nicht schwach wird oder gar zerschlagen wird, braucht sie unser Zutun. Unsere bewusste Entscheidung, oft gegen jede Vernunft, unseren Verstand oder wissenschaftliche Daten trotzdem an das Gute zu glauben, hoffnungsvoll zu sein und positiv zu bleiben. Was die Hoffnung bekommen möge, darum gehts hier und jetzt.

UNSERE HOFFNUNG MÖGE PHANTASIE BEKOMMEN…

… damit wir neue Ideen entwicklen, wie wir unser Leben neu gestalten können. Wir brauchen Phantasie, Kühnheit und Wagemut um den umerlösten Krankheiten dieser Welt zu begegnen, um das falsch Gelaufene zu ändern und neue, andere, bodenständigere Wege gehen zu können. Wir brauchen Querdenker (ja, positiv gemeint! Seit wann ist das bitte ein Schimpfwort?!), Andersmacher und Aus-der-Reihe Tänzerinnen, wenn wir nach vorne schauen wollen ohne dabei zu verzweifeln. Wir brauchen kreative Geister und unmögliche Ideen und vor allem VIELE davon, wenn wir unserem so komplex gewordenen Leben irgendwie begegnen wollen. Menschen, die daran glauben, dass wir es schaffen können, eine gute, lebenswerte und menschenfreundliche Zukunft aufzubauen ohne dauernd über politische Interessen zu stolpern.

Obwohl so vieles hier noch oder noch immer im Argen liegt, möge unsere Hoffnung Phantasie bekommen. 

UNERSE HOFFNUNG MÖGE HÄNDE BEKOMMEN …

… die zupacken, wo unsere Hilfe gefordert ist. Hände, die streicheln, wenn ein Mensch neben dir verletzt wurde und Trost braucht. Kräftige Hände, die auch schwere Sachen aufheben, darunter schauen, die befreien von großen Lasten und Hände die halten. Aushalten. Hoffnung braucht Hände, die umarmen und Geborgenheit schenken können, wir brauchen liebevolle Berührungen und die nötige Feinmotorik und Feinfühligkeit, unsere Hände für etwas Gutes zu nützen. Um andere Menschen aufzurichten, ihre Tränen trocknen, die Nahrung zubereiten und die Hand zu reichen. Wenn schon nicht real, dann im übertragenen Sinn.

Hoffnung braucht Hände, die im richtigen Zeitpunkt festhalten und dann im richtigen Zeitpunkt loslassen. Offene Hände, die geben und auch nehmen können. Volle Hände – und zwar gefüllt mit Freude, Fürsorge und Dankbarkeit für unsere Mitmenschen und für uns selbst.

Obwohl soviel Hände immer noch zurückhalten, distanzieren und wegstoßen, möge unsere Hoffnung Hände bekommen.

UNSERE HOFFNUNG MÖGE FÜSSE BEKOMMEN …

… die uns durchs Leben tragen, kräftig genug um auch längere Durststrecken auszuhalten. Füße, die zwar die Steine am Weg spüren und wahrnehmen, die diese Hindernisse aber geschickt überwinden, die drüber steigen und ansonsten neue Wege finden. Füße, die mutig genug sind, auch unbetretene Pfade zu begehen und die sich umkehren trauen, wenn der Weg falsch war. Unsere Hoffnung möge geduldige Füße bekommen, die nicht beim ersten Kieselstein „AUA!“ schreien, sondern weitergehen, wahrnehmen und dranbleiben. Füße, die dort hin gehen, wo so unbeschreiblich großes menschliches Leid geduldet wird. Füße, die nicht monatelang auf der Stelle treten und sich im Kreis drehen, schwer werden und vielleicht einknicken, sondern Füße, die Leichtigkeit spüren, sich abheben trauen und dann sicher und geerdet ihren Weg entschlossen weitergehen können. 

Obwohl wir müde Beine haben und so viel Trägheit spüren, möge unsere Hoffnung Füße bekommen.

UNSERE HOFFNUNG MÖGE WORTE BEKOMMEN…

… die das Gute in uns heraufbeschwören. Worte, die uns zueinander bringen und uns als Gemeinschaft beschreiben. Die das Verbindende vor das Trennende stellen, die unsere Solidarität stärken und nicht unsere Ängste. Die Hoffnung braucht Worte, die nicht nur gedacht werden, sondern laut ausgesprochen, ja hinaus gesungen und gerufen werden. Getragen von Zuversicht, Fröhlichkeit und Mut. Indem wir einander sagen, dass wir es gemeinsam schaffen. Indem wir uns gegenseitig respektieren und ernst nehmen. Indem wir uns Mut zusprechen und Vertrauen auf das Bessere hin geben mit der Kraft der Menschlichkeit.

Obwohl soviel von Tod, Krankheit und Gefahr die Rede ist, möge unsere Hoffnung Worte bekommen.

UNSERE HOFFNUNG MÖGE KRAFT BEKOMMEN…

… indem wir ihr Raum geben und sie einziehen lassen in unsere Wohnungen, in unsere Familien und in unsere Seelen. Wenn wir nicht glauben, dass wir es schaffen, wird es uns auch nicht gelingen, und wir sind diejenigen, die der Hoffnung Leben einhauchen. Sie bekommt Kraft durch uns Menschen: durch unsere Worte, Hände und Füße, durch unsere Phantasie und unseren Glauben daran, dass wir guter Hoffnung sein dürfen. Wir sollten nicht müde werden, auch in den widrigsten Umständen an das Gute zu glauben und die Hoffnung nicht zu verlieren.

HOFFNUNG FÜR WEIHNACHTEN

Widrige Umstände. Müde Füße. Erschöpfte Hände. Keine Kraft mehr. Und ohne Plan, wie das gehen soll. Das ist übrigens das, was Weihnachten ist. 

Maria, die nach einer langen Reise nirgendwo mir ihrem Mann Unterschlupf fand. Deren Beine schwer waren und deren Sorge vermutlich noch schwerer.

Man kann nur erahnen, wie es ihr damals gegangen sein mag. Unter diesen Umständen, ohne Perspektive, weit weg von daheim, zurückgewiesen und ignoriert, menschenunwürdig behandelt und allein gelassen.

Dieses „Weihnachten“ ist nicht 2000 Jahre her, es ist mitten unter uns.

Ein Blick nach Kara Tepe auf Lesbos und ich sehe: die Problematik ist größer denn je.

Hoffnung allein reicht nicht aus.

Kerstin Bamminger

Unsere Hoffnung braucht Phantasie, Hände, Füße, Worte und vor allem Kraft, was bedeutet: wir werden uns anstrengen müssen. Wie bei einer Geburt. Hoffnung ist gut und wichtig und wir brauchen sie. Und dann brauchen wir noch uns. 

Lasst uns Mensch werden. 
Lasst uns Hoffnung säen.
Lasst uns hinschauen, zupacken und aufeinander zugehen.
In jeder unserer Familien. Und in gar nicht so fernen Flüchtlingslagern.
Gott hat den Anfang gemacht.
Seine Hoffnung in die Menschheit hat Hand und Fuß bekommen.
Lasst uns daran denken.
Nicht nur zu Weihnachten. Aber da ganz besonders.

P.S. die Inspiration zu diesem Text bekam ich durch eine Weihnachtskarte des Bildungszentrum St.Benedikt in Seitenstetten, für die ich im Februar 2021- HOFFENTLICH – ein Beziehungsseminar gestalten darf. 


Liebe Leserin! Lieber Leser!

Ich wünsche dir herzerwärmende Momente und viel HOFFNUNG für die Feiertage!
Schreib mir doch, wo und wie DU die Hoffnung dieser Tage spüren konntest, oder was DU dazu getan hast,
der Hoffnung Flügel zu verleihen?! Das Gute ist nah!
Lass es sichtbar werden in den Kommentaren 😉

Weihnachten … wird Meihnachten

Weihnachten … wird Meihnachten

Ein Perspektivenwechsel auf Weihnachten. Das war das vorgegebene Thema der Adventfeier der Abteilung BEZIEHUNGleben, die ich heuer gestaltet hab.
Wie kann man den eigenen Blick verändern?
Wie kann man „mal was Anderes“ in den Dingen sehen?
Ich hab mich auf die Suche gemacht und gleich mal zu Beginn die 11 Buchstaben vom Fest der Liebe auseinandergeschnipselt und dann mit eigenen Gedanken wieder zusammengefügt..
Buchstabenküche eben. Lass dich überraschen, was mir dazu eingefallen ist. Denn: das Fest der Liebe, Weihnachten und auch schon die Zeit davor waren – genau genommen – noch nie pure Idylle, Ruhe und Freundlichkeit. Es ist und war schon immer: VIEL MEHR.


WIE ZACH

Wie „zach“, wie mühsam kann Weihnachten sein. So viele Dinge zu Tun, Termine abzuklappern, Leute zu treffen, so viel Essen, so viel Trinken. Das beginnt schon in der Vorbereitung. Obwohl wir schon etwas erschöpft sind von einem arbeitsintensiven Herbst verlangt uns der Advent nochmal alles ab, fordert uns heraus, an allen Ecken lauert die Versuchung, doch noch etwas zu kaufen, doch noch etwas Nettes zu unternehmen, doch noch ein „sehen wir uns noch vor Weihnachten“ …. – als würde die Welt sich danach nicht weiterdrehen.

Wie zach war es auch damals, für Josef und die hochschwangere Maria. Eine weite und unbequeme Reise zu machen, kein Quartier zu finden, erschöpft und müde zu sein. Wie zach waren die vielen Zurückweisungen und wie groß war wohl ihre Not im Angesicht der bevorstehenden Geburt ihres Kindes, das „nicht mal“ ihr gemeinsames war. Es wird oft verniedlicht, mit idyllischen Bildern übermalt, dabei war es ganz schön hart, kalt und schonungslos, dieses Weihnachten.


NICHT EHE

Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe die Wohnung klinisch sauber ist.
Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe wir Geschenke in Hülle und Fülle besorgt haben.
Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe alle Zutaten für den Festschmaus gekauft sind.
Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe wir uns ein fröhliches Gesicht aufgesetzt haben.
Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe wir in den neuen Fast Fashion Teilen funkeln.
Weihnachten war damals … nicht einmal eine Wohnung zu haben, von Geschenken ganz zu schweigen – ein Stall musste gut genug sein, und ich glaube, auch Maria hätte sich – selbst vor über 2000 Jahren – einen anderen Ort lieber gewünscht. Da war kein Bett oder fließendes Wasser, da war kein Essen vorbereitet, es war vielleicht nicht mal Irgendwas da, für eine Familie – für eine Frau nach einer anstrengenden Geburt und ganz bestimmt, war den beiden nicht zum Lachen zumute. Das Wunder geschah trotzdem. 


WENN ICH

Wenn ich Zeit hätte, würde ich selber die Kekse backen. 
Wenn ich keine Geschenke kaufen müsste, wär’s einfacher. 
Wenn ich ruhigere Kinder hätte, würde ich mit ihnen auch mal in die Kirche gehen. 
Wenn ich einen anderen Partner*in hätte, wäre ich glücklicher. 
Wenn ich eine größere Wohnung hätte, würde Weihnachten schöner sein.

Wir sind manchmal der Meinung, verschiedenste Dinge im Außen müssten sich erst ändern, damit es besser wird, oder Weihnachten nicht mehr so stressig, wir endlich weniger unter Druck oder Zugzwang stehen.
Ja, manchmal macht es Sinn, etwas anzugehen, zu verändern und verbessern, weil es UNS entspricht. Doch manchmal ist ebenso empfehlenswert, das Leben so zu nehmen wie es ist. Die Kekse ruhigen Gewissens zu kaufen, oder sich ruhigen Gewissens die Zeit zum Selberbacken nehmen. Den Konsum auf ein passendes Maß zu reduzieren oder mit den quirligen Kindern den Gottesdienst aufmischen. Den Partner / die Partnerin mit seinen Eigenheiten akzeptieren und sich dafür entscheiden, glücklich zu sein, auch wenn wir nicht perfekt sind – so wie unser Gegenüber. Das schätzen, was man hat, anstatt immer nach dem zu lechzen, was fehlt.


WEIT & NAH

So weit weg uns das Ereignis in Betlehem auch zeitlich vorkommt – in vielerlei Hinsicht ist es uns nah, näher als wir denken. Weihnachten war damals schon eine angespannte Situation. Weihnachten war damals schon irgendwie verrückt. Weihnachten war damals schon mit vielen unerfüllten Erwartungen verbunden. Weihnachten war damals schon eine harte Tour.

Also gehört das vielleicht genau so dazu: das „Gestresst-sein“, das „Sich-unter-Druck-fühlen“, die Idee, es nicht rechtzeitig zu schaffen. Vielleicht kommt uns Gott auch oder genau in diesem Gefühl nah und will uns damit zeigen: so muss es Maria und Josef ergangen sein. Auch das ist Weihnachten.


WEICH

Was passiert, wenn so ein Wunder geschieht wie damals? Was braucht es, damit Weihnachten wahr wird? 
Wir dürfen WEICH werden. Das ist in unserer Gesellschaft nicht besonders gefragt, es zählt Leistung, Arbeit, Zeit und Geld. Es zählen Ergebnisse, Daten und Fakten – „so ist das eben in der Realität“ bekommt man dann gesagt.

Ich bleibe dabei: Weihnachten konnte es nur werden, weil Maria sich trotz der widrigen Umstände, der Zurückweisungen und menschlichen Härte … weich gemacht hat. Eine Geburt verlangt Hingebung, Vertrauen und die Zuversicht, dass es gut wird – obwohl man das Ergebnis nicht kennt. Hier hilft kein Verstand, keine Berechnung, keine Vernunft – eine Geburt ist die Aufgabe des Egos für neues Leben. Das kann auch schmerzhaft sein. Doch wir gewinnen unermesslich viel in diesem Prozess des „WEICH“-werdens…. wir kommen vom Denken ins Fühlen, vom Kontrollieren ins Geschehen lassen, vom Bestimmen zum Annehmen. Dieses Geschenk verbirgt sich in „Weihnachten“.


ECHT. Echt? In ECHT …

Alle Menschen sind glücklich und zufrieden, trinken Tee und essen Kekse, sitzen idyllisch um den Adventkranz und leben friedlich und erfüllt zusammen. Diese Bilder werden in unseren Köpfen kreiert, sollen uns anregen zum Konsum (wenn wir diesen Tee haben, sind wir entspannt!) und setzen uns ganz subtil unter Druck, denn es sieht auch noch so leicht aus.

Nicht mal in Werbespots ist es leicht, obwohl die Situation dort gestellt ist – man denke an die Maskenbildner, Stylisten und Belichtungsprofis, die zig Takes, die es braucht, bis alles im Kasten ist und dann …. erwarten wir, dass uns das „einfach so“ im Alltag gelingt?

In ECHT ist zufrieden sein ein ganzes Stück Arbeit, es erfordert Achtsamkeit, Selbstreflexion und die Bereitschaft, sich von gesellschaftlichen Trends zu distanzieren, höher, schneller, weiter und mehr zu wollen.

In ECHT ist eine familiäre Idylle ein ganzes Stück Arbeit, erfordert Zeitmanagement und Offenheit, das Bewusstsein, dass Bedürfnisse unterschiedlichst sind und die Erkenntnis, dass nicht immer alle erfüllt werden können. Aber den meisten soll es meistens gut gehen.

In ECHT dürfen wir selbst entscheiden, was wir brauchen und was nicht und können durch unser weniger-tun und weniger-leisten einen stillen Protest gegen die Leistungsgesellschaft zeigen. Wenig zu brauchen ist ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann und zu dem man sich – im Angesicht des Überflusses – auch ein bisschen überwinden darf.

In ECHT fiel es Maria und Josef sicher auch nicht sonderlich leicht, sich in einem dreckigen Stall zu schützen, sie fanden es bestimmt ungerecht, abgewiesen zu werden und vielleicht machten sie sich sogar Vorwürfe, nicht eher losgegangen zu sein um noch ein Quartier zu erwischen.


WACH

Weihnachten ist eine Herausforderung. Eine Herausforderung, WACH zu sein und WACH zu bleiben. Unsere Sinne zu schärfen und die kleinen Dinge des Lebens wach und achtsam wahrzunehmen, sie zu würdigen und dankbar zu sein. 
Weihnachten ist eine Chance, unsere Werte und Prioritäten zu überprüfen und zu hinterfragen und uns gegebenenfalls neu auszurichten, eine gesündere Richtung einzuschlagen, eine weiche, echte. Weihnachten soll uns wach machen, aufwecken, aus dem Alltagstrott reißen, uns ermuntern zum Suchen, zum Aufbrechen, zum Mensch werden und zu vertrauen, dass Gott über uns WACHT.

So wie über die Hirten damals, die wach waren oder geweckt wurden, die losgingen unter seinem Stern, die ihren Sinnen getraut haben und ihrem Gefühl gefolgt sind, ohne Erwartung aber mit viel Hoffnung im Herzen – hin zum Kind in der Krippe.


Wie wir es auch drehen und wenden.
Weihnachten ist Viel und für kann für jeden und jede etwas Anderes sein.
Die inneren Bilder, die wir zu diesem Fest haben und unsere Erwartungen bedürfen immer wieder mal einer Überprüfung.

  • Ist das mein Weihnachten, oder eine von außen hoch gehängte Latte?
  • Ist das mein Weihnachten, oder eine veraltete Vorstellung eines Festes, von der ich mich lösen möchte?
  • Ist das mein Weihnachten, oder versuche ich es eher anderen Menschen recht zu machen?

Wenn wir es schaffen, dieses Fest und diese Zeit als das zu sehen, was es ist: nämlich die Menschwerdung Gottes, ist schnell klar: da MUSS alles drin sein, was das Leben zu bieten hat, ALLE Facetten, nicht nur die schön glitzernden, sondern auch die dunklen, die unsere Schattenseiten zeigen, die uns unangenehm sind, an denen wir aber auch wachsen können, uns entwicklen und lernen, jeden Tag noch ein Stückchen menschlicher zu sein


… dann wird aus Weihnachten – 

MEINACHTEN!

Du hast noch andere Wörter in den 11 Buchstaben gefunden, die auch zu Weihnachten passen? 
Lass uns die Idee gemeinsam weiterspinnen …. gern in den Kommentaren!

Gedanken – zum Fest der Gegensätze

Gedanken – zum Fest der Gegensätze

Ich mache mir oft so viele Gedanken, dass ich wünschte, ich würd so etwas wie einen „AUS“ Schalter irgendwo an mir entdecken. Zu Weihnachten geht mein Kopf meist schon lang vor dem Fest über. 

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir denke: irgendwie passt da was nicht zusammen. Ich höre, lese und sehe es: die stillste Zeit im Jahr. Nur anfühlen … anfühlen tut es sich für mich nicht ganz so. Da gibt’s irgendwo einen Kurzschluss zwischen Herz und Hirn. Zwischen dem, was geredet wird und dem, was gelebt wird. Ich ertapp mich ja selbst auch dabei. 

Manchmal, denk ich mir, wär mir der Dezember anders lieber….

Lieber langsamer als noch schneller.
Lieber einfacher als noch glamouröser.
Lieber weniger als noch mehr.
Lieber leiser als noch lauter.
Lieber dunkler als überbeleuchtet.
Lieber kritischer als unreflektierter.
Lieber menschlicher als berechnender.
Lieber ehrlich als überspielt.

Ich suche noch nach meiner Leichtigkeit vom letzten Jahr. Heuer braucht es meine besondere Bemühung, damit sich Weihnachten als Gefühl stimmig ausbreiten kann. Es braucht ein genaues Hinschauen, auf das, was mich Mensch werden lässt. 

Ein langsamer Spaziergang statt meinem gewohnt flotten Gehtempo.
Eine einfache Geschenkverpackung aus Zeitungs- oder Packpapier statt Funkelweihnachtspapier.
Eine Sorte weniger Kekse backen und der Vorsatz, den Magen „nur“ zu 80% voll zu essen statt dem Überessen.
Eine paar stille Minuten am Tag mit Nichtstun füllen, mit Atmen, mit Yoga …und das Gedankenkarussell anhalten.
Eine Rorate besuchen, in einer dunklen Kirche, lediglich erhellt  von Kerzenlicht in Laternen statt überbeleuchteten Innenstädten.
Ein Geschenk, das gleichzeitig einen guten Zweck unterstützt statt dem nächsten unnötigen Ding.
Ein ehrliches Wort hören und aufnehmen, auch wenn es nachdenklich macht statt Friede-Freude-Eierkuchen.

Weihnachten ist eigentlich kein Fest im Außen.
Weihnachten kann es nur IN uns selbst werden.
In den langsamen, einfachen, leisen Dingen & Begegnungen.
Wir dürfen sie zulassen und dafür sorgen, dass sie einen Platz hat in unserem ach so eiligen Leben bekommen.
Dann beruhigen sich vielleicht auch die Gedanken, ziehen vorbei.
Wie gelingt es dir, DEIN Weihnachten zu spüren?
Falls du dazu Gedanken übrig hast, weil du dir auch zu viele gemacht hast … immer her damit! Das ist auch ein Weg, sie „los zu werden“ 😉

Ich wünsch dir von Herzen, dass du DEIN stimmiges Weihnachtsfest erlebst, mit den Menschen und Dingen, die für DICH wichtig sind.

Wo du ganz Mensch sein kannst.
Dein Kopf herrlich frei wird. 
Und dein Herz sich öffnet.

Weihnachten: Gesucht? Gefunden!

Weihnachten: Gesucht? Gefunden!

GEFUNDEN … 

… in der so berührenden & stärkenden Weihnachtskarte, die unverhofft in meinem Postkasten lag.
… in der unaufgeräumten Wohnung der Mama, der die Kinder wichtiger sind als das Putzen.
… in der Freude darüber, dass mein Liebster nach drei Wochen Reha wieder Tisch und Bett mir mir teilt.
… in den vielen Aufträgen, die ich in den letzten Tagen für 2018 bekommen hab.
… in der schweißtreibenden Yogastunde, die mich aus meiner Komfortzone lockt und doch näher zu mir selber bringt.
… in den leuchtenden Augen des Kindes, das mir erzählt wie kunterbunt das Christkind aussieht (und nicht, wie ich mir einfältigerweise dachte, ganz weiß und golden ist)!
… im Verhalten unserer 13-jährigen Tochter, die alle vorrätigen Lebensmittel auf ihre Herkunft untersucht, weil sie Produkte von ausbeuterischen und grausamen Konzernen nicht weiter haben will.
… in unseren drei Kindern, die das Wohnzimmer seit Tagen (praktisch) spielzeugfrei halten und somit Platz machen für das Christkind (… jaja, und den Baum und die Geschenke!)
… im Bemühen der lieben Lehrerin, geballte Wertschätzung für ihre Kollegin zu sammeln um sie dann zu verschenken.
… im herzhaften Lachen, das mich packt, weil ein 4-jähriger ein lustiges Video über das Handy der Mama an das halbe Adressbuch verschickt.
… in dem wunderbaren Geräusch von knirschendem Schnee unter meinen Schuhen, das ich zumindest schon einmal im Advent gehört hab.
… in meinem Mut, mir die Zeit für eine morgendliche Laufrunde zu stehlen.
… in der Initiative des Ehevorbereitungs-Kollegen, der mir ein Radio Interview ermöglicht hat.
… im Lächeln der über 80-jährigen Nachbarin, die sich einfach freut, wenn wir ihr beim Vorbeigehen zuwinken am Weg zur Schule.
… im humorvollen und feinsinnigen Weihnachtsmail einer befreundeten Familie, das mich jedes Jahr (wieder) zum Schmunzeln bringt.
… beim gemeinsamen Singen adventlicher Lieder: im Chor, in der Familie, im Altersheim, …
… in öliger „Freude“ (JOY), die mir geschenkt wurde …
… in philosophischen Gesprächen während der Autofahrt zur Yogastunde … 
… in der Bethlehemkerze (oh, Kindheitserinnerung!), die mir meine Mama geschenkt hat und den Gedanken, die mich begleiten, wenn ich sie entzünde.
… in den Liedern, die ich höre und die mir eine Gänsehaut bescheren.
… in meiner Vorfreude auf den Mädelsabend.
… im DA-sein und SO-sein der tollen Frauen, die mein Leben bereichern, manche näher, manche ferner, durch persönlichen Kontakt oder eine einfache Text (oder Sprach-) Nachricht.
… in meiner Dankbarkeit, dass DU Teil meiner Welt bist, egal in welchem Zusammenhang.
… diese Liste ist unendlich.

Weihnachten ist DA. 

Wo Menschlichkeit ist, Dankbarkeit, Achtsamkeit, Freude, Staunen … Liebe.
DU brauchst es nur zu entdecken.
Mein Weihnachten hab ich schon gefunden.
Und, wo hat sich DEINS versteckt?
Menschliche, weihnachtliche & lebendige Grüße, deine Kerstin